Das Buch zur neuesten „Autoritarismus-Studie“ aus Leipzig

Für alle LeserPolitik ist Psychologie. Das weiß niemand besser als die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Uni Leipzig. Seit 2002 untersucht die Leipziger Arbeitsgruppe um Elmar Brähler und Oliver Decker die rechtsextremen Einstellungen in Deutschland. Mehrfach sorgten ihre „Mitte“-Studien für einen Aufschrei in den Medien. Jetzt heißen sie nicht mehr „Mitte-Studien“. Aus einem guten Grund.
Anzeige

Nicht weil die berühmte Mitte so empört war, als ihr die Studie von 2016 regelrecht Enthemmung vorwarf. Das wäre Forschern wie Oliver Decker und Elmar Brähler herzlich egal gewesen. Sie wussten, dass sie heikle Punkte sichtbar machten. Und dass ihre Ergebnisse auf fester Basis stehen. Und dass sie auf fast 100 Jahren Extremismus-Forschung aufbauen konnten. Denn was Deutschland heute erlebt, ist so neu nicht.

Ganz Ähnliches konnten Psychologen und Soziologen in der Weimarer Republik beobachten. Und auch damals fiel ihnen diese seltsame Mitte auf, die man auch damals so gern als eigentlichen Hort der Demokratie begriff. Beamte, Angestellte, kleine Bürger, die nicht viel Krach machten, auch nicht auf den Straßen herumrandalierten. Leute, denen man zutraute, dass sie für stabile Verhältnisse waren und den Ausgleich wählen würden.

Und dann fanden sich genau diese Leute als Kernwählerschaft der NSDAP.

Na holla. Das überraschte. Sogar die Forscher der berühmten „Frankfurter Schule“ um Horckheimer und Adorno, die noch vor 1933 darangingen herauszufinden, warum das so war – warum ausgerechnet die brave bürgerliche Mitte auf einmal zur radikalen Wahlentscheidung neigte.

Einige der bis heute gültigen Forschungsergebnisse haben die Leipziger Forscher ab 2002 dann konsequent angewendet und in den Büchern zu ihren aktuellen Studien auch veröffentlicht und erläutert.

Deswegen dürfte Lesern der neuen Studie, die am 7. November in Berlin vorgestellt wurde, nicht neu sein, wenn Oliver Decker im Einleitungstext noch einmal ausführlich herleitet, wie Macht in unserer Gesellschaft funktioniert. Was er zwingend tun muss, denn wer die übliche Politikberichterstattung liest, der weiß, dass die Wahlentscheidungen der Bürger dort wie ein Mysterium behandelt werden. Als würden sie wie ein kopfloses Show-Publikum nur das honorieren, was vorn auf der Bühne als Aufreger geboten wird.

Aber Politik ist kein Bestellservice. Politik interagiert mit den Wählern. Sie erschafft sie aber nicht. Und schon die „Mitte-Studien“ bis 2016 zeigten, dass man mit dem üblichen Schema (Rechts-Mitte-Links) nicht weiterkommt und in Wirklichkeit gar nichts erklärt. Schon gar nicht die Tatsache, dass rechtsextreme und autoritäre Einstellungen über das komplette politische Spektrum verteilt sind. Wirklich über das komplette. Sogar bei Linken, Grünen und SPD findet man Menschen mit solchen Einstellungen. Das ist erklärungsbedürftig.

Und es erklärt sich erst, wenn man eine Vorstellung davon hat, wie Macht in einer demokratischen Gesellschaft wie der unseren wirkt. Ist es eine Schmach, wie Decker schreibt, wenn man feststellt, „dass die demokratisch verfasste Gesellschaft nicht von den Rändern bedroht wird, sondern mitten aus ihrem scheinbar stabilen Zentrum“?

Nicht wirklich. Es ist der erste Schritt zu begreifen, warum auf einmal Autokraten und Populisten so viel Zustimmung finden. Denn sie sprechen etwas an, was den Kern unserer Gesellschaft ausmacht. Oliver Decker: „Die Menschen sind nicht unwissend über die Ziele der AfD, sie wählen sie nicht trotz ihrer ordoliberalen Marktradikalität, die den Interessen der meisten Menschen widerspricht, sondern wegen. Ihnen geht es um etwas anderes.“

Und mit diesem anderen haben sich schon in den 1930er Jahre Bloch, Fromm und Horckheimer beschäftigt. Denn ihnen war (ihren Marx im Hinterkopf) so klar wie heute keinem der üblichen Politikerklärer, dass politische Verhältnisse auf Wirtschaftsverhältnissen fußen. Nicht die Politik formt sich ihre Wunsch-Wirtschaft (was die Planwirtschaftler nicht begriffen haben), sondern Wirtschaft formt sich ihre politische Landschaft, quasi ihr Biotop, in dem sie möglichst gute Bedingungen zum Wachsen bekommt. Das Wachstum ist die Heilige Kuh des Kapitalismus. Heute immer noch, obwohl fast alle Leute wissen, dass es unseren Planeten zerstört, wenn das so weitergeht.

Aber das Kapital wirkt rücksichtslos. Und ungreifbar. Das spürten die Menschen auch schon 1929, als die Weltwirtschaftskrise durch Europa fegte. Eine Krise, mit der die Bürger der Weimarer Republik noch schwerer umgehen konnten als die Bürger des 1918 hingegangenen Kaiserreichs. Denn natürlich war die Revolution von 1918 eine Zäsur: Sie fegte eine Autorität hinweg, die über Jahrzehnte hin sehr gut funktioniert hatte. Die Gesellschaft war klar gegliedert und die braven Bürger hatten die Autorität verinnerlicht. So ähnlich wie in Heinrich Manns „Der Untertan“.

Nur dass Mann mit seinem Diederich Heßling eben nicht nur den typischen autoritären Typus des Kaiserreichs beschrieb. Denn dieser Typus überlebte das Kaiserreich. Und dieser Typus war – ganz anders als die Radikalen – ab 1918 in einer permanenten Krise. Denn die Wirtschaftsverhältnisse hatten sich ja nicht verändert. Im Gegenteil: Die Republik taumelte von einer Krise in die nächste, die Macht war fragil, Regierungen wechselten oft im Monatsrhythmus.

Das heißt: Die einst als stabil empfundenen Autoritäten funktionierten nicht mehr. Sie gaben nicht mehr das gute alte Gefühl von Verlässlichkeit, Ordnung und Sicherheit. Wo aber die alten Autoritäten nicht mehr funktionieren, suchen sich die Menschen in einer Gesellschaft, die trotzdem voller Zwänge ist, neue Autoritäten.

Was man nur versteht, wenn man sich – wie die Leipziger Sozialpsychologen – auch mit der Frage beschäftigt, unter welchen Zwängen Menschen eigentlich in einer Gesellschaft wie der unsrigen stehen, wie sie sich – freiwillig – optimieren, flexibilisieren, anpassen, um den Erwartungen der neuen Autorität zu genügen und dafür belohnt zu werden. Natürlich mit Wohlstand. Und Sicherheit.

Und die neue Autorität ist die Wirtschaft. Das weiß eigentlich jeder, der einen Job gesucht und sich für einen Spitzenjob wirklich verbogen, gequält und eine raue Schale zugelegt hat. Die vielen psychischen Krankheiten von heute erzählen ja von den Folgen dieser Anpassung. Millionen Menschen fügen sich in schikanöse Arbeitsverhältnisse, um nicht die Gnade der einzigen innerlich akzeptierten Autorität zu verlieren.

Was nämlich ein völlig anders Licht auf „Hartz IV“ wirft. Denn mit diesem Reformpaket hat die Politik selbst den stillschweigenden Deal zerstört. Sie hat den Menschen, die auf einmal zu Bittstellern wurden, regelrecht unterstellt, sie würden sich nicht (mehr) genug anstrengen, um die Gnade der Autorität zu bekommen. Wie ungezogene Kinder wurden sie in die Ecke gestellt und dafür bestraft, dass sie auf einmal nicht mehr gebraucht wurden.

Jeder Psychologe weiß, dass Kinder, mit denen so umgegangen wird, psychisch kaputtgehen.

Erstaunlich, dass die SPD volle 15 Jahre gebraucht hat, um das zu begreifen. Vielleicht aber auch nur Zeichen dafür, wie kaputt diese Partei selbst ist. Denn wenn man die Gedanken von Oliver Decker weiterdenkt, dann haben auch Politiker und Parteien mit dem Problem des Autoritarismus zu kämpfen. Erst recht, wenn die politische Elite (von rechts bis links, AfD eingeschlossen) vor allem aus autoritären Persönlichkeiten besteht. Das geht deutlich über die Befunde zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit hinaus, die meist erhoben werden, um das Rechtsextreme in Menschengruppen einzugrenzen.

Oder besser: Sie ist dessen Ergebnis. Denn die autoritäre Persönlichkeit ist sich sehr wohl bewusst, dass sie einer Macht ausgesetzt ist, gegen die sie sich nicht wehren kann, der sie sich nur unterordnen kann. Und diese Unterordnung sucht einen Ausgleich. Denn sie bedeutet ja Zwang und Verzicht.

Egal, ob einer als kleiner Beamter in einer Behörde arbeitet und Anweisungen erfüllen muss, ob er als Buchhalter jeden Tag Zahlenkolonnen addiert und keine Fehler machen darf, oder als Verladearbeiter Nachtschichten auf dem Flughafen schieben muss. Der größte Teil der Jobs, egal wie gut sie bezahlt werden, sind Jobs, die einen nicht erfüllen, die zum Funktionieren zwingen und den Betroffenen einen riesigen Teil ihrer Lebenszeit stehlen.

Weiß eigentlich jeder: Man ist nicht wirklich frei. Aber jeder geht von einem stillen Tausch aus dabei. Wenn man sich schon so einfügt und unterordnet, dann erwartet man eine Gegenleistung. Nämlich die, dass die Autorität Wohlstand, Sicherheit und Ordnung schafft. Gerade der autoritäre Typus erwartet eine starke, beschützende Autorität. Wenn alles reibungslos läuft, ist der Autoritätshörige zufrieden. Dann funktioniert er, wählt meist Volkspartei und genießt die Früchte seiner Arbeit.

Die Leipziger Forscher sprechen freilich lieber vom autoritären Syndrom, denn es besteht aus mehreren Merkmalen, die bei manchen Menschen komplett in Erscheinung treten, bei anderen nur in Teilen oder sehr abgeschwächt. Und wenn man die Umfrageergebnisse so betrachtet, wird einem eigentlich auch bewusst, dass irgendwie jeder ein bisschen davon in sich trägt.

Vielleicht nur bedingt die Autoritäre Aggression, die sich gegen Fremde und Schwächere richtet, aber bestimmt ein bisschen Unterwürfigkeit, ein Stück Konventionalismus, da und dort ein bisschen Verschwörungsmentalität und auch etwas Verschlossenheit. Man merkt schnell, dass das die AfD-Agenda sehr gut abbildet. Die AfD spricht Menschen an, die Angst vor Veränderungen haben, das Überkommene bewahren wollen und jeden Fremden als Bedrohung empfinden. Selbst wenn der Fremde gar nicht nebenan wohnt.

Hinter der autoritären Aggression steckt jede Menge Verunsicherung. Die Unterwerfung gegen existierende Autoritäten ist aufs Engste verbunden mit dem Misstrauen gegenüber allen Menschen, die sich nicht so verhalten. Oder denen man zutraut, die Konventionen nicht zu respektieren oder gleich ganz anders zu sein und Freiheiten auszuleben, die sich so ein braver verschlossener Bürger niemals (mehr) herausnehmen würde. Und da passen die Aggressionen gegen Juden, Muslime, Homosexuelle, Linke, Sinti und Roma und Flüchtlinge insgesamt genau hinein.

Und keine Überraschung nach all den „Mitte-Studien“ vorher ist nun die Feststellung, dass alle diese psychologischen Grundmuster nicht neu sind. Sie waren immer da. Ältere Studien deuten darauf hin, dass sie seit 1945 latent immer vorhanden waren. Und zwar genau in der hohen Ausprägung, die nun 2018 wieder für Überraschung gesorgt hat, als wäre das jetzt unverhofft neu entstanden. Ist es aber nicht. Es ist nur mit Phänomenen wie PEGIDA und AfD ans Licht der Öffentlichkeit gekommen. Ohne diese Menschen, die widerspruchslos Unterordnung ausüben und selbige auch wieder einfordern, würde unsere Gesellschaft gar nicht funktionieren. Das ist seltsam, aber wahr.

Fatal ist nur, wenn diese Menschen nun gegen die anderen Teile der Gesellschaft ausgespielt werden.

Denn unsere Gesellschaft besteht ja nicht nur aus Autoritären, auch wenn die Forscher deren Anteil nach ihrer jüngsten Befragung auf 42,1 Prozent beziffern. Darunter die Unterwürfigen, die neu-rechte Funktionselite (aus der sich die AfD besonders speist), die paranoiden Konformisten und die verschlossenen Konventionellen. Man merkt schon an den Bezeichnungen, dass nicht alle diese Leute zwangsläufig Wähler der AfD oder einer rechtsextremen Partei sein müssen.

Viele finden sich auch in den Angeboten von CDU, SPD, FDP oder Grünen wieder. Jeder Mensch ist eine andere Mischung. Und jemand kann ein paranoider Konformist sein und trotzdem die Ideen der Linken toll finden.

Heißt im Klartext: Unsere Gesellschaft muss nicht zwangsläufig nach rechts driften, auch wenn es jetzt eine laute und von Verschwörungsphantasien getriebene neu-rechte Partei gibt.

Viel entscheidender sind jene Emsigen und fast immer Stillen, die tatsächlich die psychologische Mitte unserer Gesellschaft ausmachen: die Angepassten, die jungen Entgrenzten und die Stabilitätsorientierten. Diese Gruppe beziffern die Forscher mit 28,3 Prozent. Diese Menschen wählen eher ausgewogen als radikal und sind für extreme Politik eher nicht zu haben. Wenn der Laden läuft, stützen sie in der Regel die Demokratie.

Was dann erst recht die Demokraten tun: die konservativen Demokraten und die Performer, wie sie die Forscher nennen. Zusammen 28,8 Prozent. Sie sind auch für die ganzen Verschwörungstheorien nicht zu haben, denn in der Regel leiden sie nicht unter einem autoritären Syndrom, fühlen sich als Herr ihrer Entscheidungen, haben Erfolg im Leben und sind auch kommunikativ und lösungsorientiert. Sie kämen nie auf die Idee, nach einem „starken Mann“ zu rufen, der die ach so bedrohte Nation retten soll. Sie sind auch für alarmistische Weltzustandsbeschreibungen nicht zu haben.

Auch das ein Grund, warum unsere Gesellschaft derzeit medial so auseinanderfällt: Die Offenen und Souveränen können mit dem ganzen Panikgeschrei der Verschwörungstheoretiker nichts anfangen. Sie fühlen sich durch die Veränderungen in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft nicht bedroht, weil sie sich ihrer Fähigkeiten und Qualifikationen bewusst sind. Sie machen sich nicht vom Urteil anderer abhängig.

Aber ich sehe schon: Das wird jetzt ausführlicher und ist doch nur meine Sicht auf das, was die Leipziger Forscher in mehreren Kapiteln sehr sauber aufdröseln, um deutlich zu machen, dass wir es die ganze Zeit mit dem Autoritären Syndrom zu tun haben, das lange Zeit überhaupt keine Rolle spielte, das sich aber seit ungefähr 1999 immer stärker zu Wort meldet.

Die erste „Mitte-Studie“ entstand ja 2002 im Gefolge einer weiteren Welle rechtsextremer Straftaten um das Jahr 2000. Und es deutet viel darauf hin, dass es der deutlich spürbare neoliberale Schwenk in der Bundespolitik war, der diese Prozesse ausgelöst hat. Nicht erst mit „Hartz IV“, mit dem aber ein zentrales Störelement sichtbar wurde: Immer mehr Menschen fühlen sich als Bürger und Mensch nicht mehr anerkannt.

Das ist der Topos „Bürger 2. Klasse“, der gerade in Ostdeutschland massiv zu Buche schlägt. Und der damit zu tun hat, dass der Staat sogar deutlich autoritärer geworden ist. Viele politische Entscheidungen sind nicht mehr nachvollziehbar, werden auf Ebenen getroffenen, die für den Bürger nicht mehr einsehbar und beeinflussbar sind.

Wenn dann aber auch noch funktionierende Strukturen direkt in seinem Umfeld abgebaut und die Direkterfahrungen mit Behörden frustrierend werden, weil sie als Demütigung empfunden werden – dann schürt das alle Unsicherheiten des autoritären Typus.

Die Forscher setzen dem mittlerweile massiv gewordenen Politikansatz von autoritärer Staatlichkeit das Gegenbild einer anerkennenden und solidarischen Politik entgegen. Nur als Vorschlag. Kein politischer Trend ist alternativlos, auch wenn das seine Befürworter oft behaupten.

Man bekommt mit diesem Buch im Grunde das Handwerkszeug in die Hand zu verstehen, was die nun als „Autoritarismus-Studien“ bezeichneten Forschungen tatsächlich aussagen, was selbst menschenfeindliche und chauvinistische Einstellungen in diesem Gesamtgefüge eigentlich besagen und was sie mit den psychologischen Befindlichkeiten der Menschen zu tun haben. Und mit der Frage, warum die meisten Deutschen die Demokratie an sich vorbehaltlos befürworten – aber einige sehr aggressiv werden, wenn sie die Freiheiten des Grundgesetzes auf einmal mit anderen teilen sollen.

Stimmungsmache zu Ausländern steckt immer mehr Deutsche an, Hilflosigkeit verwandelt sich immer stärker in Autoritarismus

RezensionenAutoritarismus
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Die Leipziger Kulturwissenschaftlerin Christina Schwarz über das Gefühl der „Corona-Bevormundung“ sowie Wissen und Vorstellungen über die DDR
Christina Schwarz. Foto: Greta Hartmann

Foto: Greta Hartmann

Für alle LeserEs geht nicht nur Journalist/-innen so, dass sie sich nur noch darüber wundern, was allerlei Demonstranten auf obskuren Demonstrationen seit einigen Jahren an seltsamen DDR-Vergleichen ins Feld führen. Bis in die jüngeren „Hygienedemos“ hinein, bei denen die Corona-Schutzmaßnahmen mit den Freiheitsbeschränkungen in der DDR verglichen wurden. Entweder verdrehen sie die Geschichte mit Absicht oder sie haben schlicht keine Ahnung. Zu einem ähnlichen Fazit kommt auch die Kulturwissenschaftlerin Christina Schwarz. Ein Interview.
Wenn die Biotonne nicht abgeholt wird oder die Gelbe Tonne gleich mal für ein halbes Jahr verschwindet
Der Aufkleber kommt künftig auf die Biotonne. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSo im Großen und Ganzen trennen die Leipziger/-innen ihren Abfall relativ vorbildlich. Aber es gibt da ein Problem, das 2016 erstmals der Ökolöwe thematisierte und das seit 2019 die Stadtreinigung Leipzig dazu gebracht hat, Wege zu suchen, wie man die Leipziger/-innen doch noch erziehen kann. Denn es ist ein Erziehungsprozess, der jetzt auch noch richtig teuer werden kann für all die, die immer noch Dinge in die Biotonne schmeißen, die da nicht hineingehören.
Connewitzer Akteure sagen ihre Teilnahme am Stadtteilgespräch des OBM ab + Update
Die Biedermannstraße in Connewitz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMan kann ein wichtiges Anliegen auch durch pure Ignoranz scheitern lassen. Das ist Leipzigs Stadtspitze einmal mehr gelungen. Nachdem es in Connewitz zu mehreren Konfrontationen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen war, hatte der Stadtrat intensiv über andere Kommunikationsangebote im Ortsteil debattiert. Ein Stadtteilgespräch wäre ein Anfang. Aber der ist nach einer durchaus seltsamen Einladung des OBM am heutigen 29. September erst einmal gescheitert.
Nächste Station: Streik! Beschäftigte der Verkehrsbetriebe legen mit Beginn der Frühschicht die Arbeit nieder
Seit 3 Uhr morgens streiken die Beschäftigten der LVB. Foto: L-IZ

Seit 3 Uhr morgens streiken die Beschäftigten der LVB. Foto: L-IZ

Für alle LeserIn der Nacht zum heutigen Dienstag rief die Gewerkschaft ver.di zum Warnstreik der Beschäftigten der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), deren Tochternehmen LeoBus sowie der Leipziger Stadtverkehrsbetriebe (LSVB) auf. Seit 3.00 Uhr morgens, zu Beginn der Frühschicht, versammelten sich zahlreiche Mitarbeiter*innen an den Betriebsbahnhöfen. Bis 12 Uhr kommt es im Linienbetrieb zu Änderungen und Ausfällen. Auch die Aktivist*innen der Leipziger Ortsgruppen von Fridays For Future sowie Students For Future und Mitglieder von DIE LINKE beteiligten sich an den Streiks.
Drei Leipziger Ratsfraktionen schreiben einen Brief an die Sächsische Regierung: Bessern Sie den ÖPNV-Rettungsschirm nach!
Im Nebel: Leipziger Straßenbahn. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNoch weiß niemand wirklich, wie hart die Corona-Folgen den ÖPNV tatsächlich belasten werden. Auch in Leipzig brachen die Nutzerzahlen für Bus und Straßenbahn teilweise um 80 Prozent ein. Im August ging der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) davon aus, dass 60 Prozent der Fahrgäste zurückgekehrt sind. Aber die entgangenen Einnahmen sind im Jahr 2020 auf keinen Fall mehr zu kompensieren. Auch wenn das Sächsische Kabinett am 15. September beschloss, die Ausfälle auszugleichen. Unter Vorbehalt.
Preissteigerung betrifft ab 2021 vor allem die Verwertungsgebühr für die Leipziger Abfalltonnen
Sammelfahrzeug der Leipziger Stadtreinigung mit Grüner Plakette. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAlles wird teurer. Auch unser Abfall. Alle zwei Jahre muss die Leipziger Stadtreinigung ihre Kostenkalkulation überarbeiten. Am Montag, 28. September, stellte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal die neuen Kalkulationen zusammen mit Thomas Kretzschmar, Erster Betriebsleiter Eigenbetrieb Stadtreinigung Leipzig, und Elke Franz, Kaufmännische Betriebsleiterin Stadtreinigung Leipzig, vor. 2,66 Millionen Euro müssen auf die neuen Abfallgebühren für 2021 und 2022 verteilt werden.
Gottfried Bermann Fischer: Höchste Zeit, einen wichtigen deutschen Verleger wiederzuentdecken
Florian Bruns: Gottfried Bermann Fischer. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas frühe 20. Jahrhundert war in Deutschland auch die Zeit der großen Verleger. Sie schufen die großen Publikumsverlage, deren Namen allen Leser/-innen geläufig waren. Denen im Westen, die sich in jeder Buchhandlung mit den beliebten Büchern eindecken konnten. Und auch denen im Osten, die sich eine Bibliothek mit lauter Fischer-, Suhrkamp- und Rowohlt-Büchern wünschten. Taschenbüchern natürlich, denn davon passen ja viel mehr in ein Regal.
Hilfreiche Tipps für Ihre Augengesundheit

Foto: Giulia Marotta/Pixabay

Beschwerdefreies Sehen trägt wesentlich zur Lebensqualität bei. Schließlich wollen wir die Schönheit unserer Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen und im Alltag, wie beispielsweise im Beruf oder in der Schule, leistungsfähig bleiben. Mit einigen, leicht umzusetzenden Tipps für gesunde Augen lassen sich schädliche Faktoren umgehen und Augenerkrankungen vorbeugen.
Jonas Dorn, Bill Elgart und Robert Lucaciu im Schille-Theater Leipzig
Am Freitag, den 02.10., geht es bei unserer Konzertreihe LeipJAZZig im Leipziger Schille-Theater bereits weiter. Wir holen das Konzert des Trios DORN / ELGART / LUCACIU nach, das im Mai stattfinden sollte und pandemiebedingt verschoben werden musste. Die beiden Musiker der jüngeren Generation haben sich für das Konzert die US-amerikanische Schlagzeugikone Bill Elgart eingeladen.
Montag, der 28. September 2020: Demos für Abtreibungen und das Coronavirus + Video vom Klimastreik am Freitag
Kundgebung für sichere Abtreibungen auf dem Augustusplatz. Foto: René Loch

Foto: René Loch

Für alle Leser/-innenDer Augustusplatz bot am Montagabend ein interessantes Bild: Während vor der Oper etwa 150 Menschen für sichere Abtreibungen demonstrierten, versammelten sich vor der Universität etwa 30 Personen zum „Corona-Spaziergang“. Außerdem: In Sachsen gibt es Diskussionen über Atommülllager, Rassismus in der Polizei und den Haushalt der nächsten Jahre. Die L-IZ fasst zusammen, was am Montag, den 28. September 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Interview mit SC DHfK-Speerwerferin Lea Wipper: Erst Motivationstief, dann Leistungsexplosion
Speerwerferin Lea Wipper (SC DHfK Leipzig) jagte von einer Bestweite zur nächsten. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 83, seit 25. September im HandelDie Rahmenbedingungen waren alles andere als ideal. Über Monate hinweg hatte die Corona-Pandemie (nicht nur) den Sportbetrieb komplett lahmgelegt. Um so erstaunlicher, dass die Leipziger Speerwerferin Lea Wipper ausgerechnet in dieser sehr speziellen Saison zum großen Leistungssprung ansetzte und dabei gleich mit drei Bestweiten aufwartete.
Theater: „Die Sitzmenschen“ im D5 zur Interkulturellen Woche im Landkreis Leipzig
Foto: Cellex Stiftung

Foto: Cellex Stiftung

Am 3. Oktober zeigt das Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. das Theaterstück „Die Sitzmenschen“ des „Tango - offen und bunt“ aus Dresden. Das Stück ist eine Einladung, über unsere eigenen, uns innewohnendenden Gegensätze nachzudenken, über Graustufen; darüber, Teil einer nicht perfekten Gesellschaft zu sein, gegen einige Dinge zu rebellieren, aber in anderen Komplizen zu sein.
Auszüge aus Francis Neniks „Tagebuch eines Hilflosen“ #46
Demonstration am 6. Juni 2020 in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEs ist eigenartig, dass bei den hiesigen Diskussionen über Polizeigewalt in den USA das Programm 1033 kaum eine Rolle spielt. Aber vielleicht hat das auch seinen „guten“ Grund, vielleicht spiegelt sich darin ein zentrales Problem der Kritik. Es ist nämlich leicht, der Polizei strukturellen Rassismus vorzuwerfen, aber schwer, abseits von Generalverdächtigungen nach konkreten Ursachen von Polizeigewalt zu suchen.
Regierungskoalition ist sich einig: Die Haushalte 2021 und 2022 werden mit 21 Milliarden Euro geplant
Kassensturz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 11. September ging mal wieder ein Gespenst in Sachsen um, das eigentlich längst vergangenen Zeiten angehören sollte: das Gespenst der Kürzungsorgie. Da wurde die neue Steuerschätzung bekannt gegeben und der erste, der wieder Stimmung machte, war natürlich Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann: „Das kluge Priorisieren und Anpassen der Ausgaben an die Einnahmen ist ernster denn je“, meinte er und gab zu bedenken, „dass wir durch das Grundgesetz und unsere sächsische Verfassung verpflichtet sind, die jetzt aufgenommen Kredite zu tilgen“.
War die Wirtschaftsentwicklung in Sachsen im Frühjahr ein „Einbruch“ oder eher der Anfang eines überfälligen Umdenkens?
BIP-Rückgang nach Bundesländern im 1. Halbjahr 2020. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Für alle LeserFrüher, da habe ich mich immer wieder gefreut, dass Statistiker eigentlich nüchterne Leute sind. Sie veröffentlichten ihre Zahlen, erklärten die Trends, enthielten sich aber all der Kraftmeiereien, mit denen schlecht gelaunte Journalisten ihre Meldungen aufblasen, wenn eigentlich gar nichts passiert ist. Es ist ja egal, welche Zeitungswebsite man heutzutage aufschlägt: Es wird dramatisiert, dass einem schlecht werden kann. Das schleicht sich nun leider auch in Meldungen der Statistiker ein.