In Buxtehude ist noch Platz: Michael Schweßingers tieftraurige Reisenotizen von den Rändern Europas

Für alle LeserMan kann auch anders reisen. Darüber schreibt Michael Schweßinger schon seit Jahren. Die Leipziger kennen ihn noch als emsigen Stadtteil-Ethnologen aus dem Leipziger Westen, wo er mit der Edition PaperOne auch einen kleinen Independent-Verlag mitbegründete. Aber der in Franken geborene Bäcker ist kein Mensch, der es wirklich lange an einem Ort aushält. Und ausgerechnet Buxtehude ist nun ganz und gar kein Ort, den er tatsächlich besuchen wollte.
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Mutmaßlich gehört Buxtehude wohl eher in die Kategorie Bielefeld und der Reisende darf berechtigterweise bezweifeln, ob es den Ort überhaupt gibt oder ob dort die Wildschweine gewaschen werden. Wenn man das weiß, entschlüsselt sich auch das borstige Titelbild.

Tatsächlich geht es in der Geschichte eher um einen Bäckerjob in Hamburg, nur dass Schweßinger hier augenscheinlich auf einen Lokalbesitzer traf, der so richtig die deutsche Verachtung für „zu teure“ Arbeitskräfte auslebt. Was ihn in seiner Überzeugung bestärkte, dass Deutschland wohl eher kein Land mehr ist, in dem die Herzen noch offen, die Menschen unternehmungslustig und das Leben als Künstler finanzierbar ist. Selbst dann nicht, wenn man sich als Bäcker verdingt.

Wobei: Wo findet man in Deutschland noch eine Anstellung als Bäcker? Die privaten Bäckermeister verschwinden in aller Stille. Und damit eine reiche Brotkultur, die sich durch Placebos nicht ersetzen lässt, die aber augenscheinlich außerhalb Deutschlands – von Finnland bis Spanien – noch einen guten Ruf genießt.

Schweßingers Bücher sind Bücher über Verluste. Das begann schon in Leipzig, als er merkte, wie hier die Spielräume für mutige, experimentierfreudige Menschen mit der fortschreitenden Gentrifizierung immer enger wurden. Mit „In darkest Leipzig“ schrieb er eigentlich schon den Abgesang auf diese Welt, die von Investoren und Sanierern gründlich ausgekehrt wird – Straßenzug um Straßenzug. Manchmal ist die versiffte Kneipe an der Ecke oder der Kiosk am Parkplatz der letzte Ort, an dem man noch die Außenseiter und an den Rand Gedrängten finden kann.

Aber das Problem ist größer als die Gentrifizierung in Leipzig. Man sieht es nur nicht, weil ein ganzer Kontinent wie besessen ist vom Aufstieg, vom Goldenen Kalb und vom Geschäftemachen. Die Menschen sind fixiert auf einen Glanz, der sich erst beim genaueren Hinschauen als Verwüstung erweist. Als Fiktion, die für viele Menschen und Regionen nicht aufgeht.

Nicht für Irland, wo Michael Scheßinger die mutigen Käufer eines alten Pubs trifft, die aber von den reisenden Massen gar nichts haben, die nur noch wie irre zur berühmten Star-Wars-Kulisse fahren. Dieselben Touristenfluten auf La Gomera, wo Schweßinger einen kleinen Bäckereiinhaber überzeugt, sich nicht mit einer riesigen Investition zu vergrößern und dann 20 Jahre lang nur noch Schulden abzuarbeiten.

Er liebt die beschaulichen Cafés und Straßen in Spanien oder Griechenland, wo man einfach mal das Nichts genießen kann, einen zeitlosen Ort, der nicht Anteil hat am wilden Wachstum, mit dem ein falscher Traum von Erfolg und Reichtum den Kontinent plagt. Ein Traum, der jedenfalls für all die nicht aufgeht, die die Kaltschnäuzigkeit nicht haben, auf verwüstetem Grund und auf Kosten anderer ihren Reibach zu machen.

Mit der Art, mit der Schweßinger durch die Welt reist, kommt er mit diesen Bewohnern einer wurzellosen Konsumwelt kaum in Kontakt. Er nutzt die billigen Transportmittel, mit denen auch die Billigarbeitskräfte durch Europa reisen, ohne die die Wohlstandsgesellschaften in Deutschland und anderswo schon lange nicht mehr funktionieren würden.

Manchmal wird er durchaus philosophisch. Aber andere zu belehren, wie irre diese Art des Wirtschaftens ist, hat er aufgegeben. Für nette Pointen war er eh nie zu haben, eher für sarkastische Sprüche, mit denen er die Leute abserviert, die ihn am Biertisch mit ihrem modischen Hipster-Gequatsche nerven.

Man kann diese ganzen Motivationssprüche tatsächlich nicht mehr hören, weil sie sich in ihrer Verlogenheit längst entlarvt haben. Denn wer mit diesen Marketingsprüchen den Weg nach oben schafft, weiß, dass er über Leichen geht. Oder zumindest über die Hoffnungen und Träume anderer Menschen, die er mit arroganter Selbstbeweihräucherung lächerlich macht.

Der ganze Kontinent ist längst auseinandergedriftet, zeigt dem überbezahlten Mittelklassemenschen die blanke Konsumseite, versteckt aber die schäbige Arbeitswelt der Menschen, die den Laden wirklich am Laufen halten, mit liberalem Gedöns vor ihnen. Und Schweßinger trifft alle diese Arbeitsamen, die ihre Träume versuchen quasi aus dem Nichts zu schaffen – den griechischen Bäcker, den tapferen Bäcker in Lettland, den Arbeitslosen in Finnland (der gern eine deutsche Bäckerei gründen würde), die Träumer in Irland und die erfolgreichen Elchzüchter in Schweden. Einige Orte in Deutschland blitzen ebenfalls auf. Doch Buxtehude ist dabei nicht der einzige, mit dem Schweßinger nichts mehr anfangen kann.

Die meisten seiner Geschichten handeln in Rumänen, in das er mit einer gewissen Euphorie aufbrach, weil dieses Land noch irgendwie hoffnungsvoll aussah – so von weitem, auf dem Sprung in dieses heutige Europa, voller junger Leute, die den Laden auf Vordermann bringen wollten. Die Hoffnung verband sich vor allem mit dem Wahlsieg von Klaus Johannis im Jahr 2014, mit dem gerade junge Rumänen ein Ende der ewigen Korruption im Land verbanden. Doch auch dieser Traum zerstob.

Die jungen Leute in Bukarest haben sich abgewandt von einer Politik, die mit ihnen nichts mehr zu tun hat. Die auch das Land nicht weiterbringt, auch wenn die Hauptstadt Bukarest so eine Art Schmelztiegel der Europäisierung ist, die eher eine Konsumierung ist: Lifestyle regiert, die Braut macht sich schön.

Aber wer kann, packt seine Koffer und sucht sich eine (auch noch so schlecht) bezahlte Arbeit in Italien oder Deutschland. Nach Jahren der zunehmenden Ernüchterung sieht Schweßinger auch hier die Folgen eines kaputten Systems, das seinen Wohlstand auf den Knochen mies bezahlter Arbeitskräfte aufbaut.

Geradezu wie ein Kommentar zur Corona-Gegenwart liest sich die Geschichte „Nur ein verfickter Konjunktiv“, in der der Leser erfährt, wie das Abwerben rumänischer Krankenschwestern für deutsche Krankenhäuser auf das Gesundheitssystem in Rumänien wirkt. Auf einmal wird ein völlig verkorkster europäischer Arbeitsmarkt sichtbar, auf dem die armen Länder ausbluten, weil sich die reichen Länder auch noch die billigen Arbeitskräfte sichern.

Und in der nächsten Geschichte „No man’s land“ wird die Ausplünderung der großen Naturparks thematisiert. Hier das Disneyland für Touristen (Irland und La Gomera lassen grüßen) und gleich daneben die für Billigmöbel plattgemachten Urwälder.

Man versteht immer mehr, wie tief der Frust sitzt und dass einer wie Schweßinger mittlerweile Vorbilder wie Bukowski, Salinger oder Kerouac nicht mehr zitieren mag und auch Typen, die sie immer wieder zitieren, nicht mehr verknusen kann. Irgendwann wird diese literarische Abgebrühtheit einfach nur noch zur Attitüde, der langhaarige Hippie zum Schauspieler, die Haltung irrelevant, weil sie nichts ändert.

Nichts am Verschwinden der lebendigen Orte und Stadtviertel, in denen man auch ohne Mittelklassegehalt abends mal ausgehen und Leute treffen kann, die mehr als nur ein Thema auf der Platte haben. Nichts am Verstummen einst reicher Kulturlandschaften, weil jeder, der kann, hier wegzieht und da arbeitet, wo die überladenen Überlandbusse hinfahren oder die Klapperkisten die Route inzwischen kennen.

Und Schweßinger redet mit den Leuten, die er trifft, meist froh, wenn sie ein leidlich gutes Englisch sprechen, die lingua franca des heutigen „On the road“-Europas. Die Waldarbeiter, die er im Rodna-Gebirge trifft, schaut er nicht mit deutscher Verachtung an. Denn von ihnen erfährt er ja, warum sie gar nicht anders können, denn die (Konzern-)Politik wird anderswo gemacht – gern auch mit Fördermilliarden von der EU.

„Die Welt ist nur einfach, wenn man sie nur von einer Seite betrachtet. Auch hinter ihnen stehen Frauen und Kinder, steht die Sorge um das tägliche Überleben. Für sie ist es eine der wenigen Möglichkeiten, in dieser industriearmen Region Arbeit zu finden. Die Jüngeren hingegen arbeiten im Ausland, vorzugsweise in Italien, und viele der teuren Schlitten, die ihre abendlichen Runden um die Marktplätze der Provinzstädte drehen, tragen italienische Nummernschilder.“

So verlieren Orte, Regionen und Länder ihre Seele, bluten regelrecht aus, weil sich die Reichen in Europa nehmen, was sie für ihr Geld bekommen können. Und die anderen müssen spuren, nehmen all die Lockangebote an, für billig zu arbeiten. Denn sie haben keine Wahl. Selbst in Leipzig vergisst man ja gern, dass es da unten im Südosten noch eine Nummer schärfer zugeht und in den Ländern im Osten noch mehr Verbitterung herrscht, weil die Landstriche dort noch leerer geworden sind. Und zuweilen hat man mit Schweßinger durchaus das Gefühl, dass er diese süd-ost-west-europäische Verzweiflung teilt, diese Machtlosigkeit dessen, der immer wieder zu spüren bekommt, dass seine Arbeit nicht geachtet wird, der aber auch nicht mit der prall gefüllten Börse gegenhalten kann. Und will.

Und schon gar nicht mit der Bereitschaft, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Lieber lebt er mit kaum Geld auf dem Konto, übernachtet in provisorischen Unterkünften, die ihm seine Gastgeber besorgen, hilft anderen, ihren Laden in Gang zu bekommen und stürzt sich an freien Tagen in die Bars und Spelunken, wo man für kleines Geld noch ein richtiges Bier bekommt, also keins dieser flockig vermarkteten Craft Beers, die für ihn zum Schickimicki-Tand einer Mode gehören, die nicht seine ist. Die die jungen Leute in Bukarest vielleicht noch nachahmen, um wenigstens das Gefühl zu haben, dazuzugehören.

Ein Kontinent, der sich selbst eine große Show vorspielt, während selbst in Deutschland die Innenstädte veröden, die Bäckereien, Hutmacher und kleinen Kneipen schließen, während überall dieselben Konzerne ihre Marktmacht ausspielen, ihre Verkaufskartons hinsetzen und die Menschen daran gewöhnen, überall nach denselben Mustern zu leben.

In gewisser Weise ist Schweßingers Buch auch eine Reise zu verschwindenden Orten, denn kaum irgendwo hat er das Gefühl, dass das noch lange gutgehen kann. Die kulturellen Eigenheiten sind noch zu spüren, längst durchsetzt mit einer gewissen Verbitterung und der Ahnung, wie vergänglich alles geworden ist.

Jeder Ort wird auch gleich noch mit den geografischen Koordinaten versehen und ist dann im hinteren Teil des Buchs auf einer Karte zu finden. Und kurz vorm Zuklappen des Buches erfährt man noch, dass der Autor mittlerweile in Norwegen gelandet ist, wo sich die Sache augenscheinlich zum ersten Mal etwas anders anlässt. Vielleicht gibt es ja doch noch Alternativen zu dem alternativlosen Weg, den Europa seit Jahren geht.

Und wer genau hineinliest in Schweßingers Geschichten, der merkt, dass die ganze Unkollegialität nicht erst mit Corona oder den Flüchtlingen von 2015 begann, sondern vorher schon überall zu spüren war. Ein Kontinent, auf dem Menschen immerfort das Gefühl haben müssen, selbst nur Billigware zu sein, hat nicht viel Potenz zu Solidarität. Da regieren die Egoismen, die Gier und das Marketingsprech, das den Gläubigen so schön vernebelt, dass gerade alles verkauft und verramscht wird, was ihnen gehört. Von den einst bewohnbaren Städten bis zu den einst naturbelassenen Urwäldern.

Man versteht Schweßingers Pessimismus nur zu gut. Genauso wie seine leicht ironische Verzweiflung über das Verschwinden einer entsetzlich schönen Welt.

Michael Schweßinger In Buxtehude ist noch Platz, Edition Outbird, Gera 2020, 12,90 Euro.

„Robinsonaden vom 40. Breitengrad“: Schweßingers Staumeldung aus der Belaunungsmaschine

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