Der Osten wurde nach 1990 zum Experimentierfeld – auch für eine Entfesselung des Arbeitsmarktes. Heißt: dessen weitestgehende Deregulierung. Noch heute arbeiten die meisten Ostdeutschen in Unternehmen, in denen es keine Tarifbindung gibt. Und das hat Folgen. Denn dadurch haben sie am Monatsende deutlich weniger auf dem Gehaltszettel stehen als ihre Kollegen im Westen. Diese Lücke im Verdienstg macht sich über alle Erwerbseinkommen bemerkbar.

Sören Pellmann, Ko-Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, hat beim Statistischen Bundesamt jetzt die aktuellen Daten zum Thema Löhne abgefragt (Download). Die Zahlen für Sachsen haben dann auch in der Linksfraktion im Sächsischen Landtag für Aufmerksamkeit gesorgt.

„Seit 35 Jahren ist Deutschland wiedervereinigt – auf staatlicher Ebene. In vielen Bereichen gibt es aber noch keine Einheit, sondern Ungerechtigkeit“, kommentiert Susanne Schaper, Vorsitzende der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, die neuen Zahlen.

„So erhalten die ostdeutschen Vollzeitbeschäftigten brutto immer noch 17 Prozent weniger Geld als ihre Kolleginnen und Kollegen in den alten Bundesländern. Das mittlere Einkommen in Sachsen liegt monatlich 683 Euro brutto unter dem Bundesniveau und sogar 797 Euro unter dem Westniveau. Das ist ungerecht! Es ist höchste Zeit für den Ausgleich, zumal viele Preise immer weiter erhöht werden. Hunderttausende Menschen gehen fleißig arbeiten und schaffen es trotzdem kaum, die alltäglichen Ausgaben zu bezahlen. Von der Regierung in Bund und Land kommen anstelle der nötigen Wertschätzung eher Vorwürfe, die Leute würden zu wenig arbeiten.“

Das Medianeinkommen teilt die Beschäftigten in zwei gleich große Gruppen: Die eine Hälfte wird schlechter, die andere Hälfte besser bezahlt. Dieses mittlere Einkommen (mit Sonderzahlungen) liegt bundesweit bei 4.505 Euro brutto im Monat. In Westdeutschland beträgt es 4.619 Euro, in Ostdeutschland nur 3.834 Euro.

Beschäftigte mit Tarifvertrag erhalten im bundesweiten Vergleich ein Medianeinkommen von 4.984 Euro, ohne Tarifbindung sind es nur 3.931 Euro. In Sachsen liegen nur die tariflich abgesicherten Beschäftigten auf dem Bundesniveau: Ihr mittleres Einkommen beträgt monatlich 4.517 Euro.

Wer im Freistaat nicht nach Tarif bezahlt wird, erhält im Mittel nur 3.312 Euro. In ganz Sachsen liegt das Medianeinkommen bei 3.822 Euro.

Ein wichtiger Einflussfaktor für die unterschiedliche Bezahlung in West- und Ost ist die unterschiedliche Tarifbindung.

„Das mittlere Einkommen der tarifgebundenen Vollzeitbeschäftigten erreicht in Sachsen immerhin das Bundesniveau“, stellt Susanne Schaper fest.

„Das Westniveau ist freilich noch etwas höher. Wer aber nicht durch einen Tarifvertrag geschützt ist, geht mit einem viel geringeren Einkommen nach Hause. Deshalb wollen wir die Tarifbindung erhöhen. Tarifverträge sollten leichter allgemeinverbindlich werden. Der gesetzliche Mindestlohn muss vor Armut schützen, auch im Alter. Öffentliche Aufträge dürfen nur noch an tarifgebundene Unternehmen gehen. Dazu muss das Vergabegesetz geändert werden.“

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