Ökolandbau in Sachsen: Mini-Zuwachs auch 2011

Man weiß bald wirklich nicht mehr, was sächsische Minister eigentlich tun, woran sie denken bei ihrer Arbeit, ob sie überhaupt wissen, was sie vor einem und vor zwei Jahren gesagt und gemeldet haben. Vielleicht leben sie tatsächlich einfach in den Tag hinein und freuen sich, dass sich da draußen überhaupt was bewegt. "Die positive Entwicklung im ökologischen Landbau in Sachsen hat sich auch im Jahr 2011 fortgesetzt", schwärmt per 28. Mai 2012 der Umweltminister.
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Die ökologisch bewirtschaftete Fläche stieg im vergangenen Jahr um rund 1.500 Hektar (4 Prozent) auf 35.500 Hektar. Damit liegt der Anteil des Ökolandbaus an der landwirtschaftlichen Nutzfläche Sachsens nun bei bei 3,9 Prozent (2010: 3,7), meldet das Umweltministerium. „Diese Zahlen bestätigen den Trend der vergangenen Jahre“, sagt Landwirtschaftsminister Frank Kupfer. „2011 sind 35 Betriebe mithilfe unserer Ökoflächenprämie auf die ökologische Landwirtschaft umgestiegen. Hier zahlen wir deutschlandweit mit die höchsten Fördersätze.“

Im bundesweiten Vergleich könnten sich die Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau in Sachsen sehen lassen, meint der Minister. Bei einer entsprechenden Untersuchung des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) im Januar 2012 kam der Freistaat auf Platz drei. Insgesamt gibt es in Sachsen zurzeit 479 Betriebe im Ökolandbau. Zusammen mit den 294 Firmen (2010: 280), die in Sachsen Ökolebensmittel verarbeiten und verkaufen, sind im Ökosektor 773 Unternehmen tätig.

Besonders deutlich werde die erfolgreiche Entwicklung der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft bei einem Blick zehn Jahre zurück. Gab es 2001 358 Öko-Unternehmen, seien es heute doppelt so viele. Die Anbaufläche sei im gleichen Zeitraum ausgehend von 17.441 Hektar ebenfalls um mehr als 100 Prozent gestiegen.
„An diesen anhaltenden Steigerungen in der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft wird deutlich, dass unsere Fördermaßnahmen richtig und wichtig sind“, findet der Landwirtschaftsminister. Neben der Ökoflächenprämie für Umstieg und Beibehaltung der ökologischen Produktion unterstützt der Freistaat die Unternehmen unter anderem bei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, bei der Absatzförderung und Gemeinschaftswerbung sowie bei Investitionen.

Zum Vergleich: Deutschlandweit hat der Ökolandbau 2011 einen Flächenanteil von 6,1 Prozent erreicht. Sachsen wollte eigentlich schon 2010 einen zehnprozentigen Anteil erreichen.

„Wir wollen die positive Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft weiter unterstützen und werden deshalb auch in Zukunft an der Förderung festhalten“, sagt Kupfer. Er weiß, wo das Problem liegt: beim Übergang von der konventionellen Landwirtschaft zur ökologischen. Planungssicherheit brauchen vor allem die Landwirte, die mit ihren Betrieben auf eine ökologische Bewirtschaftung umsteigen wollen. Der Freistaat zahlt zwar die Ökoflächenprämie – auch 2012 – für Neuantragsteller und verpflichtet sich damit für eine fünfjährige Förderung der Unternehmen. „Hier gehen wir in Vorleistung, weil es zurzeit noch nicht die notwendige Anschlussregelung für die aktuelle EU-Förderperiode gibt, die 2013 endet“, so der Minister.
Aber Schwierigkeiten hat der Minister damit, den Öko-Landwirtschaften ein planbares Umfeld zu verschaffen. Jahrelang waren es sogenannte „Versuchsfelder“ mit gentechnisch veränderten Pflanzen, die ganze Regionen für Ökolandwirtschaft untauglich machten.

Dass die Förderung der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft gut angelegt sei, zeige auch ein Blick auf den wachsenden Markt für Öko-Lebensmittel in Deutschland. Landeten 2010 ökologische Lebensmittel im Wert von 6 Milliarden Euro in deutschen Einkaufskörben, waren es im vergangenen Jahr bereits Waren für 6,6 Milliarden Euro. „Von dieser steigenden Nachfrage können auch die sächsischen Produzenten profitieren, wenn sie auf eine ökologische Bewirtschaftung umsteigen“, so der Landwirtschaftsminister.

Tipps zum Umstieg auf die ökologische Landwirtschaft geben zwei Broschüren des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Das Heft „Umstellen auf den Öko-Landbau“ bietet einen Überblick über die Thematik und die Broschüre „Zukunftsfähige Umstellung auf Ökolandbau“ informiert anhand von Modellen über die betriebswirtschaftliche erfolgreiche Änderung der Bewirtschaftung eines landwirtschaftlichen Unternehmens.

Doch wer in den Broschüren blättert, wird die begleitenden Programme der sächsischen Politik vermissen, Programme gegen Bodenverlust, chemische Überdüngung, Bodenspekulation. Jeder Bauer bleibt auf sich allein gestellt. Und wird es sich – trotz Förderung – überlegen, ob er das Risiko der Umstellung eingeht.

Die beiden Broschüren findet man im Internet unter:
www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/4830.htm


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