Der Stadtrat tagt: Dorothee Dubrau wird neue Baubürgermeisterin – parteilose Architektin setzt sich gegen zur Nedden durch + Stimmen aus der Politik

Leipzig bekommt eine neue Baubürgermeisterin: Dorothee Dubrau hat heute die Wahl im Stadtrat gewonnen. Mit 43 von 69 Stimmen setzte sie sich gegen Amtsinhaber Martin zur Nedden durch. Auf ihn entfielen 25 Stimmen, es gab eine Enthaltung. Die parteilose Architektin aus Berlin wurde von der Grünen-Fraktion unterstützt, die somit erfolgreich auf einen Dezernentenposten drang.
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In ihrer Vorstellungsrede vor den Stadträten sagte die 58-Jährige sie habe zu Leipzig, nach Berlin, die engsten Beziehungen. „Hier hat man immer schon den Hauch der großen weiten Welt gespürt“, so Dubrau. Schmerzlich sei für sie gewesen, nach der Wende den Zusammenbruch im Stadtbau zu beobachten. „Doch es ist schon viel getan worden und ich spüre, dass die Leipziger bereit sind, noch mehr für ihre Stadt zu tun.“

Dorothee Dubrau ist seit über 30 Jahren Stadtplanerin. Sie studierte an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, ist Diplom-Architektin und begann 1980 als Stadtplanerin in Berlin Mitte. Ab 1990 wurde sie dort Bezirksstadträtin für Bau- und Wohnungswesen. Dubrau berät Investoren und Behörden und ist Dozentin für Städtebau und Regionalplanung an der Technischen Universität Darmstadt. „Ich versuche meinen Studenten die Liebe zu einer Stadt als Ganzes einzuimpfen und nicht nur ein einzelnes Gebäude zu betrachten“, beschreibt sie.
Dubrau wird ihr Amt frühestens am 15. Juli antreten, denn bis zum 13. Juli ist sie als Dozentin verpflichtet. Schwerpunkt für ihr Amt wird der Neubau von Schulen und Kitas in Leipzig.

Als einzige Fraktion gab die FDP im Stadtrat eine Erklärung zu Dubraus Wahl ab: „Leipzig lebt von Wandel und Veränderung, von Kreativität und Freiräumen, aber vor allem von Wachstum: Wachstum bei der Bevölkerung und der Wirtschaft. Gerade im Bereich der Stadtentwicklung brauchen wir daher eine offene und ideologiefreie Dezernatsführung. Verbote und Regulierungen von Dach- und Fassadenfarben, von Sanierungsmöglichkeiten oder Industrieansiedlungen sind nicht der richtige Weg. Wir erwarten von Frau Dubrau ebenjene Offenheit und Verantwortung für die Entwicklung Leipzigs“, so Fraktionsvorsitzender Reik Hesselbarth.

Weitere Informationen zu Dorothee Dubrau auf L-IZ.de
Dorothee Dubrau wird neue Baubürgermeisterin in Leipzig
Weniges Stunden nach der Wahl meldeten sich nun auch die Leipziger Piraten mit einem grundsätzlich positiven Statement zur Wahl der neuen Baudezerntin Dorothee Dubrau zu Wort: „Die Abstimmung zum Wechsel an der Spitze des Dezernates stellt die bei der OBM-Wahl vermisste Konsensfähigkeit der Opposition im Stadtrat unter Beweis.“ heißt es in der Erklärung.

Dennoch hoffe man, dass es bei der von Frau Dubrau versprochenen Bürgerbeteiligung nicht nur bei Akzenten bleibt. „Ihr Bekenntnis zu mehr Bürgerbeteiligung hört sich gut an, wir werden sie beim Wort nehmen und eine breite und frühzeitige Beteiligung der Leipziger Bürger einfordern“, kündigt Hartmut Thomas, Beisitzer im Kreisvorstand der Leipziger Piraten, an.

Mit der Wahl Dubraus sähen die Piraten die Möglichkeit einer positiven Entwicklung des Stadtbildes. So sei Dorothee Dubrau eine Fachfrau auf dem Gebiet der Stadtentwicklung und habe sich in ihrer Zeit in Berlin unter anderem mit dem Problem der Gentrifizierung auseinandergesetzt. Immerhin ein Themengebiet, bei welchem auch Leipzig bei entsprechend fehlenden frühzeitigen Maßnahmen Ärger ins Haus stehen könnte.

Die Piraten sehen es vor allem schon heute im Stadtteil Connewitz auf der Tagesordnung und zukünftig eine weitere Verschärfung in diesem Gebiet. Auch in sanierten Stadtteilen wie Schleußig oder der Südvorstadt müssten die Mieten bezahlbar bleiben. So würde man auch darauf hoffen, dass der Einsatz von Frau Dubrau weniger den Prestigeprojekten, als vielmehr den normalen Bauentwicklungen in Leipzig gelten möge.
Zu dem Ergebnis der Wahl von Frau Dorothee Dubrau zur Beigeordneten für das Dezernat Stadtentwicklung und Bau erklärte der Fraktionsvorsitzende der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Wolfram Leuze im Anschluss an die Wahl: „Mein herzlicher Glückwunsch gilt Frau Dubrau zu Ihrer Wahl als Beigeordnete des Dezernates Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig. Mit ihrer Wahl hat der Stadtrat das Amt für die nächsten 7 Jahre in kompetente Hände gelegt. Frau Dubrau hat die Mehrheit des Stadtrates durch ihre profunde Sachkenntnis, ihre offene Gesprächsführung und ihren Humor überzeugt. Sie wird mit Sicherheit einen neuen, frischen Ton in die Verwaltungsspitze des Rathauses bringen und in dem ihr nun anvertrauten Dezernat innovative Akzente setzen.“

Frau Dubrau würde aus Sicht der Grünen dabei zu gute kommen, dass sie, obwohl der eigenen Fraktion zur Kandidatur ermuntert, als parteilose Fachfrau mit allen Stadtratsfraktionen des Rathauses und den Bürgern und Bürgerinnen in ein gutes und offenes, aber auch zielführendes Gespräch kommen wird.

Leuze weiter: „Dabei wird Frau Dubrau ihre lange Dienstzeit als Bezirksstadträtin für Planung und Bau und hier insbesondere Im Bezirk Mitte in Berlin hilfreich sein. In ihrer nahezu 16-jährigen Amtszeit hatte Frau Dubrau hier jährlich zwischen 3 – 5000 Baugenehmigungen zu erteilen. Es besteht aller Grund, der im Juli beginnenden Amtszeit von Frau Dubrau mit erwartungsvoller Spannung entgegenzusehen.“

Gleichzeitig bedankte sich der Fraktionsvorsitzende beim heute unterlegenen Baudezernenten Martin zur Nedden für die von ihm im Dezernat Stadtentwicklung und Bau in den vergangenen 7 Jahren geleistete Arbeit. „Die Niederlage in der heutigen Abstimmung mag zunächst für ihn bitter sein. Es ist aber gerade die zeitliche Begrenzung eines Wahlamtes, welche durch den personellen Wandel, die positive Entwicklung einer Stadt langfristig sichert.“ so Leuze.


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