Für Beschäftigte und Auszubildende im Berliner Tischlerhandwerk gelten künftig deutlich attraktivere Tariflöhne. Darauf haben sich die IG Metall und die Tischler-Innung bereits im Oktober bei ihrer Tarifverhandlung geeinigt. Die Entgelte steigen in drei Stufen um rund 15 Prozent, die Ausbildungsvergütungen steigen ebenfalls. Außerdem haben sich die Tarifvertragsparteien auf eine steuerfreie Coronaprämie für die Gesellen verständigt.

Mit der Novemberabrechnung erhalten die Beschäftigten eine Coronaprämie von 375 Euro netto, die die Arbeitgeber als Ausgleich für die höheren Anforderungen während der Pandemie zahlen. Ab Januar 2022 steigen die Löhne für Altgesellen um 1 Euro pro Stunde auf 14,90 Euro, das sind 7,4 Prozent mehr Geld. Die zweite Stufe tritt zum 1. Januar 2023 in Kraft und beschert den Beschäftigten weitere 3,5 Prozent mehr Geld.

Zum 1. Januar 2024 steigen die Löhne nochmals, um weitere 3,8 Prozent. Der Altgesellenlohn beträgt dann 16 Euro. Damit erhöhen sich die Löhne der Altgesellen binnen 24 Monate um insgesamt 2,10 Euro bzw. 15,1 Prozent. Die Laufzeit des Tarifvertrags geht bis Ende 2024 und gilt rückwirkend ab Juli 2021.

Die Zeiten, in denen Tischlergesellen nur unterdurchschnittliche Tarife hatten, sind mit diesem Tarifabschluss endgültig vorbei“, sagt Bodo Grzonka, Bezirkssekretär der IG Metall und Verhandlungsführer. „Die Arbeitgeber haben erkannt, dass sie auch attraktive tarifliche Arbeitsbedingungen anbieten müssen, um gut qualifizierte Fachkräfte dauerhaft zu halten oder anzuwerben, denn auch die schönste Romantik des Berufs nutzt nichts, wenn man in Berlin nicht mehr von der Hände Arbeit leben kann.“

Dazu trägt auch eine weitere Regelung aus dem Tarifabschluss bei: Junggesellen steigen künftig bereits nach zwei statt drei Jahren in die Altgesellengruppe auf und werden dort entsprechend 13 Prozent höher vergütet. „Es ist mehr denn je entscheidend, dass junge Menschen auch im Handwerk eine gute Perspektive für ihre berufliche und damit finanzielle Entwicklung haben. Das Handwerk darf nicht weiter jeden dritten Junggesellen an die Industrie verlieren, weil dort bessere tarifliche Bedingungen vorliegen, sonst bricht uns eine tragende Säule der Wirtschaftskraft weg!“, mahnte Bodo Grzonka.

Auch die Auszubildenden im Tischlerhandwerk profitieren von dem neuen Tarifabschluss. Ihre Ausbildungsvergütungen steigen bereits rückwirkend zum 1. September 2021 auf zunächst 650 Euro im ersten Ausbildungsjahr, 770 Euro im zweiten und 950 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Weitere Erhöhungen der Ausbildungsvergütung erfolgen zum 1. September 2022 und zum 1. September 2023.

Seit 2000 vertritt die IG Metall auch die Interessen aller Beschäftigten im Holz- und Kunststoffbereich – Industrie und Handwerk; in diesem Jahr haben sich die IG Metall mit der Gewerkschaft Holz und Kunststoff (GHK) zusammengeschlossen.

Im Berliner Tischlerhandwerk arbeiten laut Handwerkszählung rund 3700 Beschäftigte in rund 530 Betrieben mit einem Jahresumsatz von rund 340 Millionen Euro.

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