Nach Umsatz, Beschäftigung und Steuern bewegt sich die mitteldeutsche IT-Wirtschaft auf Augenhöhe mit den klassischen Industrien, sagt Andre Soudah im L-IZ-Interview. Auch überregional bestehen die hiesigen Unternehmen, so der Geschäftsführer von Cluster IT Mitteldeutschland. Im Mai unterstützt das Cluster den Coding Contest für Nachwuchsprogrammierer.

Herr Soudah, der Verein “Cluster IT Mitteldeutschland” versteht sich als Forum der mitteldeutschen IT-Wirtschaft. IT und Mitteldeutschland, also mehr Modernität geht ja kaum. Welchen Stellenwert hat denn die IT-Branche in der Region aus Ihrer Sicht?

Die IT-Branche in Mitteldeutschland konnte in den letzten Jahren kontinuierlich hohe Wachstumsraten verzeichnen und hat sich auch dadurch zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor für die Region entwickelt.

In puncto Umsatz, Beschäftigtenzahlen und Steueraufkommen bewegen wir als IT-Wirtschaft uns auf Augenhöhe mit den klassischen Industrien in der Region, die im Regelfall immer noch zuerst genannt werden. Leider hat sich diese durchweg positive Entwicklung noch nicht überall herumgesprochen.

Woran liegt es, dass die IT-Branche von öffentlicher Seite in der Region noch nicht die Bedeutung beigemessen wird, die sie eigentlich bekommen müsste?

Hier können sicherlich mehrere Gründe angeführt werden.

Die Lösungen der Branche richten sich normalerweise an Geschäftskunden und nicht an Endverbraucher. Die breite Aufmerksamkeit, die bekannte Unternehmen mit ihren entsprechenden Produkten für Endverbraucher wie Apple, Microsoft, Oracle, Adobe oder auch Kaspersky und McAffee erreichen, erzielen wir dadurch natürlich auch nicht.

Zudem sind die Vernetzungs- und Organisationsbemühungen der IT-Branche in der Region im Verhältnis zu anderen Industrien noch sehr jung. Ein historisch gewachsener Kern mit dem regionalen Bezug muss sich erst noch herausbilden. Diesbezüglich sind Industriebereiche wie Chemie/Kunststoffe oder Automotive vermutlich kognitiv einfach stärker verankert.

Das führt mich zum dritten Punkt. Unsere Lösungen sind im Regelfall auch nicht gegenständlich wahrnehmbar und unmittelbar sichtbar, wenngleich in den zuvor genannten Bereichen ohne IT-Lösungen Stillstand herrschen würde. Die Elektronik eines Autos ist heutzutage nicht nur anspruchsvoll, sondern wird auch über eine komplexe Software gesteuert – ebenso Produktionsabläufe im produzierenden Gewerbe. Letztlich sind dies alles Gründe dafür, dass wir in der öffentlichen Kommunikation noch zulegen können.Gerade aus Leipziger Perspektive wird gern die Frage nach der Platzierung der Region im Ranking der Wirtschaftszentren gestellt. In welcher Liga spielt denn die mitteldeutsche IT-Branche im überregionalen Vergleich?

Die IT-Unternehmen im mitteldeutschen Raum genießen überregional ein hohes Ansehen und stellen sich Tag für Tag sehr erfolgreich dem Wettbewerb. Die Wachstumszahlen bestätigen dies eindrucksvoll. Es gibt in Mitteldeutschland mehrere Unternehmen, die Marktführer mit ihren Lösungen beziehungsweise in ihrem Segment sind. Auch international sind einige Unternehmen so gut aufgestellt, dass sie 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erzielen.

Die IT-Branche ist mitteldeutsch vernetzt. Ticken denn die ministeriellen Wirtschaftsförderer in den drei Landeshauptstädten auch schon so?

Wenn Sie auf eine mitteldeutsche Wirtschaftsförderung abstellen, finde ich den Gedanken zumindest überlegenswert, da er für alle Beteiligten Vorteile bringt.

Viele Unternehmen haben inzwischen Niederlassungen in allen drei Bundesländern. Die mitteldeutsche Wirtschaft ist länderübergreifend vernetzt und bildet so eine kritische Masse. Clusterbildungsprozesse haben sich ebenfalls länderübergreifend etabliert. Für die Investorenansprache und die Standortvermarktung wäre es sicherlich auch hilfreich.

Zudem haben wir nach meiner Wahrnehmung sehr erfolgreiche Beispiele, an denen sich orientiert werden kann. Der Mitteldeutsche Rundfunk und die Mitteldeutsche Medienförderung. Warum sollte eine Mitteldeutsche Wirtschaftsförderung daher nicht funktionieren?

Cluster IT Mitteldeutschland hat die Schirmherrschaft über den Coding Contest und die SummerBYTE übernommen. Worum geht es dabei?Der Coding Contest zwischen dem 6. und 12. Mai 2013 spricht in erster Linie interessierte Nachwuchsprogrammierer an. Anhand einer Aufgabe müssen die Teams in einer der drei Disziplinen Java, JavaScript und PHP eine vorgegebene Aufgabe innerhalb einer Woche lösen. Mit diesem Wettbewerb wollen wir dazu beitragen, dass der Nachwuchs frühzeitig Kontakt zu Unternehmen aufnimmt.

Bei der Sommeruniversität “SummerBYTE” hingegen unterstützen wir den Ansatz, Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet spielerisch für die Themenstellungen der Informatik zu gewinnen. Innerhalb einer Woche lernen die Schüler unter anderem, wie ein Spiel programmiert wird.

In der Freizeit wird gemeinsam gegrillt, oder es werden Ausflüge unternommen. Am Ende der Woche werden natürlich auch Preise ausgelobt. Von Jahr zu Jahr gibt es mehr Anmeldungen als Plätze.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.it-mitteldeutschland.de

www.coding-contest.de

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