Die Dürreperioden in den letzten Jahren – insbesondere seit dem Jahr 2018 – haben dazu geführt, dass die Grundwasserstände in Leipzig spürbar abgesunken sind. Und zwar dauerhaft. Denn die Niederschläge in den letzten Jahren reichten schlicht nicht aus, um sie wieder aufzufüllen. Insbesondere fehlen die ausgiebigen Niederschläge im Herbst und Winter.
Das Problem dabei ist: Bis die Folgen der fehlenden Niederschläge im Grundwasserstand sichtbar werden, dauert es. Doch die Tendenz ist schon sichtbar.
„Tendenziell bewegen sich die Grundwasserstände auch in Leipzig in Richtung niedriger Grundwasserstände bezogen auf die langjährige Beobachtung“, versucht das Amt für Umweltschutz, die aktuelle Lage zu beschreiben.
„Eine Auswertung der Wasserstände im August 2026 für zwölf ausgewählte Grundwassermessstellen ergab, dass bei 33 % die Wasserstände im Bereich des 30-jährigen Monatsmittels lagen, bei 50 % lagen die Wasserstände ca. 10 bis 30 cm unter dem Monatsmittel, bei 17 % lagen sie 60 bis 70 cm unter dem Monatsmittel.“
Das sieht dann zum Beispiel für einen Messpunkt auf dem Gelände der Sportwissenschaftlichen Fakultät an der Jahnallee so aus: Der mittlere Normalwasserstand liegt bei 3,51 Metern unter Gelände. Am 15. September wurde hier ein Grundwasserstand bei 3,77 Metern unter Gelände gemessen, also 26 Zentimeter unter normal.
Fließgewässer sorgen noch für Ausgleich
Deutlich stärker war der Abfall in einer Messstelle in den Kleingartenanlagen von Gohlis-Süd, wo das langjährige Mittel bei 1,60 Metern unter Gelände lag, am 1. September 2026 aber nur noch 2,00 Meter unter Gelände gemessen wurde. Immerhin liegt das Gelände hier im ursprünglichen Auengebiet.
Hier würden, so erklärt das Amt für Umweltschutz, die stetigen Zuflüsse der Fließgewässer für einen recht ausgeglichenen Grundwasserspiegel sorgen: „Die Grundwasserstände in der Aue unterliegen meist geringeren innerjährlichen Schwankungen, da die Anbindung an die Wasserstände der größeren Fließgewässer, die durch Wehre gesteuert und damit auf einem relativ gleichbleibenden Niveau gehalten werden, ausgleichende Wirkung zeigt.“
Informationen über die Grundwasserverhältnisse und Grundwasserstände findet man im Umwelt- und Datenportal iDA, wo alle Grundwassermessstellen des Landesmessnetzes ausgewiesen sind.
Auf den Grundwasserleiter kommt es an
Die Aue ist also, so das Amt für Umweltschutz, erst einmal nicht das Problem: „Weiterhin ist festzustellen, dass die Grundwasserstände in Grundwasserleitern mit räumlich geringer Ausdehnung und gleichzeitig relativer Nähe zur Geländeoberfläche, am stärksten auf Witterungseinflüsse reagieren. Dies betrifft in Leipzig insbesondere sogenannte ‚Schmelzwassersande‘, die in gering durchlässige Lehmschichten eingebettet sind. Räumliche Schwerpunkte in Bezug auf die Auswirkungen der zurückliegenden Hitze- und Trockenperioden sind darüber hinaus nicht erkennbar.
Das Grundwasser ist ein relativ träges System. Aufgrund der langsameren Fließgeschwindigkeiten des Grundwassers und der komplexeren Abflussprozesse im Untergrund im Vergleich zu Oberflächenabflüssen, sind Auswirkungen von Trockenperioden im Grundwasser – anders als in Oberflächengewässern – häufig erst zeitversetzt sichtbar.“
Das heißt nun einmal auch, dass die Folge der langen Dürreperioden sich hier erst mit erheblicher Verspätung zeigen.
Das Amt für Umweltschutz hält sich mit einem Kommentar zur Grundwasserbildung noch deutlich zurück: „Die hohen sommerlichen Temperaturen in Verbindung mit einem Niederschlagsdefizit können zu starken Rückgängen in den Grundwasserständen führen. Von besonderer Bedeutung sind jedoch auch Niederschlagsdefizite in den Herbst- und Wintermonaten. Wenn in dieser Zeit die Grundwasserspeicher nicht wieder ‚aufgefüllt‘ werden, führt dies zu einer ungünstigen Ausgangslage und niedrigeren Grundwasserständen bereits im Frühjahr, was dann zu weiteren Niedrigwasserständen führen kann.“
Welche Folgen hat das für die Stadt?
Die daraus folgende Frage der BSW-Fraktion war also durchaus berechtigt: „Liegen derzeit akute Auswirkungen oder Risiken für Leipzig durch länger anhaltende niedrige Grundwasserstände vor, etwa für Wasserverfügbarkeit, Stadtgrün usw., und welche Maßnahmen ergreift die Stadt derzeit für die Vorsorge, vgl. hierzu das Verbot der Wasserentnahme im Landkreis Leipzig seit Juli 2026?“
Denn auch das Grünflächenamt hat ja registriert, dass immer mehr Park- und Straßenbäume von den lang anhaltenden Dürreperioden betroffen sind und verstärkt absterben. Sollte da das zuständige Amt nicht alarmiert sein?
„Im Rahmen der Grundwasserbewirtschaftung hat die Stadt Leipzig als untere Wasserbehörde sicherzustellen, dass keine ‚Übernutzung‘ der Vorräte (im Stadtgebiet) stattfindet. Eine wasserrechtliche Erlaubnis ist in der Regel befristet (maximal 20 Jahre). Für die Neuerteilung oder Verlängerung werden sämtliche Randbedingungen geprüft und jeweils neu bewertet. Auch bestehende Nutzungen werden überprüft und, wenn erforderlich, angepasst.
Da das Grundwasser ein träges System ist und sich Auswirkungen klimabedingter Veränderungen erst wesentlich später in den Grundwasserleitern abbilden, ist es wichtig, dass der lokale Wasserhaushalt gestärkt wird. Dafür verfolgt die Stadt Leipzig das Ziel einer wassersensiblen Stadtentwicklung. Hierbei ist in Planungen beispielsweise das Prinzip der Schwammstadt umzusetzen und wo immer möglich Niederschlagswasser zur lokalen Versickerung zu bringen.“
Und das betrifft verstärkt Ortsteile, die nicht nahe an der Flussaue liegen und wo die Grundwasserstände sowieso schon viel tiefer liegen als in Auennähe. Etwa in Liebertwolkwitz, wo der mittlere Grundwasserstand historisch 10,41 Meter unter Gelände lag, am 13. Oktober 2026 aber nur noch 10,97 Meter unter Gelände gemessen wurden, über einen halben Meter weniger als üblich.
Hier spürt man schon, wie das Grundwasser über einen längeren Zeitraum absinkt. Noch stärker wurde dieser Effekt zum Beispiel in Baalsdorf, wo der mittlere Grundwasserstand historisch 1,26 Meter unter Gelände lag, am 15. August 2026 aber nur noch 2,37 Meter unter Gelände gemessen wurden. Wobei gerade dieser Messpunkt sehr volatil ist und der niedrigste Grundwasserstand tatsächlich im Dürre-Jahr 2018 gemessen wurde mit 3,73 Metern unter Gelände.
Das Wassersystem unter der Stadt ist also immer in Bewegung und reagiert vor allem in den höher gelegenen Stadtteilen deutlich auf fehlende Zuflüsse und Niederschläge. Gerade dort werden Maßnahmen im Rahmen der Schwammstadt immer wichtiger.
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