An diesem Wochenende, in der Nacht vom 30. zu 31. März, werden die Uhren in der EU wieder von Winter- auf Sommerzeit umgestellt. Dabei hatte die EU bereits 2018 vorgeschlagen, die Zeitumstellung abzuschaffen. Im März 2019 hat das Parlament dann diesem Vorschlag zugestimmt. Aber noch immer stellen die Europäer am letzten Märzwochenende die Uhren um. Und einige leiden unter der Umstellerei auch gesundheitlich.

Das hat die DAK auch in diesem Jahr wieder ermittelt. Die Zusammenfassung: „Müde, gereizt, depressiv: Immer mehr Menschen haben gesundheitliche Probleme infolge der Zeitumstellung. Aktuell leiden 30 Prozent der Deutschen durch den Wechsel von der Winter- zur Sommerzeit. Das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr und damit der höchste Wert der letzten zehn Jahre. Frauen sind fast doppelt so stark betroffen wie Männer.“

Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage der DAK-Gesundheit aus dem März 2024, bei der zwischen dem 1. und 5. März 1.000 Menschen bundesweit befragt wurden. Mit 74 Prozent hält die große Mehrheit der Befragten die Zeitumstellung für überflüssig und würde sie abschaffen. Nur 23 Prozent halten diese für sinnvoll.

Aber nun kommt es doch: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren von zwei auf drei Uhr vorgestellt. Ab dann gilt in allen Ländern Europas wieder die Sommerzeit.

Viele leiden unter der Zeitumstellung

Laut DAK-Umfrage leiden 30 Prozent der Befragten an den Folgen der Zeitumstellung. Dies stellt einen Rekord innerhalb der letzten zehn Jahre dar und bedeutet einen Anstieg um fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
Frauen sind mit 39 Prozent besonders betroffen – ein Anstieg von neun Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr, während nur 20 Prozent der Männer von ähnlichen Problemen berichten. Die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen zeigt mit 39 Prozent die größten Beschwerden in Verbindung mit der Zeitumstellung.

Rund 79 Prozent der Betroffenen fühlen sich müde und schlapp, während 63 Prozent über Einschlafprobleme und Schlafstörungen klagen.

Weitere häufig genannte Beschwerden sind Konzentrationsschwierigkeiten (39 Prozent) und Gereiztheit (32 Prozent). Zudem berichten zehn Prozent der Befragten über depressive Verstimmungen. Fast ein Fünftel der Berufstätigen (19 Prozent) gibt an, aufgrund der Zeitumstellung nicht pünktlich zur Arbeit gekommen zu sein.

Die Geschichte der Sommerzeit

In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Sommerzeit im Jahr 1980 als Reaktion auf die Ölkrise zwei Jahre zuvor eingeführt, um Energie zu sparen. Seit 1996 gilt die Sommerzeit EU-weit und beginnt jeweils am letzten Sonntag im März.

Am letzten Sonntag im Oktober werden die Uhren dann in allen Staaten der Europäischen Union wieder auf die Winterzeit – also die Normalzeit – zurückgedreht.

In einer EU-weiten Befragung sprach sich im Sommer 2018 eine große Mehrheit von 84 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ein Ende der Zeitumstellung aus.

Auch das Europäische Parlament stimmte im März 2019 mit deutlicher Mehrheit für eine Abschaffung im Jahr 2021. Hierfür wäre eine Einigung der einzelnen Mitgliedsstaaten nötig gewesen. Diese wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt.

Uneinig ist man sich vor allem darin, ob nach einer Abschaffung die Normalzeit oder die Sommerzeit gelten soll. Ob die Diskussion in naher Zukunft wieder Fahrt aufnimmt, ist nun auch angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen und Herausforderungen in Europa zweifelhaft.

Ein Ende, das nicht kam

Auch das Europaparlament hat seine Entscheidung zur Abschaffung der Zeitumstellung auf Studien berufen, denen zufolge die Zeitumstellung negative Effekte auf die Gesundheit hat.

Vor allem aber war die Öffentliche Konsultation der EU-Kommission Basis, an der im Sommer 2018 4,5 Millionen Menschen teilgenommen haben, von denen 84 % für die Abschaffung der Zeitumstellung waren. Nur 16 % wollten die Zeitumstellung behalten.

Die einzigen Mitgliedsstaaten, die für eine Beibehaltung waren, waren Zypern und Griechenland, sehr knapp. Malta war gespalten.

Eigentlich sollte die Zeitumstellung im Frühjahr 2021 die letzte für die Mitgliedsstaaten sein, die die Sommerzeit behalten wollen. Mitgliedsstaaten, die die Winterzeit behalten wollen, sollten das letzte Mal am letzten Sonntag im Oktober 2021 die Uhr umstellen.

Diesen Prozess sollten die Mitgliedsstaaten untereinander koordinieren, sowie einen Mechanismus ins Leben rufen, um den Binnenmarkt zu schützen und einen Flickenteppich aus verschiedenen Zeitzonen in der EU zu verhindern.

Auf diesen Mechanismus hat der Binnenmarktausschuss des Parlaments besonderen Wert gelegt. Das Ganze sollte 2025 evaluiert werden.

Obwohl die Kommission in ihrem Arbeitsprogramm 2020 den Abschluss dieser Gesetzgebung priorisiert hat, war die Gesetzgebung im Rat blockiert, der mit qualifizierter Mehrheit entscheiden muss.

Daher sollte eine Folgeabschätzung neuen Schwung in die festgefahrene Debatte bringen und zwischen den verschiedenen Positionen der Mitgliedsstaaten vermitteln.

Aber wie ist jetzt der aktuelle Stand?

„Manche Menschen finden sie einfach nur lästig, andere macht sie leider richtig krank: Die halbjährliche Umstellung unserer Uhren von Winter- auf Sommer- und wieder auf Winterzeit. Demgegenüber ist der erhoffte Nutzen des Energiesparens größtenteils ausgeblieben. Folgerichtig war eine große Mehrheit der Menschen, die an einer Befragung der Europäischen Kommission teilgenommen haben, nicht gerade begeistert von der halbjährlichen Übung, die wahlweise eine Stunde Schlaf schenkt oder raubt“, kommentiert Anna Cavazzini, grüne EU-Abgeordnete aus Chemnitz und Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, den Stand der Gesetzgebung zur Abschaffung der jahreszeitlich bedingten Zeitumstellung.

„Am Ende dieser Legislaturperiode bleibt leider festzuhalten, dass die Abschaffung der Zeitumstellung zum Rohrkrepierer im Rat geworden ist“, so Cavazzini.

„Um weiteren Frust zu vermeiden, muss der Rat endlich den gordischen Knoten der divergierenden Meinung der Mitgliedsstaaten lösen und sich positionieren. So können wir in der ordentlichen Gesetzgebung endlich vorankommen. Die Zeit zwischen Europawahl und neuem Arbeitsprogramm der Kommission ließe hierfür diesen Sommer ausreichend Raum. So kann die EU das überfällige Versprechen einlösen, die Zeitumstellung abzuschaffen.”

Den Beschluss des Europaparlamentes findet man hier.

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