Die Studium-universale-Ringvorlesung der Universität Leipzig widmet sich im Wintersemester 2026/27 einer Grundfrage des menschlichen Zusammenlebens. Der Titel der öffentlichen Vorlesungsreihe lautet „Regeln & Brüche. Über Normen, Tabus und kreative Überschreitung“. Auf dem Programm stehen elf Veranstaltungen. Los geht’s am 28. Oktober 2026. Zu den Höhepunkten der Reihe zählt der Abend „Wunde Stadt. Der Terrorakt von Magdeburg im Theater“ mit den künftigen Intendant:innen des Schauspiels Leipzig.

Es sprechen Fachleute aus Philosophie, Geschichts-, Politik- und Kommunikationswissenschaft, Informatik, Medizinethik, Stadtplanung, Bildung, Theater und Literatur. Die Ringvorlesung richtet sich an alle an dem Thema Interessierten. Beteiligt sind Expert:innen der Universität Leipzig, der HTWK Leipzig, des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), des Landesamtes für Schule und Bildung (LaSuB) sowie der Deutschen Nationalbibliothek (DNB).

Prof. Dr. Frank Gaunitz, ehrenamtlicher Leiter des Arbeitskreises des Studium universale, betont die Bandbreite der Reihe: „Regeln geben uns Halt, doch Fortschritt entsteht oft gerade dort, wo jemand sie hinterfragt. Ich erwarte jeden einzelnen Vortrag mit großer Spannung, denn jeder beleuchtet das Thema aus einem ganz eigenen Blickwinkel.“

Zum Auftakt hält PD Dr. Robert Feustel von der Universität Leipzig den Vortrag „Der verbotene Rausch. Wie Drogen zum Problem wurden“. Feustel zeigt, dass der Gebrauch von Rauschgiften erst seit dem frühen 20. Jahrhundert stigmatisiert, pathologisiert und kriminalisiert wird. Er wirbt für einen nüchternen Blick und eine differenzierte Sprache jenseits von Verherrlichung und Alarmismus.

Die folgenden Vorträge zeigen, wie vielfältig das Thema ist. Prof. Dr. Patrick Donges von der Universität Leipzig fragt beispielsweise, wie Digitalisierung und soziale Medien die „Grenzen des Sagbaren“ verschoben haben. Prof. Dr. Jörn Hoffmann von der HTWK Leipzig demonstriert live, wie Hacker denken und warum sichere IT-Systeme ohne die Perspektive des Angreifers nicht zu haben sind. Prof. Dr. Matthé Scholten von der Universität Leipzig beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Zwang in der Psychiatrie.

Grundsätzlich wird es bei Prof. Dr. Sebastian Rödl. Der Philosophieprofessor der Universität Leipzig fragt in seinem Vortrag „Die Mediokrität der Normen“, was es eigentlich heißt, dass eine Norm für uns gilt. Prof. Dr. Andreas Zaby von SPRIND widmet sich dem produktiven Regelbruch und fragt, ob „Disruption Made in Germany“ möglich ist.

Prof. Dr. Maren Röger und Alexander Weidle vom GWZO zeigen, wie unterschiedlich die Bundesrepublik und die DDR mit „Flucht und Vertreibung“ umgingen. Anastasia Wendt und Ingolf Thiele vom LaSuB fragen in „Die Neutralitätslüge“, wo die Grenzen politischer Bildung an Schulen liegen. Zum Abschluss spricht Stadtplaner Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup über kreative Regelüberschreitungen in der Stadtentwicklung, von den Hausbesetzungen bis zum Guerilla-Urbanismus.

Zu den Höhepunkten der Reihe zählt der Abend „Wunde Stadt. Der Terrorakt von Magdeburg im Theater“. Clara Weyde, Clemens Leander und Bastian Lomsché leiten derzeit das Theater Magdeburg und übernehmen ab der Spielzeit 2027/2028 die Intendanz des Schauspiels Leipzig. Sie berichten, was geschieht, wenn Theater einen Terrorakt und dessen Folgen für die Stadtgesellschaft aufgreift. Ist das Tabubruch, kollektive Traumatherapie oder künstlerische Verarbeitung?

„Dass Clara Weyde, Clemens Leander und Bastian Lomsché zu uns kommen, ist ein echter Glücksfall“, sagt Dominik Becher, langjähriger Mitarbeiter des Studium universale. „Sie zeigen, wie Theater auf ein kollektives Trauma reagieren kann. Und das Leipziger Publikum kann die künftige Intendanz des Schauspiel Leipzig schon jetzt kennenlernen.“

Ein literarischer Höhepunkt ist das Gespräch „Tropen und Tabu“. Darin unterhalten sich die Schriftstellerin und Buchgestalterin Judith Schalansky und Andreas Platthaus, Leiter des Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, über die Weisheit wilden Wissens. „Ich freue mich ganz besonders auf das Gespräch zwischen Judith Schalansky und Andreas Platthaus“, sagt Stephanie Jacobs von der Deutschen Nationalbibliothek, die in diesem Jahr intensiv an der Programmgestaltung mitgewirkt hat. „Zwei so kluge Stimmen aus Literatur und Literaturkritik im Dialog zu erleben, verspricht einen außergewöhnlichen Abend.“

Die Ringvorlesung „Regeln & Brüche. Über Normen, Tabus und kreative Überschreitung“ lädt dazu ein, Normen und Tabus nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern ihre Herkunft, ihren Sinn und ihre Grenzen zu befragen. Bis auf die Veranstaltung mit Judith Schalansky und Andreas Platthaus im Großen Lesesaal der DNB finden alle Veranstaltungen mittwochs um 19 Uhr im Hörsaal 2 des Hörsaalgebäudes auf dem Campus Augustusplatz statt und sind für alle Interessierten kostenlos. Informationen rund um die Vorlesungen sind im Programm zu finden.

Die Veranstalter bitten um eine vorherige Anmeldung.

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