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Neuerwerbungen im Museum der bildenden Künste: Neue Leipziger Schule, Nazarener und drei riesige Kiefers

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    Es geht noch. Noch kann das Leipziger Museum der bildenden Künste neue Kunstwerke erwerben. Aber das liegt nicht am opulenten Erwerbsetat, den die Stadt Leipzig zur Verfügung stellt. Es liegt an treuen Förderern und Stiftern. Am Montag, 27. Januar, zeigte Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt ein paar der jüngsten Neuerwerbungen. Drei kann der Museumsbesucher gleich im Foyer der 1. Etage besichtigen.

    Es sind drei riesige Arbeiten von Anselm Kiefer, einem der renommierten Künstler der deutschen Szene der Gegenwart. Der aber nicht in Deutschland lebt, weil ihm – wie Schmidt erzählt – die Kontroversen um sein Werk zu heftig waren. Seit 20 Jahren lebt er deshalb in Frankreich, hat aber zu Schmidt einen guten Draht, was nun seine drei großformatigen Arbeiten ins Foyer des Bildermuseums brachte.

    Gleich in der Mitte ein riesiges, 18-seitiges Buch mit dem Titel „Der Rhein“, jede Seite 190 mal 165 Zentimeter groß, Holzschnitt. Das passt natürlich in kein Regal. „Aber die Aufstellung haben wir mit dem Künstler selbst abgestimmt“, so Schmidt. Gleich dahinter an der hohen Wald aus Muschelkalk zwei weitere Holzschnitte, die in ihrer Dimension das übliche Holzschnitt-Format völlig in den Schatten stellen: das eine, ebenfalls „Der Rhein“ betitelt, 330 Zentimeter im Quadrat, das andere 330 mal 380 Zentimeter mit dem Titel „Dem unbekannten Maler“.Diese Arbeiten sind jetzt schon für alle Museumsbesucher zu sehen. Die anderen werden erst einmal den Fundus bereichern. Darunter ein Bild des Malers Franz Ludwig Catel aus dem Jahr 1818, dessen Erwerb dem Museum mit Hilfe des Vermächtnisses der 2010 verstorbenen Spenderin Elfriede Gertrud Barthel möglich wurde: „Ein Pilger und eine Pilgerin bitten bei einem Einsiedler um Einkehr“. Catel gehört zur romantisch-religiösen Kunstrichtung der Nazarener, für die Namen wie Cornelius und Schadow stellvertretend stehen, und damit für eine deutsche Kunstrichtung, die auf die Metternichsche Politik mit einem Rückzug ins Religiöse antwortete. Was aber problemlos in die Sammlung der Landschaftsmalerei des Bildermuseums passt, die ab März in einer großen Ausstellung gezeigt wird.

    Elfriede Gertrud Barthel fühlte sich in hohem Alter dem Museum eng verbunden und entschied sich, ihr Vermächtnis dem Museum zu hinterlassen. „Wir werden aus diesem Vermächtnis noch weitere Ankäufe tätigen können“, sagt Schmidt. Der mit einem anderen Kapital weniger Spielraum hat: dem Fonds für Neuerwerbungen, den die Stadt Leipzig dem Museum zur Verfügung stellt.“Auch dieses Jahr stehen wieder 80.000 im Plan“, erzählt Schmidt. „Aber Sie wissen ja, wie das ist: Am 4. Mai genehmigt die Landesdirektion den Haushalt der Stadt, am 7. Mai wird wieder eine Haushaltssperre verhängt. So ging es zumindest in den vergangenen Jahren.“ Wenn dann doch mal die Chance auf eine attraktive Neuerwerbung besteht, muss ein Antrag gestellt werden. Eine strategische Ankaufspolitik sei so nicht machbar, sagt Schmidt.

    Und freut sich über die treuen Förderer des Hauses, die auch 2013 wieder eine Reihe Neuankäufe ermöglichten: die Förderer des Museums der bilden Künste e.V., die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Sachsen Bank, die BMW Niederlassung, die Max-Klinger-Stiftung … oder als besondere Initiative die Initiative „3 Euro für Picasso“, die jetzt ermöglichte, das Bild „Große Lichtung mit Hunden“ von Yvette Kießling anzukaufen. Die Malerin war Schülerin von Arno Rink. Was natürlich den Fundus Leipziger Gegenwartskunst im Museum stärkt. Da muss nicht jedes Mal (Neue) Leipziger Schule drauf stehen, auch wenn Yvette Kießling (geboren 1978) eindeutig aus der hochqualitativen Leipziger Malausbildung kommt. Genauso wie Julius Hofmann, der bei Neo Rauch gelernt hat und dessen Bild „Japanischer Garten“ jetzt als Schenkung ins Museum kam.

    Weitere Verstärkung bekommt die Neue Leipziger Schule im Haus durch 30 Bilder aus der Sammlung des Essener Sammlerpaars Böhm, das seinen Austritt aus dem Leipziger Förderverein (rein aus Entfernungsgründen) mit einer Schenkung von 30 Bildern versüßt – darunter Bilder von Baumgärtel bis Weischer. Aber auch Matthias Weischer selbst, der 2011 zuletzt eine Ausstellung im Bildermuseum hatte, betätigt sich als Schenkender: Er hat dem Museum sein Mappenwerk „Radierungen vier“ geschenkt.Das alles sind im Wesentlichen die Schenkungen und Erwerbungen der letzten zwei Monate, die im Grunde zeigen, dass das Leipziger Museum für einen Kreis von Förderern und Unterstützern durchaus eine wichtige Größe ist. Im Herbst zum Beispiel fand mit Eröffnung der großen, viel diskutierten Ausstellung „Die Schöne und das Biest“ auch eine Sammlung von 100 Druckgrafiken von Richard Müller den Weg ins Haus. Neuer Diskussionsstoff. Aber auch dazu sollten solche Sammlungen ja da sein. Wer Kunst glorifiziert, tut ihr immer Unrecht. Sie bildet die Widersprüche im Leben der Künstler und ihrer Zeit ab. Und natürlich tauchen die Fragen genau da auf, wo die künstlerische Perfektion den Inhalten nicht adäquat zu sein scheint. Aber das ist eine Diskussion, die nicht nur Müller betrifft und betreffen sollte.

    Anselm Kiefer könnte im Leipziger Bildermuseum eine neue Heimat finden, meint Schmidt. „Ich denke, es ist der Anfang einer wunderbaren Zusammenarbeit“, sagt er. Die drei riesigen Holzschnitt-Arbeiten im Foyer hängen und stehen erst einmal als Dauerleihgabe da.

    Nicht vergessen werden 2014 aber auch die Schenkungen und Erwerbungen vergangener Jahre. Drei davon bekommen 2014 eine besondere Würdigung.

    Dazu bald mehr dazu an dieser Stelle.

    www.mdbk

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