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Zeitumstellung geht auf die Psyche: 30 Prozent der Menschen klagen über körperliche oder psychische Beschwerden 

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    Am kommenden Sonntag, 31. Oktober, ist es wieder so weit. Dann werden nachts die Uhren von drei auf zwei Uhr zurückgestellt. Ab dann gilt in allen Ländern Europas wieder die Winter- beziehungsweise Normalzeit. Eigentlich wollte die EU die Umstellerei längst beenden. Aber man kann sich nicht wirklich einigen. Denn eigentlich braucht niemand mehr diesen Trick, mehr Arbeitszeit zu schinden. Und viele leiden. Nicht nur an der Umstellung.

    Die DAK erhebt seit Jahren entsprechende Daten zur Auswirkung der Zeitumstellung auf die Gesundheit der Deutschen. Und das Problem ist ja auch deshalb auf die Tagesordnung gekommen, weil tatsächlich mehr Menschen darunter leiden. Denn tatsächlich ist die Zeitumstellung ja Teil eines sowieso schon eng getakteten Zeitregimes, das das Leben der meisten Deutschen auf Trab hält.

    Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage

    Knapp ein Drittel der Menschen hatte nach einer Zeitumstellung schon einmal körperliche oder psychische Probleme. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit. Befragt wurden dazu vom 28. bis 30. September 1.003 Menschen bundesweit.

    Mit 30 Prozent liegt dieser Wert auf dem Höchststand der vergangenen Jahre. Über drei Viertel der Befragten sagen, die Zeitumstellung sei überflüssig und sollte abgeschafft werden.

    Im Vergleich zum Jahr 2017 ist die Zahl derjenigen, die bereits gesundheitliche Probleme nach der Zeitumstellung hatten, um acht Prozentpunkte gestiegen. Mit 30 Prozent klagt nun fast ein Drittel darüber – der Höchststand der vergangenen Jahre. Frauen leiden dabei mit 39 Prozent deutlich häufiger unter der Zeitumstellung als Männer (21 Prozent). Mehr als drei Viertel derjenigen, die schon einmal Probleme nach der Zeitumstellung hatten, fühlen sich dabei schlapp und müde (80 Prozent).

    An zweiter Stelle der Beschwerden stehen mit 67 Prozent Einschlafprobleme und Schlafstörungen, von denen Frauen mit 70 Prozent besonders häufig betroffen sind. 42 Prozent können sich nach der Zeitumstellung schlechter konzentrieren, fast ein Drittel fühlt sich gereizt. Mehr als jeder Zehnte leidet gar unter depressiven Verstimmungen. Insgesamt 17 Prozent aller Erwerbstätigen kam nach der Zeitumstellung schon einmal zu spät zur Arbeit.

    Wo ist der Sinn des Ganzen?

    Insgesamt halten nur noch 17 Prozent der Befragten die Zeitumstellung für sinnvoll – so gering war die Zustimmung seit vier Jahren nicht mehr. 78 Prozent gaben hingegen an, sie sei überflüssig und solle abgeschafft werden. Besonders hoch ist die Zustimmung zur Zeitumstellung nach wie vor in Bayern mit 21 Prozent, dicht gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 20 Prozent. Besonders unbeliebt ist die Zeitumstellung im Osten: Hier gaben nur 10 Prozent der Befragten an, sie für sinnvoll zu halten.

    Warum es diese Unterschiede gibt, hat die DAK nicht gesondert untersucht. Aber natürlich hat das Verhältnis zu diesem Eingriff in den täglichen Zeitablauf auch damit zu tun, wie eng das eigene Zeitkorsett schon ist, wie stark die Befragten belastet sind von Anforderungen der Mobilität und Flexibilität, wie es im modernen Arbeits-Deutsch heißt, wie lang ihre Pendlerwege zur Arbeit sind und ihre Möglichkeiten, sich ihre Arbeit frei einzuteilen zu können.

    Und natürlich auch, wie stark betroffen sie von Schichtarbeit oder gar Nachtarbeit sind. Wenn man diese sowieso schon gesundheitsstressenden Rahmenbedingungen dazunimmt, die ja in den vergangenen Jahren eher zugenommen haben als abgenommen, wird auch die Sicht auf dieses Umstellen des Weckers eine andere.

    Und es wird sichtbar, dass auch die Zeitumstellung dann nur ein zusätzlicher Faktor ist, der Beschäftigte in ein rigides Zeitregime zwingt, in dem sie keine Möglichkeiten haben, auszuweichen. Also einfach mal auszuschlafen und auch den Arbeitsrhythmus zu ändern. Oder überhaupt dem eigenen Biorhythmus zu folgen, der ja aufs Engste mit dem Rhythmus der Sonnenaufgänge verbunden ist.

    Dabei leben wir in einer Gesellschaft, in der immerfort davon geredet wird, Arbeit würde zusehends verschwinden, immer weniger Menschen würden überhaupt noch einer Erwerbsarbeit nachgehen können. Doch aus dem engen Korsett einer streng getakteten und unflexiblen Anstellung kommen die allerwenigsten heraus. Mit entsprechenden Folgen genau in der Zeit, in der die Uhren umgestellt werden und der Körper sich oft über Wochen in einer „Knautschzone“ befindet, in der der eigene Rhythmus mit dem Stand der Sonne in keiner Weise im Einklang ist.

    Die Geschichte der Zeitumstellung

    In der Bundesrepublik Deutschland sowie fast zeitgleich in der DDR wurde die Sommerzeit im Jahr 1980 als Reaktion auf die Ölkrise eingeführt. Ziel dieser Maßnahme war es, Energie zu sparen. Seit 1996 gilt die Sommerzeit EU-weit und beginnt jeweils am letzten Sonntag im März. Am letzten Sonntag im Oktober werden die Uhren dann in allen Staaten der Europäischen Union wieder auf die Winterzeit – also die Normalzeit – zurückgedreht.

    Eigentlich war die Abschaffung für Ende dieses Jahres geplant. Das sah ein Beschluss des Europäischen Parlaments vor. Bisher fehlen jedoch weitere konkrete Planungen auf EU-Ebene, vor allem durch die Corona-Pandemie verschwand das Thema wieder von der Agenda. Für eine endgültige Abschaffung wäre ein Beschluss des Rats der Europäischen Union nötig.

    Für einen besseren Schlaf bietet die DAK-Gesundheit im Internet ein umfangreiches Schlaf-Special an: Auf www.dak.de/schlaf gibt es viel Wissenswertes rund um das Thema gesunder Schlaf sowie ein Schlaftagebuch. Betroffene können damit ihren Schlaf-Wach-Rhythmus genau protokollieren. Das ist eine Grundlage, um Beschwerden einordnen zu können.

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