Am 16. April 2026 meldete die Stadtverwaltung Leipzig: „Luftqualität in Leipzig deutlich verbessert: Umweltzone nicht mehr erforderlich“. Ein Traum zweier Fraktionen im Leipziger Stadtrat geht somit in Erfüllung, begonnen hatte es mit Anträgen der AfD in den Jahren 2020 und 2021. Diese wurden sowohl von der Verwaltung als auch vom Stadtrat abgelehnt.
2024 sprang die CDU-Fraktion mit einem Prüfauftrag auf das Thema auf und die Verwaltung versprach ein Prüfergebnis bis Sommer 2025. Bemerkenswert war, dass die Stadt behauptete, bereits an der Prüfung zu arbeiten. Als im Herbst 2025 kein Ergebnis vorlag, fragten also AfD und CDU nach, wir berichteten. Ein Kernpunkt der Anfragen waren die Kosten für die Durchsetzung, die allerdings in keiner Weise bezifferbar sind.
Jetzt liegt das Ergebnis der Prüfung vor, die Stadtverwaltung in Person des zuständigen Bürgermeisters Heiko Rosenthal erklärt:
„Die positiven Entwicklungen der Luftqualität in Leipzig sind ein Erfolg gemeinsamer Anstrengungen von Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürgern. Mit dem künftigen Wegfall der Umweltzone, wie wir sie heute kennen, setzen wir primär auf zielgerichtete Maßnahmen an besonders belasteten Orten, um auch den kommenden Anforderungen gerecht zu werden.“
Das klingt schöner, als es ist. In der Mitteilung der Stadt dazu heißt es: „Das Ergebnis dieser Untersuchungen: Die Umweltzone hat insbesondere die Belastung durch ultrafeine Partikel messbar verringert und damit die Luftqualität sowie den Gesundheitsschutz in Leipzig deutlich verbessert.“
Diese Entwicklung ist das Ergebnis des Verbotes der Einfahrt von Kraftfahrzeugen mit, einfach gesagt, schlechten Emissionswerten und somit hohem Schadstoffausstoß in die Umweltzone.
Diese Kraftfahrzeuge gibt es noch, sie dürfen nur nicht mehr in unsere Stadt kommen. So nachzulesen bei Statista am 09.05.2025: „So ist der Anteil der Fahrzeuge in der Altersklasse von 15 bis 29 Jahren von 16,9 auf 21,8 Prozent angestiegen. Der Anteil der Fahrzeuge in der Klasse 30 Jahre und älter hat sich mehr als verdoppelt.“ Ein nicht unerheblicher Teil dieser Fahrzeuge hat keine grüne Plakette, das sind aber nur die PKW.
Wird die Umweltzone aufgehoben, dann werden sie wieder einfahren. Zu vermuten ist, dass wir besonders alte Transporter, eventuell auch LKW wieder auf unseren Straßen sehen. Wie wird sich das auf die Luftqualität auswirken? Möglich erscheint auch, dass billige PKW älterer Baujahre ein Comeback erleben. Gerade in der heutigen Zeit, in der Menschen sparen, aber mobil bleiben müssen, erscheint das für einige vielleicht attraktiv.
Dazu kommt, dass sich ab 2030 die EU-Grenzwerte für die Luftbelastung halbieren werden. Das bedeutet, dass jede noch so kleine Verschlechterung des jetzigen Standes uns spätestens 2030 auf die Füße fallen wird.
Die Stadtverwaltung führt dazu aus: „Unter den heutigen Bedingungen leistet die Umweltzone jedoch nur noch einen sehr geringen Beitrag zur Luftreinhaltung. Das zeigen Modellrechnungen der Stadt Leipzig.“ Hier werden wir nachfragen und uns die Modellrechnungen anschauen, besonders unter dem Aspekt, wie sich die „geringen Beiträge“ bis 2030 auswirken werden.
Fazit: Die Umweltzone ist ein Erfolgsmodell und die Kosten halten sich im Rahmen. Eine Abschaffung könnte negative Auswirkungen auf die gerade erst verbesserte Luftqualität in Leipzig und die EU-Ziele 2030 haben. Ob die Abschaffung gut ist, darüber lässt sich trefflich streiten.
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