In der Ratsversammlung am 25. Februar kündigte es Oberbürgermeister Burkhard Jung schon an, dass die Verwaltung dem Stadtrat einen Vorschlag zur dauerhaften Förderung des Literaturhaus Leipzig e.V. machen würde. Am Montag, dem 9. März, teilte die Verwaltung nun mit, dass man dem Literaturhaus Leipzig e. V. auf Antrag ab dem Haushaltsjahr 2027 eine institutionelle Förderung in Höhe von 205.000 Euro jährlich gewähren will.

Das geht aus der Dienstberatung des Oberbürgermeisters hervor. Der Stadtrat muss noch über das Vorhaben befinden. Damit wäre der seit 30 Jahren für die „Buchstadt Leipzig“ essenzielle Verein in der Lage, sein Angebot aufrechtzuerhalten.

„Wir brauchen in Leipzig dringend eine Adresse für Literatur, für Begegnung zwischen Autorinnen und dem Publikum, für junge Leipziger Verlage. Eine solche Heimat ist das Literaturhaus“, sagt Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke.

Das Literaturhaus Leipzig steht seit 1996 für ein überregional relevantes Kulturprogramm in Leipzig. Es ist der einzige Ort dieser Art in Sachsen. Hier können sowohl Literaturnobelpreisträgerinnen als auch junge aufstrebende Autoren und Autorinnen live bei Lesungen erlebt werden. Im Jahr 2025 wurden 167 Veranstaltungen zumeist im Haus des Buches organisiert. Hinzu kamen sieben Ausstellungen. Mehr als 13.000 Besucher aus Leipzig und ganz Deutschland wurden gezählt.

Bislang konnte der Verein sein Angebot aus seinem Vereinsvermögen bestreiten, weswegen eine schon 2015 angefragte institutionelle Förderung durch die Stadt Leipzig nicht möglich war. Stattdessen wurden unregelmäßig projektbezogene Förderungen gewährt, beispielsweise im Rahmen des städtischen Themenjahres 2025 „Mehr als eine Geschichte. Buchstadt Leipzig“. Ohne die nun geplante institutionelle Förderung wäre das Vereinsvermögen bis Ende 2027 aufgebraucht. Das laufende Jahr ist das letzte, in dem der Verein seine jährlichen Kosten von rund 280.000 Euro allein stemmen kann.

In der Ratsversammlung am 25. Februar drängten mehrere Fraktionen, dass die Stadt einen Vorschlag für die institutionelle Förderung des Hauses des Buches vorlegt. Die Grundsatzentscheidung sollte noch vor der Buchmesse fallen. Der Vorschlag der Verwaltung, wie sie die Förderung finanzieren will, sollte jetzt in der Märzratsversammlung auf der Tagesordnung stehen.

Das Literaturhaus im Haus des Buches

Der Literaturhaus Leipzig e. V. (bis 2019 „Kuratorium Haus des Buches e.V.“) hat seinen Sitz im „Haus des Buches“ (HdB). Das Haus des Buches befindet sich an der Stelle, wo 1943 das Deutsche Buchhändlerhaus zerstört wurde. Es war dort 1888 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels errichtet worden. Das Grundstück hatte der Börsenverein 1886 durch eine Schenkung der Stadt Leipzig erhalten.

Die Schenkungsurkunde bindet den Börsenverein an eine Betreibung des Neubaus mit Ausrichtung auf Literatur und Buchwesen.

Der Verein „Kuratorium Haus des Buches e. V.“ wurde am 18. April 1990 gegründet und vom Ministerium für Kultur der DDR mit 30 Millionen DDR-Mark Gründungskapital ausgestattet. Der Verein verfügte also mit Währungsumstellung 1990 über ca. 15 Millionen DM Vermögen. Das HdB im Leipziger Gerichtsweg wurde am 20. März 1996 als Neubau eröffnet.

Hausherr ist bis heute der Börsenverein mit Büro- und Veranstaltungsräumen über eine Gebäudegesellschaft. Die Geschäftsstelle der Landesverbände Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat seither hier ebenfalls ihren Sitz.

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