Hof Chaoti: Alles für die Tiere, alles für den Club – Unser Leben für das Tier

Was macht eine Kölner Beamtin nach der Wende in Leipzig? Genau: Sie investiert all ihre Zeit, um sich mit 20 anderen um alte, kranke und ausgesetzte Hängebauchschweine, Pferde, Katzen, Kaninchen oder Gänse zu kümmern. In ihrem eigenen Haus, mit Einsatz ihres kompletten Gehalts.
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„Hof Chaoti – Ein Platz für Tiere in Not e.V.“ steht auf dem bunten Schild direkt an der Hoftür eines unscheinbaren Hauses direkt am Ortseingang von Kölsa bei Wiedemar. Ein Pferd, ein Hund, eine Katze und ein Vogel schauen nicht gerade mit Freuden von diesem Bild auf die Besucher herab, was allerdings nichts mit dem zu tun, was hinter dem Hoftor mit Tieren ihrer Art passiert. Im Gegenteil: Hier erleben diese Tierarten oft bessere Zeiten als vor dem Betreten des „Hof Chaoti“. Hier haben Menschen Gnade mit ihnen, nein, sie nehmen sie als Lebewesen sogar vollkommen ernst, versuchen ihnen, egal ob alt, behindert, misshandelt oder ausgesetzt, ein schönes Leben in Frieden zu ermöglichen.

Auf dem Hof des Grundstücks ist gerade „Oberchaotin“ Regina Berner von Stall zu Stall unterwegs. Vor über 20 Jahren zog die Beamtin von Köln nach Leipzig, hatte aufgrund ihres damals vorhandenen tierischen Anhangs zunächst keine Wohnung und lebte auf dem Campingplatz am Auensee. Einer Nachbarin erzählte sie von ihrem Traum: „Ich wollte kranken und alten Tieren helfen“, so die mittlerweile 56-Jährige, die früher Elefantenwärterin im Zoo werden wollte. Die Nachbarin wusste von einem leerstehenden Haus in Kölsa, einem ruhigen Ortsteil von Wiedemar im Nordwesten von Leipzig.“ Der Startschuss für den „Hof Chaoti“, auf dem sich zu Beginn ein paar Pferde und ein paar Wellensittiche tummelten.
„Hof Chaoti – Ein Platz für Tiere in Not e.V.“ steht auf dem bunten Schild direkt an der Hoftür eines unscheinbaren Hauses direkt am Ortseingang von Kölsa bei Wiedemar. Ein Pferd, ein Hund, eine Katze und ein Vogel schauen nicht gerade mit Freuden von diesem Bild auf die Besucher herab, was allerdings nichts mit dem zu tun, was hinter dem Hoftor mit Tieren ihrer Art passiert. Im Gegenteil: Hier erleben diese Tierarten oft bessere Zeiten als vor dem Betreten des „Hof Chaoti“. Hier haben Menschen Gnade mit ihnen, nein, sie nehmen sie als Lebewesen sogar vollkommen ernst, versuchen ihnen, egal ob alt, behindert, misshandelt oder ausgesetzt, ein schönes Leben in Frieden zu ermöglichen.

„Es hieß, er sei ein ganz Böser, aber hier war er bisher sehr lieb“, so Berner, die jede Sekunde mit ihren Tieren auf dem „Hof Chaoti“ verbringt. „Ich bin 24 Stunden am Tag hier, sieben Tage die Woche, zwölf Monate im Jahr.“ Urlaub kennt sie nur noch aus dem Katalog, ihre Pension geht komplett für den Unterhalt des Hofes drauf. Ihre Klamotten hat sie aus der Kleiderkammer.

Am Anfang kamen viele Jugendliche und Kinder aus dem Dorf und halfen ihr bei der Arbeit. Mittlerweile ist das Interesse der jungen Generation abgeflaut. „Dafür kommen aber Erwachsene, die helfen wollen.“ Insgesamt 20 Helfer unterstützen Berner im Schichtsystem. „Alleine könnte ich diese schwere körperliche Arbeit nicht schaffen, es ist unheimlich wichtig, dass ich dieses Team habe.“
Im Haus wohnen immerhin noch zahlreiche Katzen und Hunde. Jeden Tag müssen Ställe und Katzenklos gereinigt werden, muss gefüttert werden und läuft auch die Waschmaschine. „Die läuft rund um die Uhr, die Energiekosten fressen uns auf.“ Allein 10.000 Euro im Jahr muss der Verein an den Energieversorger zahlen. Finanzielle Unterstützung von der Stiftung Atlantis hilft, die Belastung zu mindern, doch auch für Katzenstreu und Futter muss gesorgt werden. Nahrungsmittel werden teilweise von Leuten aus dem Dorf gespendet. Die Kölsaer haben kein Problem mit dem Hof. „An Feier- und Sonntagen toben die Hunde im Haus, damit die Nachbarn durch das Bellen nicht zu sehr gestört werden“, so Berner, die auch selbst um gute Nachbarschaft bemüht ist.

Katzen und Hunde haben es sich auch an diesem Tag im Haus gemütlich gemacht. Tikwa, eine schmucke Hauskatze, darf als einzige über den Tisch laufen. Allergisch gegen ihre eigenen Zähne, bekommt sie am Tisch Futter, um sich nicht gegen die anderen Katzen behaupten zu müssen. Zähne hat sie keine mehr, ihre Zunge hängt deshalb ein wenig aus dem Mund, lässt sie dropsig-süß aussehen. Dass sie jemand mit nach Hause nehmen wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Kranke, alte oder behinderte Tiere, auf die der „Hof Chaoti“ spezialisiert ist, werden selten gewollt. Ein Tier muss perfekt sein. Aber auch „perfekte“ Tieren haben Halter schnell zu oft gesehen, setzen sie aus oder stecken sie in die Kleintierklappe am Hoftor, in der sich immer wieder Neuzugänge finden.

Zu allererst kommen diese in Quarantäne, werden vom Tierarzt durchgecheckt und geimpft. Erst dann dürfen sie Kontakt mit den „Chaoti“-Bewohnern aufnehmen. Wann Tiere kommen, ist genauso wenig vorhersehbar wie eine Krankheit oder der Tod eines Hofbewohners. „Ein Leben mit Tieren ist einfach nicht planbar, deswegen geht es hier manchmal auch chaotisch zu und darum heißt der Hof auch so“, so „Oberchaotin“ Berner.

Hin und wieder landen auch Katzen in der Kleintierklappe. Die vermittelbaren unter ihnen haben ein eigenes Katzenhaus, ausgestattet mit allerhand Kratzbäumen. Neuester Zugang ist ein auf den Namen „Fundus“ getaufter Kater, der am Viadukt in Wahren so lange gemauzt hat und einem Paar hinterhergelaufen war, bis ihn dieses nach „Chaoti“ brachte. Der Besitzer von Fundus wird seitdem gesucht. Wer gern ein Meerschwein oder ein Kaninchen hätte, kann ebenfalls auf dem Hof „Chaoti“ fündig werden. Im alten Pferdestall nagen über 30 an Möhren.

Am Gartentor schleicht derweil Humboldt herum. Ein Hund mit Alzheimer. „Er kann so nicht vermittelt werden und wird bis zum Ende seines Lebens bei uns bleiben, wie so viele hier.“

Wahrscheinlich auch Regine Berner. Trotz über 20 Jahren Arbeit am Hof „Chaoti“ wirkt sie keineswegs müde, auch wenn sich durch die schwere körperliche Arbeit schon einige Wehwehchen eingestellt haben. „Ich hoffe, ich halte noch einige Zeit durch.“ Ihre Tiere würden es ihr danken.


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