Wie nun weiter auf dem Jahrtausendfeld? Bis zum Frühjahr vergangenen Jahres war das ja eine durchaus umstrittene Frage. Die Stadtbau AG, der das Grundstück an der Karl-Heine-Straße gehört, blieb ziemlich hartnäckig bei dem großdimensionierten Schulcampus für die Leipzig International School (LIS). Die schiere Größe der Planung löste gerade bei den Eltern der angrenzenden Grundschule in der Gießerstraße nur zu verständliche Ängste aus. Sie schrieben deshalb eine sehr, sehr umfassende Petition.
Die kam am 25. Februar zur Beschlussfassung in den Stadtrat. Immerhin gab es wohlwollende Aussagen aus dem Stadtplanungsamt und einen entsprechend wohlwollenden Beschlussvorschlag des Petitionsausschusses.
Dort weiß man ja auch aus vielen vorhergehenden Petitionen, wie oft gerade die Interessen der schwächsten Verkehrsteilnehmer – also auch der Schulkinder – unter die Räder kommen, wenn nach Schema F geplant wird. Und die bis Frühjahr 2025 vorgelegten Vorstellungen vom neuen LIS-Campus deuteten nicht wirklich an, dass die Bedürfnisse der Kleinsten berücksichtigt wurden.
Sichere Wege für die Schulkinder
Die Petition der Eltern benannte auch diesen Punkt sehr konkret: „Wir fordern außerdem sichere Überwege und die angeleitete Nutzung von Fahrradwegen für alle Schulkinder am Jahrtausendfeld – jetzt und in Zukunft! Zudem sollte der Autoverkehr so weit wie möglich von beiden Gebäuden (das Neuprojekt und die GS Giesserstraße) ferngehalten werden, um die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg dauerhaft rund um das Jahrtausendfeld zu garantieren!
Ein sicherer Schulweg ist das Fundament für eine gute Bildung. Wir appellieren an alle Entscheidungsträger, die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Eltern sowie der Anwohner zu priorisieren, sowie verbindliche Maßnahmen zu ergreifen, die diesen Perspektiven gerecht werden!
Laut dem Zonengutachten SG Leipzig-Plagwitz ist die Lärmbelastung auf der Karl-Heine-Straße durch das derzeitige Verkehrsaufkommen schon jetzt sehr hoch. Es ist zu erwarten, dass der zukünftige Verkehr, eine zwangsläufig höhere Taktung der Straßenbahn sowie die Geräuschkulisse einer Großbaustelle diese Situation weiter verschlimmern werden! Der Lärm wird zwangsläufig Einfluss auf das Lernen in der GS Gießerstraße haben. Diese Belastung ist inakzeptabel und muss verbindlich auf ein Minimum reduziert werden.“
Es ist einer von sechs Punkten, die die Petition formulierte.
Für das Bauhaben für einen LIS-Campus wird das jetzt zwar nicht mehr wirksam, denn die Grundstückseigentümerin zog vor einem Jahr ihre Baupläne zurück.
Aber noch immer läuft bei der Stadt natürlich das Bauplanverfahren, in dem die Stadt definiert, was auf dem „Jahrtausendfeld“ alles berücksichtigt werden soll. Und sowohl das Stadtplanungsamt als auch der Petitionsausschuss befürworteten, dass die Wünsche aus der Petition in das B-Plan-Verfahren einfließen sollen.
Unbedingt eine große Grünfläche
„Die Stadtverwaltung nimmt die in der Petition formulierten Anliegen auf und berücksichtigt diese im laufenden Planungsprozess. Mit dem Beschluss der Ratsversammlung vom 15.01.2025 zur Einleitung des Bebauungsplanverfahrens Nr. 475 ‘Schulcampus Jahrtausendfeld’ wurde die städtebauliche Steuerung der Entwicklung sichergestellt. Eine der zentralen Zielstellungen ist hierbei die anteilige Sicherung einer öffentlichen Grünfläche“, betont deshalb auch der Vorschlag des Petitionsausschusses.
Die Grünfläche hatten die Eltern ganz besonders benannt: „Abschliessend fordern wir mit Nachdruck, dass mindestens 50 % des Jahrtausendfeldes, als öffentliche, nicht umzäunte, biodiverse Grünfläche entwickelt werden. Wir fordern, dass die Eigentümer des mit Altlasten verseuchten Teiles des Jahrtausendfeldes zur Verantwortung gezogen werden, diese Fläche nachhaltig für eine Parknutzung zu sanieren.
Denn die Hitzebelastung im Viertel ist bereits jetzt massiv überhöht und es braucht gesunde Grünflächen [3] – was alle Schulkinder und das Personal der GS Giesserstraße nicht zuletzt auf dem Schulhof in den wärmeren Monaten täglich zu spüren bekommen! Bäume als Schattenspender und kühlende Elemente sind daher unerlässlich. Bitte stimmt für eine kinderfreundliche Stadt für unsere Familien sowie ein Stadtviertel, in welchem das Pflanzengrün deutlich mehr und nicht im Geringsten weniger wird.“
Verkehr ist ein ganz zentrales Thema
Und auch dem stimmte der Beschlussvorschlag des Petitionsausschusses zu: „Die in der Petition angesprochenen Themen – insbesondere Schulwegsicherheit, Baustellen- und Verkehrskonzept, Lärmschutz sowie Doppelnutzungen von Schul- und Sportfreiflächen – werden im Rahmen der Erstellung der Fachkonzepte und Gutachten vertieft untersucht und bei den fachlichen Abstimmungen angemessen berücksichtigt. Übereinstimmend kann festgehalten werden, dass insbesondere die Lösung der verkehrlichen Erschließung für die weiteren Planungsphasen von sehr hoher Bedeutung ist. Im Aufstellungsbeschluss ist diese Zielsetzung explizit formuliert.“
Der Grundstückseigentümerin verfolgt jetzt zwar ihre Pläne für einen LIS-Schulcampus nicht weiter, Aber als Schulstandort kommt das „Jahrtausendfeld“ weiterhin infrage. Nur dass jetzt die Stadt am Zug ist, die Rahmenbedingungen zu definieren, wie hier gebaut werden darf: „Daraus erwächst nun die Herausforderung, eine neue Perspektive für das Jahrtausendfeld gemeinsam mit der Flächeneigentümerin zu entwickeln. Die in der Petition angesprochenen Themen sollen auch dabei angemessen berücksichtigt werden.“
Dieser Vorschlag, alle Punkte aus der Petition bei der „Aufstellung des B-Plans Nr. 475 ‚Schulcampus Jahrtausendfeld‘ und der konkreten Realisierung von Vorhaben angemessen zu berücksichtigen“, bekam am 25. Februar die einhellige Zustimmung der Ratsversammlung. Das gilt jetzt. Und was es wirklich bedeutet, wird man erfahren, wenn der Bebauungsplan zur Abstimmung in den Stadtrat kommt.
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