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Freundschaftskick und Fußball ganz akademisch: Lindenauer Nachwuchskicker bei Hertha BSC zu Gast

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    Fußball ist in Deutschland längst keine Nebensache mehr. Ganz akademisch werden Nachwuchstalente auf ihre Profikarriere vorbereitet. So auch in Berlin bei Hertha BSC. Die F-Jugend des SV Lindenau 1848 schaute sich zu Pfingsten die Nachwuchsakademie auf dem Berliner Olympiapark an. Und unterlag der U9 von Hertha in einem Freundschaftsspiel mit 4:7.

    Beim SV Lindenau 1848 kennt man keine Angst vor ambitionierten Namen. Das geht allein schon deshalb nicht, weil Stadtteilnachbar RasenBallsport e.V. in Sichtweite der Heimstätte des SV Lindenau sein Trainingszentrum betreibt. Eine Nachwuchsakademie soll hier demnächst entstehen.

    Auch sportlich kreuzen sich im Nachwuchsbereich die Wege. So unterlagen beispielsweise die F1-Junioren der Lindenauer im vergangenen November ihren Altersgefährten vom Nachbarn mit dem potenten Geldgeber im Stadtpokal mit 0:2.

    Vom Charlottenhof nach Charlottenburg

    Zu Pfingsten ging es das F1-Team vom Charlottenhof so richtig in die weite Fußballwelt. Ein Freundschaftsspiel gegen die U9 von Hertha BSC Berlin mit anschließendem Besuch der Nachwuchsakademie des Hauptstadtclubs im dortigen Stadtteil Charlottenburg war vereinbart. Spielervater Irakli Gemazashvili, der als Profi unter anderem für den VFC Plauen, den Hallenschen FC und den ZFC Meuselwitz die Fußballschuhe schnürte, stellte den Kontakt her.

    Trainer-Legende Otto Rehhagel, als Spieler und Trainer auch bei Hertha BSC aktiv, wird der folgende Spruch zugeschrieben. „Ich kann überall arbeiten. Die Plätze sind überall gleich lang und gleich breit.“ Ähnlich unbefangen gingen auch die Lindenauer Steppkes an die nichtalltägliche sportliche Herausforderung.

    In einem flotten Spielchen bei bestem Fritz-Walter-Wetter legte Nika Gemazashvili schnell auf 2:0 für die Gäste aus dem Leipziger Westen vor. Den Ausgleich der Gastgeber beantwortete der Lindenauer Kapitän Cedric Tauchnitz mit einem sehenswerten Distanzschuss zur erneuten Gästeführung. Mit einem 3:3 ging es in die Pause.
    Der leichte Nieselregen schwoll zwischenzeitlich an. In Halbzeit zwei spielten die Herthaner ihre individuelle Klasse aus. Aus dem Übergewicht erwuchs eine 6:3-Führung der Berliner. Denjen Hammel verkürzte noch einmal gekonnt aus der Distanz. Am Ende setzten sich die Hertha-Bubis mit 7:4 durch.

    „Es war eine Erfahrung auf sehr hohem Niveau“, fasste der Lindenauer Trainer im Anschluss seine Eindrücke zusammen. Die erste Halbzeit seiner Schützlinge nannte er eine „Superleistung“. Die Hertha-Talente seien „vom technischen Niveau sehr weit“, so Patzelt weiter.

    So eine Erfahrung zu machen, findet auch Hertha-Betreuer Oliver Reiß „sehr schön“. „Es ist ein großartiges Geschehen, sich überregional zu vergleichen“, fügte er hinzu. „So etwas machen wir grundsätzlich immer gern wieder“, lädt er Nachahmer auch aus unserer Region ein.

    Natürlich traf hier Breitensport auf Spitzensport. Bei den Lindenauern trainieren und spielen alle Mädchen und Jungs mit, die den Weg in den Verein finden. Die aktuelle U9 der Herthaner umfasst zehn Jungs des Geburtsjahrgangs 2005, die sich bei der Sichtung unter 300 Interessenten durchsetzten.

    Akademie-System als Grundlage des aktuellen „Fußball-Wunders“

    Hier im Hauptstadtclub erfolgt bereits Nachwuchsarbeit auf professionellem Niveau. Nach dem Kick gewährte Oliver Reiß den Lindenauern einen Einblick in das „Herzstück des Ganzen“: die Nachwuchsakademie. Ein Teil der Hertha-Talente wohnt und lebt hier unter Internatsbedingungen. Für andere stehen Tageszimmer zur Verfügung. Aktuelle U15- und U16-Nationalspieler des DFB zählen ebenso dazu wie Talente aus dem nahen Polen.
    Die schulische Ausbildung absolvieren die Nachwuchs-Leistungskicker in einer nahe gelegenen Kooperationsschule, so Reiß. Neben der sportlichen Entwicklung lege man bei Hertha zugleich Wert auf schulischen Erfolg.

    Die Nachwuchsakademie bietet alles, was trainingswissenschaftlich state of the art ist. Also beispielsweise indoor eine Laufstrecke auf Kunstrasen, auf der unbestechlich das Lauf- und Sprintvermögen gemessen und verbessert werden kann. Oder Kraft- und Fitnessräume, in denen Höhentrainings möglich sind. Zumeist werden in den Räumen Luftdruckverhältnisse auf 3.000 Meter über Normal Null erzeugt, wie Oliver Reiß erläuterte. Technisch möglich seien Verhältnisse von 5.000 Meter über dem Meeresspiegel, fügte er hinzu. Die Tür zum Kabinentrakt der ersten Profimannschaft der Hertha, die gerade wieder in die Fußball-Bundesliga zurückgekehrt ist, blieb bei dem Rundgang hingegen zu.

    Eine solche Nachwuchsakademie verlangt der Deutsche Fußball-Bund von jedem, der sich in den Eliten-Ligen dauerhaft etablieren wollen. Die Akademien gelten als die eigentliche Grundlage des neuen deutschen Fußballwunders. Am kommenden Sonnabend steht sich die erste Generation Akademie im Londoner Wembley-Stadion im Champions League Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München gegenüber.

    Ihren Ruf als Talenteschmiede bestätigt die Hertha-Akademie seit Jahren: mit immer neuen Titeln der Nachwuchsmannschaften. In der Vitrine stehen zahlreiche Pokale. Zu den jüngsten Erfolgen zählt die B-Junioren-Meisterschaft 2012. Talente wie der gebürtige Berliner und heutige Milan-Spieler Kevin Prince Boateng und der U21-Europameister von 2009 und heutige Spanien-Legionär Patrick Ebert durchliefen die Akademie.

    Die Plätze und Bauten der Hertha-Nachwuchsakademie befinden sich im Olympiapark in Sichtweite des Olympiastadions. Im Friesen-Haus und im ehemaligen Kursistenflügel ist die Nachwuchsakademie untergebracht. Auf dem Areal startete 1920 die damalige Deutsche Hochschule für Leibesübungen.

    Nachdem Berlin den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1936 erhalten hatte, bebaute Hitlers Lieblingsarchitekt des Gelände im Stil der NS-Zeit. Nach Kriegsende bis 1994 befand sich in diesem Teil des Olympiaparks des Hauptquartier der britischen Streitkräfte in Berlin (West).

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