4.3 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Im „Melder“ finden Sie Inhalte Dritter, die uns tagtäglich auf den verschiedensten Wegen erreichen und die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Es handelt sich also um aktuelle, redaktionell nicht bearbeitete und auf ihren Wahrheitsgehalt hin nicht überprüfte Mitteilungen Dritter. Für die Inhalte sind allein die Übersender der Mitteilungen verantwortlich, die Redaktion macht sich die Aussagen nicht zu eigen. Bei Fragen dazu wenden Sie sich gern an redaktion@l-iz.de.

Spezialsprechstunde und Alzheimer-Studie an der Klinik für Neurologie

Mehr zum Thema

Mehr

    "Die optimale Versorgung Demenzkranker ist in einer älter werdenden Gesellschaft eine große Herausforderung", sagt Prof. Dr. Dorothee Saur, Leitende Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). "Einfach gesagt: Es gibt immer mehr Patienten. Deshalb haben wir vor anderthalb Jahren mit einer Spezialsprechstunde begonnen; die Nachfrage gibt uns recht."

    „Wir behandeln auf Zuweisung von Hausärzten oder Neurologen, wo aus fachlicher Sicht bereits ein Demenzverdacht besteht“, so Prof. Saur. „Denn die, die von sich aus zu einer solchen Sprechstunde kommen würden, haben häufig keine Demenz, sondern spüren eben, dass das Alter auch mit nachlassenden geistigen Fähigkeiten verbunden ist.“

    Wächst bei einem zuweisenden Arzt der Verdacht, dass bei seinem Patienten eine Demenz vorliegen könnte, ist der betroffene Patient in der Sprechstunde für Demenzerkrankungen gut aufgehoben. Hier wird gemeinsam mit Patienten und Angehörigen entschieden, ob eine ausführlichere stationäre Diagnostik in der Klinik für Neurologie notwendig ist.

    Bei den Tests der Hirnleistung geht es vor allem um das Gedächtnis, denn bei diesem deuten bestimmte Einschränkungen auf eine Alzheimererkrankung. Aber auch Aufmerksamkeit, Sprachvermögen, Konzentration und räumliche Orientierung werden geprüft, die bei der Alzheimererkrankung ebenfalls betroffen sein können, bei selteneren Demenzerkrankungen sogar zuallererst.

    „Die Diagnostik ermöglicht es dann festzustellen, beispielsweise durch Untersuchung des Nervenwassers oder auch mit nuklearmedizinischen Untersuchungen, ob bestimmte krankhafte Ablagerungen im Gehirn vorhanden sind“, erklärt die Neurologin. „Damit kann man schon relativ frühzeitig eine Alzheimerdemenz diagnostizieren.“

    Die Krankheit stoppen ist noch nicht möglich

    Während es technisch ausgefeilte und erkenntnisreiche Diagnosemöglichkeiten gibt, sind die Therapiemöglichkeiten beschränkt. „Es gibt derzeit leider keine zugelassene verlaufsmodifizierende Behandlung“, so Prof. Saur. „Wir können zwar mit Medikamenten etwas helfen, die kognitiven Leistungen zu verbessern. Aber den Krankheitsverlauf stoppen oder gar zurückdrehen, das ist derzeit noch nicht möglich.“

    Patienten und Angehörige sind dennoch dankbar, dass die Neurologen des UKL etwas anbieten können, auch wenn damit nur ein geringer Effekt erreicht wird. „Wichtig ist aus meiner Sicht, dass der Patient möglichst lange in einem stimulierenden Umfeld bleibt. Also in seiner Familie, in seiner vertrauten Wohnung. Dabei sind körperliche und geistige Aktivität von Bedeutung, ebenso wie die Teilnahme am tagesaktuellen Geschehen und die Pflege von Hobbys und sozialen Kontakten.“

    So schwer eine Demenzerkrankung für den Betroffenen ist: Die Angehörigen haben meist die größte Bürde zu tragen, ist sich die Leipziger Neurologin sicher. „Die Familienangehörigen begegnen sich durch die Krankheit nicht mehr auf Augenhöhe. Die Gesunden müssen für den Kranken immer mehr mitdenken und mithandeln. Das ist eine enorme Belastung. Und immer wieder stehen die Angehörigen vor der Frage: Wie lange halte ich das noch aus? Das verstehen wir Ärzte. Auch wenn es unser oberstes Ziel ist, dass der Patient so lange wie möglich zu Hause mit den gewohnten Abläufen lebt: Man muss immer individuelle Entscheidungen fällen.“

    UKL nimmt an europaweiter Studie zur Erprobung einer Behandlung teil 

    Demenzkranke gehören zu unserer Gesellschaft, genauso wie schreiende Babys und trotzige Jugendliche, betont Prof. Saur. „Leider können viele Menschen nicht gut damit  umgehen. Wenn in einem Zugabteil ein Baby schreit, nervt das zwar, aber die meisten halten das aus, wenn sie sehen, wie sich die Mutter bemüht. Wenn aber ein rüstiger älterer Herr zum wiederholten Mal fragt, wohin der Zug fährt, fangen die meisten an, mit den Augen zu rollen oder zu murren.“

    Für die wachsende Zahl von Patienten mit Demenzerkrankungen müssen aus der Sicht der Ärztin Strukturen aufgebaut werden – und die Spezialsprechstunde in der Klinik und Poliklinik für Neurologie am UKL ist hierfür ein kleiner Baustein. „Natürlich ist es für unsere Patienten von Vorteil, dass sie hier teilhaben können an den neuesten Therapieentwicklungen“, sagt Prof. Saur.

    „Dazu zählt eine Studie, bei der europaweit eine verlaufsmodifizierende Behandlung der Alzheimererkrankung erprobt wird. Wir sind eines der Studienzentren, in dem mit ärztlicher Begleitung ein Medikament erprobt wird, das die Nervenzellen vor den krankhaften Ablagerungen schützen und die Kommunikation zwischen den Nervenzellen anregen soll. Teilnehmen an dieser Studie können Patienten im frühen Verlauf der Alzheimererkrankung.“

    Topthemen

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ