EM-Experte René Müller: „Da sieht man, was Teamgeist ausmacht“

Mit dem 2:1-Sieg gegen den Erzrivalen Niederlande hat Deutschland einen großen Schritt in Richtung EM-Viertelfinale gemacht. Für den L-IZ.de-Experten René Müller hat der Teamgeist den Unterschied gemacht - und neben Mario Gomez ein weiterer deutscher Spieler.
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Herr Müller, wie haben Sie den zweiten deutschen Sieg im zweiten Spiel gesehen?
Ich habe ja vorher gesagt, dass ich Angst um die Defensive habe. Die war aber wieder mal, abgesehen von ein paar Fehlern in der Anfangsphase, stabil. Manuel Neuer hat stark gehalten. Hummels ist zwischen Boateng und Badstuber eine echte Persönlichkeit. Am Ende hatte Holland zwei Torschüsse. Einen hält Neuer super, bei dem anderen begeht Hummels den Fehler, weil er nicht die Innenbahn zumacht. Das wäre seine Aufgabe gewesen, nämlich den kurzen Weg zum Tor zuzustellen. Der Abschluss durch die Beine von Badstuber war für Neuer nicht zu parieren. Bastian Schweinsteiger war für meine Begriffe überragend, auch weil er mit zwei genialen Pässen die Tore vorbereitet.

Allerdings sieht man an der deutschen Mannschaft auch, was Teamgeist ausmacht. Bei den Niederländern ging diesbezüglich gar nichts. Irgendwo muss es da intern Probleme geben, die die Spieler lähmen. Es war erschreckend zu sehen, wie wenig Biss die Mannschaft hatte. Die Deutschen haben dagegen das gemacht, was sie können. Sie haben soliden Fußball gespielt, waren geordnet und haben die Tore hervorragend herausgespielt. Mich freut es für Gomez, dass er nach der Kritik von Mehmet Scholl nachgelegt hat und auch Boateng hat wieder sehr konzentriert gespielt. Unsere Achse passt und damit ist noch vieles möglich.

Zunächst geht es gegen Dänemark im dritten Spiel. Ihr Gefühl?
Das werden wir nun auch lösen, wir haben den Biss und das Glück dazu. Wenn van Persie in der Anfangsphase sein Tor macht, sieht es anders aus. Aber das Glück hatten wir und vor allem Mario Gomez im Sturm.

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Der wie schon gegen Portugal effektiv gespielt hat.
Wenn er mit der Nase zum Tor steht, wird es saugefährlich. Aber wenn er mit dem Rücken steht, hat er es schwer. Hut ab, die Dinger muss er erstmal machen. Wenn man das Abseitstor gegen Portugal noch dazu nimmt, hat er mit vier Schüssen vier Tore erzielt. Das ist unglaublich effektiv und das ist heutzutage entscheidend. Diese Effektivität wertet dein Spiel auf. Auf der einen Seite wird Spaniens Fußball gelobt, aber wenn sie nicht gewinnen, dann wird dieser Fußball kritisiert. Mir gefiel der Zug der Italiener gegen Spanien viel besser. Das ist viel interessanter als das Geschiebe ohne Stürmer.

Ab der 70. Minute wirkten beide Mannschaften kaputt. Wie ist das trotz langer Vorbereitung möglich – Temperaturen hin oder her?
Das Wetter spielt da wirklich eine entscheidende Rolle, vor allem haben zwei Drittel 50 bis 70 Spiele in den großen Ligen in den Beinen. Die einen führen, die anderen liegen hinten. 30 Grad. Da ist es nicht einfach, das Tempo hochzuhalten.

Noch ein Wort zum restlichen Geschehen bei dieser EM?
Es sind alle auf Augenhöhe, selbst die Griechen mit ihren Möglichkeiten. Die sind am Ende bloß an ihrem eigenen Torwart gescheitert. Am meisten haben mir die Italiener gefallen. Ich hoffe, sie können das kompensieren. Sie haben mal ein ganz anderes System gebracht, da war zudem Biss zu sehen. Ich hoffe, dass so dem „Schiebefußball“ mal etwas anderes entgegengesetzt wird, so dass das van-Gaal-Spiel irgendwann vorbei ist.

Das kann für den Zuschauer auch lähmend sein und uninteressant. Andere Teams haben noch mit den Nerven zu tun – auch die Franzosen. Ich bin gespannt, ob die noch explodieren.


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