Deutschland vs. Israel 2:0 – An der Chancenverwertung hapert es noch

Einen Schub hat sich Jogi Löw von einem erfolgreichen Resultat gegen die Auswahl Israels versprochen, seine Männer traten allerdings mit einem Selbstvertrauen in Leipzig auf, dass diesen fast nicht nötig scheinen ließ. Mit kontrollierter Offensive setzten die schwarz-weißen zur Freude von 43.241 Zuschauern die Gäste gehörig unter Druck.
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Auffällig war in der Anfangsviertelstunde die gute Zuarbeit der Außenverteidiger bei deutschen Angriffen. Sowohl Philipp Lahm als auch Jerome Boateng sorgten wiederholt für Gefahr, letzterer vor allem mit einem Schuss an den Pfosten (19. Minute). Die Israelis forderten die Hintermannschaft zunächst überhaupt nicht. Der Lauterer Itay Shechter als einzige Spitze bekam von seinen Mitspielern kaum brauchbare Pässe in den Fuss gespielt. Passierte einmal ein Zuspiel hinter die Innenverteidiger Per Mertesacker und Holger Badstuber, war Manuel Neuer zur Stelle und entschärfte die Situation. Sowohl Portugal als auch die Niederlande werden als Gruppengegner deutlich mehr zu bieten haben. „In diesen Spielen werden sich mehr Räume bieten, auch das Tempo wird gegen die spielstarken Gegner sicher höher sein müssen“, sagte der Bundestrainer in der abschließenden Pressekonferenz.
Nach spielfreudigem Beginn dauerte es bei anhaltendem Regen danach eine Weile, bis den Gastgebern wieder gescheite Spielzüge einfielen, beziehungsweise sie ihre Verschnaufpause für beendet erachteten. Lukas Podolski bediente von der Grundlinie Mario Gomez der bedrängt knapp das Tor verfehlte (34.) Fünf Minuten später näherte sich Sami Khedira dem Tor mit einem Flugkopfball noch ein Stück einem Treffer an. Der eigentlich defensive Mittelfeld-Akteur konnte sich mangels gegnerischen Vorwärtsdrangs den ein oder anderen Vorstoß erlauben. „Damit erfüllt er meine Anforderungen an die Mittelfeldspieler und macht das Klasse“, lobte Löw den Madrid-Legionär. In diese erneute Drangphase fiel der mehr als verdiente Führungstreffer. Mario Gomez drosch den Ball aus fünf Metern Entfernung unhaltbar in den Winkel.

Es war einer dieser Tage, an denen es interessant gewesen wäre, in der Kabine der Halbzeitansprache des israelischen Trainers Eli Gutmann zu lauschen ,denn mit drei neuen Spielern kamen die Gäste schon während der ersten zehn Minuten zu mehr Gelegenheiten als in der ganzen ersten Hälfte. Manuel Neuer wurde zunächst von Bibras Nathko und später vom eingewechselten Gil Vermouth geprüft, bestand nach fast tatenlosen 45. Minuten diesen Aufmerksamkeitstest aber ohne Probleme.
Aus der Entfernung konnte er seinen Mannschaftskameraden dabei zusehen, wie sie Großchancen vergaben. Mesut Özil und Lukas Podolski hatten beste Torchancen aus kurzer Entfernung, konnten den Spielstand aber nicht erhöhen. Insgesamt wurde diue Partei aber um Klassen besser, nur Torwart Ariel Harush zog sich den Unmut des Publikums zu, da er nach Meinung vieler Zuschauer regelmäßig zu lange brauchte, um den Ball ins Spiel zu bringen. Eine sehenswerte Kombination durch den Strafraum in der 64. Spielminute schloss Lukas Podolski ab, verfehlte aber das Tor. Leider zeigte sich die Mannschaft davon zu beflügelt, es durch die weitgehend zugestellte Mitte zu probieren, besann sich aber nach einigen Minuten wieder auf den von Jogi Löw geforderten modernen Fußball über die Außenbahnen.

Es kam die Zeit von Thomas Müller, der in der 74. Minute den für Lukas Podolski eingewechselten André Schürrle lehrbuchmäßig im Rücken der Viererkette anspielte. Seinen Schuss konnte gerade noch ein israelischer Spieler zur Ecke klären. Eine eigentlich hundertprozentige Torchance vergab der Münchner zwei Minuten später nahe des Elfmeterpunktes. Den aufmunternden Rufen der Fans im ausverkauften Zentralstadion „Auf ihr Deutschen schießt ein Tor!“ kam schließlich Schürrle mit einem Kracher aus der zweiten Reihe nach (82.). Ein probates Mittel bei nassem Ball und glitschigem Rasen. Es blieb beim Endstand von 2:0. Dies war einer der wenigen Mängel, die Joachim Löw noch feststellte: „Wir hätten sicher auch drei oder vier Tore schießen können.“
Insgesamt zeigten sich Mesut Özil und Sami Khedira deutlich frischer als nach gerade beendeter Saison am vergangenen Samstag, so dass auch das Mittelfeld zur Sicherung der Abwehr beitrug. Diesen Eindruck teilte auch Manuel Neuer: „Heute war keine Verunsicherung zu sehen, der Abwehrverbund bestand aus drei Bayern und Per Mertesacker. Der ist ein alter Hase und kann sich anpassen.“ Ein klarer Aufwärtstrend gegen einen kompakt stehenden defensiven Gegner, so gesehen ein gelungener Test ohne die ganz großen Schmankerl. Als Turniermannschaft werden diese hoffentlich wieder zum rechten Zeitpunkt nachgelegt.
Deutschland: Neuer – Boateng, Mertesacker, Badstuber, Lahm, Khedira (88. Bender), Kroos (86. Götze), Müller (83. Reus), Özil, Podolski (67. Schürrle), Gomez (67. Klose).
Israel: Harosh – Yadin (86. Tzedek), Shpungin, Ben Haim, Tibi, Gershon, Natcho (73. Biton), Zahavi (67. Sahar), Melikson (46. Damari), Benayoun (46. Vermouth), Shechter (46. Refaelov).

Torfolge: 1:0 Gomez (40.), 2:0 Schürrle (82.), Schiedsrichter: Kevin Blom (Niederlande), Zuschauer: 43.241 (ausverkauft) im Zentralstadion, Leipzig.


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