Es ist schon wirklich mehr als peinlich für die CDU in Baden-Württemberg, wenn man bedenkt, dass sie einen deutlichen Vorsprung in den Umfragen im Januar auf den letzten Metern vergeigt hat. Diese Peinlichkeit sollte dazu führen, dass die Partei in sich geht, eine Fehleranalyse betreibt und dann Schlüsse daraus zieht. Macht die CDU das?
Natürlich nicht, von der Bundesspitze an abwärts ist ausschließlich die Rede von „Kampagnen“ gegen Manuel Hagel. Abgesehen davon, dass die CDU selbst gern Kampagnen gegen andere Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten führt (denken wir an Peter Hintze und die „Rote-Socken-Kampagne“ 1994 oder die zahlreichen Kampagnen gegen Grüne und Linke), was sagt das über das Verhältnis von Partei und potenziellen Wählenden aus?
Schon am Wahlabend sprach Manuel Hagel von einem „Schmutzwahlkampf, deutlich unter der Gürtellinie“. Jens Spahn legte nach mit „Es gab auch eine Schmutzkampagne gegen den Spitzenkandidaten der CDU, wie man ihn, in der weiteren politischen Mitte jedenfalls, noch selten gesehen hat.“ Damit waren wohl diese „Kampagnen“ gemeint.
Schauen wir uns die „Kampagnen“ an. Da war zuerst dieses schon ältere Video mit den „rehbraunen Augen“, welches Manuel Hagel den Vorwurf des Sexismus einbrachte. Sogar der Deutschen Medien liebster Philosoph, also Richard David Precht, ließ es sich nicht nehmen, eine Äußerung dazu abzugeben. Klar, die Abgeordnete Zoe Mayer ist für ihn schuld an einer Verschiebung der Debatte.
Lassen wir es dabei, aber meint jemand wirklich, dass sich potenzielle CDU-Wählerinnen und ‑Wähler, die einen Friedrich Merz und sein Frauenbild gewählt haben, davon beeinflussen ließen?
Die andere Kampagne ist wohl das Video, in welchem Manuel Hagel Schülerinnen und Schülern den Treibhauseffekt erklärt, zumindest was er darunter versteht. Das Video ging viral, aber hatte es Einfluss auf das Wahlverhalten potenzieller CDU-Wählerinnen und Wähler?
Gemeint sind hier die Menschen, die den „Nein, die Welt geht morgen nicht unter“-Friedrich Merz als Bundeskanzler wollten? Es ist nicht anzunehmen, dass potenziell CDU-wählende Menschen jetzt die Grünen wählten, weil sich der CDU-Kandidat den Vorwürfen des Sexismus und der klimapolitischen Ahnungslosigkeit ausgesetzt sah.
Rein vom Wahlergebnis her gesehen wählten potenziell CDU-wählende Menschen, die sich von diesen „Kampagnen“ beeinflussen ließen, wohl auch nicht SPD oder FDP. Wohin ginge also eine Wählerwanderung? Das lasse ich lieber offen.
Vielleicht lag das Ergebnis aber auch daran, dass viele Menschen in BaWü Cem Özdemir für den besseren Kandidaten hielten und nach fünfzehn Jahren Winfried Kretschmann auch keine Angst vor einem grünen Ministerpräsidenten hatten.
Fazit: Für wie beeinflussbar durch solche „Kampagnen“ halten die führenden Menschen in der CDU also ihre Wählerinnen und Wähler? Sie wissen es selbstverständlich besser, aber laut über „Kampagnen“ zu zetern ist einfacher, als über die eigenen Fehler nachzudenken.
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Keine Kommentare bisher
Nein, die CDU macht keine Fehler! Auch Jens Lehmann, verliert seinen Wahlkreis krachend an die vermeindliche Alternative, hat einfach keine Fehler gemacht. Er sieht es statt dessen “sportlich” und fordert, dass Berlin endlich liefern müsse. Was da geliefert werden soll, bleibt aber weiter unklar. Sommer der Reformen, Herbst der Reformen, Frühling der Reformen,… das Treten nach unten?
Nee, die Buddys im Männer-Club machen einfach keinen Fehler.