Fußball-Fanprojekt Leipzig: Neustart mit Outlaw – Skepsis in Probstheida

Aufbruchstimmung beim neuen Leipziger Fußball-Fanprojekt. Schutthaufen, Arbeitsgerät und Baumaterial bildeten die Kulisse zum offiziellen Startschuss, den das Projekt Mitte der Woche mit einem Pressetermin an seinem zukünftigen Standort Brandvorwerkstraße 37 gab.
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Die Unterschrift unter dem Mietvertrag für die Räumlichkeiten im Leipziger Süden – die vorher den Architekturladen „Blaupause“ beherbergten – war noch nicht einmal richtig trocken, da drängten sich bereits über 30 Menschen auf der Baustelle. Aus erster Hand wollten sie erfahren, wie es denn nun weitergehen wird mit der Fanarbeit in der Stadt der vielen Fußballreligionen. Neben Siegfried Haller (Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung), Rüdiger Ulrich (Leiter des Jugendhilfeausschusses), Sven Forkert (Landespräventionsrat im Freistaat Sachsen) oder Michael Gabriel (Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend), ließen sich auch Jamal Engel (Vorstand SG Leipzig Leutzsch) und Carsten Muschalle (Pressesprecher des 1.FC Lok) diesen Termin nicht entgehen.

„Es tut sich was, es verändert sich was, es entsteht etwas Neues“, übertrug Amtsleiter Haller die Symbolkraft des Baustellen-Ambientes auf den Neustart des Fanprojektes. Diesem waren monatelange Diskussionen und politische Machtspiele um Für und Wider eines Trägerwechseln hin zur Outlaw gGmbH vorausgegangen. Nun kann der Träger, der bundesweit 850 Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe beschäftigt endlich loslegen. Das Fanprojekt-Team besteht aktuell aus vier Mitarbeitern. „Wir sind alle Fußballfans“, stellte Leiterin Sarah Köhler den wichtigsten gemeinsamen Nenner des neuen Kollegiums heraus. Die 31-jährige gelernte Pädagogin leitete bereits anderthalb Jahre lang das Fanprojekt in Lübeck und hatte davor im Bremer Projekt praktische Erfahrungen sammeln können. Köhler wird in Leipzig für das Fanumfeld von Rasenballsport zuständig sein.

Um die Belange der BSG Chemie-Fans kümmert sich künftig der Sozialpädagoge Benjamin Görges, während Mario Opitz Ansprechpartner in Sachen SG Leipzig Leutzsch sein wird. Die Vierte im Bunde heißt Ulrike Fabich und ist diplomierte Politologin. Sie widmet sich den Anhängern des Roten Sterns und der Bildungsarbeit. Die fünfte Stelle, zuständig für die Fans des 1.FC Lok, konnte bisher noch nicht besetzt werden. Bis Mitte Februar soll aber auch das erledigt sein.
Das neue Leipziger Fanprojekt wird eine präventiv ausgerichtete sozialpädagogische Arbeit leisten, erklärte Steffen Kröner – Bereichsleiter der Outlaw gGmbH. Es geht darum, das Selbstwertgefühl der Fans und Gruppierungen zu stärken und selbstbestimmte Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln. Es werde auf die individuelle Lebenssituation und Problemlagen der Jugendlichen eingegangen, alternative Freizeitmöglichkeiten aufgezeigt und außerschulische Bildungsangebote geschaffen. Ziel sei es, so Kröner weiter, die Gewaltbereitschaft der Fans zu reduzieren und durch die Einbeziehung der Öffentlichkeit ein positives Klima für die Fanarbeit zu schaffen. „Die ersten Wochen waren sehr vielversprechend, ein guter erster Schritt ist gegangen“, zeigte sich Kröner mit dem Neustart zufrieden.

Derweil bastelt die Projekt-Crew bereits an den ersten handfesten Projekten. So rollt am 11. Februar, im Anschluss an das Testspiel der BSG Chemie gegen den BSC Freiberg, das erste Mal bei einem Fanturnier der Ball. Darüber hinaus können sich Jugendliche jeden zweiten Donnerstag – nämlich immer in den ungeraden Kalenderwochen – von 17:00 bis 19:00 Uhr in den Projekträumen von Anwälten kostenlos in Rechtsfragen beraten lassen. Dabei kann es beispielsweise um Dinge wie Stadionverbote, Ordnungswidrigkeiten, Geldstrafen, Ämterstress oder sonstiges Unbill gehen, dass im Zusammenhang mit dem Leben als Fußballfans möglicherweise auftritt.
Die Anlaufstelle des Fanprojekts wird in voraussichtlich vier Wochen bezugsfertig sein. Hier haben dann alle Mitarbeiter ihr Büro. Ein Veranstaltungsraum steht zudem für Projekte, Seminare und Netzwerktreffen zur Verfügung. Nach und nach soll zudem eine Fußballbibliothek aufgebaut werden. Die Räume in der Brandvorwerkstraße müssen aber nicht die einzige Adresse für die Fans bleiben. Nach und nach sollen im Umfeld der einzelnen Fan-Szenen auch individuelle Anlaufstellen etabliert werden.

In der Koordinierungsstelle der Fanprojekte (KOS), die ihren Sitz in Frankfurt am Main hat, sieht man die Wiederbelebung der Fanarbeit in Leipzig mit Freude. „Damit wird eine Lücke geschlossen“, sagte KOS-Leiter Michael Gabriel. „Fans sollen Eigenverantwortung übernehmen“, so Gabriel weiter, denn die Erfahrung habe gezeigt: „Wenn man Fußballfans Raum gibt, nehmen sie ihre Verantwortung meist auch wahr“.
Steffen Kubald, Sicherheitschef des 1.FC Lok, scheint hingegen noch nicht vollständig davon überzeugt zu sein, dass das Fanprojekt unter der Outlaw-Trägerschaft das Richtige für die Probstheidaer Anhänger sein könnte. Am 24. Oktober 2011 hatte er mit sechs weiteren Mitstreitern unter der Nummer „VR 5112“ vorsorglich einen eigenen Verein ins Leipziger Vereinsregister eintragen lassen – der Name: Fußball-Fanprojekt Leipzig e.V..

„Wir hätten nach dem langen Hickhack die Fanarbeit aufgefangen, wenn es Outlaw nicht gemacht hätte“, teilte Kubald auf Anfrage von L-IZ.de mit. „Dann hätten wir versucht, die Fanarbeit in den Verein zu integrieren und auf dem Gelände etwas zu machen“. Dafür soll bereits ein Konzept existieren. „Derzeit ruht der Verein, aber wir müssen sehen, wie die Zusammenarbeit mit Outlaw funtioniert. Ich habe dazu meine eigene Meinung“, ließ er Skepsis durchblicken. „Wenn es nicht klappt, stehen wir bereit. Es soll nicht alles den Bach runter gehen, was wir in der guten Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt in den letzten vier Jahren erreicht haben“. Vom Outlaw-Projekt, so Steffen Kubald, habe sich bisher noch niemand beim 1.FC Lok vorgestellt.

Mehr Informationen:
www.fanprojekt-leipzig.de


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© gemeinfrei

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