7.7 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Das Schauspiel zeigt die Doppelbefragung „Jeder stirbt für sich allein/Die Leipziger Meuten“

Mehr zum Thema

Mehr

    Mit Sascha Lange und seiner akribischen Forschung kam das Thema der „Leipziger Meuten“ erst wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Da gab es wirklich bis weit in die NS-Zeit hinein Gruppen junger Menschen in der Stadt, die sich der Gleichschaltung und Uniformierung widersetzten. Das Schauspiel Leipzig bringt die „Leipziger Meuten“ jetzt erstmals auf die Bühne.

    Von der Nachricht des an der Front gestorbenen Sohnes zutiefst erschüttert, entscheidet sich das Ehepaar Quangel, mit Postkarten zum Aufstand gegen das NS-Regime aufzurufen. Derweil besetzen vermehrt Jugendgruppen, die sich als subversive Alternative zur HJ gründen und vom Regime als „Leipziger Meuten“ bezeichnet werden, den öffentlichen Raum. Mit der Suche zweier Generationen nach Möglichkeiten, die eigene Autonomie und Selbstbestimmung angesichts eines diktatorischen Systems zu wahren, setzt das Schauspiel Leipzig seinen Weg der Doppelbefragung fort.

    Armin Petras und Clara Probst haben das Thema mit einem großen Roman verwoben, der dieser Tage wieder neue Leser findet und neues Interesse: Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“.

    Jeder stirbt für sich allein

    Berlin, 1940: Das ältere Ehepaar Otto und Anna Quangel lebt zurückgezogen, als sie die Nachricht erreicht, dass ihr Sohn an der Front gestorben ist. Vom Tod ihres einzigen Kindes zutiefst erschüttert, wächst ihr Zweifel am diktatorischen Regime und sie beschließen, Widerstand zu wagen: Sie verteilen Postkarten, auf denen sie zum Aufstand gegen das Naziregime und dessen Kriegstreiberei aufrufen — in dem Glauben, ihren Mitmenschen auf diesem Weg die Augen zu öffnen …

    Indem „Jeder stirbt für sich allein“ die Verzweiflung und Hilflosigkeit der Quangels sowie die Emotionen ihres Umfelds, die von Angst über Feigheit bis zu Hass reichen, einfängt, entsteht ein Panorama des Lebens im Nationalsozialismus, das durch eine beinahe banale Schonungslosigkeit besticht. Nur am Ende blitzt inmitten aller Ausweglosigkeit tatsächlich eine zarte Hoffnung auf: dass auch aussichtslose Taten nicht vergeblich sind, wenn sie Selbstbestimmung verheißen.

    Hans Fallada, eigentlich Rudolf Ditzen, schrieb diesen Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht, 1946 in lediglich vier Wochen und erlebte dessen Publikation nicht mehr.

    Die Leipziger Meuten

    Leipzig in den 1930ern: Die Gestapo beobachtet vermehrt Jugendgruppen, die den öffentlichen Raum besetzen und durch einheitliche Kleidung und selbst gemachte Abzeichen auffallen. Es sind Mitglieder der „Leipziger Meuten“, der ersten bekannten deutschen oppositionellen Jugendbewegung, die bis zu 1.500 Mitglieder zählt und sich als subversive Alternative zur Hitlerjugend gründet – mit dem Ziel, die eigene Autonomie zu bewahren.

    Ende der 1930er werden Wortführer der Leipziger Meuten unter dem Vorwurf, einen kommunistischen Umsturz zu planen, durch Gestapo, Justiz und Jugendämter verfolgt und zu Gefängnisstrafen verurteilt; einige werden ins KZ Buchenwald gebracht. Doch die Meuten gibt es weiterhin.

    Berlin 1940 und Leipzig in den 1930ern – Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ und das historische Phänomen der Leipziger Meuten. Beide verhandeln Opposition zur Zeit des Nationalsozialismus, einerseits in der Generation der Eltern, andererseits in der Generation der Jugendlichen. Und beiden geht es dabei nicht primär um einen politischen Akt, sondern zuallererst um die Möglichkeit, sich angesichts des diktatorischen Systems für ihre Autonomie und Selbstbestimmung einzusetzen. Aus der Kombination beider Stoffe entsteht ein Spannungsfeld zwischen der Verantwortung des Einzelnen und der Kraft einer Gruppe.

    Das Schauspiel Leipzig setzt mit der Verschränkung von Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ und der historischen Realität der Leipziger Meuten seinen Weg der Doppelbefragung unserer Geschichte fort.

    Das Schauspiel hat Wenzel Banneyer, der den Otto Quangel spielt, zu seiner Rolle befragt. Seit 2013 ist Wenzel Banneyer Ensemblemitglied am Schauspiel Leipzig. Aktuell probt er für seine Rolle als Otto Quangel in „Jeder stirbt für sich allein/Die Leipziger Meuten“.

    Wie würdest du die Figur des Otto Quangel beschreiben?

    Ich glaube, dass er ein gerader Typ ist, der sich in seinem Leben immer sehr sicher ist, weil er sich erst gar nicht so viele Gedanken macht.

    Was ist der größte Unterschied zwischen der Figur und dir?

    So wie Armin Petras ihn inszeniert, ist er sehr schmal in seiner Art und Weise. Er macht nicht zu viel, ist sehr ruhig, sehr direkt, sehr klar. Und da ist er ganz anders als ich, weil ich doch ab und zu dazu neige, ein bisschen mehr über die Stränge zu schlagen.

    Wer ist dein Held oder deine Heldin in der Wirklichkeit?

    Ich kann nicht den einen Helden oder die eine Heldin benennen, aber es ist in der Tat so, dass ich Leute mag, die für ihre Werte einstehen und dafür kämpfen oder sich für andere Leute stark machen.

    Premiere ist am 18. Januar 2019, um 19:30 Uhr auf der Großen Bühne im Schauspiel Leipzig.

    Öffentliche Probe: Am Donnerstag, 10. Januar, um 18 Uhr lädt das Produktionsteam der Inszenierung „Jeder stirbt für sich allein/Die Leipziger Meuten“ für eine Stunde zu einer öffentlichen Probe. Der Eintritt ist frei!

     

    Topthemen

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ