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Der Begriff der „fossilen Rechten“ kommt nicht von ungefähr. Besonders anschaulich bildet er sich in Donald Trumps Slogan „Drill, baby, drill!“ und der Beschreibung Russlands als „Tankstelle mit Raketen“ ab. Aber – so ehrlich muss man sein – auch in den MAGA-Verbindungen und fossilen Hintergründen einer Katherina Reiche, die als Deutschlands erfolgreichste Vernichterin der Erneuerbaren Energien betrachtet werden muss (schon der sogenannte „Altmaier-Knick“ war Reiches Werk), ist die Seele der fossilen Rechten sehr lebendig.

Das Klima – dieses abstrakte Ding, über das sich alle streiten – ist hingegen unpolitisch. Es folgt schlicht den physikalischen Gegebenheiten. Werden Gas und Öl verbrannt, dann steigen die Emissionen, mit ihnen die Extremwetter, und am Ende sterben Menschen. Die politischen Entscheidungen, die dazu führen, sind natürlich der fossilen Rechten zuzuordnen, die sehr genau weiß, was sie tut.

Die Frage, ob man bei diesen Menschen von „Mördern“ reden könne, im Sinne des klassischen Schreibtischtäters, soll an dieser Stelle allerdings nicht diskutiert werden. Mache dir hierzu deine eigenen Gedanken.

Neben der stetigen Verschlechterung des Weltklimas sind die klimatischen Kippelemente die Bruchstellen, an denen das sowieso schon in den Seilen hängende Klima in die Knie geht. Mit den Korallenriffen ist ein klimatisches Kippelement mutmaßlich gefallen, mehrere sind in akuter Gefahr – so auch der tropische Regenwald. Man schätzt die kritische Fläche der Entwaldung auf 22% bis 28%, wobei schon jetzt fast 20% des Regenwaldes verschwunden sind.

Nach den massiven Kahlschlägen unter der fossil-rechten Regierung Brasiliens von Jair Bolsonaro, hat die Entwaldung unter Lula da Silva (Präsident seit 2023) deutlich abgenommen. Doch am 4. Oktober hat Brasilien gewählt, Lulas Konkurrent ist der Sohn von Jair Bolsonaro: Flávio Bolsonaro.

Noch ist die Wahl nicht entschieden, es wird am 25. Oktober zur Stichwahl kommen. Doch der aufstrebende Jung-Bolsonaro schlug Lula im ersten Wahlgang erstaunlich deutlich mit 47% zu 45,1%.

Der bedrohte Regenwald

Auch wenn sich in der kommenden Stichwahl noch vieles ändern kann, ist es kein gutes Omen, dass die – wenn auch mit weitem Abstand – nächstplatzierten Kandidaten dem konservativen Lager zugerechnet werden müssen. Wir wissen es spätestens seit Friedrich Merz und „seiner“ CDU: Konservative sind anfällig dafür, sich der fossilen Rechten zur Sockenpuppe zu machen.

Gewinnt Bolsonaro die Stichwahl, dann ist das ein heftiger Schlag in die Nieren des Weltklimas: Die Abholzung im Amazonas wird wieder Fahrt aufnehmen, und dass die anderen Schlüsselstaaten im Amazonasgebiet fast ausnahmslos von Mitte-Rechts bis Rechtsradikal regiert werden, gibt dieser Dynamik einen unschönen Drive.

Auch Donald Trump droht schon im Hintergrund mit einer „großartigen Partnerschaft“ zwischen den USA und einem Brasilien unter Flávio Bolsonaro. Wie gesagt: Dieser Tiefschlag wäre gewaltig und kann ohne Übertreibung als ein weiterer großer Sargnagel für unser aller Zukunft begriffen werden.

Und der zweite Schlag in die Nieren des Weltklimas? Der hat schon begonnen: Der diesjährige El Niño gilt als das vermutlich heftigste El-Niño-Ereignis seit Aufzeichnungsbeginn. Er sprengt Skala für Skala, ist nicht umsonst als Godzilla-El-Niño in den Sprachgebrauch eingegangen … und trifft direkt auf das Amazonasgebiet.

Die Folgen werden verheerend sein – auch ohne den Abholzungs-Wahn der Bolsonaros.

Dominic Memmel, geboren 1980 in Würzburg und seit 2014 in Leipzig, ist als Aktivist, Kommunikationsberater und Podcaster tätig. Zur Seite des Autors.

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