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Frank Ruddigkeit. Zeichen & Wörter

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    Der Leipziger Maler, Grafiker und Bildhauer Frank Ruddigkeit (*1939) hat dem MdbK aus Anlass seines 80sten Geburtstages im Sommer vergangenen Jahres ein Konvolut seiner künstlerischen Tagebücher – insgesamt 56 Bände aus den 1990er bis in die frühen 2000er Jahre – geschenkt. In der Kabinettausstellung werden neben dieser Schenkung zahlreiche grafische Arbeiten des Künstlers präsentiert.

    Zeichnen ist für Frank Ruddigkeit keine reine Tätigkeit, sie ist ihm die notwendige Existenzform überhaupt: Impuls, Analyse und Urteil zugleich. Fortwährend setzt er sich mit seiner Umwelt auseinander und reflektiert sie in seinen Arbeiten. Inwendig voller Figuren, wie Albrecht Dürer sagen würde, überkommt ihn der künstlerische Akt meist spontan und animiert ihn dazu, seine Assoziationen in Kohle und Kreide, in Linien, Bögen und Schraffuren darzulegen.

    In den Bildrudimenten und skizzenhaften Kompositionen verschachtelt er Räume und klassische Motive, um durch die labyrinthische Struktur und den Gegensatz von statischer Gedrängtheit und dynamischer Großzügigkeit zur Auseinandersetzung mit seinen Bilderfluten zu provozieren. Stilistisch ist er zwar schwer einzuordnen, doch kann man seine künstlerischen Adaptionen vor allem bei den italienischen Meistern der Frühen Neuzeit entdecken.

    Es entstehen Entwürfe für plastische und malerische Werke, psychologisierende Porträts und einfühlsame Selbststudien ebenso wie Gedankenblätter zu humanistischen und zu existenziellen Themen wie Krieg und Frieden, Leben und Tod; daneben auch viele Blätter, die durch Dichtung und Lyrik inspiriert sind. Kunst sieht er als Reaktion auf die „Bedrückung im Menschen“ und auf dieses Medium zu verzichten würde seiner Meinung nach bedeuten, eine „ganz wesentliche Chance ihrer Möglichkeiten“ zu vertun.

    Ruddigkeits Absicht ist es, das hinter der äußeren Erscheinung Liegende darzustellen, indem er seine eigene Reflexion zur Darstellung bringt und sich selbst zum Medium der einfallenden Welt erklärt. In einem Interview erklärte er einstmals: „Jede Art von Welt- und Selbstbegreifen findet seine rigoroseste Deutung im Aufgezeichneten.“

    Eine besondere Affinität besitzt er dabei zur Literatur. Er sieht das Schreiben nicht in Konkurrenz zum künstlerischen Schaffen, sondern als Möglichkeit der Ergänzung. Am konsequentesten und eindrücklichsten verwirklicht Ruddigkeit dieses Prinzip in seinen Tagebüchern, in denen er Notate und Zeichnungen eng miteinander verwebt und den gesamten Kosmos seiner Welthaltung ausbreitet. Reflexionen zu aktuellen Geschehnissen und Zeitungsmeldungen, kurze Aperçus, persönliche Beobachtungen über den eigenen Alltag und andere Menschen treffen auf skizzenhafte Zeichnungen und Entwürfe. Die darin integrierten Schriftzeilen sind nicht nur intellektuelle oder kalligrafische Anhängsel, sondern zugleich Titel, Erläuterungen und Ergänzungen.

    In den Tagebüchern emaniert sich eine Ich-Konstruktion, die Ruddigkeits historisch bedingte Mentalität spiegelt. Seine Vergangenheit im auf Kollektivität ausgerichteten Gesellschaftssystem der DDR hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Beschäftigung mit dem eigenen Selbst und dem Umfeld ebenso intensiv wie subjektiv war. In der Verschmelzung kraftvoller grafischer Sinnlichkeit und schonungslos ehrlicher literarischer Sachlichkeit liegt der große Wert seines künstlerischen Schaffens.

    ERÖFFNUNG
    Freitag, 14. Februar 2020, 18 Uhr
    Es spricht: Fabian Müller/Kurator

    ÖFFNUNGSZEITEN / EINTRITT
    Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr, Mo geschlossen
    Feiertage 10-18 Uhr
    Tagesticket 10 € / ermäßigt 7 €
    bis zum vollendeten 19. Lebensjahr Eintritt frei
    am 1. Mittwoch im Monat Eintritt frei

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