Es rechnet sich einfach nicht, Kohlendioxid einfach so ins Erdreich zu verpressen, damit es nicht in die Atmosphäre gelangt. So sieht es jetzt der Energiekonzern Vattenfall und hat den Abbau seiner Testanlage zur Abscheidung von Kohlendioxid in Schwarze Pumpe angekündigt. Als das Testprojekt begann, hätte es sich sogar noch gerechnet. Da war mit höheren Preisen für CO2-Emissionen zu rechnen.
Doch gegen die Verknappung der Zertifikate und das damit verbundene Steigen der Preise machten ja einige Parteien auch aus Deutschland erfolgreiche Lobbypolitik. Ergebnis: Die Preise für Emissions-Zertifikate sind im Keller. CCS würde sich nicht einmal rechnen, wenn die Technologie schon marktreif wäre.
CCS steht für Carbon (Dioxide) Capture and Storage – die Abspaltung von Kohlendioxid in Kraftwerken und dessen nachfolgende Verpressung in den geologischen Untergrund. Dass es in Sachsen kaum einen dafür geeigneten stabilen Untergrund gibt, war auch ein Problem, das die Techniker lange beschäftigte. Die sächsische Politik übrigens auch, die gern jene Bundesländer in die Pflicht genommen hätte, die geeignete geologische Formationen besitzen, in die man Kohlendioxid hätte verpressen können. Doch das sind zumeist keine Braunkohleländer wie Sachsen und Brandenburg – die Sache scheiterte im Bundesrat.
Für den energiepolitischen Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, Gerd Lippold, war die Vattenfall-Entscheidung also nichts Neues.
„Diese Entscheidung ist keineswegs eine Überraschung, auch wenn
Vattenfall den Testbetrieb der CCS-Anlage in Schwarze Pumpe in der
Vergangenheit immer wieder als Erfolg verkaufen wollte. Bereits im
Mai 2014 hatte sich Vattenfall zu großen Teilen aus der Forschung
an der CCS-Technologie verabschiedet, bei der es um Abtrennung und
Speicherung des klimaschädlichen CO2 im Boden geht. Zugleich
vertrat der Vorstandschef von Vattenfall Europe Mining &
Generation, Hartmuth Zeiß, aber noch die Meinung, ein neues
Braunkohlekraftwerk müsse CCS haben und dafür habe man noch ein
Zeitfenster von fünf bis zehn Jahren“, rekapituliert er die
jüngsten Entwicklungen. „Die sächsische CDU muss endlich ihre
Träume von rettenden technologischen Lösungen für ihre
Braunkohlestrategie aufgeben. Alle Hoffnungen, damit ohne einen
grundlegenden Strategiewechsel dennoch Klimaschutzziele ansteuern
zu können, sind gescheitert. Entweder Sachsen steigt mittelfristig
aktiv und selbstbestimmt aus der Braunkohle aus, oder Sachsen wird
durch Betreiber und Rahmenbedingungen aus der Braunkohle
ausgestiegen.“
In der vergangenen Woche hat auch die sächsische Linke angemahnt,
über den Fall nachzudenken, dass Vattenfall demnächst komplett aus
der Braunkohleförderung und -verstromung aussteigen könnte. Denn
gerade waren auch in Schweden Wahlen, die das Machtgefüge dort
deutlich veränderten. „Zwei Drittel der Schweden haben sich vor der
Wahl am vergangenen Sonntag für einen Rückzug ihres Staatskonzerns
aus Deutschland und speziell aus der Lausitz ausgesprochen“,
stellte dazu Dr. Jana Pinka, Vorstandsmitglied der Linken, fest.
„Offen ist nun, wie das umweltbewegte Regierungsbündnis den
‚Ausstieg‘ umsetzt. Wird das undurchsichtige Firmengewirr verkauft
oder soll es auf andere Weise ‚abgewickelt‘ werden? Beide Optionen
verheißen für die Region kurzfristig kaum Gutes – weil Alternativen
fehlen.“
Ähnlich sehen auch die Grünen den Freistaat energiepolitisch in der Sackgasse.
„Koalitionsverhandlungen mit der CDU sind vor allem deshalb nicht möglich geworden, weil die CDU in Sachsen in der Energiepolitik ihre Augen vor den Realitäten des Jahres 2014 leider noch immer fest verschließt“, stellt Gerd Lippold fest. „Nun verkündet Vattenfall, die Technologie habe sich nicht durchsetzen können. Nach der eigenen Vattenfall-Logik sind damit auch Träume von neuen Braunkohlekraftwerken geplatzt. CCS ist, obwohl verfahrenstechnisch prinzipiell machbar, wirtschaftlich klar gescheitert. Die enormen Kostensenkungserfolge der erneuerbaren Energien haben die Rahmenbedingungen in der Energiewirtschaft schneller geändert, als es dauerte, eine CCS-Pilotphase zu Ende zu führen.“
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Die CCS-Testanlage von Vattenfall in Schwarze Pumpe war vor sechs Jahren in Betrieb gegangen. Die Sächsische Staatsregierung und das Unternehmen lobten die Pilotanlage zwischenzeitlich in den höchsten Tönen und stellten eine Entwicklung bis zur Serienreife in Aussicht.
„Jene, die den Fortbestand der Braunkohleverstromung auch im
Zeitalter weltweiter Klimaschutzanstrengungen und rasant wachsender
Marktanteile Erneuerbarer Energien festschreiben wollen, setzen
ihre Hoffnung vor allem auf ingenieurtechnische Lösungen. Ihr
wichtigstes Argument, man könne die Braunkohle auch ohne
Klimazerstörung verbrennen, ist nun offensichtlich ein gewaltiges
Stück weit unrealistischer geworden“, zieht Lippold nun die Bilanz.
„Die richtige Lösung ist meist die, die am einfachsten ist. Die
einfachste Lösung zur Vermeidung der immensen Folgeschäden der
Kohleverstromung ist der schrittweise Ausstieg aus der
Kohleverstromung. Anstatt viele Millionen Euro in aussichtslose
Umgehungsversuche dieser einfachen Lösung zu stecken, sollte
Vattenfall das Geld zukunftssicher in die nachhaltige
Energieversorgung von morgen investieren, die längst kostengünstig
und wettbewerbsfähig machbar geworden ist.“
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