Am Landgericht beginnt heute der Prozess um einen versuchten Mord in einem Connewitzer Waschsalon. Wird dem mutmaßlichen Täter während der Verhandlungen verminderte Schuldfähigkeit attestiert? Auf der Karl-Liebknecht-Straße wird erneut gebaggert – dieses Mal gehts um die Trinkwasserleitungen. Am Abend geht es in der Albertina um die kulturelle Strahlkraft von Reaktorkatastrophen
Es wird kalt im Süden
Erst Stau, dann Schwitzen – die nächsten Monate werden im Leipziger Süden nichts für Warmduscher. Die Leipziger Wasserwerke beginnen heute mit der Erneuerung von Trinkwasserleitungen in der Karl-Liebknecht-Straße zwischen Südplatz und Hardenbergstraße und setzen damit nach eigener Aussage die bereits 2025 gestarteten Arbeiten planmäßig fort, bei denen zunächst grundlegende Maßnahmen an großen Kreuzungsbereichen umgesetzt worden waren.
Die Bauarbeiten erfolgen stadtauswärts in vier Abschnitten und sollen voraussichtlich bis Ende des Jahres andauern, wobei die teils über 100 Jahre alten und störanfälligen Leitungen ersetzt werden, um die Versorgung in der Südvorstadt langfristig zu sichern. Während der Bauzeit sollen Gehwege durchgehend nutzbar bleiben, sodass Geschäfte und Einrichtungen jederzeit zu Fuß erreichbar sind, zudem verkehrt die Straßenbahn ohne Einschränkungen.
Für den stadtauswärtigen Autoverkehr wird die Straße abschnittsweise voll gesperrt, eine Umleitung ist über die August-Bebel-Straße eingerichtet. Auch der Nachtbus N9 wird in Richtung Markkleeberg teilweise umgeleitet und fährt dann von der Körner- über die August-Bebel-Straße bis zur Kurt-Eisner-Straße. Zuletzt kam es im Herbst des letzten Jahres zu umfangreichen baubedingten Sperrungen in diesem Bereich.
Der Bauablauf ist mit weiteren Infrastrukturprojekten im Umfeld abgestimmt, darunter der Fernwärmeausbau in der Südvorstadt sowie Arbeiten im Bereich der Harkortstraße. In diesem Zuge kommt es vom 31. Mai bis zum 5. Juni 2026 in Teilen der Stadtbezirke Mitte und Süd zu einer Unterbrechung der Fernwärmeversorgung, betroffen sind insbesondere die Postleitzahlengebiete 04103 und 04107 im Bereich Zentrum-Südost und Zentrum-Süd sowie 04275, 04277 und 04279 mit der Südvorstadt, Connewitz, Marienbrunn und Teilen von Lößnig und Dölitz-Dösen. Die betroffenen Häuser werden durch öffentliche Aushänge der Wasserwerke informiert.
Rund 3.000 Haushalte mit schätzungsweise 6.500 bis 7.500 Personen müssen in diesem Zeitraum ohne warmes Wasser und Heizung auskommen. Die Trinkwasserversorgung soll nach Auskunft der Wasserwerke durchgehend gesichert bleiben.

Prozeß um versuchten Waschsalon-Mord
Am Leipziger Landgericht beginnt heute der Prozess gegen einen 19-jährigen Mann, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie in Tatmehrheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter schwerer Körperverletzung zur Last legt.
Was juristisch komplex klingt, soll sich folgendermaßen zugetragen haben: Am Freitagabend (24.10.2025) kam es im Stadtteil Connewitz zu einem schweren Gewaltverbrechen, bei dem eine 42-jährige Frau verletzt wurde. Die Frau war zuvor mit der Bus-Linie 70 von der Endhaltestelle in Markkleeberg bis zur Haltestelle Mathildenstraße gefahren und anschließend zu einem SB-Waschsalon in der Wolfgang-Heinze-Straße 11 gegangen, wobei sie zwei große Taschen mit Wäsche bei sich trug. Bereits während der Fahrt wurde sie von einem ihr unbekannten Mann angesprochen, der ihr nach dem Ausstieg folgte und sie bis in den Waschsalon begleitete. Dort griff der Mann die Frau an und verletzte sie, sodass sie anschließend ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden musste.
Aufgrund der Schwere des Vorfalls nahmen die Polizei und die Staatsanwaltschaft Leipzig Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdelikts auf. Die Identität des mutmaßlichen Tatverdächtigen war zunächst ungeklärt, weshalb Polizei und Staatsanwaltschaft eine Öffentlichkeitsfahndung veranlassten, für die Bild- und Videosequenzen aus der Bus-Linie 70 zur Verfügung standen.
Die eingeleiteten Ermittlungen ergaben, dass der Beschuldigte unter Schizophrenie leiden und aufgrund dieser Erkrankung in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt sein soll. Für das Verfahren hat das Landgericht nach der Prozesseröffnung zwölf Fortsetzungstermine einberaumt. Über die Verhandlung berichtet unser Reporter Lucas Böhme.

Kernkraft-Katastrophen in der Kultur
Das Deutsch-Amerikanische Institut Sachsen (DAI) veranstaltet gemeinsam mit der Universitätsbibliothek Leipzig ein kulturwissenschaftliches Symposium anlässlich des 40. Jahrestags der Katastrophe von Tschernobyl. Vier Jahrzehnte nach dem Reaktorunglück richtet sich der Fokus bewusst über nationale Grenzen hinaus und nimmt internationale Perspektiven auf nukleare Katastrophen, deren Erinnerung sowie kulturelle und politische Verarbeitung in den Blick.
Dabei geht es insbesondere um die Frage, auf welche Weise sich Ereignisse wie Tschernobyl oder auch der Unfall von Three Mile Island (Reaktorunfall 1979) in Literatur, Essayistik, Popkultur und im kollektiven Gedächtnis niedergeschlagen haben. Drei Vorträge bilden den Kern der Veranstaltung, an die sich eine Diskussionsrunde anschließt. Dr. Nina Weller vom Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin beleuchtet die Essays von Ales Adamowitsch sowie dessen Engagement gegen die radioaktive Gefahr und für die Aufarbeitung der Katastrophe.
Dr. Alexander Kratochvil von der Ludwig-Maximilians-Universität München gibt einen Überblick über die ukrainische Literatur zu Tschernobyl, der von frühen Texten unmittelbar nach dem GAU bis hin zu späteren Werken, etwa von Oksana Sabuschko und Juri Andruchowytsch reicht und sogar das Computerspiel „S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chornobyl“ als Teil der kulturellen Auseinandersetzung einbezieht. Annika Schadewaldt vom Institut für Amerikanistik der Universität Leipzig und Dr. Lena Pfeifer von der Universität Würzburg, die gemeinsam einen Sammelband zur Nuklearenergie in der US-amerikanischen Kultur herausgegeben haben, widmen sich der amerikanischen TV-Serie „Chernobyl“ und ordnen diese im Vergleich zu Darstellungen anderer Reaktorunfälle wie „Three Mile Island“ in die US-Popkultur ein.
Die Moderation übernimmt Dr. Sophia Manns-Süßbrich. Die Veranstaltung findet heute von 17:00 bis 19:00 Uhr in der Bibliotheca Albertina (Beethovenstraße 6) in Leipzig statt. Der Eintritt ist frei.

Lizenzhinweis: Die Abbildung des einstigen Kernkraftwerks Tschernobyl wurde von Tim Porter gefertigt und wird auf Wikimedia Commons zur Nutzung bereitgestellt. Das Foto wurde für die Verwendung auf unserer Seite nicht verändert.Â
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