This article is also available in English: Read this article in English.

Seit Jahren plant die Tschechische Republik eine weitere Staustufe in der Elbe bei Děčín. Ein Plan, der bei konservativen Ministern in Dresden immer wieder großes Echo auslöst, weil sie tatsächlich glauben, dadurch könnte die Schiffbarkeit der Elbe auf sächsischer Seite irgendwie wieder gesichert werden. Minister wie Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch waren nur zu gern bereit, den tschechischen Plänen von sächsischer Seite zuzustimmen, wie es Sachsen im Juli tatsächlich getan hat. Aber dieser Traum von einem geregelten Fluss ist schlichtweg ohne Grundlage.

Über die Pläne Tschechiens zum Bau einer weiteren Staustufe an der Elbe wird derzeit intensiv berichtet. Doch Staustufen stellen dabei einen erheblichen Eingriff in ein Flussökosystem dar, während sie für die Schifffahrt praktisch gar nichts bringen. Erst recht nicht in den zunehmenden Dürrezeiten, in denen die Elbe inzwischen historisch niedrige Pegelstände verzeichnet und eine Schifffahrt in mehr als der Hälfte des Jahres nicht mehr möglich ist.

Der BUND Sachsen ordnet die Aussagen des Ministers zur aktuellen Debatte, die er in der Meldung der dpa „Minister sieht Vorteile einer Elbe-Staustufe bei Děčín“ vom 17. September 2026 äußerte, ein. Dort hieß es: „Tschechien habe bereits zehn Staustufen und staue das Wasser im Böhmischen Becken. […] Ein gleichmäßigerer Abfluss führe auch zu einer gleichmäßigeren Verfügbarkeit von Wasser, argumentierte von Breitenbuch.“

Fakt ist tatsächlich, dass es an der tschechischen Elbe 24 Staustufen und zehn Talsperren gibt. Doch die Staustufen leiten das Wasser so weiter, wie es von oberhalb anströmt. Nur in Ausnahmefällen, und dann nur im geringen Maße, beeinflussen Staustufen den Abfluss unterhalb, also die Wassermenge, die die Elbe hinunterfließt. Würden Staustufen Abflüsse vergleichmäßigen, dann könnte das bereits über die 24 existierenden Staustufen in Tschechien geschehen. Dies geschieht jedoch nicht, stellt der BUND Sachsen fest.

Eine Vergleichmäßigung findet hingegen über die Talsperren im Oberlauf der Elbe bzw. der Moldau (der sogenannten Moldaukaskade) statt. Über sie kann die Menge an Wasser gesteuert werden, die die Elbe hinunterfließt.

Eine Staustufe ist kein Flussregler

Die dpa-Meldung brachte aber auch die Aussage: „Wenn in der Elbe gleichmäßiger Wasser fließe und es keine so großen Schwankungen wie jetzt gebe, könne das der Ökologie des Flusses nur nutzen.“

Doch genau das wird durch eine weitere Staustufe nicht erreicht, stellt der BUND Sachsen fest. Tschechien hält in seinen Talsperren viel Wasser zurück. Es wird unter anderem für die Trinkwasserbereitstellung und die Landwirtschaft, aber vor allem für die Verdünnung der Einleitungen der dortigen Industrie bei Niedrigwasser benötigt, damit Schadstoffgrenzen nicht überschritten werden. Für die Elbe auf der sächsischen Seite bedeutet das dann freilich, dass der Fluss immer seltener ausreichend Wasser führt, um die Auen zu versorgen. Das beeinträchtigt auch die Neubildung von Grundwasser.

Und noch einen Irrtum des Ministers korrigiert der BUND: Ein Fluss und seine Ökosysteme brauchen schwankende Wasserstände, daran sind die Pflanzen und Tiere angepasst. Eine Vergleichmäßigung ist nicht zuträglich.

Der faule Traum von der Schiffbarkeit

Und dann kam die eigentlich von Wunschdenken getragene Aussage: „Tschechien wolle 330 Millionen Euro investieren und versuchen, die Elbe 300 Tage im Jahr schiffbar zu lassen.“

Entweder ist der Minister in Dresden völlig unberaten. Oder er ignoriert einfach die Fachkompetenz seiner Sachbearbeiter. Denn genau das wird die Staustufe in der Elbe bei Děčín nicht leisten. Sie wird die fehlenden Niederschläge, die mit der Klimaveränderung einhergehen, nicht ausgleichen können. Und schon gar nicht im Unterbereich regeln.

Mit dem Bau einer Staustufe nahe Děčín wird die Schiffbarkeit Richtung Hamburg nicht verbessert, stellt der BUND Sachsen nüchtern fest. Damit wird das eigentliche Ziel, mit dem Tschechien die neue Staustufe verkauft – der Zugang zu den Weltmeeren per Schiff – nicht erreicht.

Die Schiffbarkeit der freifließenden Elbe hat sich in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert, obwohl am Fluss seit Jahrzehnten intensiv gebaut wird. Die angestrebte Mindest-Fahrrinnentiefe von 1,40 Metern wird im Mittel an über sechs Monaten im Jahr nicht erreicht. Grund ist, dass seit dem Jahr 2014 das Wasserdargebot der Elbe um 28 Prozent zurückgegangen ist (Niedrigwasserstudie der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe, IKSE).

Seit fünf Jahren kaum noch Gütertransport

Zu diesen falschen Verheißungen auf tschechischer und sächsischer Seite sagt Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen: „Es werden kaum noch Güter per Schiff auf dem Fluss transportiert. Sogar Containertransporte sind seit über fünf Jahren eingestellt. 2026 wurden wieder viele Niedrigwasser-Rekorde an Elbe-Pegeln unterschritten. Seit Beginn der Aufzeichnungen hat die Elbe noch nie so wenig Wasser geführt wie in diesem Jahr.

Statt Flüsse zu stauen, müssen sie resilienter werden, um mit den zukünftigen Herausforderungen wie den steigenden Temperaturen und klimatischen Extremen besser zurechtzukommen. Das verlangt Renaturierungen, um die natürlichen Wasserspeicher wiederherzustellen. Dies nutzt auch der Landwirtschaft.“

Und dann ist da ja noch der rosarote Traum des sächsischen Umweltministers: „Eine Staustufe in der Elbe bei Děčín in Tschechien bringt nach Ansicht des sächsischen Umweltministers Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) dem Freistaat vor allem Vorteile.“

Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Auch das müsste der Minister wissen, wenn er sich zur Ökologie der Flüsse überhaupt einmal kundig gemacht hat. Staustufen verschlechtern die Wasserqualität der Elbe, stellt der BUND Sachsen fest. Ein gestauter Fluss wärmt sich stärker auf. Damit nimmt das Algenwachstum zu und der Sauerstoffgehalt ab. Es kommt schneller zu Fischsterben. Auch die Hochwassergefahr kann zunehmen. Das wären erhebliche Nachteile für Sachsen, so der BUND Sachsen.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar