Noch ein Jahr bis zum Jubiläum: Thomas-Trias bereitet das 800-jährige vor

Uhren sind unerbittlich. Kalender sind unerbittlich. Seit Menschen die Zeit erfunden haben, sind sie nicht mehr frei. Nicht einmal beim Feiern ihrer Feste. Und Leipzig erlebt gerade, wie das ist, wenn 800 Jahre herum sind wie im Fluge. 2012 muss gefeiert werden. Die älteste Kultureinrichtung der Stadt feiert.
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Thomana nennt sich mittlerweile diese Trias, die eigentlich ein Quartett ist – entstanden, weil am 20. März 1212 Kaiser Otto IV. dem Markgrafen Dietrich die Stiftung des Thomasklosters der Augustiner-Chorherren bestätigte. Die Mönche siedelten sich damals noch südwestlich der Stadt an. Die Klostergründung gilt als Geburtsstunde der Thomaskirche, des Knabenchores, der Thomasschule und des heutigen städtischen Krankenhauses St. Georg.

Nicht alles so ganz linear. Aber linear ist Geschichte selten. Das Ergebnis zählt. Und das, was bleibt. Alle vier Einrichtungen sind noch da.

Am Mittwoch, 9. März, luden drei davon auf die Empore der Thomaskirche ein, dorthin, wo sonst der Thomaskantor Georg Christoph Biller steht und seine Sängerknaben dirigiert zu den Motetten. Für den Welfen-Kaiser Otto war die Unterzeichnung der Urkunde von 2012 wahrscheinlich nicht einmal ein Ereignis, das in seinem bewegten Leben eine besondere Rolle spielte. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1218 konnte er seine Macht nicht ansatzweise gegen den Gegen-Kaiser Friedrich II. durchsetzen.

Aber Stiftung ist Stiftung. Das Datum zählt.

Und so wird denn auch der Festakt zum Gründungsjubiläum genau am 20. März 2012 im Beisein des Bundespräsidenten Christian Wulff in der Thomaskirche begangen.

Eine Vielzahl an Konzerten, Veranstaltungen, Ausstellungen und einem Kinofilm begleiten das gesamte Festjahr. Bereits am Vortag, dem 19. März 2012 öffnet die zentrale Ausstellung „Jauchzet! Frohlocket!“ zum Thema 800 Jahre Thomana im Stadtgeschichtlichen Museum. Schwerpunkt der multimedialen Sonderausstellung ist der Thomanerchor, dessen bewegte Geschichte im Spannungsfeld Kultur und Politik und die Rolle des Chores in der heutigen Zeit.

„Wir planen eine emotionale Ausstellung, die dem Besucher ein Gefühl dafür vermitteln soll, was es bedeutete und noch immer bedeutet, ein Thomaner zu sein“, erklärt Doris Mundus, stellvertretende Direktorin des Stadtgeschichtlichen Museums. Der Thomanerchor und seine Chorknaben sind auch Mittelpunkt der Dokumentation „Die Thomaner“, die in Kooperation mit Accentus entstanden ist und im März 2012 in die Kinos kommt.
„Die Chorknaben sind keineswegs nur die Engel mit der schönen Stimme, sondern in erster Linie moderne und aufgeweckte junge Menschen“, so Dr. Stefan Altner, Geschäftsführer des Thomanerchores Leipzig. Über ihre individuellen Erfahrungen als Darsteller und einen Blick hinter die Kulissen des Alumnats und des Choralltags werden die Thomaner begleitend in einem Blog berichten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den fünf Festmusiken, die von internationalen Komponisten speziell für das Jubiläumsjahr geschrieben werden. Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller wird mit seiner Komposition zu Ostern unter dem Motto „Vom Dunkel ins Licht“ an die Matthäuspassion anknüpfen.

Da es sich bei allen drei Einrichtungen, Kirche, Schule und Chor um „lebendige Einrichtungen“ (Dr. Stefan Altner) handelt, gehört auch ein zeitgemäßer, gemeinsamer Onlineauftritt zum Programm. Ab nächster Woche soll dieser unter www.thomana2012.de verfügbar sein. Und weitere Höhepunkte sind in Planung.

Neben einem hochkarätig besetzten Fachkongress zum Thema „Kirche in der Gesellschaft“ mit Lothar de Maizière, Hannelore Kraft und Paul Nolte wird es unter anderem eine Jazzmesse in Zusammenarbeit mit der Leipziger Partnerstadt Brno geben. „Die Thomasschule hat es sich zum Ziel gesetzt, das Festjahr durch Projekte, wie künstlerische Wettbewerbe oder ein Musical, in den Schulalltag zu integrieren und die Ergebnisse im Rahmen einer Festwoche im September zu präsentieren“, fasst Michael Rietz von der Thomasschule Leipzig zusammen.

Auch die Universitätsbibliothek widmet sich im Jahr 2012 der Thomana und plant ab Oktober 2012 die Sonderausstellung „Drei Mal Thomas“, die sich speziell den Bibliothekssammlungen in der Universitätsbibliothek der Trias widmet. Susanne Kucharski-Huniat, Kulturamtsleiterin der Stadt Leipzig, bestätigte eine Unterstützung des Jubiläumsjahres in einer Summe von 486.000 Euro und weitere 11 Millionen Euro, die in den Um- und Ausbau des Alumnats fließen. „Die Stadt Leipzig und insbesondere ihre Bürger sind stolz auf eine international bedeutende und einzigartige Kultureinrichtung wie den Thomanerchor und aus diesem Grund unterstützen wir das Jubiläum finanziell.“

Der MDR will – insbesondere im Kulturradio Figaro – fleißig über das Festjahr berichten. Und Christian Wolff, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas Leipzig, freut sich auf eine deutschlandweite und internationale Ausstrahlung der drei Einrichtungen, die 2012 gemeinsam mit dem St. Georg feiern. „Im Festjahr 2012 wollen wir nicht nur zurückschauen, sondern vor allem zeigen, welche Aufgaben die Thomana im Alltag bewältigt und was sie als Kultureinrichtung für jeden einzelnen bedeutet.“

www.thomana2012.de


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