Was anfangs recht souverän aussah, wurde mit längerer Spieldauer eine Nervenschlacht. Der 2:1-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Dänemark brachte das Team allerdings ins Viertelfinale. Dass in der Vorrunde nicht alles und jeder glänzte, ist für den ehemaligen Weltklassetorhüter dabei kein Problem...
Die deutsche Mannschaft hat auch das dritte Gruppenspiel
gewonnen. Wie ist Ihr Eindruck?
Die deutsche Mannschaft hatte einen guten Start mit guten Chancen,
die sie allerdings bis auf eine nicht nutzte. Der Ausgleich der
Dänen brachte dann alles und alle zum Erzittern, denn trotz zweier
Siege ging alles sehr eng zu. Die Nervenschlacht hatte das Team
aber gut im Griff, letztendlich gab es für die Dänen nur eine
Großchance. Natürlich, wenn die reingeht, hätte es möglicherweise
ein böses Erwachen gegeben. Die Abstände zwischen den Mannschaften
sind heute nicht sehr groß, der Fußball ist unwahrscheinlich eng
geworden. Du musst treffen, wenn es darauf ankommt. Das hat Lars
Bender getan.
Unterm Strich würde ich sagen, der Sieg geht aufgrund der Anfangsphase in Ordnung, beim Stand von 1:1 waren die hundertprozentigen Chancen ausgeglichen, jeder hatte eine. Wenn man jetzt auf die Tabelle schaut, sieht alles sehr locker aus, aber die Spiele gegen Dänemark und Portugal waren schon sehr, sehr eng.
Nach einer flotten Anfangsphase präsentierte sich die
deutsche Mannschaft phasenweise wieder sehr statisch.
Warum?
Fußball ist auch Nervensache. Nach der Führung gab es ein
Durchatmen, dann das Zittern nach dem Ausgleich. Da musst du deine
Nerven und das Spiel im Griff haben. Das Spiel hatten wir absolut
im Griff und ruhig auf unsere Chance gewartet. Die Einwechslungen
haben uns dabei geholfen. Schürrle machte sofort Dampf und Klose
hat wieder unwahrscheinlich mannschaftsdienlich gespielt. Es ist
ein enormer Vorteil für Löw, zwei völlig verschiedene, aber
erfahrene Mittelstürmer zu haben von denen sich einer klaglos auf
die Bank setzt und nach seiner Einwechslung das Spiel wie gegen die
Niederlande und jetzt Dänemark belebt.
EM-Experte René Müller: „Da sieht man, was Teamgeist
ausmacht“
Mit dem 2:1-Sieg gegen den Erzrivalen Niederlande hat Deutschland
einen großen Schritt …
EM-Experte René Müller: „Löw hat die richtigen Entscheidungen
getroffen“
Es war kein denkwürdiges Spiel, aber im EM-Auftaktspiel der
deutschen Mannschaft gegen Portugal…
Es waren am Ende drei enge Vorrundensiege, bei denen die
deutsche Mannschaft nicht immer geglänzt hat. Teilen Sie den
generellen Eindruck, dass die Mannschaft oder zumindest Teile nicht
in Topform sind?
Alle sind nie in Topform, dafür haben wir eine funktionierende
Mannschaft. Es gab spätere Weltmeister wie Italien, die in der
Vorrunde alle Spiele unentschieden gespielt haben und
weitergekommen sind. Das reicht im Moment, die Krönung sind doch
meist die Endspiele. Im Fußball ist es so wie in der Wirtschaft:
Einen Vertrag gibt es nicht für ästhetisches Arbeiten.
Haben Sie eine Mannschaft gesehen, die sich durchgängig
titelreif präsentiert hat?
Klar, das dominante spanische Spiel hatte man so erwartet, aber
auch für dieses Team wird es schwer, wenn Mannschaften tief stehen.
Kombinieren gut schön, aber irgendwann musst du ein Tor schießen
Das Spiel über die Mitte klappt gegen diese Gegner nur im Konter
wie beim deutschen Team gestern. Als Mannschaft musst du eigentlich
gegen solche Gegner auf die Flügel ausweichen, aber dazu brauchst
du einen kopfballstarken Spieler in der Mitte. Die Engländer haben
am Freitag gezeigt, wie mit diesem Mittel heutzutage noch relativ
einfach Tore zu erzielen sind. Letztendlich gibt es für mich kein
Team, was sich titelreif präsentiert hat. Ab dem Viertelfinale wird
es richtig eng zugehen.
Sind Sie froh, dass nach den letzten fußballintensiven Tagen
nun mit nur noch einem Spiel pro Tag und ein paar spielfreien Tagen
etwas Ruhe einkehrt?
Absolut. Ein Spiel am Tag ist ausreichend, gerade wenn man so wie
ich das gesamte Jahr Fußball geguckt hat. Man kann ja nicht dauernd
Spannung halten, dafür ist unser Gehirn nicht gebaut. Ich freue
mich deshalb auf die K.O.-Runden.
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