4.4 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Zurückgestellt, an Förderschulen geschickt oder mit Integrationsbedarf eingeschult

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Nicht alle Zahlen zur sozialen Lage der Familien mit Kindern in Leipzig hat Dr. Dietmar Pellmann in Nr. 1 seiner "Grünauer Schriften" untergebracht. Nr. 1 beschäftigte sich mit den Leipziger Kindertagesstätten. Aber in der Regel verändert sich der soziale Hintergrund der Kinder ja nicht, wenn sie ins Schulalter kommen. Das Drama bleibt erhalten.

    „Bildungschancen an Leipziger Schulen“ heißt die zweite Broschüre, die die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Cornelia Falken, und der Leipziger Fraktionsvorsitzende der Linken, Sören Pellmann, am Donnerstag, 20. August vorstellten. Natürlich mit Verweis auf den langjährigen Landtagsabgeordneten der Linken, Dr. Dietmar Pellmann, der in Grünau an seinem Schreibtisch sitzt und weiter fleißig Zahlen zur sozialen Lage der Sachsen und der Leipziger zusammenträgt.

    Und zumindest in Sachsen wird Leipzig den Titel „Armutshauptstadt“ nicht los. Auch wenn sich die Lage seit dem sanften Wirtschaftsaufschwung seit 2010 etwas entspannt hat. 2007 lebten tatsächlich 36,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren in Leipzig in „Hartz VI“-Bedarfsgemeinschaften. In Dresden waren es damals 24,7 Prozent, was leicht unterm sächsischen Durchschnitt lag. Die weit ausgreifende Armut in Sachsen hing seinerzeit eben nicht nur mit der Arbeitslosigkeit  zusammen, sondern auch mit der Verwandlung Sachsens in ein Niedriglohnland. Das hat sich bis 2012 nur in Teilen geändert. Für dieses Jahr gibt Pellmanns Broschüre 27,9 Prozent der Leipziger Kinder und Jugendlichen in Bedarfsgemeinschaften an.

    Insgesamt 17.483 Kinder und Jugendliche waren das. Eine Zahl, die nachdenklich stimmt und Folgen hat. Denn spätestens in den Einschulungsuntersuchungen zeigt sich, ob das Kind den nötigen Entwicklungsstand erreicht hat, um auch in die Schule gehen zu können. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es drei Möglichkeiten.

    Drei mögliche Wege bei Nichterfüllen der Voraussetzungen

    Der erste ist die Zurückstellung: Das Kind geht noch ein Jahr in den Kindergarten. Die Zahlen hat Cornelia Falken gerade erst abgefragt bei der sächsischen Staatsregierung. Sie zeigen, dass sich Leipzig da gar nicht so sehr unterscheidet von anderen Kommunen. Seit Jahr und Tag werden in Sachsen jedes Jahr über 2.000 schulpflichtige Kinder um ein Jahr zurückgestellt. So waren es im Schuljahr 2014/2015 allein in Leipzig 339, ein neuer Spitzenwert nach 282 im Vorjahr, während Dresden in den Vorjahren deutlich mehr Kinder zurückstellen ließ als Leipzig.

    Der zweite Weg, den Kinder in Sachsen oft genug gehen müssen, wenn sie die nötigen Voraussetzungen für eine Einschulung in die Grundschule nicht haben, ist die sofortige Einschulung in eine Förderschule. „Ein Unding“, sagt Cornelia Falken. Denn damit ist für diese Kinder ein desaströser Schulabschluss regelrecht vorgezeichnet.

    Aber auch das ist keine Leipziger Spezialität. Sachsenweit überstieg 2014 die Zahl der Kinder, die sofort an einer Förderschule eingeschult wurden, erstmals die 1.300. Leipzig hat mit 188 Kindern, die auf eine Förderschule eingeschult wurden, im Grunde das Niveau der Vorjahre nur leicht überschritten. In Dresden waren es sogar 229 Kinder. Da unterscheiden sich Dresden und Leipzig nicht wirklich vom sächsischen Grundrauschen. Sie haben zwar insgesamt deutlich mehr Förderschüler – aber das hat vor allem auch mit ihrer Rolle als Zentrum für besondere förderpädagogische Angebote zu tun.

    Beim dritten Weg aber wird es spannend, denn hier geht es – wie in den Kindertagesstätten – wieder um Betreuungspersonal: Kinder mit besonderem Förderbedarf, die eben nicht in die Förderschule abgeschoben werden müssen, kommen als integrierte Schüler in die Grundschulen. Deren Zahl steigt in Leipzig seit Jahren. 2011 waren es 537, ein Jahr später schon 632 und 2013 dann 678. Und die Hauptprobleme, mit denen sie sich herumschlagen müssen, sind sprachliche und emotional-soziale. Beides sind Themenfelder, die eigentlich zusätzliches Lehrpersonal in den Leipziger Grundschulen notwendig machen müssten.

    Für das Jahr 2014 hat Cornelia Falken schon 756 Integrationsschüler in Leipziger Grundschulen erfragt. Das sind rund drei Mal so viel wie in Dresden, wo es 246 Integrationsschüler gab. Und da wird es brisant. Denn weder bekommt Leipzig deshalb mehr Grundschullehrer, um für diese Kinder tatsächlich eine besondere Integration zu gewährleisten, noch werden die Klassenstärken dem erhöhten Integrationsbedarf angepasst. Sowohl in Dresden wie in Leipzig liegen die Klassenstärken in den Grundschulen leicht über dem sächsischen Durchschnitt.

    Weichen für Misserfolg gestellt

    Für Cornelia Falken sind hier die wesentlichen Weichen für den Misserfolg vieler Kinder in Leipzigs Schulen gelegt. Denn wenn diese aufgrund ihrer Handicaps die wichtigsten Lerngrundlagen in  der Grundschule nicht mitbekommen, dann haben sie auf der Mittelschule, die in Sachsen seit ein paar Jahren Oberschule heißt, keine Chancen, die Bildungsziele zu erreichen.

    „Die Grundschule schafft es einfach nicht, bei diesen Kindern die Grundlagen zu legen, damit sie später im Lernstoff überhaupt noch mitkommen“, sagt die Abgeordnete.

    Und dabei gilt nicht jede Auffälligkeit in der Schulaufnahmeuntersuchung als Grund für Integrationsbedarf.

    Dazu kommen wir im nächsten Teil der Serie.

    Dr. Dietmar Pellmann „Grünauer Schriften Nr. 2. Bildungschancen an Leipziger Schulen“, Leipzig 2015. Die Broschüre ist im Wahlkreisbüro von Dr. Cornelia Falken und Sören Pellmann in der Stuttgarter Allee 16 in Grünau erhältlich.

    Die Anfrage von Cornelia Falken zu den Schuleingangsuntersuchungen in Sachsen.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige