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„Mehr Oper“ verspricht Leipzigs Musiktheater – mehr Publikum erhofft sich der Intendant für 2012/13

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    Seit der Publikumsbefragung und weiß man es angeblich genau, 73 Prozent der Musiktheater-Besucher kommen aus dem Leipziger Stadtgebiet, die übrigen aus dem Umland. "Bundesrepublik und Ausland sind marginal. Das will ich ändern", sagte Intendant und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer, als er am Mittwoch, 30. Mai, die Pläne der Saison 2012/13 vorstellte.

    Messe- und Kongressbesucher Busreiseveranstalter seien noch nicht bis ins Opernhaus vorgedrungen. Ansonsten geht es bei der Pressekonferenz nicht um Einspar-Vorschlags-Diskussionen sondern um Stücktitel, Künstlernamen und Termine. Samt Gruß an den ebenso städtischen Gewandhausdirektor, dessen Orchester eben auch Leipzigs Opernorchester ist. Man sendet sich zwar Grüße in die Druckerzeugnisse, verwaltet und „marketingt“ sich aber fröhlich neben einander. Ein Leipziger Kulturphänomen.

    66 Prozent Durchschnitts-Auslastung in Opernhaus und MuKo

    Wenn „Mehr Oper“ auf den Broschüren steht, hat das seine Gründe. Nämlich die Auslastung „des Gesamtbetriebs“, so Ulf Schirmer, also Oper, Ballett, Musikalische Komödie (MuKo), Kellertheater, Kinderchor beträgt 66 Prozent.
    170.000 Besucher suchen und finden das städtische Musiktheater pro Spielzeit, in den nächsten vier Jahren sieht Ulf Schirmer die Steigerungsmöglichkeit auf 200.000 Gäste. „Mit der Stadt will ich eine Zielvereinbarung treffen.“ Klar, dass die dann heißen würde, wir haben mehr Publikum, wir brauchen mehr Geld.

    Gab’s im letzten Jahr einen Stapel von Heften, separat für Oper, Ballett und …. bis hin zum Service, gibt es nun nur ein Jahresheft. Und ein Heft „Familie“. Zwar muss man die Premieren erst einmal suchen, findet dabei aber eine Liste, was an welchem Tag im Repertoire wieder aufgeführt wird. Und wer will kann durchzählen, wann in den Häusern überhaupt das Licht angeht. Oder wann eine Bühne zur Vermietung frei stehen könnte.

    Oper für Leipziger

    Wahrsagereien um einen drohenden „Kulturinfarkt“, dessen Propheten nach Statistik, Soll und Haben durchaus die Hälfte der bundesdeutschen Kunst-Infrastruktur entbehrlich finden, hält der Leipziger Intendant entgegen: „Dass sind Leute die gut verdient haben, man möge es ihnen gönnen, und unterwegs sein konnten. Wir sind eine städtische Institution für die Leute hier.“

    Leipziger Lokalpatriot ist Ulf Schirmer auch dann, wenn man ihn auf nahe Ländergrenzen anspricht. In Sachsen-Anhalt soll gerade eine Ständige Konferenz der Intendanten gegründet werden, weil es im Magdeburger Kulturministerium fraglich erscheint, ob sich zwei Städte wie Halle/Saale und Dessau jeweils einen „Ring des Nibelungen“ leisten können. „Wir sind hier in der Stadt Leipzig tätig, und hier finanziert, und können uns auch nicht nach unterschiedlichen Zahlen immer mit anderen Staatstheatern, Staatsoperetten usw. vergleichen lassen.“

    Seit gut einem halben Jahr wird in Leipziger Fraktionen, und von sich zuständig fühlenden Personen, über das Gutachten einer Münchner Firma und allerlei Einsparideen debattiert, da bahnt sich offensichtlich nun endlich eine Art „Runder Tisch“ an: „Unter der Führung der Stadt, nicht unter Führung der Oper!“, sagt Ulf Schirmer. „Der wird demnächst erstmals zusammen kommen. Da gehören viele Leute dazu, die Leiter der Eigenbetriebe, die Stadt, das Kulturamt.“
    Von Leipzig aus in die Welt

    „Leipzigs Oper wird – gefördert oder geschuldet auch den verfügbaren Gagen“, weiß Operndirektorin Franziska Severin mit berechtigter Freude zu berichten, weiter den Vorzug haben, dass es hier viele Rollendebüts gibt. „Sänger packen sozusagen hier ihren Koffer, mit dem sie dann in die Welt hinaus ziehen!“ So was hat Leipziger Tradition, und Leipziger Flair könnte es sein, würde ein Rollendebüt mit einer Fahne an der Opernhaus-Fassade begrüßt: „Heute: JIMMI SMITH in PARSIFAL“, oder so ähnlich.

    Und wieder Rocky Horror Show!

    Nicht alles kann hier erwähnt werden: Sieben Opernpremieren, drei Ballettabende, vier Premieren in der Musikalischen Komödie. Gerade das Haus Dreilinden, schätzungsweise zu einem Viertel nicht zu Ende umgebaut, einem Viertel provisorisches, einem Viertel marodes und einem Viertel saniertes Haus, von früher geplanten Erweiterungen gar nicht zu sprechen, wird nunmehr 100 Jahre alt! Da feiert Lindenau! Zum Beispiel mit einer Fest-Gala, bei der wieder aufgenommenen „Rocky Horror Show“. Und bei einer Neuinszenierung von „Frau Luna“ werden alte oder neue Berliner wieder zu „Schlössern, die im Monde liegen“ starten…

    Mario Schröders Ballett wird längere Zeit mit Uwe Scholz‘ „Großer Messe“ nach Spanien reisen und zu Hause das „Nibelungenlied“ tanzen sowie einen „Liebestraum“, zu dem auch Schwester-Ballettchefin Silvana Schröder aus Gera nach Leipzig kommt. Mit dem UT-Connewitz-Kino wird das Ballett wieder zum „Tanz in den Häusern der Stadt“ ausrücken.

    Geheimnisträger Gewandhausfans!

    Nicht ganz neu sind die Nachrichten über die Opern-Vorhaben, das ist so, bei den Marketing-Feinplanungen am Augustusplatz. Da sind die Leser der Gewandhaus-Saison-Hefte schon monatelang Geheimnisträger – vor der Verkündigung im Haus am gleichen Platz gegenüber.

    Schöner Zufäll war es, sagt Opernintendant Ulf Schirmer, dass bei der Publikumsbefragung Werke gewünscht wurden, die bereits Premierentermine haben: „Rigoletto“, „Nabucco“ und der „Ring des Nibelungen“ – dessen „Rheingold“ sollen dann die weiteren Wagner-Musikdramen in den nächsten Jahren folgen.

    „Der fliegende Holländer“ kehrt nicht, wie einst angekündigt, in seiner heftig diskutierten Inszenierung zurück, die nun gerade Aufmerksamkeit und Neugier geweckt hatte (was will man mehr?), sondern wird nur konzertant aufgeführt.

    Oper im Schul-Klassenzimmer wird es geben, „Das Tagebuch der Anne Frank“, mit Jennifer Porto als Anne Frank. In der Musikalischen Komödie wird es eine Kurzfassung des „Rings“ speziell für Kinder geben, jene Stück- und Strichfassung, die voriges Jahr in Bayreuth herauskam und zu der Richard-Wagner-Urenkelin Katharina Wagner sagte: „Musikalisch ist alles wesentliche drin!“
    Leipziger in Bayreuth

    Unter Wagnerianern längst rumgesprochen hat sich die Kooperation der Oper Leipzig mit den Bayreuther Festspielen, wirtschaftlich zeichnet deren Tochter BF Medien dafür verantwortlich: Richard Wagners Jugendwerke „Die Feen“, „Das Liebesverbot“ und „Rienzi, der letzte der Tribunen“ werden in Leipzig und in Bayreuth aufgeführt, wenn auch dort nicht im berühmten Festspielhaus auf dem Grünen Hügel.

    Wollen wir mehr Oper?

    Als neuen Werbe-Gag gibt’s in Leipzigs Oper gelb eingepackte Bonbons mit der Aufschrift „Räusper“. Soweit, so gut sei auch nicht vergessen sei, dass nach Angaben von Intendant Ulf Schirmer zu manchen Vorstellungen im Opernhaus nur rund 300 Besucher saßen. „Mehr Oper“ ist eine Motivation des Hauses, wie auch eine Aufforderung und Frage an die Leipziger!

    Und die Eintrittspreise? – „Den Stadträten liegt ein Beschluss zur Abstimmung vor“, sagt Uwe Möller, neuer Marketing-Chef des gesamten Betriebs, vorher schon für das Ballett tätig.

    Abonnenten sparen von 20 bis zu 30 Prozent, die Preise stehen schon in der Spielzeit-Broschüre.

    Kunst-Blumen für zu Hause

    Neue Wege der Finanzierung werden ausprobiert: Nach 100 La-Traviata-Vorstellungen soll das Bühnenbild für 50.000 Euro mit Publikumshilfe erneuert werden. Deshalb gibt es zur Aufführung am 30. Juni, anteiligt für den guten Zweck gelöhnt, „Violetta-Cocktail“ mit und ohne Alkohol, die Eiskreation „Operngold“, eine Tombola und nach der Vorstellung eine von vielen Original-Bühnenbild-Kamelie für 5 Euro.

    Warum auch nicht, wenn es der Kunst Geld bringt. Soll doch Schuhmacher Hans Sachs wirklich Schuhe reparieren, oder wir werden eines Tages mit dem Kahn aus „Tristan und Isolde“ übern Schwanenteich „survivaln.“…!

    www.oper-leipzig.de

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