Die meisten Wege in der Stadt legen die Leipziger weder mit dem Auto, noch mit Staßenbahn oder Fahrrad zurück, sondern zu Fuß. Auf dem Fußweg treffen sich alle – die Eiligen, die Alten, die Kinder, die Menschen mit Kinderwagen oder Rollstuhl, Schnelle und Langsame.

Aber jahrelang spielte der Fußverkehr irgendwie immer nur das fünfte Rad am Wagen, wurde nicht wirklich ernst genommen. Doch das ändert sich so langsam. Leipzig will die Rolle des Fußverkehrs im urbanen Verkehrssystem weiter stärken und hat dafür jetzt den Fußverkehrsentwicklungsplan (FVEP) aufgesetzt.

Ziel dieses Fußverkehrsentwicklungsplans ist es, verkehrssichere, komfortable und barrierefreie Wege für alle Leipzigerinnen und Leipziger zu schaffen. Der Fachplan definiert dafür unter anderem, welche Gehwege und fußläufige Verbindungen höchste Priorität für die Leipzigerinnen und Leipziger haben – als Äquivalent etwa zum Hauptnetz Rad oder zu den Hauptverkehrsstraßen beim Kfz-Verkehr.

Die Stadtspitze hat den FVEP jetzt auf den Weg gebracht, der Stadtrat muss über diese Vorlage dann noch abschließend entscheiden. Baubürgermeister Thomas Dienberg sagt: „Leipzig hat eine lange Tradition als Fußgängerstadt.

Mit der nun vorgelegten Fachplanung sollen diese guten Bedingungen für den Fußverkehr weiter ausgebaut werden, damit Leipzig das gesteckte Ziel erreichen kann, eine besonders fußgängerfreundliche Stadt mit Vorbildcharakter zu werden.“

Die wichtigsten Ziele verknüpfen

Um zu definieren, welche Fußverbindungen für Fußgängerinnen und Fußgänger besonders wichtig und oft genutzt sind, wurden sogenannte Points of Interests (Ort von Interesse) ermittelt und im Stadtplan gewichtet: Dazu zählen Orte wie etwa Schulen, Krankenhäuser, Wohnheime oder Haltestellen.

Zudem wurden auch relevante Flächen wie Parks und Wohngebiete mit in diese Berechnung einbezogen. Die höchsten Werte werden erwartungsgemäß in der Leipziger Innenstadt erreicht. Auch abseits des Zentrums gibt es Räume mit sehr hoher Fußverkehrs-Relevanz wie beispielsweise den Johannisplatz, den Bayerischen Platz oder das Musikviertel. Zudem sind Bedeutungsräume innerhalb der Stadt- und Ortsteile ersichtlich, wie der Coppiplatz, der Stannebeinplatz oder der Ortskern Zweinaundorf.

Bereits mit Beschluss der Fußverkehrsstrategie 2021 wurden Maßnahmenbündel wie das Zebrastreifenprogramm, das Gehwegsanierungs-, das Lückenschluss- oder das Stadtplatzprogramm für den Fußverkehr aufgelegt.

Diese werden im Fachplan evaluiert und fortgeschrieben. Darüber hinaus gibt der FVEP Kriterien vor, anhand derer neue Maßnahmen priorisiert werden sollen.

Dazu zählen neben der erläuterten Relevanz für den Fußverkehr beispielsweise die Unfalllage vor Ort, der bauliche Zustand der Gehwege sowie die Frage, ob es sich um einen Stadtratsbeschluss handelt.

Michael Jana, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamtes, sagt: „Immer mehr Leipzigerinnen und Leipziger sind zu Fuß unterwegs, das ist auch Ausdruck unserer strategischen Förderung. Dies muss jedoch weiterhin gestärkt und gefördert werden – es ist mehr ein Marathon als ein Spaziergang.“

Über 2.000 Bürgerhinweise zu Schwachstellen im Fußverkehrsnetz waren bei der Beteiligung zum FVEP im Sommer 2022 zusammengekommen, größtenteils über ein Online-Tool.

Dabei ging es überwiegend um Schäden an Gehwegen oder fehlende Querungsmöglichkeiten – vom fehlenden Zebrastreifen bis hin zu Spurrillen auf Fußwegen. Der Fußverkehrsentwicklungsplan hilft jetzt, diese Meldungen zu gewichten und die Schwachstellen kontinuierlich abzubauen.

Weitere Informationen findet man unter www.leipzig.de/fussverkehr.

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