Eisvogelbestand am Floßgraben stabil, keine Lockerung der Allgemeinverfügung

Am Mittwochvormittag stellte die Stadt das Eisvogelmonitoring 2016 vor. Und zwar das jährliche für den Bereich des Floßgrabens sowie das fünfjährige Monitoring im Rahmen des Wassertouristischen Nutzungskonzepts (WTNK). Dieses erfolgt nicht ganz so detailliert, erfasst dafür aber mehrere Reviere an den Stadtgewässern. Im Ergebnis zeigen beide Beobachtungsreihen einen stabilen Bestand am Floßgraben, sogar einen Zuwachs gegenüber 2011 im Stadtgebiet.
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Was natürlich auch die Frage aufkommen ließ, ob die Allgemeinverfügung für den Floßgraben noch sinnhaft ist. Ist sie, aus Sicht der Stadt und des Gutachters – Dipl.-Ing. Jens Kipping: „Ja, die Entwicklung im Stadtgebiet ist positiv, beispielsweise an der Unteren Weißen Elster, aber nirgendwo brütet der Eisvogel so dicht wie am Floßgraben“. Das konnte Kipping auch mit konkreten Zahlen belegen, 1,6 Brutpaare waren am besonders geschützten Gewässer pro Flusskilometer zu beobachten, an der Weißen Elster dagegen 0,36 Paare. Dies liege auch an den optimalen Nistbedingungen mit den Steilufern.

Die Konsequenz lautet, dass die Allgemeinverfügung zur Nutzung des Floßgrabens in der bekannten Form bestehen bleibt. Dies bedeutet für Paddler keine Durchfahrten zwischen 22:00 Uhr und 11:00 Uhr, 13:00 bis 15:00 Uhr, sowie von 18:00 bis 20:00 Uhr. „Es kann sein, dass sie vorzeitig aufgehoben wird, im vergangenen Jahr war es nötig, sie bis Ende September aufrechtzuerhalten, da noch Brutgeschehen stattfand“, so Angelika Freifrau von Fritsch, Amtsleiterin des Amtes für Umweltschutz. Die Daten zum Floßgraben sind das Ergebnis von 160 Beobachtungsstunden an 49 Tagen aus ausreichender Entfernung mit Tagesprotokoll und Fotodokumentation. Verteilt wurde die Erhebung auf störungsreiche und störungsarme Tage.

Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und Amtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch Foto: Sebastian Beyer

Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und Amtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch Foto: Sebastian Beyer

Vier Brutpaare zogen an fünf Nistplätzen (eines der Männchen leistete sich zwei Gespielinnen) sechs Bruten erfolgreich auf. Beobachtbar waren zwei der Familien auch mit einer in die Nisthöhlen eingebrachten Kamera und zwar mit fünf und acht Jungvögeln. Den acht Jungvögeln machte kurze Zeit vor ihrem ersten Ausflug ein hungriger Waschbär ein Ende, sie fanden somit leider einen traurigen Eingang in die Statistik. Eine andere Höhle wurde nach erfolgter Aufzucht der ersten Brut von Wildschweinen aufgegraben und war für das Paar für eine Zweitbrut unbrauchbar. Die weitere Beobachtung wird nun zeigen, ob mit dem Waschbären ein nicht heimischer Fressfeind zu einem Problem erwachse.

Aufstellung über Kontrollen und Verstöße Quelle: Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz

Aufstellung über Kontrollen und Verstöße Quelle: Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz

Doch nicht nur Räuber störten, auch die gesperrten Uferzonen werden immer wieder rücksichtslos betreten und der Bootsverkehr führe in der Tat zu einem veränderten Verhalten der Vögel: „Zu Beginn der Brutsaison sind meist wenig Boote unterwegs, später ist zu beobachten, dass die Pausenzeiten sinnvoll sind, da die Vögel schon die Morgenstunden nutzen, um einen größeren Teil der Fütterungen zu erledigen.“ Die Gefahr der Aufgabe einer Brut bestand laut Kipping 2016 nicht, in einem solchen Fall wäre auch eine zeitweise komplette Sperrung denkbar.

Zu Verstößen gegen die Allgemeinverfügung hatte von Fritsch Zahlen parat (siehe Bild). In der Regel wurden Bußgelder von 30 bis 50 Euro fällig, teurer würde das Zerstören einer Bruthöhle, das strafrechtlich geahndet würde. Somit ist von einem Betreten der Ufer abzuraten. Auch für 2017 stehe der Kontrollplan bereits.

 

Die Allgemeinverfügung in Kurzform, wie sie die Stadt auch an den Schleusen aushängen wird. Quelle: Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz

Die Allgemeinverfügung in Kurzform, wie sie die Stadt auch an den Schleusen aushängen wird. Quelle: Stadt Leipzig, Amt für Umweltschutz

Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal erwähnte noch, dass der Antrag auf Fördermittel zur Fortschreibung des WTNK bis 2018 genehmigt worden sei. Dabei solle auf Basis neuer Daten und Fakten die touristische Nutzung der Gewässer geprüft werden. Neue Daten gibt es nun also auch zum Eisvogel. Fraglich ist, ob nun einmal alle Akteure des Grünen Ringes auch an einem Strang ziehen, oder wieder jemand ausschert.

Für 2017 ist beobachtbar, dass die Eisvogel-Saison aufgrund der längeren Kältephase jetzt erst beginnt. Ein Brutpaar richtet sich gerade häuslich ein, im vergangenen Jahr waren Anfang März schon mehrere Paare beobachtbar.

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