Musiker und ihre Probleme: „Le Klub Analog“ diskutiert im Leipziger Bandhaus der Bandcommunity

"Es wäre gut, wir Musiker würden als Freiberufler anerkannt. Hat man aber mit Behörden zu tun, wird man das Gefühl nicht los, einfach nur als schrulliger Mensch, der einem Hobby nach geht betrachtet zu werden." So lautete ein Einwurf aus dem Publikum bei der Diskussion zum Thema: "Wie viel Musik spielt in Leipzig?", die der Verein Kreatives Leipzig e.V. am Montagabend im Bandhaus abhielt.
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Der Le Klub Analog ist eine neue Veranstaltungsreihe. Sie umfasst Diskussionen zu vielen Branchen der Kreativwirtschaft, wie Design, Buchmarkt und als Auftakt eben zur Musikszene und deren Problemen. Bis in die tiefe Nacht hinein diskutierten Musiker, Labelbetreiber und Politiker bei einer gut besuchten Veranstaltung, bei dem sich die Vereinsmacher wegen des „überwältigenden Interesse“ bedanken.Die Frage im Veranstaltungstitel der ersten Diskussionsrunde des elfteiligen Branchentreffens rund um die Kreativwirtschaft in Leipzig war schnell beantwortet: Eine ganze Menge Musik spielt in Leipzig mit seinen vielfältigen Musikrichtungen. Jazzmusiker und Labelgründer Andreas Großkopf beklagte die sinkende Zahl von Jazzveranstaltungen, sah zugleich aber einen Lichtblick in den Konzerten, im Liveclub Telegraph am Leipziger Dittrichring. Die Vernetzung von Leipziger Musikern und der Hochschule für Musik und Theater habe gut funktioniert um dort Konzerte ins Laufen zu bringen.

Live-Veranstaltungen und vor allem Festivals seien auch in der elektronischen Szene immer wichtiger, sagte Steffen Friedrich, Eigentümer von Freezone Records und DJ. „Wenn man sieht, dass das ‚Nachtdigital‘ (Veranstaltungsreihe elektronischer Musik u.a. auch in der Leipziger Distillery, Anm. d. Red.) innerhalb von Stunden ausverkauft ist, hat das schon Aussagekraft.“ Ansgar König, Sänger im MDR-Rundfunkchor und Leipziger Stadtrat für die Grünen gab einen kleinen Überblick zur Klassik und deren Förderung, Nico Teichmann vom Jazzclub e.V. ergänzte Großkopfs Statement. Auch von auswärts waren Gäste eingeladen: Timotheus Wiesmann als Geschäftsstellenleiter des Verbandes der Hamburger Musikwirtschaft und Janina Klabes, Clustermanagerin für Musikwirtschaft in Mannheim.

Beide konnten aus ihren Erfahrungen verdeutlichen, dass die beiden Städte strukturell Leipzig ein wenig voraus sind. Wiesmann erklärte: „Die Initiative hat sich nach dem Weggang von Universal und BMG aus Hamburg gegründet, aus dem Gefühl heraus, dass die Politik nicht auf die Musikwirtschaft achtet.“ Janina Klabes musste ihre Funktion erst verdeutlichen, sie arbeitet im Auftrag der Kommune im Musikpark Mannheim in einem Unternehmenszentrum für die Musikwirtschaft. „Ein wichtiger Aspekt ist die Vernetzung der Akteure, oft sitzen Firmen, die gegenseitig voneinander profitieren können nur wenige Türen entfernt. Trotzdem wissen sie nicht, was der jeweils andere macht.“

Der Wunsch nach solchen Strukturen für Leipzig kristallisierte sich im Verlauf der Diskussion heraus. „Wenn ich die Anforderungen einer Behörde erfüllt habe, kommt die nächste mit anderen Vorschriften und tritt mir die Beine weg. Innerhalb der Verwaltung müsste mehr koordiniert sein.“, so eine Wortmeldung aus dem Publikum.

Angesprochen wurde „Creative Cities“ und die neu geschaffene Kontaktstelle der Stadtverwaltung für die Kreativwirtschaft. Zugleich wurde Skepsis geäußert, dass sie als Ansprechpartner der gesamten Kreativwirtschaft ausreiche. „Als Veranstalter merke ich, wie schwierig es ist, schon über ein paar Musikstile den Überblick zu behalten, wie soll das dann für gleich mehrere Branchen funktionieren?“

Diese Frage kann möglicherweise am kommenden Montag im Werk II beantwortet werden, wenn sich das Projekt vorstellt (21. Februar im Werk II / Halle D mit Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat, Anm. d. Red.). Für den gestrigen Abend zog Andreas Gro?kopf für sich das Fazit: „Im Augenblick bewegt sich was in Leipzig, es ist jetzt wichtig, dass nicht zu viele Einzelne nebeneinander Strukturen schaffen, sondern miteinander. Es wurde aber auf von städtischer Seite recht spät die Musikszene als Standortfaktor erkannt.“

Die weiteren Veranstaltungen im Rahmen von „Le Klub Analogì“ und Informationen zum Verein
www.kreatives-leipzig.de

Zu Kreativität findet Stadt. Update zum Projekt ‚Creative Cities‘ mit Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat auf Facebook
www.facebook.com/Kreativität findet Stadt

Ein Interview mit Susanne Kucharski-Huniat auf der Seite der Stadt Leipzig von 2010
www.leipzig.de/de/Newsarchiv 2010/März/Huniat-Interview

Jazzmusiker Andreas Großkopf Online
www.groko.de


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