Eigentlich sollte es dieses Ligaspiel nicht noch einmal geben, doch am Sonntag, 14 Uhr, trifft der 1. FC Lok doch wieder auf Rasenballsport. Lok-Verteidiger Markus Krug scharrt schon seit Tagen mit den Hufen. Der bis zum Rand mit blau-gelbem Blut befüllte 23-Jährige über seine Verbundenheit zu Lok, Skepsis gegenüber Mannschaftskameraden und die Erfolgsaussichten für Sonntag.
Herr Krug, Sie gelten als Spieler, der sich 120 Prozent mit
dem 1. FC Lok identifiziert. Gibt es dafür ein Schlüsselerlebnis?
Wie begann Ihrer Liebe zu diesem Verein?
Ja, ich bin ein Spieler der sich voll und ganz mit dem 1.FC Lok
identifiziert und dafür gibt’s auch eine Art Schlüsselerlebnis.
Während meiner aktiven Zeit beim HFC hatte ich in der Berufsschule
erste Kontakte zu Ultras von der Saalefront. Dadurch lernte ich
eben die Fanfreundschaft zum 1.FC Lok kennen und begann mich auch
für diesen Verein zu interessieren, wobei ich zum Beispiel noch
während meiner aktiven Zeit beim HFC bereits Spiele von Lok
angeschaut habe.
Sind Sie in Ihrer Mannschaft in der heutigen Zeit ein
Einzelfall?
Sicherlich ist heute eine solche Verbundenheit in Mannschaften
beziehungsweise im Fußball allgemein nicht mehr alltäglich. Aber es
gibt außer mir auch noch andere Spieler, gerade diejenigen die
bereits beim VfB gespielt haben beziehungsweise deren
Nachwuchsmannschaften durchlaufen haben, für die der 1.FC Lok nicht
einfach irgendein Verein ist. Was aber nicht heißt, dass die
anderen Spieler auf dem Platz nicht auch immer ihr Bestes für den
1.FC Lok geben.
Sie spielen nun schon die vierte Saison in Probstheida. Welches
sind die Momente, die Sie noch im Kopf haben?
Im Kopf sind mir natürlich sämtliche Derbys gegen den FC Sachsen
vor vielen tausenden Zuschauern und auch die Spiele gegen
Rasenballsport. Allgemein sind die Spiele im Zentralstadion im
Kopf, weil sie immer vor vielen tausenden Zuschauern waren und
immer eine besondere Brisanz hatten und haben. Weiterhin ist mir
gut das Landespokalspiel gegen Aue im Plache-Stadion im Kopf, wo
wir erst in der 118. Minute das 0:1 bekommen hatten und ein starkes
Spiel gemacht haben. Aue ist damals anschließend in die 2.Liga
aufgestiegen.
Nach den sehr erfolgreichen Anfangsjahren lief es nach dem
Umbruch, bei dem auch Sie herkamen, die ersten zwei Jahre gar
nicht. Woran lag es?
Die Erwartungshaltung war natürlich riesig. Es war klar, dass diese
Erfolgsjahre nicht ewig so weitergehen. Aber so richtig erklären
kann ich es auch nicht. Es gab viele Spieler und Trainer, die in
dieser Zeit gekommen und gegangen sind. Die fehlende Konstanz und
die große Erwartungshaltung, die man nicht erfüllen konnte, war
vielleicht ein Grund für die eher weniger erfolgreichen Jahre.
Natürlich wird es auch ab der Oberliga wesentlich professioneller
und man spielt gegen bessere Mannschaften.
Nach einer starken Rückrunde 2012 ist der Verein tatsächlich
noch aufgestiegen. Was bedeutet Ihnen die Regionalliga?
Die Regionalliga bedeutet mir persönlich sehr viel. Für diesen
Aufstieg haben wir hart trainiert und der Verein auch lange
hingearbeitet. Es winken tolle Derbys vor vielen Zuschauern und
dafür ist man einfach Fußballer geworden. Weiterhin ist die
Regionalliga für mich persönlich eine neue fußballerische Erfahrung
wobei ich viel lernen und mich weiterentwickeln kann.
Mit 23 sind Sie noch vergleichsweise jung. Haben Sie einen
Karriereplan und wenn ja, was sieht der vor?
Ich bin jetzt in meinem vierten Jahr beim 1.FC Lok und von mir aus
dürfen noch viele Jahre dazu kommen. Ich will mich in der
Regionalliga gut etablieren, mich weiterentwickeln und Erfahrungen
sammeln. Wer weiß, was dann mittelfristig noch mit dem 1.FC Lok
möglich ist…
Neben dem Fußball gehen Sie noch einer normalen Arbeit nach.
Können Sie kurz beschreiben, wie ihr Leben als Amateurfußballer
beim 1. FC Lok aussieht?
Ich arbeite im öffentlichen Dienst bei der Stadtverwaltung Halle
(Saale) in der Bußgeldstelle. Mein Tag beginnt um 6 Uhr und ich bin
6:30 Uhr auf Arbeit. Nach der Arbeit fahre ich dann direkt nach
Leipzig zum täglichen Training. Ich bin dann abends gegen 21 Uhr
erstmalig zu Hause. Meine Freundin, mit der ich zusammen in Halle
wohne, hat also nicht viel von mir. Ich bin ihr daher für ihre
Unterstützung zu großem Dank verpflichtet.
120 Prozent Lok und am Sonntag das Prestige-Duell gegen RB. Mit
welchen Gedanken gehen Sie an das Spiel heran?
Alles geben, um dieses Prestige-Duell auf keinen Fall zu verlieren!
Man kann nur mit erhobenem Haupt vom Platz gehen, wenn man zu sich
selbst sagen kann „Ich habe alles gegeben“. Wofür das dann an
diesem Tag reicht, werden wir sehen.
Schließen sich die Liebe zu Lok und die Akzeptanz von RB aus
Ihrer Sicht aus?
Durch meine Verbundenheit zu Lok und den HFC habe ich natürlich
nicht viel Sympathie für Rasenballsport. Aber wir müssen die
Situation annehmen wie sie ist. Ändern können wir es nicht. Früher
oder später wird es Rasenballsport sicherlich gelingen
aufzusteigen. Aber warum sollen wir denn solange nicht unser
Bestmöglichstes in diesen Prestige-Duellen tun, um sie daran zu
hindern oder sie für den weiteren Saisonverlauf zu ärgern.
Wie haben Sie den Kollegen Christopher Gäng aufgenommen, der
ja schon am Cottaweg trainiert hat?
Letztens meinte er noch zu mir, dass er mir meine Skepsis angemerkt
hatte, als er bei uns die ersten Wochen zum Probetraining war. Aber
mittlerweile sind wir sehr gut befreundet. Er hat sich bei mir, der
Mannschaft und bei den Fans einfach ein gutes Standing durch gute
Leistung erarbeitet. So sollte es auch sein.
Sind Sie nicht neidisch auf die Profifußballer, die nicht
jeden Tag zeitig raus und noch arbeiten müssen?
Sicherlich gibt es auch Tage, an denen ein solcher normaler
Tagesablauf schon extrem schlaucht und man sich überwinden muss.
Ich meinte auch erst kürzlich zu Benedikt Seipel, mit dem ich
tägliche eine Fahrgemeinschaft bilde, dass ich denke, dass viele
Profis gar nicht wissen, wie gut sie es eigentlich haben oder sie
dies gar nicht so richtig schätzen. Profifußballer zu sein ist
natürlich der Traum eines jeden Fußballers. Aber ich will nicht
klagen. Ich mache dies schon seit über drei Jahren und habe mich
daran gewöhnt, dass ich nicht gerade viel Freizeit habe.
Sie haben schon zwei Duelle gegen RB mitgemacht, Lok schoss kein
Tor und verlor beide. Wird es dieses Jahr ein besseres Abschneiden
geben?
Es hat sich doch seit dem letzten Aufeinandertreffen einiges getan:
Beide Vereine haben andere Spieler als damals, neue Trainer und die
Liga ist auch eine andere. Außerdem ist noch Saisonbeginn, wo keine
Mannschaft schon zu 100 Prozent eingespielt ist. Rasenballsport
Leipzig ist natürlich klarer Favorit, aber im Fußball ist alles
möglich. Was man erst in jüngster Vergangenheit im DFB-Pokal
gesehen hat, als die vermeintlichen Favoriten gegen die kleineren
Mannschaften verloren haben. Wenn wirklich jeder Einzelne alles
gibt und kämpft – und es dann trotzdem nicht reicht – dann brauchen
wir uns anschließend nicht schämen. Wir geben natürlich kein Spiel
von Anfang an verloren – egal gegen wen wir spielen.
Was werden Sie zu einem erfolgreichen Abschneiden beitragen
können?
Als Verteidiger besteht natürlich meine Hauptaufgabe darin, kein
Gegentor zuzulassen. Wenn uns das gelingt, haben wir schon einen
Punkt sicher. Und vielleicht gelingt mir ja bei einem Standart ein
Tor. Gegen Hertha II und Torgelow hatte ich jeweils eine große –
aber alle guten Dinge sind ja drei…
Info: Bis gestern Abend wurden nach Informationen des 1.FC Lok bereits fast 13.000 Eintrittskarten für die Partie gegen Rasenballsport verkauft.
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