Grünau zwischen Stärkung und Stilllegung: Streit um Breisgaustraße und Perspektiven in Schönau

"Grünau für die Zukunft stärken" heißt es beim nächsten Forum Grünau am 4. Dezember. Gestärkt werden soll dabei die alte Ortslage Schönau: durch die Aufwertung des Lindenauer Hafenareals. Im Kernbereich des Plattenbaugebietes geht hingegen die Angst um, dass auf Wohnungsstilllegungen erneut Abrisse folgen könnten. Der Jugend- und Freizeittreff "Völkerfreundschaft" in der Stuttgarter Allee 9 ist ein bekannter Veranstaltungsort in Grünau. Er liegt mitten im Zentrum von Leipzigs westlichstem Stadtbezirk.
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Dort wird am kommenden Dienstag, 4. Dezember 2012, ab 18 Uhr, das nächste „Forum Grünau“ stattfinden. Veranstalter sind das städtische Baudezernat sowie die örtlichen Großvermieter WBG Kontakt, die Unitas Leipzig e.G., die Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft VLW und die stadteigene LWB.

Um den Wohnkomplex 5.1 soll es am Montag gehen: den nördlichen Teil von Grünau, im Wesentlichen die alte Ortslage Schönau. Der Schönauer Park, der entstehende Lindenauer Hafen und die Nähe zum Zentrum Grünaus böten hier „eine Reihe von Qualitäten, die die Wohnungsunternehmen in der Zukunft stärker nutzen und zur Geltung bringen möchten“, teilen die Veranstalter mit. „Damit soll ein Zeichen gesetzt werden, dass Grünau ein lebendiger, facettenreicher und attraktiver Wohnstandort ist“, heißt es weiter.

Mitten im Zentrum von Grünau und recht nah an der „Völkerfreundschaft“ werden derzeit Zeichen gesetzt, die die Anwohner ganz anders deuten. Hier will die Wohnungsgenossenschaft Transport (Wogetra) in der Breisgaustraße 67 bis 73 insgesamt 150 Wohnungen stilllegen.
Gar nicht so weit entfernt von der S-Bahnlinie 1, die derzeit auch stillgelegt ist. Aber dort soll es nach allen Versicherungen der letzten Monate in einem Jahr zeitgleich zur Eröffnung des Leipziger Citytunnels wohl wieder losgehen mit dem Bahnverkehr.

Bei den benannten Wohnungen sieht es anders aus. „Die Linksfraktion im Stadtrat nimmt die bisher ausstehende Entscheidung zum geplanten Leerzug von 2 Wohnblöcken in der Breisgaustraße 67 – 69 im Grünauer Wohnkomplex 4 mit Bedauern zur Kenntnis“, teilte Linken-Stadtrat Siegfried Schlegel am 9. November 2012 mit. „Dies war jedoch in den Strategiebeschlüssen zum Stadtumbau in Grünau bis 2020 enthalten, da ansonsten die Wohnkomplexe 1 bis 4 als konsolidierte mit fast durchweg saniertem bzw. teilsaniertem Wohnungsbestand ausgewiesen sind“, hieß es in der damaligen Erklärung des Bauexperten weiter.
Die Linke fand es damals nach den Worten Schlegels bedauerlich, „dass 4 Wohnhäuser mit 90 Wohnungen betroffen sind, welche den Leipziger Altenfreundlichkeitsmerkmalen wie Aufzüge mit Halt in allen Etagen, Balkone bzw. Möglichkeit zum Anbau, die Nähe zu Straßenbahn, S-Bahn und Bus sowie zu Kaufhallen entsprechen“. Zu beachten sei aber auch, dass die 2000 Wogetra-Wohnungen in Grünau einen durchschnittlichen Leerstand von 20 Prozent aufweisen, der dadurch abgesenkt werden könnte. „Ganz wichtig ist dabei die langfristige Sicherheit für die neue Wohnung, was für die Linke zwingend ist“, mahnte Schlegel einen sensiblen und vertrauensvollen Umgang mit den betroffenen Mietern an.

Gut drei Wochen und einige Medienberichte später setzt die Lokalpolitik andere Akzente. „Es muss endlich Schluss sein mit Ankündigungen und Maßnahmen, von wem sie auch immer ausgehen, zur weiteren Reduzierung des Wohnungsbestandes in Grünau“, fordert nun Leipzigs Linken-Fraktionschef Sören Pellmann vehement. „Auch eine so genannte Stilllegung ist letztlich nichts anderes als der Tod auf Raten“, so der Grünauer weiter. Er fordert eine „Werbekampagne für Grünau anstatt weiterer Verunsicherung der Mieterinnen und Mieter“.

Was bisher in Grünau an „Rückbau“ geschah, nennt Pellmann ein „einzigartiges Abrissprogramm“, das „massiv ideologisch vorbereitet (wurde), weil es sich bei dieser Großsiedlung um ein zu überwindendes DDR-Erbe handele“. Der anhaltende Wandel in der Leipziger Bevölkerungsstruktur und „insbesondere der wachsende Bedarfs an alten- und behindertengerechtem Wohnraum“ erfordere vielmehr den Erhalt gerade der Wohnungen, die die Wogetra nun stilllegen wolle. „Vom zuständigen Baubürgermeister erwarte ich, ein klärendes Gespräch mit der Wogetra zu führen, um sie von ihren Stilllegungsplänen abzubringen“, erklärte Pellmann.

„Mit dem Beschluss des Stadtrates zur Strategie Grünau 2020 ist eindeutig festgelegt, dass in den so genannten Kernbereichen des Stadtteils die Aufwertung der Wohnquartiere finanziell unterstützt wird, Stilllegungen oder gar Abrisse von Wohnungen jedoch abgelehnt werden“, stellte auch der Grünauer SPD-Stadtrat Heiko Bär klar. Dies gelte auch für die Wohneinheiten der Wogetra in der Breisgaustraße.

„Der Vorstand der Genossenschaft soll nicht darauf spekulieren, dass sich die Position der Stadt hier ändert“, so Bär weiter, „vielmehr soll der Vorstand den Argumenten der eigenen Genossenschaftler, die eine Aufwertung des Standortes fordern, endlich folgen.“

Es gibt also mal wieder viel zu bereden, wenn es um ein für die Zukunft gestärktes Grünau geht.


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