Mit einem Festakt im kleinen Haus des Staatsschauspiel Dresden wurde am Montagabend, den 8. November, der diesjährige Sächsische Förderpreis für Demokratie verliehen. Die Auszeichnungen für Vereine, Initiativen und eine Kommune verdeutlichen ein breites und starkes Fundament für das demokratische Engagement im Freistaat. Staatsministerin Petra Köpping betonte die Wichtigkeit des Engagements in Sachsen und lobte die Arbeit der ausgezeichneten Initiativen.

Erster Peter-Henkenborg-Preis

Mit dem „Peter-Henkenborg-Preis“ vergaben die auslobenden Stiftungen und das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung (SMJusDEG) in diesem Jahr außerdem erstmals einen neuen Sonderpreis. Benannt nach dem 2015 verstorbenen Didaktik-Professor der TU Dresden, Peter Henkenborg, wurden Projekte gesucht, die sich durch neue, innovative und herausragende Ansätze in der politischen Bildung auszeichnen.

Der erste „Peter-Henkenborg-Preis für die Didaktik der politischen Bildung“ ging an den Verein ASA FF e.V. aus Zwickau für dessen Projekt „Offener Prozess“. In dem Projekt wurde unter anderem ein Methodenhandbuch entwickelt, das zahlreiche Impulse für politische Bildung und Erinnerungsarbeit im Kontext der Aufarbeitung des NSU-Komplex bietet. Die Vermittlung der Perspektiven der Betroffenen erhält darin einen besonderen Fokus.

Eine zuvor stattgefundene Podiumsdiskussion thematisierte die Aufarbeitung der Verbrechen des NSU. Katja Meier, Staatsministerin der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung, sieht im Projekt „Offener Prozess“ einen wichtigen Beitrag in deren zukünftiger Gestaltung: „Mit großem Respekt beglückwünsche ich die Gewinnerinnen und Gewinner des Peter-Henkenborg-Preises für die Didaktik der politischen Bildung 2021. Die juristische und strafrechtliche Aufarbeitung der NSU-Taten ist von enormer Bedeutung.

Unsere Auseinandersetzung mit rassistischer Gewalt und ihren Auswirkungen muss jedoch darüber hinausgehen. Sie muss alle Seiten der Zivilgesellschaft einbeziehen. Die Kompetenz und Kreativität des Zwickauer Vereins ASA FF e.V. und dessen Projekt „Offener Prozess« haben darum nicht nur die Jury, sondern auch mich sehr beeindruckt. Gerade gegenüber den Opfern des rechtsextremen Terrors des NSU zeigt das Projekt eine große empathische Haltung in der Tiefe der Auseinandersetzung und der Vielfalt der Methoden.“

Zwei Hauptpreise beim Sächsischen Förderpreis für Demokratie

Die Jury des Sächsischen Förderpreises für Demokratie entschied sich 2021, zwei Hauptpreise zu vergeben, die mit jeweils 3.000 Euro dotiert sind. Den ersten Hauptpreis erhält eine Initiative aus Pirna. Unter den Namen „bring back our neighbours“ hatten sich Menschen aus Pirna zusammengefunden, um spontan gegen die Abschiebung einer Familie aus Georgien zu protestieren. Nach der Abschiebung organisierte die Initiative Proteste und hatte damit Erfolg. Heute lebt die Familie wieder in Pirna. Die Initiative verdeutlicht die Wichtigkeit von nachbarschaftlicher Solidarität und zeigt beispielhaft, dass Protest Erfolg haben kann.

Den zweiten Hauptpreis verlieh die Jury an den Plauener Verein colorido. Hinter dem Verein stehen verschiedene Menschen aus Plauen und dem Vogtland, die vor Ort Proteste gegen extrem rechte Strukturen organisieren und die sich mit künstlerischen und kulturellen Angeboten für eine Stärkung der Demokratie einsetzen.

colorido steht damit beispielhaft für viele Vereine in Sachsen, die auch fernab der Städte Engagement zeigen und sich nicht durch lokale rechtsextremistische und –populistische Akteure oder mangelnde Unterstützung aus der Politik entmutigen lassen. Anerkennungspreise, jeweils dotiert mit 1.000 Euro, gab es für den CSD Chemnitz e.V., Roter Baum e.V., SAfT e.V. (Taucha b. Leipzig) und das Projekt „spreu x weizen“ der Rederei aus Dresden.

Der Kommunenpreis 2021 ging an die Stadt Hoyerswerda. Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh nahm den Preis stellvertretend für Stadtverwaltung und zahlreiche engagierte Bewohnerinnen und Bewohner entgegen. Vorbildlich hat sich die Stadt für eine Aufarbeitung der rassistischen Pogrome vor 30 Jahren eingesetzt.

Anders als in früheren Jahren finden Anwohnerinnen und Anwohner den Mut, über die Geschehnisse zu sprechen. Auch Migrantinnen und Migranten, die damals in Hoyerswerda lebten, wurden zu Veranstaltungen eingeladen und konnten ihre Erlebnisse schildern. Die Jury würdigt den Wandel in der Stadt und will mit der Auszeichnung den eingeschlagenen Weg unterstützen.

Begleitet wurde der Festakt durch eine Festrede der Literaturwissenschaftlerin Katharina Warda und Musikbeiträge der Leipziger Musikerin Paula Linke.

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