Online muss gar nicht der Einkaufstrend der Zukunft sein

Wer Kunsthandwerk kauft, braucht kein Internet, sondern fährt gleich nach Seiffen

Für alle LeserIm Erzgebirge kann man noch staunen. Sogar über Menschen, die mit Internet und Handy nichts am Hut haben. Und trotzdem Nussknacker und Schwibbögen kaufen wollen beim Erzgebirgischen Kunsthandwerk. Nur halt nicht online. Warum denn auch, wenn man ganz persönlich ins Weihnachtsland fahren kann. Aber die Kunsthandwerker wollten es trotzdem wissen und haben ein Befragungsinstitut beauftragt.

Befragen ließ man die Leute eigentlich nur zum Online-Kaufverhalten von Erzgebirgischem Kunsthandwerk. Aber dabei ergaben sich natürlich auch ein paar erhellende Erkenntnisse zum Internet-Verzicht vieler Menschen.

So zeigen die repräsentativen und aktuellen Daten, dass 68,5 % aller Befragten das Internet täglich oder mehrmals täglich nutzen. Allerdings nutzt ein Fünftel aller Befragten das Internet überhaupt nicht. 78,5 % haben einen Internetzugang zu Hause, 29,8 % auf der Arbeit. Aber fast jeder fünfte Deutsche (19,4 %) gab an, KEINEN Zugang zum Internet zu haben.

Mobil auf dem Vormarsch

Für 58,4 % aller Befragten ist das Smartphone nach dem Internetzugang zu Hause die mit Abstand meistgenutzte Form des Internetzugangs. Dies deckt sich auch mit anderen Studien zur Online-Nutzung. Dabei nutzen Männer das Smartphone mit 62,4 % deutlich häufiger als Frauen (54,5%). Auch das Tablet wird von den Befragten gern für einen Gang ins Internet genutzt (21,3 %).

61,8 % nutzen zumindest gelegentlich das Internet zum Einkaufen. Hier zeigt sich bei der Altersgruppe bis 54 Jahre sogar ein Anteil von über 80 %, während es ab 55 Jahre nicht einmal mehr 30 % sind. Je höher der Bildungsgrad, desto häufiger kaufen die Menschen über das Internet. Bei Hauptschulabgängern sind es nicht einmal 40 %, bei Abiturienten und Universitätsabsolventen hingegen über 80 %. Mit 56,3 % ist der Anteil des Online-Einkaufs in den neuen Bundesländern deutlich geringer als mit 63,1 % in den alten Bundesländern. Auch der Anteil der Menschen, die zu Hause keinen Internetzugang haben, ist in Sachsen und Thüringen mit 31,9 % weitaus höher als zum Beispiel in Berlin (10,4 %).

Dr. Heiko Lehmann vom Marktforschungsinstitut ipsos, der die repräsentative Studie im Auftrag des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller leitete, fasst die wichtigsten Ergebnisse zu Internetnutzung und Online-Kaufverhalten wie folgt zusammen: „Laut unserer Erhebung beläuft sich der Anteil der Internetnutzer im Herbst 2017 auf 81 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren. Vor 5 Jahren waren es noch ca. drei Viertel der Bevölkerung. Den höchsten Anteil von Internetnutzern hat Berlin mit ca. 90 %. Die Bundesländer mit dem kleinsten Anteil (ca. 70 %) sind Sachsen und Thüringen. Ein vergleichsweise geringer Anteil von Internetnutzern, ca. zwei Drittel, ist in Kleinstädten zu Hause. Großstädter dagegen sind zu 85 % online.“

Nicht alle Käufer kaufen alles online

Eigentlich hat man ja vor allem nach erzgebirgischem Kunsthandwerk gefragt. Aber so nebenbei hat die Befragung auch gezeigt, was die Deutschen eigentlich bevorzugt online kaufen. Und Bücher sind es nicht. Sie landen erst auf Platz drei der Liste. Nur 36 % der Befragten kaufen ihre Bücher online (bei 82 % Bücherkäufern an sich), bei Kleidung liegt der Wert zum Beispiel bei 65 %, bei Schuhen bei 52 %. Bei Lebensmitteln sind es sogar nur 3 %.

Ganz so schillernd ist die schöne neue Lieferwelt also nicht, wie es die Online-Händler gern behaupten. Noch gibt es ja reale Geschäfte und echte Einkaufserlebnisse. Und vielleicht ist die Vision der IT-Firmen, den Menschen zur unbeweglichen Heimtomate zu machen, die sich alles liefern lässt, falsch gedacht.

Das steckt nämlich auch ein Stück weit in der Befragung zur erzgebirgischen Kunst. Denn man möchte ja schon gern gute Online-Geschäfte machen. Aber nur 2 % der Befragten äußerten, dass sie sich die kleinen Kunstwerke aus dem Erzgebirge online liefern ließen. Dafür erklärten 21 Prozent, dass sie die Räuchermännel und Schäfchen schon gekauft haben. Was ja eindeutig heißt: Sie sind dafür in einen Laden gegangen, der die Kunstwerke anbietet – oder sie sind dafür nach Seiffen und Umgebung gefahren und haben damit auch dem Tourismus im Erzgebirge etwas Gutes getan.

Kunsthandwerk kauft man eben doch am liebsten an der Quelle

Überrascht hat den Marktforscher die hohe Bekanntheit und das sehr positive Image der Holzkunst aus dem Erzgebirge überall in Deutschland: „Die Bezeichnung ‚Erzgebirgisches Kunsthandwerk‘ ist einem sehr großen Teil der Bevölkerung in Deutschland bekannt. Knapp zwei Drittel des Publikums kennt die Bezeichnung. Die Wahrnehmung der Produktqualität ist hervorragend. Mehr als acht von zehn Deutschen stufen Produkte mit der Bezeichnung ‚Erzgebirgisches Kunsthandwerk‘ überdurchschnittlich ein“, fasst Heiko Lehmann die Ergebnisse der Studie zusammen.

Die Umfrageergebnisse zum Verkauf Erzgebirgischen Kunsthandwerks erbrachten, dass rund ein Fünftel der Befragten Erzgebirgisches Kunsthandwerk kauft. Rund ein weiteres Viertel kann sich vorstellen, dies zu tun.

Potenzial für den Online-Kauf von Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge sei durchaus noch vorhanden, denn knapp ein weiteres Drittel der Käufer von Erzgebirgischem Kunsthandwerk könne sich einen Online-Kauf grundsätzlich vorstellen, stellte das Umfrageinstitut Ipsos fest. Die Umfrage erbrachte aber auch etwas Erstaunliches, nämlich dass ca. 60 % der Käufer Erzgebirgischen Kunsthandwerks sich nicht vorstellen können, dieses online zu kaufen.

Für Dieter Uhlmann, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V., der die Studie in Auftrag gegeben hatte, eröffnen diese Ergebnisse interessante Perspektiven auf den Verkauf von Erzgebirgischem Kunsthandwerk: „Wir wussten aus der Praxis, dass die Menschen die Holzkunst aus dem Erzgebirge – Räuchermänner und Nussknacker, Schwibbögen, Pyramiden und Engel – am liebsten vor Ort im Fachhandel kaufen. Hier finden sie eine kompetente Beratung und eine große Auswahl, bei der man die Figur auch einmal in die Hand nehmen und ihr ins handgemalte Gesicht schauen kann. Dass die Online-Verkaufszahlen mit nur 2 % so gering ausfallen, hat jedoch selbst uns überrascht. Hier wird sich zeigen, wie sich die Entwicklung in Zukunft fortsetzt und wie der Handel auf diese Ergebnisse reagiert.“

Warum so eilig oder Wie wird man wieder Herr seiner Zeit? – Die neue LZ Nr. 52 ist da

ErzgebirgeOnline-Handel
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