Der größte Crash aller Zeiten: Warum ein nicht reformiertes Geldsystem in nächster Zukunft scheitern muss

Für alle LeserIm Video ist Marc Friedrich happy: Das neue Buch, das er zusammen mit Matthias Weik geschrieben hat, ist gleich auf Platz 1 der „Spiegel“-Bestseller-Liste gelandet. Die beiden sind Vermögensberater. Und im zweiten Teil des Buches erzählen sie auch, was sie Menschen mit Vermögen jetzt raten, wie sie es irgendwie noch sicher anlegen können. Denn dass das Hazard-Spiel der Finanzpolitik noch lange gutgehen kann, das glauben die beiden jetzt nicht mehr.

In ihren vorhergehenden Büchern hatten sie noch Hoffnung. Sie haben ihre Bücher ja auch immer als Appell an die verantwortlichen Politiker und Notenbanker verstanden, das Ruder herumzureißen und all die falschen Weichenstellungen eines deregulierten Geldmarktes aus den vergangenen 30 Jahren zu korrigieren. Aber es ist nichts passiert. Im Gegenteil: Aus der Finanzkrise von 2008/2009 haben die verantwortlichen Regierungen nichts gelernt. Sie haben auch nichts von dem, was damals zum gefährlichsten Bankencrash der jüngeren Zeit geworden ist, wieder in Ordnung gebracht.

Warum – das können auch Friedrich und Weik nur vermuten. Am nächsten liegt als Vermutung natürlich ganz normale menschliche Feigheit: Politiker wollen wiedergewählt werden, neigen also dazu, Entscheidungen, die öffentlichen Widerspruch auslösen könnten, lieber auszusitzen oder dann in allerlei Arbeitskreisen so lange weichzukochen, bis der Kompromiss niemandem mehr wehtut. Schon gar nicht denen, die in unserer Gesellschaft tatsächlich viel Macht haben. Und das sind nun einmal nicht die Niedriglöhner und Normalverdiener. Die können bestenfalls demonstrieren, Petitionen schreiben oder wütende Kommentare auf Twitter und Facebook verfassen.

Sie haben keinen Zugang zu den wirklich mächtigen Lobbygruppen und Entscheidungsinstanzen. Und sie können auch nicht mit Werksschließungen, Arbeitsplatzabbau oder gar der Firmensitzverlagerung in Steuerparadiese drohen. Im Gegenteil: Sie können weder dem Finanzamt noch der Gebühreneinzugszentrale, nicht den örtlichen Stadtwerken, der Krankenkasse oder dem Jobcenter entkommen.

Haben wir da jetzt GEZ erwähnt? Machen Friedrich und Weik auch, weil der ganze Zirkus um die Zwangsabgabe für den ÖRR genau davon erzählt: von der Selbstherrlichkeit einer hochbezahlten Elite, die meint, ihre Leistungen für den Normalbürger zur Pflicht machen zu müssen, ihn quasi in Schuldhaft zu nehmen. Wenn er nicht zahlt, ist er eben kriminell und landet vor Gericht.

Und natürlich ist das symptomatisch für Deutschland. Der Zank um die Grundrente hat es ja ebenso gezeigt: Wenn es tatsächlich einmal um Menschenwürde und ein menschenwürdiges Leben in Deutschland geht, dann melden sich lauter Leute mit Drohungen und Warnungen zu Wort, die den so kärglich Alimentierten alles Mögliche unterstellen und eine menschenwürdige Mindestrente für einen absoluten Verstoß gegen das Leistungsgebot erklären.

Hm.

Ein Leistungsgebot, das seltsamerweise für Politiker, die in ihrem Amt Milliarden verschwenden, oder für Banken, die vom Steuerzahler mit Milliarden gerettet werden mussten, augenscheinlich nicht gilt. Die beiden Finanzexperten müssen gar nicht groß nachdenken, um reihenweise Vorstandsmitglieder großer deutscher Konzerne aufzuzählen, die mit Millionen-Boni nach Hause gingen, obwohl sie gerade fette Minus-Ergebnisse produziert hatten.

SAG – das unbekannte Gesetz der Enteignung!

Man ahnt so ein wenig, wie die Deutschland AG in Deutschland eigentlich regiert, wie sie ihre Marktmacht dazu nutzt, die Politik dazu zu bringen, Gesetze nach ihrem Gusto zu machen. Das geht ja mit der Beraterindustrie weiter, mit Rüstungs- und Nahrungsmittelkonzernen.

Im Schlussteil des Buches werden die beiden fast bildhaft, wenn sie eine mögliche wirtschaftliche Zukunft für Deutschland aufmalen. Denn die wird anders aussehen als die heute von alten Fossil-Dinosauriern beherrschte Industrie. Sie wird smart sein, sie muss zwingend intelligent sein. Und wahrscheinlich muss auch die Demokratie endlich anders gedacht werden. Denn was in Deutschland seit Jahren für Parteien in die Regierung gewählt wurden, das hat schon lange nichts mehr mit den existenziellen Bedürfnissen und Sorgen von 80 Prozent der Bevölkerung zu tun. Es wird nur noch Politik für die obersten 10 Prozent gemacht.

Und die haben natürlich pure Eigeninteressen – bis hin zur stetigen Mehrung ihres Besitzes. Und sie haben die Macht (siehe oben), diese Interessen auch in der Politik durchzudrücken. Während der Beruf des Politikers für intelligente und selbstbewusste Menschen höchst unattraktiv geworden ist. Nicht nur in Deutschland. Das ist überall auf der Welt zu beobachten.

Weik und Friedrich nehmen da kein Blatt vor den Mund: „Wir haben ein gravierendes Eliteproblem – nicht nur in Deutschland, sondern global. Egal, ob in Wirtschaft, Politik, Rechtsprechung, Religion, Sport, Medien und Showbusiness – überall herrscht eine kleine Elite zumeist älterer Männer. Diese kleine Elite beherrscht nicht nur die Welt, nein, sie plündert sie nach wie vor gnadenlos aus, unterdrückt die Menschen, kreiert unfassbare Finanzblasen und bereichert sich schamlos. (…) Von den jetzigen Eliten dürfen wir weder ein Umdenken noch einen tiefgreifenden Wandel erwarten. Sie werden den Karren komplett gegen die Wand fahren und unseren Lebensraum unwiederbringlich vernichten.“

Harte Worte.

Aber der Blick auf den Umgang mit der bis heute nicht ausgestandenen Finanzkrise bestätigt sie. Die übrigens eine Bankenkrise war, ausgelöst durch eine riesige Blase wilder Wetten, Spekulationen und völlig kranker Kredite, die ausgerechnet schlecht bezahlten US-Amerikanern angedreht worden waren, die beim nächsten wirtschaftlichen Dämpfer garantiert ihre Raten würden nicht mehr zahlen können. Der Dämpfer kam, das Domino kam in Gang …

In einer funktionierenden Wirtschaft wären sämtliche Banken, die bei solchen Spekulationsgeschäften mitgemacht haben und damit die eigene wirtschaftliche Basis zerstört hätten, vom Markt verschwunden. Aber das ist das Seltsame in einer Gesellschaft, in der den kleinen Leuten jeden Tag das Märchen von der Marktwirtschaft erzählt wird: Wenn es um die Reichtümer derer geht, die von Spekulationen mit dem Geld der Menschen profitiert haben, wird auf einmal von „to big to fail“, von „Systemrelevanz“ schwadroniert, man könne so eine Zockerbank nicht pleite gehen lassen, sonst stürze ja das ganze Kartenhaus zusammen. Und regulieren könne man diesen Markt der Spekulanten auch nicht, sonst … Was sonst passiert, wird meist nicht erzählt.

Möglicherweise hätte es tatsächlich einen richtigen Crash gegeben, bei dem reihenweise Geldhäuser vom Markt verschwunden wären, die ihre Portfolios mit faulen (im Bankensprech: „strukturierten“) Papieren gefüllt hatten.

Und dazu gehörten damals schon Milliarden an Staatsanleihen.

Auch das ist ja fast vergessen: Dass es spekulierende griechische Banken waren, die den griechischen Staat erst in richtige Nöte gebracht haben und letztlich zahlungsunfähig gemacht hatten. Auch wenn sich vorher schon eifrig Politiker diverser Parteien beim Schuldenmachen übertrumpft hatten.

Deswegen ist das neue Buch von Weik und Friedrich auch wieder so dick geworden. Man wird ja müde bei all den Skandalgeschichten, die alle miteinander zu tun haben und alle vor allem von einem erzählen: Dem Unwillen und der Unfähigkeit von politischen und wirtschaftlichen Eliten, den Bockmist, den sie angerichtet haben, wieder zu reparieren. Und zu diesen kaputten Konstrukten gehören auch der Euro und die EU in ihrem derzeit völlig handlungsunfähigen Zustand. Dass der Euro von Anfang an grundlegende Baufehler hatte, war allen Beteiligten von Anfang an bekannt – deshalb legten sie ja auch die berühmten Maastricht-Kriterien fest, an die sich aber dummerweise keiner gehalten hat.

Denn eine Gemeinschaftswährung funktioniert nur, wenn die darin vereinten Länder wenigstens einigermaßen ähnliche wirtschaftliche Produktivität haben und Länder, bei denen es nicht so läuft, ihre Währung flexibel abwerten können. Was sogar innerhalb des Dollars in den USA möglich ist, wo es nicht nur die zentrale FED gibt, sondern auch in jedem Bundesstaat eigene Notenbanken.

Doch die Europäer wollten ja noch schlauer sein und haben alle Macht über die gemeinsame Währung bei der EZB abgelagert – mit der Folge, dass dort in den vergangenen Jahren immer wildere „Rettungsaktionen“ gestartet wurden, um die anschwellende Schuldenthematik in der Euro-Zone irgendwie in den Griff zu bekommen.

Nur dass das Problem bei diesen Anleiheankäufen ist: Die Milliarden für die Ankäufe landen wieder nicht bei den Bürgern, sondern – genauso wie bei der „Griechenlandrettung“ – bei den Eigentümern dieser Papiere. Und das sind nun einmal ausgerechnet wieder jene 10 Prozent der Reichen, die schon lange nicht mehr wissen, wo sie ihr Geld überhaupt noch anlegen können. Sie haben nicht nur so viel Geld, dass sich Normalsterbliche gar nicht mehr vorstellen können, wie viel Geld das ist – sie brauchen dafür zwingend irgendwelche Anlagemöglichkeiten. Denn so viel Geld legt man nicht aufs Konto (wo es ja mittlerweile Strafzinsen darauf gibt) oder in den Tresor. Denn beide „Anlage“-Formen – das erklären Weik und Friedrich sehr ausführlich – haben mit „sicher“ oder „das Geld gehört mir“ nichts zu tun.

Im Gegenteil, gerade IWF und EZB haben sich schon ausgiebig Gedanken darüber gemacht, wie man an dieses Geld herankommt. Die Strafzinsen sind nur der erste Schritt. Viel logischer (und historisch betrachtet auch naheliegender) ist eine Währungsreform. So wie sie die Deutschen schon mehrere in ihrer Geschichte erlebt haben – 1923 zum Beispiel und 1948. Und wenn jetzt alle miteinander ehrlich sind, dann haben die Ostdeutschen auch 1990 eine erlebt. Und jedes Mal war der Effekt: Der Großteil der Ersparnisse löste sich in Luft auf. Der Staat bezahlte seine Schulden mit dem Geld der Bürger. 1923 und 1948 waren das übrigens die jeweiligen Kriegsschulden.

Und wer mit Friedrich und Weik ein bisschen darüber nachdenkt, merkt: Dagegen kann er sich nicht wehren. Nicht einmal damit, dass er sein Geld von der Bank abhebt und sich unters Kopfkissen legt. Das hilft zwar, wenn mal so über Nacht alle Konten gesperrt werden und einige der anderen Kriseninstrumente angewendet werden, mit denen Staaten und Banken versuchen, sich vor dem Bankrott zu retten. Aber es hilft nicht gegen die Einführung einer neuen Währung oder wenn der Euro crasht, ohne dass sich die beteiligten Regierungen bemüßigt fühlten, vorzusorgen.

Und er wird crashen. Da sind sich Weik und Friedrich sicher. Denn wo es Deutschland noch halbwegs gutgeht (und im Detail zeigen die beiden dann, dass es Deutschland überhaupt nicht gutgeht), kommen gerade Staaten wie Griechenland, Italien, Portugal, aber auch Frankreich seit 2008 einfach nicht aus der Krise heraus. Ihre Staatsschulden sind nicht geschmolzen, dafür ist die Wirtschaftsleistung sogar zurückgegangen.

Und das trotz Null-Zins-Politik. Der Markt ist mit billigem Geld geradezu geschwemmt. Doch die, die dieses Geld „besitzen“, gaben es nicht mehr für konsumtive oder gar produktive Zwecke aus. Und die, die es dringend ausgeben müssten, haben es nicht. Was übrigens zum deutschen Krankheitsbild gehört. Denn die „Schwarze Null“ ist ein Trugschluss, sie kaschiert, dass Deutschland seit 30 Jahren zu wenig in den Erhalt der Infrastruktur investiert – in marode Straßen, Brücken, Gleise, Schulen …

Und das nach Jahren der guten Konjunktur und fetter Exportüberschüsse, die übrigens nichts mit deutschem Erfindergeist oder besonders fitten Unternehmen zu tun haben, wie Weik und Friedrich bissig feststellen. Denn Exportüberschüsse sind in Wirklichkeit keine Überschüsse, sondern nur ein Zeichen dafür, dass der Euro für Deutschland völlig unterbewertet ist und andere Länder (gerade die europäischen Südstaaten) ihre Produkte in Deutschland nicht mehr loswerden, weil die überteuert sind.

Wobei man aufpassen muss: Weik und Friedrich beschäftigen sich so eingehend mit dem ganzen Themenkomplex, dass das Buch seine Leser auch überfordern kann. Denn die Euro-Dauerkrise ist ja nur ein Teil des Gesamtbildes. Andere Länder auf anderen Kontinenten wirtschaften meist genauso wild drauflos, getrieben von ihren eigenen Banken, die natürlich ihr Monopol (und die herrlichen Möglichkeiten des Gelddruckens) nicht verlieren wollen. Das ganze Geldsystem basiert auf Vertrauen. Nichts anderem. So lange die Menschen bereit sind, den Geldschein in der Hand als Versprechen zu akzeptieren, dafür Waren im aufgedruckten Wert kaufen zu können, so lange funktioniert das Ganze einigermaßen.

Jetzt Schulden machen? – bitte nicht!

Die großen Crashs (so wie 1929 und 2008) beginnen damit, dass Banken beginnen, die Geldscheine anderer Banken (oder deren Versprechen, dass die Geldscheine vorhanden sind) nicht mehr ernst zu nehmen. Dann beginnt das große Domino. Das auch schon beginnen kann, wenn eine der vielen Dauerkrisen, die wir beobachten, tatsächlich zum heißen Konflikt wird – ein Krieg zwischen dem Iran und den USA zum Beispiel, eine neue Flüchtlingskrise, der Europa noch hilfloser gegenübersteht als der letzten, eine Bankenpleitewelle in einem der europäischen Krisenstaaten …

Das Hauptproblem, das Weik und Friedrich sehen, ist: Es ist niemand in Sicht, der derzeit auch nur mit dem Gedanken spielt, den Euro „in Ordnung zu bringen“, das System klug zu reparieren. Im Gegenteil: Was mit der neuen EZB-Präsidentin aus ihrer Sicht droht, ist ein Weiterso und Noch-mehr-davon: noch mehr billiges Geld, noch mehr Anleiheaufkäufe und vor allem – Negativzinsen. „Der Euro wird nicht freiwillig von der Politik ad acta gelegt werden, sondern sein Ende durch äußere Umstände finden.“

Es sind übrigens diese Negativzinsen, die den klassischen Banken die Geschäftsmodelle zerschießen. Nur so als Randbemerkung.

Und dasselbe Dilemma gilt im Grunde für die EU. Während unsere deutschen Leitmedien seit Jahren ihr Lästerlied über den britischen Brexit singen, halten die beiden Autoren den Brexit für eine logische Reaktion auf eine hochgradig verbürokratisierte EU, in der die versammelten Staatsregierungen nicht einmal in der größten Krise einen gemeinsamen Nenner finden. Und dazu gehören nicht nur die Flüchtlingskrise oder die Euro-Krise. Dazu gehören auch die Klimakrise, die hohe (Jugend-)Arbeitslosigkeit in den meisten Ländern und – nicht zu vergessen – die Legitimationskrise der alten „Volksparteien“, die nicht nur in Deutschland keine attraktiven Politikangebote mehr für die Zukunft machen können.

Die nicht einmal solche eigentlich simplen Dinge wie den Ausbau des Schienennetzes oder des schnellen Internets auf die Reihe bekommen. Und gleichzeitig ist Deutschland zum Auswanderungsland geworden. Was den meisten Menschen gar nicht klar ist: All die ningeligen, kleinlichen und schäbigen Kontroll- und Effizienzmaßnahmen in Universitäten, Forschung, Gesundheitswesen, Gerichten, bei Polizei und Armee haben nur eine Branche reich gemacht: die Wirtschaftsprüfer und -berater. Sie haben sich beim „Verschlanken“ all dieser Institutionen goldene Nasen, Türklinken und SUVs verdient.

Aber sie haben den größten Braindrain ausgelöst, den Deutschland seit der NS-Zeit erlebt hat: gut ausgebildete Ingenieure, IT-Experten, Lehrer, Forscher, Ärzte und Manager wandern ab, haben die Nase voll vom Gegängeltwerden, von kleinkarierten Fall-Pauschalen, befristeten Beschäftigungen und einer Politik für immer dieselben alten fossilen Industrien, die jede Innovation massiv erschwert, wenn nicht gar bürokratisch verhindert.

Was alles natürlich genau diese Stimmung bedingt, die wir heute in Deutschland erleben: eine flächendeckende Verachtung für die regierenden Parteien und ihr unübersehbar völlig überfordertes Personal – verbunden mit einem grimmigen Unmut, der sich in den täglichen sozialen Beziehungen der Menschen austobt und die Stimmung immer verbissener und feindseliger werden lässt.

Welcher Auslöser am Ende den Crash ins Rollen bringt, wissen auch Marc Friedrich und Matthias Weik nicht. Es könnte auch die mit all dem billigen und ratlos gewordenen Geld ausgelöste Immobilienblase sein, die irgendwann platzt. Denn dass in deutschen Großstädten die Bau-, Grundstücks- und Immobilienpreise derart explodieren, hat genau mit diesem Geld zu tun, das sich mittlerweile auf alles stürzt, was noch irgendwie nach einer Wertanlage aussieht – Häuser, Grundstücke, selbst landwirtschaftliche Flächen, Wälder, Aktien und Staatsanleihen ohne Wertzuwachs.

Hauptsache, das Zeug hat nach dem nächsten Crash noch einen Wert. Während das Geld auf dem Konto mit höchster Wahrscheinlichkeit verschwunden sein wird. Denn – auch das erzählen die beiden immer wieder: Das Geld auf dem Konto gehört dem Kontoinhaber nicht. Es gehört der Bank (die damit in der Regel allerlei Kreditgeschäfte gegenfinanziert). Der Staat kann hier jederzeit zugreifen, Strafzinsen draufdrücken oder gleich mal eine Strafabgabe draufsetzen, quasi eine Steuer für alle, um die wildesten Staatsschulden loszuwerden.

Entziehen können sich dem nur Menschen, die genug Geld besitzen, um es in Wertanlagen zu stecken, auf die der Staat keinen oder nur schweren Zugriff hat. Das taucht dann im Beratungsteil auf, der natürlich auch davon erzählt, dass normale Ostdeutsche damit eigentlich nicht gemeint sind. Denn das Geld muss man erst einmal haben, um sich mit ausreichend Gold, Diamanten, Bitcoins, Whisky und (noch bezahlbaren) Immobilien einzudecken.

Wobei die beiden unterschwellig auch jenen Tipps geben, die das alles nicht können, weil sie eh nur gerade so über die Runden kommen. Kann man sich als Habenichts auf den kommenden Crash vorbereiten? In gewisser Weise schon. Denn die beste Vorbereitung ist eigentlich, eine möglichst gute Bildung, die einem auch in der nächsten Krise erlaubt, einen Neuanfang zu starten, verbunden mit einer guten Gesundheit (deswegen empfehlen die beiden wirklich eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und eine aktive Gesundheitsvorsorge) und – das ist dann wohl das Nützlichste: ein paar wichtige handwerkliche Fertigkeiten, mit denen man sich auch ohne Geld über Wasser halten kann.

Man kann es zwar als irgendwie genial begreifen, wie es den Notenbankern gelungen ist, mit ihrer Flutung der Märkte mit billigem Geld die Krise von 2008 zu strecken und dabei zu verhindern, dass es gleich zum Crash kam. Aber mittlerweile sind die Summen, um die es geht, um ein Vielfaches höher als 2008. Billionen von Euro, Dollar, Yen und Yuan, die keinen realen Gegenwert mehr in der Wirklichkeit oder gar der Wirtschaftskraft der Länder haben. Die Fallhöhe ist also viel größer als 2008.

2008 retteten die Notenbanken mit ihrer Geldflut den Laden und vertagten damit den Crash. Aber jetzt gilt die Frage, so Weik und Friedrich: „Wer rettet die Notenbanken?“

Marc Friedrich; Matthias Weik Der größte Crash aller Zeiten, Eichborn Verlag, Köln 2019, 20 Euro.

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