Bei Rackwitz im Norden von Leipzig soll eines der größten Rechenzentren Deutschlands entstehen. Der Investor stellt Milliardeninvestitionen und wirtschaftliche Chancen für die Region in Aussicht. Doch aus Sicht des BUND Sachsen bleiben entscheidende Fragen zu den Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Klima unbeantwortet. Der Umweltverband warnt davor, den geplanten Standort bereits jetzt als geeignet darzustellen, und fordert die Prüfung ökologisch verträglicher Standortalternativen. Denn geopfert werden soll dafür wertvolle Ackerfläche.
„Rechenzentren sind eine wichtige Infrastruktur für unsere digitale Zukunft. Sie ermöglichen Forschung, digitale Verwaltung und mehr Unabhängigkeit von außereuropäischen Technologieunternehmen. Aber die Frage ist nicht nur, ob wir Rechenzentren brauchen, sondern vor allem, wo und wie wir sie bauen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt vom BUND Sachsen.
Wertvolle Böden und sensible Naturräume unter Druck
Die Dimension des geplanten Vorhabens ist erheblich: Rund 40 Hektar sind als Sondergebiet für Hochtechnologie vorgesehen. Die zulässige bauliche Ausnutzung ermöglicht eine weitreichende Versiegelung überwiegend landwirtschaftlich genutzter Flächen mit wertvollen Böden und wichtigen Funktionen für den Wasserhaushalt.
Besonders kritisch ist die Lage unmittelbar an der Loberaue und in direkter Nachbarschaft zum Europäischen Vogelschutzgebiet „Agrarraum und Bergbaufolgelandschaft bei Delitzsch“. Gleich nebenan liegen der Schladitzer und der besonders geschützte Werbeliner See. Großflächige Bebauung, Licht, Lärm und die Veränderung offener Landschaftsräume können erhebliche Auswirkungen auf geschützte Arten und ihre Lebensräume haben, mahnt der BUND Sachsen.
„Wir dürfen nicht zulassen, dass wertvolle Ackerflächen und ökologisch sensible Landschaften verloren gehen, während mögliche Alternativen auf bereits versiegelten Industrie- und Brachflächen nicht ausreichend geprüft wurden“, mahnt Felix Ekardt. „Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung muss die Standortfrage am Anfang stehen und darf nicht zur Nebensache werden.“
Viele Versprechen, aber noch zu wenige belastbare Nachweise
Der Investor kündigt Schutzmaßnahmen, eine wassersparende Kühlung und die Nutzung von Abwärme an. Der geplante geschlossene Wasser-Glykol-Kreislauf ist grundsätzlich zu begrüßen, merkt der BUND Sachsen an. Doch belastbare Angaben zum Wasserbedarf und zu den Auswirkungen auf den sensiblen Wasserhaushalt der Loberaue fehlen weiterhin.
Auch die tatsächliche Abwärmenutzung, die Versorgung mit zusätzlich erzeugtem erneuerbarem Strom sowie mögliche Lärm- und Schadstoffbelastungen durch Notstromdieselgeneratoren sind bislang nicht ausreichend geklärt.
Für den BUND Sachsen steht fest: Neue Rechenzentren müssen von Beginn an natur- und klimaverträglich geplant werden. Dafür braucht es eine flächensparende Bauweise, zusätzliche erneuerbare Energien und eine verbindliche Abwärmenutzung.
Der Umweltverband fordert deshalb, die Standortentscheidung für Rackwitz zu überdenken und gezielt nach einer ökologisch besser geeigneten Alternative zu suchen. Digitaler Fortschritt dürfe nicht auf Kosten wertvoller Böden und geschützter Lebensräume gehen.
Die BUND-Stellungnahme findet man hier.
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