1,3 Millionen Leser können nicht irren. Oder doch? Charlotte Roches Sex-Roman "Feuchtgebiete" war das literarische Gesprächsthema 2008. Der kalkulierte Tabubruch avancierte zum Leser-Favoriten. Die Folge: 30 Wochen an der Spitze der Leser-Charts, vier Bühnenadaptionen und ein missglückter Indizierungsversuch. Jetzt kommen die Sexualerfahrungen von Protagonistin Helen ins Kino.

Daniel Wnendt, Jahrgang 1977, entwickelt ein Faible für schwierige, feminine Persönlichkeiten. Bekannt wurde der Filmemacher mit seinem Low-Budget-Drama “Kriegerin”, das die Rolle von Frauen im Rechtsextremismus beleuchtet. Ein exzellentes Empfehlungsschreiben für den deutschen Blockbuster des Kino-Sommers 2013.

Als Helen, 18 Jahre, aufmüpfig, sexbesessen, ist Carla Juri zu sehen. Die junge Schweizerin spielt seit 2006. 2011 gewann sie für den Episodenfilm “180°” den Schweizer Filmpreis. 2013 gewann sie bei der Berlinale den “Shooting Star”.
“Feuchtgebiete” wird ihren Bekanntheitsgrad fördern. Wnendts Inszenierung reizt die Schmerzgrenze zwischen Kunst und Ekel aus, was für den Zuschauer einen zweistündigen Trip in die tabuisierte Intimzone des menschlichen Daseins bedeutet. Inhaltlich fad, bisweilen kotzreizfördernd, kämmt sich der Regisseur durch Roches Roman. Juri spielt die lispelnde Protagonistin frech bis rebellisch. Ihre Leistung ist hochklassig, bisweilen brillant.

Das kann man von dem Film, der letztlich an seiner faden, eintönigen Ekel-Thematik scheitert, gewiss nicht behaupten. Allerdings war Roches Roman 2008 ein gutes Beispiel dafür, dass Qualität und Kommerztauglichkeit gelegentlich in einem konträren Verhältnis zueinander stehen.

D 2013: R: David Wnendt, D: Carla Juri, Meret Becker, 109 Min, FSK 16.

Filmstart ist der 22. August, zu sehen im CineStar, Passage Kinos, Regina Palast und UCI Nova Eventis.

Die Seite zum Film:
www.feuchtgebiete-film.de

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