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Gastmanns Kolumne: Frohes Fest!

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    Wenn das Thermometer in Deutschland mal wieder über die 30-Grad-Marke klettert, weiß man verlässlich, dass Weihnachten bald vor der Tür steht. Zumindest in den Geschäften. In wenigen Tagen wird endlich die harte Zeit vorbei sein, in der wir keine Dresdner Stolle und Pulsnitzer Lebkuchen erwerben konnten.

    Ich möchte dieses Jahr aber schneller als der Handel sein und mit der Vorbereitung des Weihnachtsfestes schon jetzt ein wenig beginnen

    Denn man weiß ja: Die Vorbereitung des Festes kann strapaziös sein. Alle hasten herum, wenn für uns eine Zeit angekommen ist, die uns eine große Freude bringen wird. Alle Jahre wieder.

    In den Innenstädten wird sich erneut der Mitmensch ballen, als gälte es, ein Remake der Flucht aus Ostpreußen für die Augen zu intonieren. Blinkende Elchgeweihe aus dem Umland treffen dann stündlich frisch am Hauptbahnhof ein und aus den Boxen irgendeiner nach Öl riechenden Bude lügen die  unerträglichen „Jungen Tenöre“ dreist  behauptend, wir seien alle vom selben Stern. Für einen stadtbekannten „Sauna-Club“ grenzdebilt eine blonde Straps-Weihnachtsmann-Darstellerin mit dem Christkind um die Wette und Heiligabend gibt’s dort einen Cumshot mit dem Weihnachtsmann. Halleluja! Dann endlich ist Winter in Deutschland und es weihnachtet offiziell sehr.

    Auch im Privaten wird pünktlich zum Fest die Vorratskammer für Gefühle wieder aufgemacht und jede Menge Verwandte stehen herum und decken mit ihrer Rührung den Anlass zu. Es ist ein unschönes Gefühl, aber leider vorhanden: Es ist, als wirtschafteten wir die Weihnachtszeit in den letzten Jahren irgendwie endgültig zum Twingo unter den christlichen Festen herunter. Dabei scheint gerade jetzt die Weihnachtsgeschichte so aktuell wie nie.

    Bedauerlicherweise steht damit rasch die Frage im Raum: Wie wäre es Maria und Joseph wohl heute bei uns gegangen?

    Noch bedauerlicher ist: Es gibt berechtigten Anlass zu glauben, dass deren Chance auf Aufnahe vermutlich ganze 2015 Jahre nach der berühmten Nummer im Stall zu Bethlehem noch immer gegen Null tendierte.

    So schätzt es jedenfalls der kirchliche Flüchtlingsbeauftragte der Lippischen Landeskirche, Dieter Bökemeier, ein. In der „Lippischen Landeszeitung“ schreibt er, dass selbst im Fall, dass die beiden samt Säugling den Weg über das Mittelmeer in Richtung Lampedusa nach Deutschland geschafft hätten, ihr Asylantrag wenig Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.

    „Vermutlich würde man sie in ein sicheres Drittland zurückschicken, das sie auf ihrer Flucht betreten hätten“, äußert sich Bökemeier weiter.“ Außerdem habe Galiläa selbst damals als relativ ruhiger Ort gegolten.

    „Es gäbe überhaupt keine Chance auf Anerkennung als Asylbewerber“, lautet sein betrübliches Fazit  und das Schlimmste ist, dass der Mann vermutlich Recht damit hat.

    Auch wenn man an die weiteren Beteiligten der Weihnachtsgeschichte denkt, wird einem nicht unbedingt weihnachtlicher ums Herz: Die drei Wüstensöhne, die sich als weise Männer  aus dem Morgenland ausgaben, wären doch bald im Fokus des Innenministeriums gelandet, mit dem Verdacht, sich illegal im Lande aufzuhalten – vor allem vor dem Hintergrund, dass sie sich weder ausweisen noch ihren Besitz von Gold, Weihrauch sowie Myrrhe erklären konnten. Nicht auszudenken!

    Wenn man ehrlich ist, sieht es leider aus, als hätten wir seit der Verkündung der frohen Botschaft keine sonderlichen Erfolge zu verzeichnen

    Wäre es denn dann nicht angesichts der Zahl 400.000, die in etwa die Menge der augenblicklichen Asylanträge in Deutschland angibt, dringend an der Zeit, sich einfach mal rigoros zur Güte zusammenzurotten? Ich meine so richtig forever and ever, meinetwegen sogar „nachhaltig“?

    Mal eine verfahrene Situation durch ein Lächeln zu entgiften? Jemanden mit etwas Herzlichkeit zu verblüffen? Mal die Nächstenliebe in Nächstenliebe-Studios zu trainieren und den Selfie-Stab nicht gleich über jeden Fremden zu brechen? Weil der einem eben nicht unweigerlich und zwangsläufig immer gleich an Leib und Laptop will?

    Was würde denn passieren, wenn man mal das nie gewagte Experiment allgemeiner Rücksichtnahme in Angriff nähme und überdies eine gewisse Nähe zuließe, vielleicht sogar am Weihnachtsabend in den eigenen vier Wänden? Oder schon beim Lebkuchenkauf im August?

    Wäre dann vielleicht wirklicher „Friede und den Menschen ein Wohlgefallen“ etwas gegenständlicher?

    Gut, ich halte die Pathos-Taste am Rechner schon nicht mehr gedrückt.

    Vollkommen ausreichend ist es, in den kommenden Tagen einmal genauer hinzusehen in den Regalen bei Marktkauf und Co.: Es werden genügend Lebkuchen für alle da sein!

    Aus diesem Grund wünsche ich uns prophylaktisch schon mal für dieses Jahr ein wirklich frohes Fest.

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