Immer größer, immer mehr, immer billiger

Seit 2003 hat sich die Zahl der kleinen Bauernhöfe in Sachsen halbiert

Für alle LeserSelbst die EU-Subventionspolitik bevorteilt die großen Agrarbetriebe. Jene Betriebe, die ökologisch wirtschaften, haben größte Schwierigkeiten, ihren Betrieb wirtschaftlich zu gestalten. Noch immer gilt auch in Sachsens Landwirtschaft: Wer mit mehr Fläche und größeren Ställen mehr und billiger produziert, kommt besser zurecht mit einer Marktwirtschaft, die auf „viel und billig“ setzt.

Im Freistaat Sachsen gibt es immer weniger Bauernhöfe. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion hervorgeht, hat sich die Anzahl der kleinen Betriebe mit weniger als zehn Hektar Fläche innerhalb von zehn Jahren auf 2.091 Höfe halbiert. Einen Zuwachs gab es hingegen bei Großbetrieben, die 200 Hektar und mehr bewirtschaften: Hier kamen rund 50 Betriebe dazu.

Auch die Zahl der Arbeitskräfte in der sächsischen Landwirtschaft hat sich zwischen 2003 und 2016 erheblich reduziert: Waren 2003 noch 28.200 Menschen in den landwirtschaftlichen Betrieben tätig, waren es 2016 nur noch 21.700 Menschen. Was von zwei Trends erzählt: Einerseits der Verschmelzung einst kleiner Betriebe und großen Agrarbetrieben. Und zum anderen von der zunehmenden Industrialisierung und Technisierung der Landwirtschaft – immer weniger Bauern bewirtschaften mit immer größeren Maschinen immer größere Flächen.

Da bleibt für einen wirklichen ökologischen Umbau der Landwirtschaft kaum Raum. Sachsen fokussiert sich da lieber auf die Förderung bodenschonender Bearbeitung und wassersparender Beregnung. Was sich halt mit industrieller Feldbearbeitung eintakten lässt.

Auch das ist ein Grund, warum kleine Betriebe von Subventionen kaum profitieren.

Deshalb sind auch die Subventionen für die landwirtschaftlichen Betriebe in Sachsen sehr ungleich verteilt. Die fünf Prozent der größten Betriebe erhielten 2016 55 Prozent aller Subventionen. Demgegenüber erhalten 67 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Sachsens nur 5,4 Prozent der Subventionen.

Und auch im Bereich der Tierzucht bleibt der ökologische Umbau Fassade.

Denn auch Sachsens Tierbetriebe werden immer größer. So nahm die Anzahl der Höfe mit Schweinehaltung seit 2010 in allen Größenklassen ab. Lediglich Betriebe mit mehr als 5.000 Tieren nahmen zu. Bei Schweinen hat sich in Sachsen innerhalb von weniger als 20 Jahren der Tierbestand im Schnitt je Betrieb verdoppelt – von 367 im Jahr 1999 auf 759 in 2016.

Während bei Rindern und Kühen die Bestandsgrößen nur leicht stiegen, sind sie bei Geflügel deutlich nach oben gegangen: 1999 im Schnitt pro Betrieb knapp 2.700 Tiere gehalten, 13 Jahre später mehr als 11.000. Erschreckend ist, dass bei Masthühnern und Puten mehr als 99 Prozent der Tiere in Beständen der beiden höchsten Größenklassen (Masthühner ab 10.000 Tiere, Puten ab 1.000 Tiere) gehalten werden. Von den knapp 700 Hühnermast-Betrieben aus dem Jahr 2003 gibt es 2016 noch 51.

Man merkt schon, dass im sächsischen Landwirtschaftsministerium sehr viel Verständnis für Agrargroßbetriebe und ihre Bedürfnisse besteht, aber kaum eines für kleine Betriebe und eine wirklich ökologische Landwirtschaft.

„Industrielle Großbetriebe sind im Freistaat die Regel, kleinere bäuerliche Betriebe die Ausnahme. Kein Wunder: Bei dem preislichen Unterbietungswettbewerb der Großbetriebe können die kleinen Höfe kaum mithalten“, stellt denn auch der sächsische Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) fest.

„Die Bundesregierung muss ihre Förderpolitik grundlegend ändern, sonst kommt die Agrarwende in Sachsen nicht in Gang. Dass fünf Prozent der großen Betriebe 55 Prozent der Subventionen erhalten, zementiert die Strukturen der industriellen Landwirtschaft. Das muss sich ändern! Subventionen müssen viel stärker an den gesellschaftlichen Mehrwert geknüpft werden: Der Mehrwert der Landwirtschaft liegt nicht darin, immer größer zu werden und immer mehr zu produzieren. Tierwohl, Qualität und Regionalität müssen eine viel größere Rolle spielen.“

LandwirtschaftAgrarwende
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