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Jugendtheater in Zeiten der Google-Gesellschaft: Suchen ist für das TdJW das Motto der Saison

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    Dank Suchmaschinen kann man digital so ziemlich alles finden. Für die klassischen Sinnfragen des menschlichen Lebens hält Jürgen Zielinski, Künstlerischer Leiter des Theater der Jungen Welt, die Bühne weiter für unentbehrlich. "Suchen" ist deshalb das Motto der Spielzeit 2013/2014. Eine Saison mit vielen Angeboten, "kein Forschungssemester", so Zielinski.

    Das Theater und das Leben verbinde vor allem eines: das Suchen. So begründete Jürgen Zielinski das Motto der kommenden Spielzeit. Auch in einer digitalen Suchmaschinengesellschaft gehörten die Sinnfragen des Daseins ins Theater, befand Zielinski bei der Spielzeitpressekonferenz an diesem Montag. Als zeitloser Kernauftrag sozusagen. Damit ist für den TdJW-Intendanten zugleich die Sinnfrage der zeitgenössischen Bühnenkunst beantwortet.

    Mit neuen Partnern will sich das Theaterhaus am Lindenauer Markt auf das Suchen und Legen von Spuren machen. Neu mit im Boot ist das Ariowitsch-Haus, das Zentrum jüdischer Kultur in der Leipziger Hinrichsenstraße. Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, verbindet damit das Ziel, „junge Zuschauer hereinzuholen“ in das Haus im Waldstraßenviertel und die Lebendigkeit des heutigen Lebens dort zu zeigen.

    Doch ohne Spurensuche in der Geschichte geht es nicht, gerade an diesem Ort nicht. Das heutige Kulturzentrum entstand zwischen 1928 und 1931 durch eine private Stiftung als Altersheim für orthodoxe Juden. Während der nationalsozialistischen Diktatur mussten jüdische Leipziger hier zwangsweise ihren Wohnsitz nehmen. Nach deren Deportation nach Theresienstadt übernahm die Gestapo, die Geheime Staatspolizei der Nazis, das Haus als Dienststelle.“Was ist passiert außer Folter“, ist eine der Fragen, die Küf Kaufmann gern erforschen und künstlerisch umsetzen möchte. „Die unsägliche Prozessiererei der Nachbarschaft wird auch eine Rolle spielen“, fügte Jürgen Zielinski mit Blick auf die Hürden hinzu, die beim Umbau des Hauses zum jüdischen Kulturzentrum nach 2000 juristisch zu überwinden waren. Am 20. Juni 2014 soll das Sommertheater am und im Ariowitsch-Haus starten.

    Suchen verstanden als vorwärtsgewandter Prozess soll das partizipative Mehrgenerationenprojekt „Blick nach vorn im Zorn“ prägen. Nach den Worten von Projektleiterin Simone Neubauer werden sich Menschen zwischen 9 und 79 Jahren gemeinsam mit Schauspielern der „Konstruktion von Lebensläufen in Abhängigkeit vom Lebensaltern“ stellen. „Welche Spuren finden Kinder vor, welche Spuren legen wir“, sind für Neubauer zwei der Fragen.

    Und vielleicht regt die neue Spielzeit den einen oder anderen Heranwachsenden neu dazu an, seine innersten Gefühle und Begierden beim ersten Verliebtsein in Liebesliedern auszudrücken. Am 12. April 2014 – etwas nach dem Valentinstag, aber noch vor Beginn des Wonnemonats Mai – hat dazu auf der Kleinen Bühne “ I L D ! – Liebeserklärungen von Keilschrift bis Twitter“ Premiere.“Neuland“, so Bildungsagentur-Sprecher Roman Schulz, wird das Theater mit dem Theaterprojekt „Stadt-Land-Spielfluss“ an der Mittelschule Kitzscher betreten. Theater soll damit „als eine Art Rahmenthema“ implantiert werden, erläuterte Schulz das Anliegen des Kooperationspartners Schulverwaltung. Im mathematisch-naturwissenschaftlich geprägten sächsischen Schulbetrieb ist das tatsächlich ein kultureller Wandel mindestens der zweifachen Art.

    „Der meistanziehende Kulturbetrieb der Stadt Leipzig leistet sich eine Such-Spielzeit, ohne die Füße hochzulegen“, fasste Jürgen Zielinski die Vorhaben für die Spielzeit 2013/2014 zusammen. Also acht Neuinszenierungen für Kinder, Familien, Jugendliche und Erwachsene mit mehreren deutschen Erstaufführungen bei einem Repertoire von insgesamt 35 Stücken verschiedener Genres.

    www.theaterderjungenweltleipzig.de

    www.ariowitschhaus.de

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