Das große Insektensterben und die lange Vorgeschichte von Ignoranz und Lobby-Politik

Für alle LeserDie sogenannte Krefeld-Studie sorgte im vergangenen Jahr für einen regelrechten Aufschrei in den Medien. Über 75 bis 80 Prozent der Insektenmasse ist in den vergangenen 30 Jahren aus Deutschland verschwunden. Seitdem sind Worte wie Insektensterben und Artenschwund in vieler Munde. Immer mehr Menschen begreifen, weil es so anschaulich ist, dass in unseren Landschaften eine stille Katastrophe passiert. Und sie haben begriffen, dass das unsere Existenz infrage stellt. Aber wer kümmert sich denn schon um Insekten?

Andreas H. Segerer tut es. Er ist einer der wenigen festangestellten Schmetterlingsforscher (Lepidoperologen) in der Bundesrepublik, arbeitet an der Zoologischen Staatssammlung München und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Vorkommen von Schmetterlingen in Bayern. Und er kennt noch eine Kindheit mit summenden, surrenden, singenden Wiesen, mit blühenden Obstbäumen, in denen es von Bienen und Hummeln nur so brummte, mit einem Tümpel voller Wasserläufer und auch Mücken. Das war in den 1960er Jahren und das Paradies lag im Grunde gleich hinter seinem Elternhaus in Regensburg.

Davon ist nichts geblieben. Das ganze Gebiet wurde mit Eigenheimen zugebaut. Und wie Eigenheime heute aussehen, weiß jeder. Da gibt es keine blühenden Wiesen, keine summenden Hecken, keine naturnahen Wassertümpel. Der Rasen wird mit der Mähmaschine auf grünes Millimetermaß getrimmt. Die Hecken bestehen aus giftigen Gewächsen, die man anderswo nur auf Friedhöfe pflanzt. Es blüht auch nichts, zumindest nichts Wildes. Und wenn etwas summt, fiept oder quakt, holen die Eigenrasenbesitzer die Chemiekeule raus mit Pestiziden, die in der Landwirtschaft aus guten Gründen inzwischen verboten sind.

Und wer spazieren geht in dem, was wir heute noch Landschaft nennen, läuft meist durch eine gespenstische Stille. Denn das große Sterben hat schon vor Jahrzehnten eingesetzt. Denn es musste gar nicht erst die Krefelder Masse-Studie geben, damit die Insektenforscher in Deutschland merkten, dass etwas Bedrohliches im Gange war. Alle Roten Listen bei deutschen Landesregierungen erzählen davon.

Und bei Segerer kommt hinzu: Er kennt die Forschungspraxis, kann auf über 150 Jahre Schmetterlingswissen in Bayern zurückgreifen, kennt also auch die Belege, welche Schmetterlingsarten in welchen Gebieten im 19. Jahrhundert noch in Bayern gefunden wurden. Er kennt die Biotope. Und er kann auch Karten beisteuern, die zeigen, wie die Populationen zurückgingen und ganze Gebiete verwaisten. Vor allem bei den großen Prachtschmetterlingen, die einen in den 1960er Jahren noch umflatterten, wenn man über eine blühende Wiese ging. Heute umflattert einen da gar nichts mehr und man ist fast glücklich, wenn man noch einen Kohlweißling sieht.

Die Menschen, die heute Eltern und Großeltern sind, sind die letzten, die in ihrer Kindheit noch blühende Landschaften erlebt haben, denn natürlich hängt es mit blühenden Landschaften zusammen.

Segerer nimmt seine Leser systematisch mit in sein Forschungsfeld. Aber genau dieselben Phänomene können zum Beispiel die Leipziger UFZ-Forscher über das Vorkommen wilder Bienen beschreiben. Es betrifft wirklich alle Insekten. Selbst so emsige Tierchen wie die Ameisen. Aber auch Wespen und Mücken. Ihnen wurde systematisch der Lebenstraum entzogen, als in den 1970er Jahren die industrielle Landwirtschaft ihren Siegeszug antrat und die alte, kleinteilig bewirtschaftete Feldflur bereinigt wurde – damals wurden nicht nur im Osten, sondern auch im Westen „störende“ Hecken, Wiesen, Raine und Wäldchen untergepflügt.

Die Felder wurden immer riesiger und Monokulturen eroberten die Landwirtschaft. Und da man immer öfter nur noch Kulturen anbaute, die sicheres Geld versprachen, gab es auch immer weniger Fruchtwechsel. Jahr für Jahr wird das Gleiche angebaut. Und um die Böden überhaupt noch ertragfähig zu halten, wird alles überdüngt. Und weil die Monokulturen besonders anfällig sind für spezialisierte Schädlinge, entstand eine riesige Pestizid-Industrie. Der zähe Streit um das Mehrfach-Insektizid Glyphosat liegt noch gar nicht lange zurück.

Und das Zeug ist ja mittlerweile nicht nur in Flüssen, Seen, Grund- und Trinkwasser nachweisbar oder gar am Ende der Nahrungskette in Backwaren und Bier. Es verbreitet sich auch über die Feldränder hinaus mit dem fatalen Ergebnis, dass selbst in den viel zu klein beschnittenen deutschen Naturschutzgebieten der Artenreichtum zurückgeht.

Warum das so ist, erzählt Segerer so bildhaft, wie man es sich damals gern von seinem Biologielehrer gewünscht hätte. Kommt Biodiversität überhaupt noch vor im Biologieunterricht? Wird es nicht nur angefragt und abgehakt? Denn so, wie deutsche Politiker in den letzten Jahrzehnten argumentiert haben, kann man nur davon ausgehen, dass sie vom Aufeinanderangewiesensein aller Lebewesen keine Ahnung haben. Sie haben sich von der Agrar-Industrie-Lobby vor sich hertreiben lassen.

Mit Betonung auf Industrie, denn die Bauern sind nicht wirklich die Feinde der Biodiversität, auch wenn ihre Verbandssprecher oft genau so agieren. Denn dass in Deutschland noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein Artenreichtum auch an Insekten existierte, hatte auch mit den Bauern zu tun. Wir leben in einer menschgemachten Landschaft. Und die jahrhundertelang dominierende kleinteilige Feldwirtschaft ließ auch hunderte unterschiedlicher Biotope entstehen, in denen sich neue Insektenarten ansiedelten. Natürlich schildert das Segerer hauptsächlich am Beispiel der Schmetterlinge.

Aber mit dem Siegeszug der Agrarindustrie wuchs der Druck auf alle Landwirte enorm, immer mehr immer billiger zu produzieren. Wer überleben wollte, passte sich dem „Diktat des Marktes“ an, vergrößerte die Felder, düngte, sprühte und beseitigte jede Störstelle auf immer größeren Feldern. Es ist kein Zufall, dass der Beginn dieser Art Industrie-Landwirtschaft direkt zusammenfällt mit dem Beginn des Insektensterbens.

Segerer macht am Ende auch eine kleine Liste der Ursachen auf. Auch im Widerstreit mit der Agrar-Lobby, die medial immer wieder Gehör findet und selbst wissenschaftliche Studien mit dem scheinheiligen Argument vom Tisch fegt, es gäbe ja nicht DIE EINE Ursache für das Insektensterben. Gibt es auch nicht. Da haben die Herren Verbandspräsidenten und Konzernsprecher wahrscheinlich vergessen, wie radikal sie die Landwirtschaft seit den 1970er Jahren umgekrempelt haben.

Und zwar nicht nur in Europa. Heute haben alle großen Industriestaaten dieselben Probleme – von den USA bis China. Überall sorgt derselbe Effizienzdruck dafür, dass Landschaften leer geräumt werden und immer gigantischere Mono-Kulturen das Bild bestimmen. Und dass die Insekten, Vögel und Säugetiere verschwinden. Denn alles hängt in der Natur mit allem zusammen. Das Verschwinden der Feldvögel haben die Forscher ja sogar noch früher bemerkt als das Verschwinden der Insekten. Es fiel einfach eher auf. Da viele von ihnen auf Insekten als Nahrung angewiesen sind, fanden sie in dieser Welt einfach keine Nahrung mehr.

Deswegen ist aus Forschersicht ziemlich eindeutig, dass drei Hauptgründe für das Insektensterben verantwortlich sind: a) die intensivierte Landwirtschaft mit ihren gnadenlosen Gesetzen des maximalen Ertrages und b) der Landfraß, der genauso ungehindert weitergeht und vor allem wertvolle Ackerflächen, Wiesen und Biotope verschlingt. An ihrer Stelle entstehen artenarme Wohngebiete, Straßen, Parkplätze, Gewerbe. Und c) das Schrumpfen der übrig gebliebenen Siedlungsinseln, auf denen sich viele Arten nicht mehr selbst erhalten können.

Und damit das ein Bild ergibt, erklärt Segerer auch, wie wichtig eben nicht nur der Schutz winziger Biotop-Inseln ist. Eigentlich auch nichts Neues. Aber es muss wohl erst hundert Mal erzählt werden, bis es auch die zuständigen Politiker begreifen, dass die heutigen Schutzgebiete viel zu klein und zu vereinzelt sind. Es fehlen Verbindungen, die den Tieren und Insekten den Übergang über die riesigen, nahrungslosen Zwischenräume ermöglichen. Es gibt kaum noch Austausch im Genpool, die Populationen werden kleiner und verlieren ihre Widerstandskraft. Und dann verschwinden sie, verstummen die kleinen Restwiesen.

Und das hat alles nichts mit Romantik zu tun. Am Ende seines Teils kommt Segerer auch auf den wirtschaftlich berechenbaren Nutzwert der Insekten zu sprechen. Man kann es bei der Bestäubungsarbeit der Bienen genauso berechnen wie bei der Bodenaufbereitung durch Regenwürmer. Und das sind nur die sofort greifbaren Beiträge. Es geht bei Insekten, die eigentlich sogenannte Schädlinge als Beute bevorzugen, weiter – die in der Regel gleich mitvergiftet werden, wenn man Insektizide über alle Flächen versprüht.

Im Grunde sind wir gerade erst dabei zu lernen, wie komplex die Lebensräume um uns sind und wie sehr wir davon abhängig sind, dass sie intakt bleiben. Denn wenn das Artensterben schon auf so viele Insektenarten übergegriffen hat, wann ist dann der Punkt erreicht, an dem das ganze System kippt, weil Vögel und Kleinsäuger keine Nahrung mehr finden und die Selbstregulation der viel zu kleinen Biotopinseln zusammenbricht?

Segrerer klingt zu Recht besorgt. Weil er auch erlebt hat, wie die Warnungen der Forscher seit Jahrzehnten verhallten, abprallten an Ministern, die lieber die Agrar-Politik der Konzerne verteidigten, als den Ernst der Lage zu begreifen und gegenzusteuern. Was sie gemacht haben war – auf europäischer Ebene genauso wie in Deutschland: Sie haben an Symptomen herumgedoktert, Förderprogramme aufgelegt, die unübersehbar nicht helfen.

Rausgeschmissenes Geld. Alibi-Politik. Und sie haben gerade den Bauern, die wieder auf eine ökologische Landwirtschaft umsteigen wollten, lauter bürokratische Hürden in den Weg gelegt. Von irgendwelchen tiefgreifenden Landesprogrammen zur Wiederherstellung einer intakten Landschaft ganz zu schweigen. Obwohl sie es alle wissen.

Und da kommt dann im zweiten Teil des Buches Eva Rosenkranz ins Spiel, die mit sehr viel Euphorie über all jene Initiativen berichtet, mit denen Bürger, Kommunen und Bauern schon gegensteuern – sei es die Anlage von kilometerlangen Blührändern an sonst monotonen Feldern, sei es die Anlage von Blühwiesen oder die Beendigung des fatalen „Grünflächen“-Denkens in den Städten.

Denn dort hat man ja all die Jahre auf monotone grüne, in kürzesten Abständen immer wieder gemähte Rasen gesetzt. Die Parks sehen genauso trist und langweilig aus wie die Vorgärten der Eigenheimbesitzer. Und natürlich summt da auch nichts, denn die Nahrungsgrundlage der Insekten wird ja genauso wegrasiert wie ihre Brut.

Aber Rosenkranz zeigt eben auch, dass jeder etwas tun kann. Kleingärtner können den Unfug mit dem Golfrasen beenden und wieder unberührte Biotope für Insekten schaffen, selbst Balkonpflanzen kann man insektenfreundlich auswählen und die völlig nutzlosen Pelargonien dezimieren. Man kann ökologische Landwirtschaftsbetriebe unterstützen und im eigenen Wohnort für die Rettung und Vergrößerung von Biotopen kämpfen. Man muss das nicht den oft genug lernunwilligen Verwaltungen überlassen.

Das Alarmzeichen haben 2017 viele gehört. Jetzt ist Zeit zum Handeln. Und wenn es erst einmal im Kleinen ist. Das Buch ist also beides: Eine wissenschaftlich sehr lebendige Einführung in ein wirklich alarmierendes Thema. Und eine Ermunterung an alle, die sich von der Untergangsstimmung der Politiker nicht anstecken lassen wollen und Wege suchen zu handeln. Und wer dann auch noch Tipps braucht, was man im Garten und auf der Wiese alles aussäen kann, damit die Insekten auch noch im Sommer und Herbst Nahrung finden, auch das bietet Eva Rosenkranz.

Andreas H. Segerer; Eva Rosenkranz Das große Insektensterben, oekom Verlag, München 2017, 20 Euro.

RezensionenInsektensterben
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Wie kam es überhaupt zu den verschärften Ausgangsbeschränkungen in Sachsen?
Verlassene Innenstadt. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserSeit dem 23. März gelten in Sachsen verschärfte Ausgangsbeschränkungen, teilweise schärfere als in anderen Bundesländern. Manchmal so unscharf formuliert, dass selbst die Polizei nicht weiß, wo sie nun eine vernünftige Grenze ziehen soll. Die Allgemeinverfügung liest sich für die linke Landtagsabgeordnete Juliane Nagel wie mit heißer Nadel gestrickt. Und so richtig rechtskonform scheint ihr die Sache auch nicht zu sein.
Leipziger Resolution zur Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern und linke Unterstützung für Mission Lifeline
Neues Rathaus in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit 2015 hat es die EU nicht hinbekommen, eine gemeinsame Flüchtlingspolitik auf die Beine zu stellen. Immer „kam irgendwas dazwischen“ – der Brexit z. B., dessen Zirkuspirouetten noch immer nicht zu Ende sind, nun die Corona-Epidemie. Da ging auch völlig unter, dass in Leipzigs Stadtrat seit Dezember darüber debattiert wurde, Minderjährige aus griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Fünf Stadtratsfraktionen haben jetzt die Nase voll und veröffentlichen eine Resolution.
„Ich bin irgendwie so unruhig, Mama“: Gedanken einer Leipziger Mutter
Die geschlossene „Märchenwiese“ im Lene-Voigt-Park im Corona-März 2020 - Zeit für Alpträume? Foto: Luise Schöpflin

Foto: Luise Schöpflin

Für alle Leser„Ich bin so unruhig, Mama...“, sagte mein Sohn beim Zubettgehen, etwas, was er noch nie sagte. Es ist der Freitag der ersten Woche der Corona-Ausgangsbeschränkung. Wir durchleben die „virologische Bedrohung“ meistens im Garten im engsten Kreis der Familie. Was sage ich meinem Sohn, meinen Kindern, zur Beruhigung?
Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich: Was zu Wagner damals in Leipziger Zeitungen stand
Peter Uhrbach: Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser1883 starb Richard Wagner in Venedig. Mit dem Jahr 1883 endete auch die 2018 erschienene Dokumentation von Peter Uhrbach „Richard Wagners Werk in Leipzig“, in der es natürlich nicht um Wagners Werk ging, sondern um dessen Rezeption in Leipziger Zeitungen und Zeitschriften. Denn wie ein Komponist mit seinen Werken bei den Leuten ankommt, das beeinflussen bis heute die Medien. Auch wenn sich die Redakteure oft uneins sind, ob sie nun Hosianna oder „Alles ganz schrecklich“ schreiben sollen.
Freitag, der 27. März 2020: Polizei wegen angeblicher Corona-Verstöße im Dauereinsatz und Wochenendvorbereitungen
„Coronatime“ - Die Zeit spiegelt sich längst auch in den Graffitis in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn Deutschland wird gerade ganz genau beobachtet, wie sich der Nachbar verhält. Galt die Aufmerksamkeit früher dem neuen Auto oder der schicken Frisur, ruhen die Blicke nun auf großen Gruppen und anderen „verdächtigen“ Aktivitäten. Die Polizei hatte 58 Einsätze innerhalb von 24 Stunden – nicht immer lagen tatsächlich Verstöße gegen die Allgemeinverfügung vor. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 27. März 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
In der (Corona-)Krise: Toilettenpapier für mehr persönliche Kontrolle
Prof. Dr. Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig. Foto: Universität Leipzig, SUK

Foto: Universität Leipzig, SUK

Für alle LeserWarum bunkern Menschen in der Corona-Krise Toilettenpapier und Nudeln? Wie kann es gelingen, die sozialen Herausforderungen durch die Ausgangsbeschränkungen zu meistern? Und wie lange kann das alles noch gutgehen? Die L-IZ befragte dazu Prof. Dr. Immo Fritsche. Er ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig.
In der (Corona-)Krise: Kultusminister meldet sich mit Brief: Sächsisches Abitur soll durchgezogen werden
Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle LeserDer sächsische Kultusminister Christian Piwarz will das Abitur 2020 mit allen Mitteln durchziehen. Das teilte er den Abiturienten am Freitag per Brief mit. So sei ein Notabitur eine Lösung, die man den Schülern ersparen will. Stattdessen werden verschiedene Szenarien diskutiert: Auch ein Abitur zum Nachtermin ist möglich.
In Zeiten von Corona: „Die Menschen auf der Straße nicht alleinlassen“
Holger Herzog, Leiter des SZL Suchtzentrum gGmbH und Suchtzentrum Leipzig e. V. Foto: privat

Foto: privat

Für alle LeserDie Corona-Krise setzt momentan vielen zu, zahlreiche Menschen stehen am Rande der Existenz. Was aber passiert in Zeiten von „social distancing“ (soziale Distanz) und Kontaktverboten mit denjenigen, die nicht mal ein Dach über dem Kopf haben? Einige Tagestreffs für obdachlose Menschen in Leipzig, wie die INSEL und die Oase, mussten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ihre Arbeit bereits vorerst einstellen. Der Leipziger Hilfebus ist weiterhin jeden Abend zwischen 18 und 23 Uhr auf den Straßen unterwegs. Holger Herzog, Leiter des SZL Suchtzentrum gGmbH und Suchtzentrum Leipzig e. V., über die Situation.
Corona-Krise: Nachtragshaushalt für Sachsen ist fällig, Schuldenbremse steht zur Disposition
Ohne Nachtragshaushalt geht's in der Corona-Krise nicht. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserLockert Sachsen jetzt in der Corona-Krise die Schuldenbremse? Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Sächsischen Landtag, Franziska Schubert, war am 20. März die Erste, die die Lockerung der Schuldenbremse thematisierte. Denn jetzt, wo ganze Wirtschaftsbereiche stillstehen, ist schnelle und unbürokratische Hilfe gefragt, um massenhaft Insolvenzen zu verhindern. SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Panter nahm am Donnerstagmorgen, 26. März, den Ball auf.
LASuV baut die Auffahrt zur Brücke über die A 14 nun erst 2021
Baumlos: Auffahrt zur Brücke über die A 14. Foto: ADFC Leipzig

Foto: ADFC Leipzig

Für alle LeserAlles ist kahl an der Auffahrt von der Althener Straße zur neu gebauten Brücke über die Autobahn A 14. Das Thema beschäftigte uns am Mittwoch, 25. März. Denn dass hier sämtliche Bäume gefällt wurden, hat ganz unübersehbar nichts mit den Plänen der Stadt zu tun, die Althener Straße zwischen dem Kreisverkehr Engelsdorf und der Einmündung Am Blumengrund grundständig zu erneuern. Die Stadt hat die Bäume auch nicht fällen lassen, teilt das Verkehrs- und Tiefbauamt mit.
ADFC Sachsen fordert provisorische Radwege auf Hauptverkehrsachsen
Bettelampel in der Nähe des Klingerwegs. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Corona-Krise ist eine Zeit der großen Chancen. Doch die meisten Chancen werden gar nicht erkannt, weil das Lamento über die Einschränkungen der alten Bequemlichkeiten größer ist. Auch in Leipzig. Viele Leipziger sind mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen sofort aufs Fahrrad umgestiegen, um auf dem Weg zur Arbeit sich selbst und andere nicht zu gefährden. Und viele waren dabei entsetzt, wie lückenhaft und gefährlich das Leipziger Radwegenetz im ganz normalen Alltag ist. Der ADFC Sachsen mahnt.
Bundesstiftung will auch Leipzig bei der Erforschung der Verkehrswende unterstützen
Verkehrssituation am Johannisplatz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Um die Verkehrswende in Deutschland zu erreichen, muss die Anzahl der Autos verringert und der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut werden. Das setzt viele Kommunen unter Druck, weil sie nicht wissen, wie sie das schaffen sollen“, erklärt Prof. Dr. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Für drei Kommunen sollen deshalb modellhaft Maßnahmenpakete entwickelt werden, die Akteure schulen und beim Erreichen der Ziele unterstützen. Eine davon ist Leipzig.
Kaltes Denken, Warmes Denken: Wie Partnerschaften und Gesellschaften entgleisen, wenn Ängste das Mitgefühl auffressen
Wolfgang Schmidbauer: Kaltes Denken, Warmes Denken. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWolfgang Schmidbauer gehört zu den bekanntesten Psychoanalytikern Deutschlands, also zu jenem Berufsstand, der mit seinen Patienten direkt über all das redet, was sie bedrückt, belastet und verunsichert. Wenn das Leben mental zur Sackgasse wird, dann landet man „auf der Couch“. Rein bildhaft gesprochen. Und eigentlich gehört auch die Bundesrepublik längst auf die Couch. Denn falsches Denken macht auch Gesellschaften krank. Ein psychoanalytischer Blick auf eine verstörte Gesellschaft.
Donnerstag, der 26. März 2020: Polizei möchte sich für „Verwirrungen“ am Cossi entschuldigen
In einer weitgehend leeren Stadt mit Streiffahrten beschäftigt. Die Polizei im Fokus der Öffentlichkeit aufgrund der Kontaktverbote und am Mittwoch mit einer Großaktion am Cossi Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserManche Leipziger/-innen, die gestern am Cospudener See spazieren waren, machten unangenehme Bekanntschaft mit der Polizei, weil sie angeblich außerhalb des erlaubten „Wohnumfeldes“ gewesen wären. Heute entschuldigte sich die Polizei dafür, wie die L-IZ.de gestern als erste berichtete, fußte alles auf einer falschen internen Anweisung. Die Wohnungsgenossenschaften versprechen derweil, dass bei ihnen niemand wegen der Coronakrise die Wohnung verlieren werde. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 26. März 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Sachsen schließt als einziges Bundesland die Wochenmärkte: Warum?
Wurde am Dienstag um 14 Uhr abgebrochen und findet vorerst nicht mehr statt: Der Wochenmarkt in Leipzig auf dem Marktplatz. Foto: Privat

Foto: Privat

Für alle LeserAm Dienstag, 24. März, meldete das Marktamt Leipzig: „Ab sofort keine Wochenmärkte mehr!“ Sachsen preschte in diesem Fall zur Bekämpfung der Corona-Krise allein vor. Und brachte damit auch noch jene Händler und Lieferanten in eine wirtschaftliche Notlage, die bislang noch verschont geblieben waren. Das trifft vor allem die ökologisch wirtschaftenden Bauern, die Anbauprodukte aus der Region auf den Markt bringen. Entsprechendes Unverständnis äußern nicht nur die Bauern.