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Polizeibericht 3, April: Radfahrer stirbt bei Unfall, Tödlicher Verkehrsunfall an Bahnübergang, Fast 20 Verletzte bei Brand

Das Polizeirevier in der Dimitroffstraße
Das Polizeirevier in der Dimitroffstraße. Foto: LZ

Radfahrer stirbt bei Unfall

Ort: Regis-Breitingen, Staatsstraße 50, Zeit: 02.04.2026, gegen 09:40 Uhr

Am Donnerstagvormittag kam es auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Deutzen und Ramsdorf zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem ein 37-jähriger Fahrradfahrer ums Leben kam. Gegen 9:40 Uhr fuhr der 62-jährige Fahrer (deutsch) eines Mazda auf der Staatsstraße 50 (S 50) von Ramsdorf kommend in Richtung Deutzen. Ein 37-jähriger Fahrradfahrer kam zu diesem Zeitpunkt aus Richtung Regis-Breitingen und wollte die S 50 queren, um auf dem gegenüberliegenden Geh- und Radweg seine Fahrt fortzusetzen.

Nach bisherigen Erkenntnissen übersah er dabei aus derzeit noch unklarer Ursache den von links kommenden und vorfahrtsberechtigten Mazda. Es kam zum Zusammenstoß, bei dem der 37-Jährige schwerst verletzt wurde. Trotz sofortiger medizinischer Versorgung verstarb er später im Krankenhaus. Die S 50 musste für die Unfallaufnahme voll gesperrt werden. Der entstandene Sachschaden konnte noch nicht beziffert werden. Ein Sachverständiger der Dekra unterstützte den Verkehrsunfalldienst bei der Unfallrekonstruktion vor Ort. 

Fast 20 Verletzte bei Brand

Zeit: 02.04.2026, 23:45 Uhr, Ort: Delitzsch, Loberaue

In der vergangenen Nacht kam es in einem Mehrfamilienhaus in Delitzsch zu einem Brand, bei dem 18 Personen medizinisch betreut werden mussten und acht davon in Krankenhäuser gebracht wurden. Gegen 23:45 Uhr brach im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Straße Loberaue in Delitzsch aus bisher unbekannter Ursache ein Feuer aus. Die Bewohner und Bewohnerinnen mussten evakuiert werden, konnten später aber zurück in ihre Wohnungen.

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Delitzsch löschten den Brand. Insgesamt mussten 18 Personen wegen des Verdachtes einer Rauchgasintoxikation behandelt werden. Drei Männer (42, 24, 22) und vier Frauen (67, 59, 26, 17) sowie ein Kind (8) mussten in Krankenhäuser gebracht werden, die übrigen Personen wurden vor Ort medizinisch behandelt. Der entstandene Schaden ist derzeit noch nicht bezifferbar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen eines Branddeliktes aufgenommen und wird im Laufe des Tages einen Brandursachenermittler zum Einsatz bringen.

Tödlicher Verkehrsunfall an Bahnübergang

Ort: Leipzig (Nordost), Wodanstraße, Zeit: 03.04.2026, 05:30 Uhr

Am frühen Freitagmorgen kam es am Bahnübergang in der Wodanstraße zu einem schweren Verkehrsunfall zwischen einer Elektrorollerfahrerin (60) und einem Zug, bei dem die 60-Jährige ums Leben kam. Nach bisherigen Erkenntnissen umfuhr die 60-jährige Fahrerin eines Elektrorollers gegen 5:30 Uhr die geschlossene Schranke am Bahnübergang in der Wodanstraße. Dabei übersah sie den durchfahrenden Personenzug (Fahrer: 20), sodass sie erfasst wurde.

Aufgrund ihrer Verletzungen verstarb die Frau noch am Unfallort. Die Fahrgäste des Zuges blieben unverletzt. Die Wodanstraße und die Bahnstrecke mussten aufgrund der Unfallaufnahme für mehrere Stunden voll gesperrt werden. Die Beamten des Verkehrsunfalldienstes wurden vor Ort durch einen Sachverständigen der Dekra unterstützt.

Brand in leerstehendem Haus

Ort: Colditz, Am Graben, Zeit: 02.04.2026, 04:15 Uhr

Am frühen Donnerstagmorgen kam es in einem leerstehenden Haus in Colditz zu einem Brand, bei dem niemand verletzt wurde. Das Feuer war gegen 4:15 Uhr im Erdgeschoss eines leerstehenden Gebäudes in der Straße Am Graben in Colditz aus bisher unbekannter Ursache ausgebrochen. Aufgrund der zeitnahen Löscharbeiten der Feuerwehren Colditz und Grimma konnte ein Ausbreiten des Feuers auf das gesamte Gebäude verhindert werden.

Verletzt wurde niemand. Der entstandene Sachschaden kann derzeit noch nicht beziffert werden. Die Kriminalaußenstelle Grimma hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen und wird einen Brandursachenermittler zum Einsatz bringen.

Radfahrer bei Unfall verletzt

Ort: Leipzig (Hartmannsdorf-Knautnaundorf), Knautnaundorfer Straße, Zeit: 02.04.2026, 15:05 Uhr

Am Donnerstagnachmittag kam es auf der Knautnaundorfer Straße zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein 18-jähriger Fahrradfahrer schwer verletzt wurde. Der Fahrradfahrer (18) fuhr auf dem Seitenstrang der Knautnaundorferstraße in nordwestlicher Richtung und bog dann auf die Knauntnaundorferstraße ab. Nach bisherigen Erkenntnissen übersah er dabei einen von links kommenden und vorfahrtsberechtigten BMW (Fahrer: 59, deutsch) welcher in Richtung Knauthain fuhr.

Es kam zum Zusammenstoß, bei dem sich der 18-Jährige verletzte. Er musste stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Der BMW-Fahrer blieb unverletzt. Vorerst wird der entstandene Schaden auf circa 5.000 Euro geschätzt. Der Verkehrsunfalldienst hat die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang und wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung aufgenommen.

Frühjahrssitzung der Fluglärmkommission: Zuwachs fürs Nachtschutzgebiet und ein bisschen mehr Transparenz

Flieger über Leipzig. Foto: Ralf Julke
Flieger über Leipzig. Foto: Ralf Julke

Am Mittwoch, 1. April, trafen sich die Mitglieder der Fluglärmkommission (FLK) des Flughafens Leipzig/Halle zu ihrer diesmal virtuellen Frühjahrssitzung. Und dabei ging es einmal mehr um die Ausdehnung des Nachtschutzgebietes – also das Gebiet rund um den Flughafen, in dem die gemessene Lärmbelastung die Grenzwerte dauerhaft überschreitet. Deshalb muss das Nachtschutzgebiet auch alle drei Jahre überprüft werden. Und so tauchen immer wieder Gebiete auf, die bislang nicht berücksichtigt wurden. So auch diesmal.

Der Flughafen Leipzig/Halle stellte am Mittwoch die Ergebnisse der turnusmäßig aller drei Jahre vorgeschriebenen Überprüfung des Nachtschutzgebietes vor. Während es im größten Teil des Gebietes keine Veränderungen gab, ist in den Leipziger Ortsteilen Wiederitzsch und Seehausen freilich eine geringfügige Erweiterung festzustellen.

Der Flughafen habe die betreffenden Grundstückseigentümer bereits aktiv über die Möglichkeit von Schallschutzmaßnahmen informiert, teilt Steffen Schwalbe, Vorsitzender der Fluglärmkommission, mit.

Aber nicht nur in Flughafennähe zeigen sich bei Messungen immer wieder, dass die Lärmgrenzwerte überschritten werden. Das macht sich manchmal auch in Orten im weiteren Umfeld bemerkbar, die von den diversen An- und Abflugrouten des Flughafens betroffen sind.

In jüngster Vergangenheit war es schon Markkleeberg, wo solche überhöhten Lärmwerte gemessen wurden. Diesmal zeigten die Fluglärmmessungen der stationären Messanlagen des Flughafens ein größtenteils leicht niedrigeres Lärmniveau als im Vorjahr.

Der Fluglärmschutzbeauftragte stellte aber auch die Messergebnisse aus Bad Dürrenberg (Saalekreis) vor. Dort wurden die für passiven Schallschutz relevanten Grenzwerte deutlich unterschritten, teilte er mit. Nach dem Einsatz in Wiedemar (LK Nordsachsen) wird das Lärmmobil in Kürze in der Gemeinde Jesewitz messen.

Ein bisschen mehr Transparenz

In der Vergangenheit wurde immer wieder auch kritisiert, dass die Fluglärmkommission nur sehr oberflächlich über ihre Beratungsergebnisse berichtete. Welche Themen wurden überhaupt besprochen? Welche Messwerte vorgelegt? Wer hat sich eigentlich wie positioniert? Wie verliefen die Abstimmungen?

Über das Meiste will die Kommission auch in Zukunft nicht berichten, auch wenn es jetzt erstmals eine Änderung der Berichtsgepflogenheiten gibt: Der Fluglärmschutzbeauftragte (FLSB) informierte am Mittwoch über die erfolgte Umsetzung des Transparenzbeschlusses der letzten FLK-Sitzung.

So werden nun jeweils im Vorfeld der Sitzungen die aktuelle Tagesordnung mit den zu behandelnden Themen und die Sitzungstermine veröffentlicht. Zudem will der Fluglärmschutzbeauftragte die Ergebnisse der von ihm durchgeführten mobilen Messungen künftig im Internet veröffentlichen.

Der Flughafen Leipzig/Halle stellte auf der Sitzung auch den aktuellen Verkehrsbericht vor. Ein Bericht, der einmal mehr deutlich macht, dass der Flughafen eigentlich nicht mehr wächst. Im Jahresvergleich war 2025 in Leipzig/Halle sogar ein leichter Rückgang der Passagierzahlen zu verzeichnen. Und im Frachtverkehr gab es lediglich ein gleichbleibendes Niveau.

Der Flughafen berichtete auch zum Thema Trainingsflüge. Diese seien zum Beispiel notwendig zur Einweisung von Piloten und würden sowohl von am Airport ansässigen als auch von auswärtigen Airlines durchgeführt. Insgesamt sei die Anzahl der Trainingsflüge im Jahresvergleich 2025 zu 2024 freilich zurückgegangen.

Die nächste planmäßige Sitzung der FLK findet am 11. November 2026 in Schkeuditz statt.

150 Jahre Leipziger Geschichte: Über 35.000 Aufnahmen der Fotosammlung des Stadtarchivs jetzt online recherchierbar

Brühl/Ecke Nikolaistraße, um 1930. StadtAL Leipzig, 0563 (Fotosammlung), Nr. 1021. Foto: F. Müller
Brühl/Ecke Nikolaistraße, um 1930. StadtAL Leipzig, 0563 (Fotosammlung), Nr. 1021. Foto: F. Müller

Über 35.000 historische Fotografien aus dem Stadtarchiv Leipzig sind jetzt online recherchierbar und eröffnen einen einzigartigen Blick auf mehr als 150 Jahre Leipziger Stadtgeschichte. Das Bildmaterial dokumentiert die Entwicklung Leipzigs von etwa 1870 bis in die Gegenwart – von der Großstadtwerdung im 19. Jahrhundert über die 1920er-Jahre und die Zeit des Zweiten Weltkriegs bis hin zu Kriegszerstörung, Wiederaufbau und den Alltag in der DDR.

Im Fokus stehen Gebäude, Straßen und Plätze sowie markante Objekte, Denkmäler und Sehenswürdigkeiten. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Aufnahmen bedeutender Ereignisse, die das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Stadt widerspiegeln.

Der Bestand setzt sich aus Fotografien der Stadtverwaltung zusammen und wird durch private Bilder und Ansichtskarten ergänzt. So vereint die Sammlung amtliche Dokumentation mit persönlichen Perspektiven auf Leipzig.

Brühl/Ecke Hainstraße, Konsument Warenhaus, 04.05.1971. StadtAL, 0563 (Fotosammlung), Nr. 28061. Foto: Herbert Lachmann
Brühl/Ecke Hainstraße, Konsument Warenhaus, 04.05.1971. StadtAL, 0563 (Fotosammlung), Nr. 28061. Foto: Herbert Lachmann

Mit der Onlinestellung wird ein Teil der Fotosammlung für Forschung, Bildung, Medien und interessierte Bürgerinnen und Bürger leichter zugänglich. Das Rechercheportal des Stadtarchivs ermöglicht eine komfortable Suche und faszinierende Entdeckungen.

Weitere Informationen sowie die Fotosammlung mit der Bestandsnummer 0563 finden Sie auf unserem Rechercheportal www.recherche-stadtarchiv.leipzig.de.

Für wissenschaftliche und private Zwecke dürfen alle im Rechercheportal verfügbaren Digitalisate unter Angabe der vollständigen Archivsignatur gemeinfrei verwendet werden, teilt das Stadtarchiv Leipzig mit.

Leipziger Zeitreisen mit Fotos und Berichten aus den Zeitungen der damaligen Zeit gibt es auch hier bei der Leipziger Zeitung.

Schreibwettbewerb „Pressefreiheit“, die Gewinner-Texte 5: Spuk auf dem Lande

Wie angriffslustig darf Journalismus sein? Grafik: LZ
Wie angriffslustig darf Journalismus sein? Grafik: LZ

Apfel, Birne, Mango, da eine Traube, grüne und rote… Lilli spießte eine joghurtgetränkte Traube auf und hielt sie gegens Licht wie andere ein Weinglas. Sie steckte sich die Traube in den Mund und kaute zufrieden. Ganz viel Joghurt, ein paar Haferflocken und eben Obst… Was einen am Morgen so beschäftigt. Lilli schaute ihren Vater an, der sich in die Zeitung vertieft hatte. „Hast du die Titelseite schon gelesen?“, fragte sie. Ulrich, der Vater; grunzte und schlug die Titelseite auf.

„Grobe Verstöße gegen die Pressefreiheit – unfassbar – Rathaus Hinterwaldbach reagiert mit Drohmails auf Berichterstattung der Regionalpresse – so was in unserm Land! Das es schon so weit gekommen ist…“, schimpfte er und blätterte zu Seite sechs, zurück zu den Pandababys. Lilli seufzte, er hatte das Gedicht nicht gesehen, das als Gedicht des Tages im örtlichen Käsblatt veröffentlicht wurde.

Provokativ schmatzte sie, bis zum Müslischalenboden, doch der Vater erwiderte mit Schlürfen und stellt laut klirrend die Kaffeetasse ab. „Ah…“, machte er voller Genuss. Geht’s uns gut, hätte seine Mutter gesagt. Dann faltete er die Zeitung zusammen und nahm die Aktentasche: Ulrich Rademeier war Bürgermeister von Vorderbachwald und soeben auf dem Weg zu seinem Rathaus.

Lilli ließ von der Zeit überrrascht den Löffel fallen, schnappte ihre Schultasche und warf einen letzten Blick auf die grandiose Titelseite, ehe sie kurz vor acht das Haus verließ. Das Geschirr stand noch am Tisch, das Licht brannte noch, wie zu den Zeiten, als Ellen Rademeier, Ulrichs Ehefrau und Lillis Mutter, noch lebte. Lillis Mund von einem Lächeln umspielt, wiederholte sie siegesgewiss die eigenen Verse:

Meldungen über Untaten
Durchgekaut
Ausgespuckt
Angeschaut
Wenn es juckt
Wen juckt’s?
Mich nicht.

Was für ein Triumph, vor allem gegenüber dieser Erbsenzählerin von Deutschlehrerin!

„Ich hab euch was mitgebracht.“ Frau Markus kicherte. „Schaut mal“, verlangte sie und projizierte das Gedicht des Tages ans Whiteboard, „von Lilli Rademeier. Wer hätte das gedacht? Wir haben eine Dichterin unter uns.“ Lilli starrte stur auf die Tischplatte und spürte ihre Ohren glühend heiß werden. Die Mitschüler lasen, manche zumindest, und wohl zum ersten Mal in der „Zeitung Vorderbachwald“. Das wollte sie doch, oder?

„Analysiert mal“, gluckste die Lehrerin, „na?“ Keiner meldete sich. „Kommt schon.“ Frau Markus bettelte geradezu. „Ist das ein Sonett?“, fragte sie und riss erwartungsvoll die Augen auf. „Nein“, beantwortete sie ihre eigene Frage, als sich Rasmus meldete. „Ja bitte“, rief sie breit grinsend auf.

„Ich denke, das Gedicht kritisiert in wenigen Worten das kurzlebige Interesse…“ – „Äh, Rasmus?“, unterbrach die Lehrerin und ihr Grinsen fror fest. „ … an Presseerzeugnissen, ohne den tieferen Sinn oder die Tragweite zu erfassen …“

Der letzte Teil ging in der plötzlichen Geschäftigkeit der Lehrerin unter, die wahllos nach Stiften griff und in ihren Unterlagen wühlte. „ … beziehungsweise vielmehr ohne diese erfassen zu wollen.“ Frau Markus schaute auf und verzog ihren Mund zu einem schmerzhaft breiten Grinsen: „Schön, Rasmus. Unterhaltet euch darüber in der Pause.“ Und dann machte sie Deutschunterricht.

„Lilli“, rief Rasmus durch das Gewühl von Schülern und Schulranzen, „Lilli.“ – „Ja?“ – „Lass dich von der Schnepfe nicht unterkriegen. Ich find’s cool“, meinte er und lächelte. „Ich wär eben am liebsten gestorben“, gestand Lilli, aber zu leise, als dass man es auf einem Schulgang bei Stundenwechsel hätte verstehen können.

„Was hast du gesagt?“, fragte Rasmus ehrlich interessiert nach. „Ach nichts“, sagte sie und machte eine wegwerfende Handbewegung, „freut mich, dass es dir gefällt.“ – „Klar, bis später“, erwiderte er, lächelte noch mal und verschwand. Lilli ließ die Schultern hängen. War das alles?!

„Zeitung Vorderbachwald“ stand in ehernen Lettern über dem Eingang zur Redaktion des Provinzblatts. Stolz ging Lilli hinein, quasi offiziell und hüpfte wie gewohnt in den ersten Stock. Der nette Herr Riegel, der Chefredakteur, leitete mit dem Rücken zur angelehnten Tür eine Besprechung. Neben ihm stand das riesige, bunte Bonbonglas, noch aus den Zeiten, als Ellen Rademeier hier Chefin war.

Die Stimmung schien schlecht, Lilli zögerte. Manche im Team bemerkten sie – Lilli kannte jeden, jeder sie – auf einmal irritiert. Herr Riegel drehte sich um. „Raus mit dir! Raus!“, polterte er und schlug mit aller Kraft die Tür zu. Lilli blinzelte erschrocken.

Was war das denn? Normalerweise war es umgekehrt, man lud sie ein, stritt richtig um ihre Gunst. Sie war das Nachwuchstalent, das irgendwann bei einer großen, bei einer überregionalen Zeitung landen würde. Lilli konnte sich auch vorstellen, beim Fernsehen zu arbeiten, obwohl sie das dem papierverliebten Herrn Riegel gegenüber nie zugeben würde; Nachrichtensendungen machen, deutschlandweit…, weltweit. Lilli ging nach Hause. Das war ein komischer Tag. Der erste Tag als veröffentlichte Autorin, das hatte sie sich irgendwie besser vorgestellt.

*
Lilli beobachtete ihren Vater. Er saß wie immer seelenruhig schweigend am Frühstückstisch und las die Zeitung. „Zensur in Vorderbachwald…“ Ulrich las die Schlagzeile. „Jetzt macht mal halb lang“, kommentierte er und blätterte zu Seite sechs. Heute ging es um Maniküre bei den Kragenbären. Lilli beugte sich tief über ihre Müslischüssel, um den Artikel auf der Titelseite lesen zu können.

„Nach dem beunruhigenden Vorfall in Hinterwaldbach ist nun auch die „Zeitung Vorderbachwald“ betroffen. Am gestrigen Nachmittag traf ein Brief in der Redaktion ein, der eine „Begutachtung“ der Artikel zum derzeitigen Wahlkampf um das Bürgermeisteramt Vorderwaldbach vor dem Druck durch selbiges verlangte. Außerdem wurde zu positiver Darstellung des Amtsinhabers und Kandidaten Ulrich Rademeier geraten.

Bei „Zuwiderhandlung“ drohte man, dass das Finanzamt die Redaktion „besonders gründlich“ überprüfen würde. Unklar ist, wer den Brief geschrieben und in den Redaktionsbriefkasten geworfen hat. Aber anhand des Stempels konnte eine Verbindung zum Rathaus festgestellt werden.

Der Verdacht verdichtet sich…“ Und so weiter. „Zu guter Letzt: Niemand soll an unserer Berichterstattung zweifeln müssen. Wir vertrauen auf den Rechtsstaat, wir lassen uns nicht unterkriegen!“ Lilli lehnte sich zurück, überlegte, schaute ihren Vater an, der in stoischer Gelassenheit frühstückte und sich über Kragenbären informierte.

Keiner ihrer Klassenkameraden oder deren Eltern lasen die Lokalzeitung, am wenigsten der Politiklehrer. Er hatte einen gewaltigen Schnauzbart und eine kleine, silberne Brille, schlürfte pausenlos schwarzen Kaffee und trug schlabbrige Pullover. Herrn Fitz war im Grunde alles egal. Von den 45 Minuten, für die er bezahlt wurde, hielt er höchstens 20 Minuten Unterricht.

So stand er eben vor der Tafel, schlürfte Kaffee und verlor dazwischen ein paar Sätze zur Politik im Allgemeinen… und im Speziellen…, als Lilli aufsprang, etwas von Klo murmelte und die Schule verließ. Dieser unsägliche Verdacht gegen ihren Vater! Das konnte nicht stimmen. Und außerdem so lächerlich.

Ohne Konkurrenten war es ein Leichtes, die Wahl zu gewinnen. Nur der Ortsverband der Sozialdemokraten schickte die immer gleiche ewig Hundertjährige ins Rennen. Ulrich Rademeier war beliebt, der unangefochtene Bürgermeister. Aber trotzdem… Es stand in der Zeitung.

„Papa!“, rief Lilli und platzte ins Büro des Bürgermeisters. „Hoppla“, meinte Ulrich unbewegt. Dann setzte er die Lesebrille ab, legte die Arbeit beiseite und schaute seine Tochter an. Lilli blinzelte. Was wollte sie sagen? Vor allem wie? „Hast du die Zeitung gelesen?“, fing sie zögerlich an.

„Natürlich“, erwiderte Ulrich gelassen, „wusstest du, dass die Kragenbärdame alle zwei Wochen …“ – „Die Titelseite“, unterbrach Lilli angespannt. Ulrich zog fragend die Augenbrauen hoch. „Die Zeitung wird zensiert“, erklärte sie schrill. „Das behauptet sie zumindest.“ – „Zensiert!“, wiederholte Lilli beinahe hysterisch.

„Ein bisschen Zensur kann dem Blatt nicht schaden.“ – „Papa!“ – „Ich bitte dich, die Artikel lesen sich, als kämen sie direkt aus der SPD-Pressestelle.“ – „Das ist eine ganz normale Partei.“ – „Natürlich, aber die Frau nicht; die ist eine Bolschewistin im wahrsten Sinne des Wortes, schwärmt von der Räterepublik direkt nach der Revolution und hat immer noch nicht begriffen, dass der Eiserne Vorhang gefallen ist, geschweige denn, dass Stalin, Mao und wie sie alle heißen nicht Helden, sondern Schwerverbrecher sind“, meinte Ulrich ohne Emotion.

Lillis Blick wanderte unruhig. „Ich weiß ja, dass Herr Riegel politisch ziemlich links ist; aber so eine Drohung“, spuckte sie verächtlich aus, „das ist ekelhaft!“ – „Dein Herr Riegel kann-“ – „Das ist nicht mein Herr Riegel“, fuhr sie rüde dazwischen. „Du nimmst ihn gerade in Schutz“, entgegnete ihr Vater unaufgeregt. „Ich nehme nicht ihn in Schutz, sondern die Pressefreiheit!“, erklärte Lilli und hätte am liebsten auf den Tisch gehauen.

Ulrich schaute sie an, dann seine Armbanduhr. „Geh zur Schule“, sagte er. Lilli ließ die Schultern hängen, klappte den Mund ratlos auf und zu. Sie hätte gerne gewusst, was sie von der Geschichte halten soll. Schließlich zog sie ab. „Wenn es auf der Titelseite herausposaunt wird, kann’s so schlimm nicht sein“, bemerkte Ulrich in versöhnlichem Ton. Lilli blieb in der Tür stehen. „Das ist einfach so lächerlich“, meinte sie. „Das ist es, lächerlich“, echote Ulrich und schob sich die Lesebrille auf die Nase.

*

„Ach je“, murmelte Ulrich Rademeier mit Blick in die Zeitung. Lilli löffelte müde ihr Müsli. „Was gibt’s?“, erkundigte sie sich. „Der Grizzly hat Magenprobleme. Vielleicht müssen sie ihn notschlachten“, erzählte er. „Ah ja“, nuschelte sie, als ihr die neue Schlagzeile auffiel: „Endlich Reichweite – Große Zeitungen berichten über die Vorfälle in Hinterwaldbach und Vorderbachwald.“

Lilli ließ den Löffel fallen und starrte ihren Vater an. „Hast du keine Angst?“, fragte sie. „Wovor?“, in Gedanken noch immer bei dem bedauernswerten Grizzly. „Dass du nicht wiedergewählt wirst“, fügte Lilli tonlos hinzu und erlaubte sich nicht, weiterzudenken.

„Die Staatsanwaltschaften kümmern sich darum“, erwiderte Ulrich seelenruhig, „und um das Wahlvolk kümmere dich nicht. Heute ist’s in aller Munde, morgen vergessen. Wer will schon die Tragweite einer solchen Meldung erfassen… oder den tieferen Sinn…“ Ulrichs Blick verlor sich in einer anderen Welt. Vielleicht in einem Bärengehege.

Lilli lief mit hochgezogenen Schultern durch die Gänge und schaute nur auf den Boden. Sie hätte einen Kapuzenpulli anziehen sollen. Alle hatten es gelesen oder davon gehört: Ihr Vater hat die Presse angegriffen, das Fundament der Demokratie. Gestern war es ihr aufwühlendes Geheimnis, heute offenbarte Wahrheit. „Fräulein Rademeier, was hört man da?“

Sie begegnete Herrn Fitz, der ausnehmend gut gelaunt das schwarze Rinnsal von der weißen Kaffeetasse leckte, das drohte, zu Boden zu tropfen. Vielleicht sollte sie gar nicht nach Hause gehen. Aber wohin? Zu Rasmus? Um Himmels willen! Was für eine blöde Idee! Der war ohnehin nirgends zu sehen und selbst wenn…

Er war krank, ließ sich aber mit großer Enttäuschung von seiner Mutter erzählen, was die Rademeiers doch für ein Sauhaufen seien. Man bedenke erst, als seine Frau noch lebte und Chefredakteurin war… eine unzüchtige Ehe, zwischen Presse und Politik! „Unzucht? Sagt man das heute noch?“, war alles, was Rasmus dazu einfiel. Dann hustete er.

*

Ulrich stand auf, faltete die Zeitung und legte sie behutsam seiner Tochter hin. „Es ist was Schreckliches passiert“, erzählte er betroffen, „einer der Tierpfleger ist im Eisbärengehege verunglückt.“ Lilli schaute ihren Vater lange an: „Über dich kann man sich nur wundern.“ Und Ulrich verzog das Gesicht zu einer leidenden Grimasse, als sei er selbst der Tierpfleger in der misslichen Lage: „Oder besser gesagt, der Eisbär hat ihn kaltblütig ermordet.“ – „Vielleicht hatte er Hunger?“, erwiderte Lilli lapidar.

„Nein. Es war aus Zorn“, stellte Ulrich fest, schnaubte aufgebracht und ging ins Büro. Lilli nahm die Zeitung und las mit schreckgeweiteten Augen, fuhr mit den Fingern an den Hals und kratzte sich unwillkürlich, zupfte unzufrieden an dem Pullover rum. Vielleicht sollte sie sich einen anderen anziehen, einen, der weicher auf der Haut liegt… Sie sprang auf und setzte sich wieder.

Was soll das? Sie, eine Doppelagentin?! Wer schrieb so was? Herr Riegel, klar. Hinter ihr tickte die Uhr. „Rufmord!“, zischte sie durch gepresste Lippen. Sie stand auf, stand rum, lief hin und her, setzte sich, stand auf, räumte den Tisch ab. Acht Uhr, Geographie … lass die Schule Schule sein, es gibt doch Wichtigeres!

Die beiden Müslischalen in der linken, Ulrichs Kaffeetasse in der rechten Hand wankte Lilli in die Küche, es klapperte gefährlich. Wider Willen löste sich eine heiße Träne. „Ach, Scheiße“, fluchte Lilli und die Tasse fiel zu Boden, „ach Scheiße!“ Sie stellte die Schüsseln ab; völlig erschöpft, da war irgendwie keine Kraft zum Ärgern. Eine scheinheilige Lüge oder dachte Herr Riegel wirklich so schlecht von ihr?

„Zeitung Vorderbachwald“, derselbe Schriftzug über demselben Eingang, aber das Gefühl, mit dem Lilli das Gebäude betrat, war ein anderes, als ginge man ins Feindeslager. Die Tür zum Büro des Chefredakteurs stand offen. Herr Riegel lachte; er telefonierte und hatte die Füße auf den Tisch gelegt.

Herr Riegel war ein ordentlicher Mensch mit guten Manieren. Er legte seine Füße nicht auf Tische, normalerweise nicht. Aber was war schon normal? Lilli blieb im Türrahmen stehen und beobachtete ihren Freund. Freund? Herr Riegel legte auf und sah sie an. „Ich dachte, wir wären Freunde“, sagte sie. „Als Redakteur hat man nur einen Freund, die Wahrheit“, antwortete Herr Riegel.

„Ich merk’s mir“, murmelte Lilli, trat ein und machte die Tür zu. Sie warf ihm die Zeitung auf den Schreibtisch neben die munter wackelnden Zehen. „Nimm die Füße vom Tisch“, verlangte sie. „Du klingst wie deine Mutter“, grummelte Herr Riegel, gehorchte aber. Lilli war überrascht. Es lag in seiner Stimme weniger Wertschätzung für Ellen Rademeier, als sie erwartet hatte.

Herr Riegel nahm die Zeitung und las sich den eigenen Artikel noch mal durch. Er lächelte. Siegesgewiss und selbstverliebt, wie Lilli zu erkennen glaubte. „Das ist gemein“, sagte sie. „Es ist die Wahrheit“, antwortete Herr Riegel. Plötzlich wallte Zorn in Lilli auf: „Ein Provinzblatt und ein Zwergenrathaus! Und ihr wollt euch eine Schlammschlacht liefern? Und zieht mich da rein?! Wer hat angefangen? Warst du’s?“ – „Wenn die Pressefreiheit beschnitten wird, ist das besorgniserregend.

Wir können uns glücklich schätzen, dass ich die Missstände immerhin publik machen darf.“ Herrn Riegels Miene war hart und kühl, seine Art verklausuliert und abweisend. „Stimmt das überhaupt? Kam überhaupt ein Brief? Aus dem Rathaus?“, fragte Lilli barsch.

„Dass du dich eines Tages würdest entscheiden müssen, war mir immer klar. Ich dachte nur, du würdest die Freiheit wählen.“ Sein Blick verklärte sich. „Die Wahrheit.“ – „Ja“, riss Lilli in bitterstem Tonfall den Chefredakteur aus seiner Träumerei, „und ich dachte, du tust das auch. Ich bin minderjährig!“

Herr Riegel verschränkte die Arme und zog eine Schnute. „Was hätte ich denn machen sollen? Ich habe mir einen Ruf als Investigationsjournalist erarbeitet. Soll ich den verlieren?“ Er senkte den Blick und flüsterte: „Ich weiß eh nicht, was ich morgen schreiben soll.“ Missmutig schweifte sein Blick umher. „Vielleicht gibt’s was Neues aus Hinterwaldbach“, murmelte er. Lilli war fassungslos: „Und das sagst du mir? Ins Gesicht.“

Herr Riegel kniff die Lippen beleidigt zusammen. Lilli wusste nicht, was denken sollte, wollte gehen, machte aber kehrt und nahm das Bonbonglas ihrer Mutter mit. „Hinterwaldbach, gibt’s das überhaupt?“, grollte sie auf dem Flur.

Rat- und rastlos wanderte Lilli durch das Städtchen, ließ es hinter sich, schlug wie zufällig den Weg durch Wiesen und Äcker nach Hinterwaldbach ein. Vor dem Rathaus blieb sie stehen. Wer weiß, wie lange? Da trat ein älterer Herr neben sie und schwieg. Gab es die Drohmails? Gab es einen Skandal? Oder war der genauso erlogen wie die Mär von der Doppelagentin Lilli Rademeier, von der Schattenmacht, bei der die geteilten Gewalten zusammenliefen?

Ganz sicher, so war es: Gelangweilte Provinzredakteure und gemütliche Bürgermeister, die von Pressefreiheit noch nie gehört haben, geschweige denn, dass sie auf die Idee kämen, selbige zu verletzen. Aber unangenehm war es trotzdem, ein unangenehmer Spuk … „Eine schlimme Geschichte, hier wie dort“, sagte der ältere Herr schließlich und nickte bedächtig, „und Sie; woher sind Sie?“ – „Aus Vorderbachwald“, antwortete Lilli.

„Vorderbachwald“, wiederholte er und kramte in seinem Gedächtnis, „das gibt’s?“ Lilli war etwas erstaunt: „Nur fünf Kilometer von hier.“ – „Aha“, sagte der ältere Herr und ging weiter. Eine Alditüte schaukelte in seiner Hand. Lilli warf noch einen letzten Blick auf das Rathaus von Hinterwaldbach und trottete dann nach Hause.

Es war bereits dunkel und keines der Fenster erleuchtet. Lilli setzte sich auf die Stufen vor der Tür. Gedanken zogen wie eine Karawane in der Ferne an ihr vorbei. Wo ihr Vater war? Im Gefängnis. Wo sonst. Vielleicht sollte sie ihre Pläne für die Zukunft überdenken. Vielleicht… Es war leichter, sich an eine Meldung zu erinnern, die man für eine Lüge hielt, als an eine, die man unanfechtbar wahr glaubte. Wo war das Bonbonglas?

Lilli, die seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte, bekam Hunger. Was hatte sie damit gemacht? Die Antwort verschwand in schläfriger Erinnerung. Was ihre Mutter wohl davon halten mochte? Ihre Mutter…? Plötzlich erwachte Lilli aus ihrer Benommenheit, sie hätte sich mit der flachen Hand gegen die Stirn schlagen wollen. Ellens Todestag jährte sich und Ulrich war am Friedhof.

Lilli sprintete los. „Da bist du“, sagte ihr Vater und schaute vom Grabstein nicht auf. „Ich war etwas durcheinander wegen dieser Zensurgeschichte“, erklärte Lilli entschuldigend und blieb in gewisser Distanz stehen. „Das hat für Nachahmer gesorgt, der Bericht über den Vorfall in Hinterwaldbach“, meinte Ulrich. „Willst du damit sagen, dass die Redaktion selbst schuld ist?“

Ein leiser Vorwurf, die Grabkerze flackerte friedlich. „Nein. Oder ja. Es ist halt so. Einer fängt an und andere machen’s nach.“ Ulrich grub die Hände in die Jackentaschen. „Ist das deine Ausrede?“, fragte Lilli scharf. Er wiegte den Kopf hin und her und horchte in die Dunkelheit. Dann lachte er ungläubig auf: „Ich bin Politiker und als solcher pragmatisch. Natürlich meint man mal, die Presse stünde einem im Weg.

Das tut das Wetter auch. Aber erschieße ich deswegen den tüchtigen Petrus? Dadurch scheint die Sonne auch nicht häufiger.“ – „Wer war es dann?“, fragte Lilli sofort, sich ihrer Erleichterung kaum bewusst. „Und du hast tatsächlich geglaubt, ich hätte Zensur angedroht?“, hakte Ulrich nach. „Ich weiß es ehrlich nicht“, gestand er und spekulierte, „vielleicht war es die alte Kommunistin, so ein bolschewistischer Trick, das sieht ihr ähnlich…“

Ihm schien die Idee zu gefallen. Ulrich schob seine Tochter über den Friedhof Richtung Ausgang. „Ich habe dein Gedicht gelesen“, erzählte er, „es ist wirklich schön, prägnant. Mama wäre stolz auf dich.“ Er warf einen Blick zurück auf das gepflegte Grab. „Aber du musst nicht so pessimistisch sein“, riet er. „Nenn mir einen Grund, warum man sich nicht dem Pessimismus hingeben sollte.“ – „Oh“, machte Ulrich und überlegte, „es gibt nur Gründe, die für eine pessimistische Geisteshaltung sprechen.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass es besser ist, hoffnungsfroh durchs Leben zu gehen.“ – „Vielleicht“, erwiderte Lilli und dachte, dass ihr Vater wahrscheinlich genug Schlimmes erlebt hatte, um eine qualifizierte Meinung zu haben. Am Ausgang blieb sie stehen und zeigte auf ein frisch ausgehobenes Grab. „Das ist für den Tierpfleger. Er war aus der Gemeinde“, seufzte Ulrich. „Töten sie jetzt den Eisbären?“ – „Ich weiß nicht“, meinte er, das quietschende Tor öffnend, „was man hoffen soll.“

***

Viktoria Krischer aus München belegte mit „Spuk auf dem Lande“ im Schreibwettbewerb „Pressefreiheit“ den 3. Platz in der Kategorie 16 bis 26 Jahre.

Robert Musil, mein Vater und ich: Wie Musils großer Roman von der Zerrissenheit unserer Zeit erzählt

Gottfried Böhme: Robert Musil, mein Vater und ich. Foto: Ralf Julke
Gottfried Böhme: Robert Musil, mein Vater und ich. Foto: Ralf Julke

Wir leben im Und. In der Schule lernt man das nicht. Außer man hat Glück und einen Lehrer, der in seiner Schule einen übergreifenden Kurs mit dem Titel „Geist und Materie“ anbietet. Das tat Gottfried Böhme, als er noch Deutschlehrer im Evangelischen Schulzentrum war. Auch weil ihn dieses Und selbst seit seiner Jugend beschäftigte. Und seit er damals Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ las. Ein Buch, das für ihn auch wie eine Rettung war. Nicht nur im schwierigen Verhältnis mit seinem Vater.

Ein Verhältnis, das mit den Extremismen des 20. Jahrhunderts zu tun hat, der Verführbarkeit, der junge Menschen nur zu leicht erliegen. Und den Lebenslügen, die so viele Mittäter im NS-Reich ein Leben lang zu Menschen machten, die ihre Schuld nicht benennen konnten und gegen ihre Kinder verschlossen und aggressiv reagierten, wenn auch nur die Ahnung aufkam, sie würden gleich mit ihren Verstrickungen ins Hitlerreich konfrontiert.

Verstrickungen, die Gottfried Böhme nicht kannte und die ihm erst unter die Augen kamen, als seine hochbetagte Mutter ihm die entsprechenden Dokumente übergab, die die Mitgliedschaft des Vaters in der NSDAP, SA und anderen NS-Gliederungen bezeugten.

Nach dem Krieg war der Vater, der eigentlich an der Karlsuniversität Prag Jura studiert hatte, mitten in der Hochzeit des deutschen Faschismus, erst Studentenpfarrer geworden, später machte er weiter kirchliche Karriere.

Doch mit seinem Sohn geriet er in den Clinch, als dieser in seiner Studienzeit zu den radikalen Ideen der 68er stieß und gar dem Maoismus huldigte. Oder ihm auf den Leim ging. Das trifft es wohl besser.

Sekten und Bubbles

Denn als Lehrer weiß Böhme ja, wie sich gerade in der Jugendzeit das eigentliche Verhältnis der jungen Menschen zur Welt ausprägt, ihr Selbstwertgefühl und ihre Fähigkeit, souverän mit ihrer Mitwelt umzugehen. Doch genau in dieser Findungsphase sind wir alle anfällig für Verführungen und Ideologien, die alle eins gemein haben: Sie bieten billige, eindimensionale und verlockend simple Interpretationen für die Welt, das Leben und die Gesellschaft.

Sie malen Schwarz/Weiß-Bilder, malen Freund und Feind. Und wer zur „richtigen“ Horde gehört, darf sich im Gefühl der Akzeptanz suhlen. Auch wenn es nur die Akzeptanz der kleinen Clique ist, mit der man in nächtlichen Diskussionen die Welt rettet.

Und Musil? Böhme geht sogar so weit, den „Mann ohne Eigenschaften“ unter die großen deutschen Bildungsromane einzuordnen. Aber nicht, weil die Hauptfigur Ulrich am Ende die „richtige“ Laufbahn eingeschlagen hat, weil er begriffen hat, wie man im Leben ein guter Mensch wird.

Oder weil er nach Irrungen und Wirrungen eingesehen hat, dass seine Träume alle nur Schäume waren. Dieser Ulrich ist anders. Ein Suchender auf jeden Fall. Und ein Scheiternder am Ende. Doch gerade in diesem Scheitern steckt Trost. Und etwas zutiefst Hilfreiches für das Leben.

Und so wird Gottfried Böhmes Beschäftigung mit seinem Vater und dem bis zuletzt Unausgesprochenen eine ziemlich umfassende Beschäftigung mit diesem Ulrich, der im Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach einer sinnvollen, gut begründeten Existenz sucht, schwankend zwischen zwei Polen, die wir gewohnt sind, streng auseinanderzuhalten – der wissenschaftlichen Rationalität, die sich gerade um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert immer deutlicher von Spekulation, Ideologien und philosophischer Ungenauigkeit emanzipierte, und der Erfahrung von Mystik auf der anderen Seite.

Wie die Urkatastrophe in den Köpfen begann

Und noch etwas kam hinzu, was Musil in seinem Roman an mehreren handelnden Figuren abarbeitet, die jede für sich für eine radikale Denkrichtung stehen – vom blindgläubigen Sozialisten, der von der Weltrevolution träumt, bis zum überzeugten Nationalisten, der Gedanken äußert, die den aufkommenden Faschismus vorwegnehmen.

Es ist auch ein Zeit-Bewältigungs-Roman, den Musil hier geschrieben hat und der am Ende – nach 1.500 Seiten – dennoch Fragment blieb, weil sich die Aufgabe, die Musil sich gestellt hat, doch als zu groß erwies. Zu groß für einen einzelnen Autor, der ergründen wollte, wie es zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts hatte kommen können.

Einen der Gründe dafür macht Gottfried Böhme schon früh dingfest. Denn wie er dieses Opus Magnum von Musil heute wieder durcharbeitet, entdeckt er immer mehr – teilweise erschreckende – Parallelen zur Gegenwart. Und das beginnt eben mit den Meinungsblasen, die es auch in den Zirkeln vor dem Ersten Weltkrieg in Wien schon gab.

„In seinem Roman ‚Der Mann ohne Eigenschaften‘ beschreibt er, wie eine Gesellschaft in viele Meinungszirkel zerfällt, die alle davon überzeugt sind, dass nur sie verstanden haben, woran die Zeit krankt, und dass nur ihre Rezepte eine als krisenhaft empfundene Wirklichkeit wieder gesund machen können. Das entspricht sehr der Situation heute. Musils Roman ist deshalb der Roman der Stunde.“

Denn wenn Menschen in ihren Blasen überzeugt sind, sie ganz allein hätten die richtigen Rezepte für die Heilung der Welt, dann sind Fundamentalismus und Radikalisierung Tür und Tor geöffnet, dann steht am Ende auch der Drang, anderen – mit Gewalt – beizubringen, was einzig richtig ist.

Dann ist auch ein Krieg das Mittel der Wahl. Kriege entstehen nicht aus dem Nichts, sind kein „Unfall der Geschichte“. Vor jedem Krieg wuchern die Ideologien, die jeden, der einen Krieg stiften will, zum überzeugten Prediger machen.

Denn die Ideologie sortiert die Welt in Gläubige und Gerechte – und in elende Feinde, die man niedermachen muss. Ideologien simplifizierten die Welt. Böhme: „Aber so ist das nun mal mit allen Ideologien: Sie selektieren die Fakten, verschweigen die einen und überzeichnen die anderen.“

Futter für die Wirtschaft

Und nicht nur das lässt die Gesellschaft in Sekten und Bubbles zersplittern. In Musils Roman kommt auch ein stinkreicher Unternehmer vor, der seinerseits – wie heutzutage Typen wie Elon Musk oder Sam Altman – glaubt, ganz allein die richtigen Rezepte zu haben, wie man die Welt wieder in Ordnung bringt. Dabei wird eine Geisteshaltung sichtbar, die sich zu Musils Zeiten ebenso schon als einzig wahre Rezeptur für die Welt verkaufte.

„Was Musil bezweifelte, das ist die vorbehaltlose Bereitschaft der Reichen, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Aber noch mehr stört ihn die Art und Weise, mit der derart gut gepolsterte Seelen sich über die allgemein-menschliche Seele auslassen“, stellt Böhme an dieser Stelle fest.

Und da ist er noch bei all den ach so rationalen Typen, denen Ulrich aufmerksamst lauscht, manchem zustimmen kann – und dann doch auf Distanz bleibt. Denn allen fehlt etwas Wesentliches. Etwas, das auch Menschen, die nicht so sensibel wie Ulrich sind,  spüren, wenn sie mit den „rationalen“ Weltverbesserern unsrer Tage zu tun bekommen: Da ist ein Leerraum, den all ihre logisch konstruierten Argumente nicht ausfüllen können.

Und da kommt man zu dem vierfachen Scheitern, das Gottfried Böhme am Ende konstatiert. Denn Ulrich scheitert genauso wie sein Autor Musil, der über dem Fragment, an dem er über 20 Jahre gearbeitet hat, im Exil in der Schweiz stirbt.

Es scheitert aber auch die Vorkriegsgeneration, die sich – in ihren Blasen verfangen – in den dümmsten aller dummen Kriege gestürzt hat. Und das auch noch mit Begeisterung. Und Böhme selbst? Er gibt sein Scheitern zu, in „Der Mann ohne Eigenschaften“ eben doch keine fertigen Rezepte für ein gut gelebtes Leben gefunden zu haben.

Wenn Wirtschaft Bildung verschlingt

Aber wie hat ihm das Buch dann geholfen? „Aber in der Rückschau wird mir klar, dass mir der Roman zwar nicht die fertigen Rezepte gegeben hat, mich dafür aber in zweierlei Hinsicht verändert hat.“

Und dazu gehört die ganz und gar nicht so simple Erkenntnis, dass bloßes rationales Denken und Faktenwissen nicht die Bohne dabei hilft, sein Leben mit Freude und Begeisterung zu leben. Dass Böhme da auch das von der OECD forcierte Nützlichkeitsdenken, das seit den 1960er Jahren in die Schulen des Westens hineingetragen wurde, heftig kritisiert, versteht sich an der Stelle schon von selbst.

Unsere Schule ist heute so unverdaulich und weltfremd, weil sie genau so ausgerichtet ist: auf „Content“, Faktenbimsen und eine Schulung der Schüler direkt für ihren Gebrauch in der Wirtschaft. Das bringt zwar etliche geniale Fachidioten hervor, verstellt aber den Jugendlichen die Sicht darauf, dass es in einem erfüllten Leben eigentlich um mehr geht.

Das kann man Mystik nennen – und bei Musil liegt das gar nicht so weit weg, weil er in seinem Text etliche Zitate berühmter Mystiker aus der Vergangenheit verarbeitet hat. Und auch gestandene Lehrer würden es nicht Mystik nennen. Böhme nennt am Ende Johann Amos Comenius als Beispiel für einen Pädagogen, der der festen Überzeugung war, dass Schule den jungen Menschen eigentlich ein ganzes Bild von der Welt vermitteln sollte.

Und dazu gehört auch ein Wissen um das sehr komplexe Verhältnis von Geist und Materie. Was Fragen berührt wie: Wie kommen wir eigentlich zu Erkenntnis? Wie nehmen wir die Welt wahr? Gibt es überhaupt ein sicheres Wissen über unsere Welt? Keine unwichtigen Fragen, von denen die meisten Zeitgenossen auch heute keine Ahnung haben.

Wir Zöglinge

Wie finde ich meinen Weg in dieser Welt? Wie finde ich mich selbst? Und wie entstehen positive Beziehungen zu meinen Mitmenschen? Ein Punkt, an dem Böhme auf Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ zu sprechen kommt: Musils ersten Roman, in dem der Autor im Grunde das autoritäre Bildungswesen seiner Zeit porträtiert und gleichzeitig zeigt, wie sich junge Menschen radikalisieren in einer Welt, in der Persönlichkeitsbildung für autoritäre Pädagogen schlicht kein Thema ist.

Noch so ein „Bildungsroman“, der das Bildungsverständnis des bürgerlichen Zeitalters gründlich infrage stellt, das zelebrierte Nützlichkeitsdenken, das das alte humboldtsche Ideal der humanistischen Bildung auf zähes Faktenbimsen reduziert, die Seele aber hungern lässt, um es einmal so zu formulieren.

Man kann es auch den Geist nennen, das ausgehungerte und orientierungslose Ich, das sich in einer Welt behaupten muss, in der es eben nicht nur auf lächerlichen „Content“ ankommt oder das, was heutige Lehrpläne als „Kompetenzen“ verkaufen, sondern auf Persönlichkeit.

Genau das, was dieser Ulrich in „Der Mann ohne Eigenschaften“ eigentlich sucht – auch im Gespräch mit all den Leuten, die alle für sich radikal und brillant sind, den fragenden Ulrich aber nicht überzeugen können. Aus deren Perspektive ist er ein Mann ohne Eigenschaften, einer, der nicht „für eine Sache brennt“, sondern nach etwas sucht, was in den ganzen blutigen Parteikämpfen seiner Zeit untergeht.

Diese Suche war auch Musil am Ende eine Nummer zu groß. Vielleicht wollte er auch zu viel. Denn Böhme macht in seinem „Essay ohne Eigenschaften“ ja sehr deutlich, dass es hier nicht um ein Entweder / Oder geht, sondern um ein Sowohl-als-Auch.

Wir brauchen beides: die Fähigkeit zum logischen und rationalen Erkennen der Welt (die niemals abgeschlossen ist) und die Fähigkeit, in unserem Leben Erfüllung, Begeisterung, Liebe, Vertrauen usw. zu empfinden. Und manchmal auch Momente der Ekstase, wenn wir wirklich mal das vollkommene Einssein mit uns und der Welt erleben, die ganze überwältigende Fülle.

Das, was Mystiker so gern als Gotteserfahrung beschreiben. Was aber jedem und jeder passieren kann, allen, die es tatsächlich schaffen, sich ganz auf ihr Dasein hienieden einzulassen und die überwältigende Schönheit der Welt wenigstens einen Moment lang zu spüren.

Gottfried Böhme Robert Musil, mein Vater und ich Die Graue Edition, Dietzenbach 2025, 24 Euro.

Gastkommentar von Christian Wolff zu Ostern: Der Tod – „ein totes Bild“!

Porträtfoto Christian Wolff.
Pfarrer i.R. Christian Wolff, hier am 16. Dezember 2025 in Leipzig. © Lucas Böhme

In diesen Tagen ist es für mich zum Symbolbild für die völlig aus dem Ruder geratene, verrohte Weltpolitik geworden, in der das systematische Töten von Menschen zum Joke stilisiert wird: die Anstecknadel am Revers des rechtsextremistischen Ministers für Nationale Sicherheit in der Regierung Israels, Itamar Ben-Gvir. Sie zeigt einen Henkersknoten, makabres Signet seiner Kampagne zur Einführung der Todesstrafe ausschließlich für palästinensische Terroristen. 

Dass die knappe Mehrheitsentscheidung der Knesset von Ben-Gvir und seinen Anhängern mit Freudentänzen und Champus gefeiert wurde, rundet das alles Menschliche zersetzende Zerrbild internationaler Politik nur noch ab.

Offensichtlich sollen mäßigende Maßstäbe der Menschlichkeit in der Völkerwelt keine Rolle mehr spielen – ein bedrohlicher, wenn auch nur Pyrrhussieg derer, die seit Jahrzehnten diejenigen, die sich noch auf der Ebene des Rechtes, der Menschenwürde, einer aktiven Friedenspolitik zu bewegen versuchen, auf die kriegerische Ebene einer das vermeintlich Böse ausmerzenden Vernichtungsstrategie zu ziehen versuchen – und das sind die viel zu zahlreichen Terrorregime (wie das Mullahregime im Iran) auf diesem Erdball.

So stoßen in der Karwoche und zu Ostern 2026 die grausame Wirklichkeit triumphierender Todesmächte und die vielen Menschen völlig surreal erscheinende Botschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten hart aufeinander – und manch einer ist völlig konsterniert angesichts der Skrupellosigkeit, mit der die Knechte und Mägde der Todesmächte agieren.

Mit wem ich mich in diesen Tagen auch austausche: Die Entgeisterung, das Erschrecken über das jede moralische Grenzen missachtende, herrisch-maßlose Treiben der Putins, Trumps, Netanjahus in ihren jeweils vergoldeten Käfigen, umgeben von stiefelschleckenden Claqueuren und Rotten sind immens – aber auch die Ohnmacht, die Sprachlosigkeit, die Scham vieler Menschen, die sich den Anmaßungen nicht willfährig ergeben wollen. Soll so die Welt aussehen, in der wir gerne leben, für deren Bestand wir uns einsetzen, die wir als Gottes Schöpfung achten sollen?

Im Nachdenken über diese Fragen strahlen die alten Osterchoräle immer noch eine erneuernde, kraftvolle Hoffnung aus – jedenfalls sehr viel aufbauender als all die wohlfeilen Rationalisierungen grauenhafter Politabsurditäten in unzähligen Kommentaren.

Paul Gerhardt (1607–1676), der große Lieddichter des 17. Jahrhunderts, der mitten in den grenzenlosen Zerstörungsorgien und im Niedergang aller Moral während des 30jährigen Krieges eine erstaunlich gefestigte Glaubenshaltung, voller Hoffnung und Trost, an den Tag legen konnte, hat in seinem Osterlied „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ aus dem Jahr 1647 eine bemerkenswert widerständige Strophe gedichtet:

Die Höll und ihre Rotten
die krümmen mir kein Haar;
der Sünden kann ich spotten,
bleib allzeit ohn Gefahr.
Der Tod mit seiner Macht
wird nichts bei mir geacht‘:
er bleibt ein totes Bild,
und wär er noch so wild.

Der Tod, mit dem die Mächtigen wüten, Menschen in ihrer Existenz bedrohen, ihre Macht abzusichern versuchen: „ein totes Bild“! Was für eine hoffnungsvolle Aussage für alle, die sich nach Freiheit, nach einem menschlichen Miteinander, nach Anerkennung und Gerechtigkeit sehnen – gerade auch dann, wenn die Lage aussichtslos zu sein scheint! Die größte Aussichtslosigkeit ist verbunden mit der Erfahrung des Todes.

Doch wenn dieser zu einem „toten Bild“ erstarrt, wenn den Trumps und Putins und ihren Rotten nicht mehr die Rollen blasphemisch aufgeblasener Götzen und Priester/-innen zugebilligt werden, dann beginnt deren Höllenmacht zu zerbröseln – so wie der Stein vor dem Grab Jesu, der den Weg des Auferstandenen ins Leben nicht mehr verhindern konnte. Denn mit Ostern verlieren diese monströsen Tötungsriesen und schmierigen Moralzwerge ihre Macht und verkommen zu armseligen Würstchen der Weltgeschichte. 

Ja, wenigstens an Ostern steht es uns gut an, diese Herrschaften, gefangen in ihren Goldkäfigen, voller Inbrunst niederzusingen – in der Gewissheit, dass sie letztlich nichts ausrichten können gegen das, was mit der Auferstehung Jesu neu ins Recht gesetzt wurde: die Ehrfurcht vor dem Leben, die Barmherzigkeit, die Gewaltlosigkeit, die Nächstenliebe, der Frieden – also all das, was „die Höll und ihre Rotten“ uns Menschen austreiben wollen. Doch das soll und wird ihnen nicht gelingen!

Christian Wolff, geboren am 14. November 1949 in Düsseldorf, war 1992–2014 Pfarrer der Thomaskirche zu Leipzig. Seit 2014 ist Wolff, langjähriges SPD-Mitglied, als Blogger und Berater für Kirche, Kultur und Politik aktiv. Er lebt in Leipzig und ist gesellschaftspolitisch in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens engagiert. Zum Blog des Autors: https://wolff-christian.de/ 

Mit Soli-Tickets auf Endspurt: Das Clubprojekt ost:end braucht Hilfe

Das Clubprojekt ost:end wendet sich an die Öffentlichkeit und bittet um Unterstützung: Foto: Screenshot

„Der Nächste, bitte!“, möchte man fast sagen – wenn es nicht so ernst wäre. Ernst für Leipzigs Nacht- und Clubkultur, mal wieder. Erneut zeigt ein Club an, dass er Hilfe braucht: In der letzten Woche wandte sich das ost:end, seit 2019 auf dem Gelände des Tanklagers West an der Plautstraße verortet, via Social Media mit der Bitte um Unterstützung an die Öffentlichkeit.

65.000 Euro werden kurzfristig gebraucht, damit die letzten drei Jahre, die geprägt waren von „Interimskonzepte[n], sporadische[r] Vermietung, und ständige[r] Standortwechsel auf dem eigenen Gelände“ sich endlich auszahlen in der offiziellen Genehmigung als Club- und Kulturstandort.

Dass es bald soweit sein kann, dafür haben alle Beteiligten hart gearbeitet. Der komplette Auf- und Ausbau der Infrastruktur für Wasser und Strom sowie die kostenintensive Beseitigung von Mineralöl – ein Überbleibsel des ehemaligen Tanklagers auf dem Gelände – haben nicht nur die Kräfte, sondern auch die finanziellen Mittel ausgereizt. Hinzu kommen laufende Kosten, beispielsweise für Personal und behördliche Gutachten, die Rückzahlung eines Kredits und ein, so die Betreiber*innen, „absurder Genehmigungsprozess“. Der Vorteil immerhin: Die Initiator*innen haben das Gelände schon vor einiger Zeit gekauft; Angst vor Verdrängung besteht also nicht.

Was auf sie zukommen würde, um ihre Idee von einem Ort, „an dem sich Clubkultur, Kunst, Musik, Handwerk und Nachbarschaft begegnen“ zur Realität werden zu lassen, war in der Dimension kaum absehbar. „Bei allen Beratungen, Planungen und Voranfragen hätten wir uns nicht ausmalen können, dass uns der Prozess bis zur Genehmigung auch nur eines Clubgebäudes so auffrisst und langsam, aber stetig ausbluten lässt.“

Ähnlich erging es in den vergangenen zehn Jahren so einigen Clubprojekten in der Stadt. „Viele Spielstätten Leipzigs mussten in den letzten Jahren schließen, weil sie Bauprojekten, steigenden Kosten oder Konflikten mit der Nachbarschaft weichen mussten – das 4Rooms, das So&So, das IfZ oder das Mjut, um nur einige zu nennen.“

Mit dem Verkauf von Soli-Tickets soll dem ost:end, gerade jetzt auf der Zielgeraden, ein ähnliches Schicksal erspart bleiben. Denn klar ist: Wenn solche Freiräume erstmal verschwinden, sind sie kaum mehr zu reaktivieren.

Wer das ost:end unterstützen möchte, findet mehr Informationen zu der Aktion hier.

Ausstellung zur Geschichte des Warschauer Aufstands 1944 eröffnet: Keine Ausstellung wie jede andere + Videos

Blick von oben auf die Ausstellung. Foto: Thomas Köhler

Der Warschauer Aufstand von 1944 wird von vielen Menschen in Deutschland, besonders in Ostdeutschland, mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 verwechselt. Das sagt einiges über unsere Kenntnis der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, insbesondere der Deutschen Besatzung in Polen aus. In der DDR wurde der Warschauer Aufstand im Geschichtsunterricht bestenfalls als Fußnote erwähnt, war er doch ein nationaler und bürgerlicher Aufstand auch mit dem Ziel, nicht unter die sowjetische Herrschaft zu fallen.

Somit ist es wichtig, dass am 1. April 2026 die vom Museum des Warschauer Aufstands gemeinsam mit dem Polnischen Institut Berlin veranstaltete Ausstellung eröffnet wurde. Die Ausstellung ist bis zum 8. Mai 2026 im Bundesverwaltungsgericht Leipzig zu sehen. Es ist zu hoffen, dass besonders junge Menschen sich dort über dieses wichtige Ereignis in unserem Nachbarland informieren.

Schautafel “Kampf um die Freiheit”. Foto: Thomas Köhler

Die Eröffnung fand mit einiger Prominenz statt. Aus Warschau kam unter anderem Dr. Paweł Ukielski, der stellvertretende Direktor des Museums des Warschauer Aufstands. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, die Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig Skadi Jennicke und Prof. Dr. Andreas Korbmacher, Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, als Hausherr, seien hier stellvertretend genannt.

Prof. Korbmacher machte in seiner Rede auf die Geschichte des Hauses aufmerksam, vom Reichsgericht, über den Reichstagsbrandprozess und das Dimitroff-Museum bis heute. Über die Ausstellung und was er aus dieser gelernt hat, sagt Prof. Korbmacher:

„Gleichzeitig zeigt sie (die Ausstellung; d.Verf.) das Faszinierende, den Mut, die Hoffnung und die Opferbereitschaft, die die Bevölkerung Warschaus aufgebracht hat, um sich selbst von der Besatzung und der Tyrannei zu befreien und einen demokratischen Staat aufzubauen. Ich gebe offen zu, mir war nicht bekannt, dass in den zwei Monaten, in denen der Widerstand erfolgreich war, sich eine staatliche Organisation in Warschau etabliert hatte, mit dem wirklichen Versuch, einen Staat aufzubauen.“

Michael Kretschmer bei seiner Rede. Foto: Thomas Köhler

Ja, es ist bei uns vieles nicht bekannt über den Warschauer Aufstand. Auch Michael Kretschmer sprach in seiner Rede davon, dass es ihn oft erstaunt, wie wenig wir uns mit der gemeinsamen Geschichte beschäftigen. Das zeigt er auf am Beispiel von Paul Ziemiak, der bei Markus Lanz gefragt wurde, warum Polen und Deutsche im Bereich der Verteidigungsausgaben so unterschiedlich sind.

Er sagt: „Da habe ich gedacht, die Frage ist berechtigt, die kriegt man häufig, aber sie ist im Grunde genommen mit unserer Geschichte zu erklären. Und da unten (in der Ausstellung; d.Verf.) steht die Begründung. Für Polen ist Sicherheit, ist Verteidigung die eigene Armee. Ein eigener Beitrag zur Souveränität, zur Sicherheit, zum Schutz. Für uns ist eine solche Armee eben oft in den vergangenen Jahrzehnten der Angriff, das Unrecht gewesen.“

Skadi Jennicke ging in ihrer Rede ebenfalls auf den Terror der Besatzer und den Mut der Aufständischen ein. Sie schlug aber den Bogen zur heute erforderlichen politischen Bildung besonders auf die historische Bildung, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern Zusammenhänge aufzeigen soll.

Dr. Paweł Ukielski erläutert die Exponate. Foto: Thomas Köhler

Es gab weitere Reden, im Namen der polnischen Botschaft und die Ansprache von Dr. Paweł Ukielski. Er betonte: „Heute, nach der Invasion Russlands in der Ukraine, leben wir in einer vollkommen anderen Welt als vor zwölf Jahren. Und in diesem Zusammenhang gewinnt diese Ausstellung zusätzliche Bedeutung. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass Polen und Deutschland heute Verbündete in der NATO und enge politische und wirtschaftliche Partner in der Europäischen Union sind. Umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam über die tragischsten Ereignisse unserer gemeinsamen Geschichte sprechen, dass es Raum für Versöhnung gibt, aber auch für Erinnerung und Ehrung der Opfer, sowie für die Verurteilung der Täter.“

Im Anschluss an die Reden führte Dr. Ukielski durch die Ausstellung und erläuterte die Exponate und sprach über den Ablauf der Ereignisse.

Bereits vor Beginn hatte ich Maria Diersch kennengelernt, sie ist die Präsidentin der Sächsisch-Polnischen Gesellschaft in Leipzig. Sie sagte uns, was ihr die Ausstellung bedeutet und warum sie diese wichtig für die politische Bildung hält.

Schautafel “Kampf um die Freiheit”. Foto: Thomas Köhler

Es wurde in einigen Reden betont und sollte auch allen einleuchten, dass eine solche Ausstellung nicht nur ein kulturelles Ereignis ist, sie ist auch ein Bestandteil der politischen Bildung. Sowohl Kultur als auch die politische Bildung unterliegen zurzeit einem Sparzwang. Wir haben Ministerpräsident Michael Kretschmer gefragt, wie man dem abhelfen kann und was er dafür tun will.

Mit den Antworten mussten wir uns zufriedengeben, der Ministerpräsident hatte es eilig. Wir fragten die Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, ob die finanziellen Herausforderungen wirklich beim Bund ihre Ursachen haben und was ihr die Ausstellung bedeutet.

Fazit: Ein Besuch der Ausstellung ist unbedingt empfehlenswert, besonders für Schulen sollte dieser zum Pflichtprogramm gehören. Man kann dort viel über unsere Nachbarn und unsere gemeinsame Geschichte lernen.

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Polizeibericht 2. April: Auseinandersetzung in Leipziger Linienbus, Waffen auf Antikmarkt, Raub von Bargeld

Schild an einer Hauswand mit der Aufschrift Polizei
Polizei (Symbolbild). Foto: LZ

Waffen auf Antikmarkt

Ort: Leipzig (Dölitz-Dösen), agra Messepark, Zeit: 28.03.2026, gegen 12:20 Uhr

Durch einen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes wurden auf dem Agra-Antikmarkt verbotene Waffen festgestellt, die von zwei Händlern zum Verkauf angeboten wurden. Die Händler (39, polnisch und 62, italienisch) boten auf dem Flohmarkt Waffen, die dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen, an. Ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes sah das und verständigte die Beamten des Polizeireviers Leipzig-Südost.

Die Kollegen stellten vor Ort fest, dass die Händler keinen Nachweis hinsichtlich der Unbrauchbarmachung gemäß Kriegswaffenkontrollgesetz vorzeigen konnten. Weiterhin bot der 62-Jährige vier Langwaffen an, wofür er gemäß Allgemeiner Waffengesetz-Verordnung keine notwendige waffenrechtliche Fachkenntnis vorweisen konnte.

Ebenso wurde ein mögliches Behältnis für ein Giftgas zum Verkauf angeboten. Da die Ungefährlichkeit der Dose nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde ein ABC-Team der Leipziger Feuerwehr hinzugezogen. Dieses überprüfte die Dose und kam zu dem Ergebnis, dass von ihr keine Gefahr ausging.

Der 39-Jährige bot zusätzlich Gegenstände mit nationalsozialistischem Bezug an. Alle Gegenstände wurden sichergestellt, die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen.

Raub von Bargeld – Zeugen gesucht

, Ort: Leipzig (Neustadt-Neuschönefeld), Eisenbahnstraße / Torgauer PlatzZeit: 01.04.2026, 15:30 Uhr

Ein Mann wurde am Mittwochnachmittag von zwei Unbekannten auf der Eisenbahnstraße angesprochen und unter Androhung von Gewalt zur Herausgabe von Bargeld aufgefordert. Aufgrund der Einschüchterung kam dieser dem nach und übergab eine mittlere zweistellige Summe Bargeld. Anschließend flüchtete er, unverletzt, vor den Unbekannten.

Die beiden Tatverdächtigen können wie folgt beschrieben werden:

Person 1:

  • circa 1,80 Meter
  • Ende 20 / Anfang 30
  • Auffällige Kieferbewegung beim Sprechen
  • Kleidung: weiße Oberbekleidung

Person 2:

  • circa 1,65 Meter – 1,70 Meter
  • schwarze Haare
  • Ende 20 / Anfang 30

Zeuginnen und Zeugen, die Hinweise zum Sachverhalt oder dem unbekannten Tatverdächtigen geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Dimitroffstraße 1 in 04107 Leipzig, Tel. (0341) 966 4 6666 zu melden. 

Zeugensuche nach Auseinandersetzung in Leipziger Linienbus

Ort: Leipzig (Lindenthal), Kreuzung Sternenwinkel/Erich-Thiele-Straße, Haltestelle Sophienstraße, Buslinie 90, Zeit: 01.04.2026, gegen 19:00 Uhr

Am Mittwochabend wurde ein Busfahrer der Leipziger Verkehrsbetriebe nach einer Auseinandersetzung mit einem 13-Jährigen schwer verletzt. Der 13-Jährige war zusammen mit weiteren Kindern und Jugendlichen in einem Bus der Linie 90 in Richtung Wahren unterwegs. Dabei sorgte die Gruppe für lautstarke Störungen. An der Kreuzung Erich-Thiele-Straße/Sternenwinkel, kurz hinter der Haltestelle Sophienstraße, stoppte der Busfahrer den Bus, ging zur Gruppe und forderte diese auf, leiser zu sein.

Dabei kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit dem 13-Jährigen, bei der der Busfahrer verletzt wurde. Aufgrund der Verletzungen musste er in ein Krankenhaus gebracht und stationär behandelt werden. Der Tatverdächtige flüchtete im Anschluss in unbekannte Richtung, konnte jedoch durch der Polizei schnell identifiziert werden. Das Jugendkommissariat beim Haus des Jugendrechts hat die Ermittlungen zu diesem Körperverletzungsdelikt aufgenommen.

Zeuginnen und Zeugen, die Hinweise zum Sachverhalt oder dem Jugendlichen geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Dimitroffstraße 1 in 04107 Leipzig, Tel. (0341) 966 4 6666 zu melden.

Vermeintliche Kriegsmunition entpuppt sich als Kabelmuffe

Ort: Leipzig (Zentrum-Nord), Nordstraße, Zeit: 01.04.2026, gegen 15:55 Uhr

Mittwochnachmittag wurde im Zentrum-Nord eine mutmaßliche Kriegsmunition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Bei Bauarbeiten in der Nordstraße legte ein Baggerfahrer einen granatenähnlichen Gegenstand frei. Die Polizei sperrte einen Umkreis von 50 Metern um den Fundort und sicherte diesen, bis der alamierte Kampfmittelbeseitigungsdienst eintraf. Dieser stellte fest, dass es sich um eine Kabelmuffe handelte. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst übernahm die fachgerechte Entsorgung. Zu keiner Zeit ging Gefahr von dem Gegenstand aus.

Unfall zwischen Moped und Fußgänger – Zeugen gesucht

Ort: Groitzsch (Nehmitz), Zeit: 01.04.2026, gegen 21:00 Uhr

Kurz nach dem Ortsausgang Nehmitz in Richtung Lucka kam es am Mittwochabend zu einem Unfall zwischen einem Fußgänger und einem Mopedfahrer. Trotz dessen setzte dieser seine Fahrt, ohne anzuhalten, fort.

Eine Fußgängerin und ein Fußgänger waren aus der Ortslage Lucka kommend in Richtung Nehmitz unterwegs und liefen circa hundert Meter vor dem Ortseingang am Fahrbahnrand entlang. Zeitgleich befuhren mutmaßlich zwei Mopedfahrer die Straße in entgegenkommender Richtung von Nehmitz nach Lucka.

Im Bereich einer langgezogenen Kurve kurz nach bzw. vor Nehmitz kam es dann zur Berührung zwischen einem der entgegenkommenden Mopeds und dem 68-jährigen Fußgänger. Der Mann stürzte darauhfin und wurde verletzt, der Mopedfahrer setzte indes seine Fahrt fort und entfernte sich pflichtwidrig vom Unfallort.

Die Polizei sucht Zeuginnen und Zeugen, die Angaben zum Verkehrsunfall sowie zu den unbekannten Mopedfahrern machen können. Diese werden gebeten, sich an die Verkehrspolizeiinspektion Leipzig, Schongauerstraße 13, 04328 Leipzig, Tel. (0341) 255 – 2850 (tagsüber) sonst 255 – 2910, zu wenden. 

Brand in leerstehender Pension

Ort: Colditz, Am Graben, Zeit: 02.04.2026, 04:20 Uhr

Auf bisher unbekannte Art und Weise kam es am frühen Donnerstagmorgen zum Brand in einer versiegelten, leerstehenden Pension. Unbekannte Tatverdächtige verschafften sich auf bisher nicht bekannte Art und Weise Zugang zum Gebäude und legten dort ein Feuer. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren Colditz und Grimma konnten den Brand erfolgreich löschen.

Verletzt wurde niemand. Die Höhe des entstandenen Sachschadens konnte bisher noch nicht beziffert werden. Das Fachkommissariat der Polizei ermittelt zum Hergang und prüft den Einsatz eines Brandursachenermittlers.

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Polizeidirektion Leipzig – Polizeiliche Kriminalstatistik 2025

Polizeipräsident René Demmler. Foto: LZ

Die Polizeidirektion Leipzig ist für die Sicherheit von über einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sowie der Stadt Leipzig zuständig. Während in den letzten Jahren stetige Steigerungen der Einsatzzahlen (2025: 218.000) bei in etwa gleichbleibenden Notrufaufkommen (2025: 147.000) zu verzeichnen waren, sank die Anzahl der registrieren Straftaten erneut.

Der Leiter der Polizeidirektion Leipzig, Polizeipräsident René Demmler dazu: Die registrierte Kriminalität in Leipzig und den Landkreisen Nordsachsen und Leipzig ist weiterhin im 10-Jahres-Vergleich auf sehr niedrigem Niveau und 2025 erneut gesunken. Die Einwohnerinnen und Einwohner in Leipzig und in den Landkreisen leben grundsätzlich sicher.

Doch zeigen sich für mich die Herausforderungen unserer Zeit offen: Die Einsatzzahlen steigen kontinuierlich, und mit einer wachsenden Region steigt auch der Bedarf an sichtbarer Präsenz, an Schutz und an professioneller Ermittlungsarbeit durch die Polizei. Gleichzeitig stehen uns nicht mehr Polizistinnen und Polizisten zur Verfügung, als wir heute haben. Das bedeutet in der Realität: mehr Aufgaben, mehr Erwartungen – aber nicht mehr Personal! Wir sind hier stetig gefordert, uns den Veränderungsprozessen der Kriminalität anzupassen und Lösungen bei der Bekämpfung dieser zu finden.

Neben den über 91.000 Straftaten forderten auch das Unfallgeschehen (rund 24.000 Verkehrsunfälle) sowie die zahlreichen Einsätze aufgrund über 1.300 angezeigter Versammlungen und vieler Fußballspiele in unterschiedlichen Ligen die Polizistinnen und Polizisten im Zuständigkeitsbereich.

Kriminalitätsentwicklung 2025 – Fallzahlen rückgängig

2025 sanken die Zahlen der registrierten Kriminalität gegenüber dem Vorjahr um 4,34 Prozent. Mit 91.329 erfassten Fällen verzeichnet die Polizeidirektion Leipzig weiterhin die meisten Straftaten in Sachsen.

Die Aufklärungsquote stieg im Vergleich zu 2024 um 1,5 Prozentpunkte auf 54,2 Prozent. Insgesamt wurden 29.764 Tatverdächtige ermittelt und 49.540 Fälle aufgeklärt.

In der kreisfreien Stadt Leipzig registrierte die Polizeidirektion 65.602 Straftaten und damit gegenüber 2024 deutlich weniger (-3.386 Fälle, -4,9 %). Die Stadt steht damit weiterhin im Fokus der Strafverfolgung. Im Jahr 2025 verzeichnete die Polizei im Landkreis Leipzig insgesamt 13.126 Straftaten, ein Minus von 360 Fällen (Veränderung: -2,7 %). Im Landkreis Nordsachsen wurden 12.601 Straftaten registriert, 402 Fälle weniger als 2024.

Gewaltkriminalität – auf hohem Niveau, aber in Leipzig teilweise rückläufig

Dieser Deliktsbereich der Straftaten wie gefährliche und schwere Körperverletzungen, Raubdelikte, Vergewaltigungen sowie Mord und Totschlag bestimmt weitgehend die mediale Berichterstattung und beeinflusst stark das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Wenngleich diese Delikte sich weiterhin auf einem hohen Niveau befinden, verzeichnete die Polizeidirektion 2025 eine rückläufige Entwicklung.

So wurden mit 646 Raubstraftaten 52 weniger als 2024 registriert. Zudem sanken auch die Zahlen der gefährlichen oder schweren Körperverletzungen (2025: 2479, um 213 Fälle). Leider waren 2025 mehr Vergewaltigungen (141, 2024: 126) und 28 vorsätzliche Tötungsdelikte zu verzeichnen. Die Ermittlerinnen und Ermittler der Kriminalpolizeiinspektion schlossen sechs Ermittlungen wegen Mordes und 22 wegen Totschlages ab. Bei Mord bleibt die Aufklärungsquote weiterhin auf Maximalniveau.

Somit sind die Zahlen der Gewaltkriminalität, ein Summenschlüssel der Polizeilichen Kriminalstatistik, der die Gewaltdelikte wie die Tatbestände der Raubstraftaten, gefährliche bzw. schwere Körperverletzung, Tötungsdelikte und Vergewaltigungen abbildet, um 6,6 Prozent rückläufig (2025: 3.302 Delikte, 2024: 3.537 Delikte).

René Demmler dazu:  Wir sind dem Anstieg Gewaltkriminalität – wie angekündigt – mit polizeilichen Mitteln begegnet. Vor allem im Leipziger Stadtgebiet waren und sind wir stark gefordert. So haben wir die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei weiter intensiviert und Gewalttäter in den Fokus genommen. Die am Hauptbahnhof und für den Leipziger Innenstadtbereich ausgesprochenen Aufenthaltsverbote waren wirksam.

Viele der Tatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft oder wurden einstweilig in medizinischen Einrichtungen untergebracht. Zudem waren bereits erste Urteile mit Freiheitsstrafen zu verzeichnen, aber auch Abschiebungen fanden statt. Das Sinken der Fallzahlen ist dann eine Konsequenz daraus.

Rückgängig sind auch die Zahlen der registrierten einfachen Körperverletzungen (2025: 5629, -291 Fälle) sowie Bedrohungen und Nötigungen.

Rückgang der Diebstahlskriminalität

Ein wesentlicher Schwerpunkt im Direktionsbereich ist weiterhin die Eigentumskriminalität. 39 Prozent aller registrierten Straftaten sind Diebstähle. Einfache Diebstähle sanken um 484 Fälle auf 17.688. Stärker noch ist der Rückgang bei Diebstählen unter erschwerenden Umständen, wenn also beispielsweise Sicherungseinrichtungen überwunden wurden. Die Polizeidirektion verzeichnete hier 2025 17.976 Straftaten und damit ein Minus von 3.003 Fällen zu 2024.

So sanken die Zahlen von Einbrüchen in Kraftfahrzeuge ebenso wie Fahrraddiebstähle. Gerade bei Letzterem setzt sich der Trend fort. 6.661 Fahrräder wurden im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Leipzig 2025 gestohlen. 2024 waren es noch 8.200. Die Zahl der Wohnungseinbrüche erhöhte sich leicht. So wurde 2025 952mal in Wohnungen oder Häuser eingebrochen. Auch waren mehr Ladendiebstähle zu verzeichnen, die damit weiterhin die Häufigkeitszahlen im Leipziger Zentrum sowie im Stadtteil Seehausen bestimmen.

Betäubungsmittelkriminalität: elf Rauschgifttote

Die Kontrolltätigkeit der Polizei sowie des Zolls – beispielsweise am Leipziger Flughafen – bestimmt entscheidend die Entwicklung der Fallzahlen zur Betäubungsmittelkriminalität und damit die Sichtbarkeit dieser. So erklärt sich auch die höhere Häufigkeitszahl für Schkeuditz in der Auswertung des Landkreises.

Insgesamt registrierte die Leipziger Polizei 2025 2.498 Verstöße, somit erneut weniger als 2024 (Vorjahr: 3.123).

Mit der Einführung des Konsumcannabisgesetzes haben sich hier aber die Kontrollergebnisse der Polizei verändert. Viele Regelungen lassen sich durch die Polizei kaum überwachen. Sinkende Fallzahlen sind dann die Konsequenz (Cannabis: 433 Fälle (2024: 1.147 Fälle).

Es bestimmen Drogen wie Crystal, Heroin und Kokain, aber auch der Handel mit Cannabis, die Ermittlungsverfahren der Kriminaldienste der Reviere sowie des Rauschgiftkommissariates. 2025 konnten Fahnderinnen und Fahnder zusammen mit dem Gewerbeamt der Stadt Leipzig 26 Spätverkäufe und Bars versiegeln, die im Heroinhandel eine zentrale Rolle im gewerbsmäßigen Betäubungsmittelhandel einnehmen.

Die längste Verschlusszeit war 126 Tage, im Durchschnitt bleiben die Geschäfte knapp über 40 Tage verschlossen. Da polizeilichen Erkenntnissen zufolge solche Verkaufseinrichtungen mehrere zehntausende Euro monatlich Gewinn erzielen, treffen die Verschlüsse die Dealer empfindlich.

Leider starben 2025 elf Menschen infolge des Drogenkonsums, die meisten in der Stadt Leipzig. Damit ist die Zahl aber gegenüber dem Vorjahr auf das Niveau der vergangenen Jahre gesunken.

Weniger Tatverdächtige – weniger tatverdächtige Kinder

Die Polizei unterscheidet in strafrechtlicher Sicht in Kinder (unter 14 Jahre), in Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre) sowie Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre) und Erwachsene. Unter den insgesamt erfassten 29.764 Tatverdächtigen (2024: 31.848) befanden sich 1.297 Kinder (-12,5 Prozent zu 2024), 2.444. Jugendliche (-11,00 Prozent) und 2.013 Heranwachsende (-16,5 Prozent).

Polizeipräsident Demmler dazu: 2025 und auch Anfang 2026 haben uns Kinder und Jugendliche in Leipzig besonders gefordert. Einige wenige bestimmten das Geschehen. Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe beim Haus des Jugendrechts bearbeitete rund 200 Ermittlungsverfahren, die einer sehr kleinen Anzahl von jungen und jüngsten Tatverdächtigen zugeordnet werden konnten.

Die gute Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft und Jugendamt zeigte hier Wirkung. Gleichwohl ist rund ein Fünftel aller ermittelten Tatverdächtigen unter 21 Jahre! Hier müssen gesamtgesellschaftliche Lösungen gefunden werden, die früher in der kindlichen Entwicklung ansetzen müssen.

Allgemeine Informationen zur PKS

Jährlich einmal erfolgt die Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik des Freistaates Sachsen und in Folge auch die für die Polizeidirektion Leipzig für das zurückliegende Berichtsjahr. Diese Statistik spiegelt die polizeilichen Ermittlungsergebnisse zum Zeitpunkt der Aktenabgabe an die Staatsanwaltschaft oder das Gericht wider. Sie beinhaltet je nach Länge der Bearbeitungsdauer auch Straftaten zurückliegender Zeiträume. Delikte, zu denen die Ermittlungen noch laufen, fehlen dagegen.

Ein weiterer Unterschied zur tatsächlichen Kriminalitätslage besteht in dem nach Deliktart und -schwere unterschiedlich großen Dunkelfeld, also jenen Straftaten, die der Polizei nicht bekannt wurden. Änderungen der polizeilich registrierten Kriminalität entsprechen nicht immer der realen Entwicklung. So können die Veränderungen aus dem Anzeigeverhalten (Dunkelfeld) sowie aus Schwankungen im Erfassungsprozess resultieren.

Die Polizeidirektion Leipzig veröffentlicht auf ihrer Homepage unter https://www.polizei.sachsen.de/de/28218.htm weitere Informationen zur Sicherheitslage des Berichtsjahres 2025. Dort sind die einzelnen Übersichten zur Gesamtentwicklung der Polizeidirektion, zu den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sowie zur Stadt Leipzig abrufbar.

Das Projekt „LZ TV“ (LZ Television) der LZ Medien GmbH wird gefördert durch die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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