Weitere Stolpersteine erinnern an jüdische und kommunistische NS-Opfer

Die Messestadt erhält an diesem Freitag neun weitere Erinnerungsorte. Neun Leipzigern, die der NS-Statt ermordete, wird der Kölner Bildhauer Gunter Demnig vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort einen Stolperstein setzen. So wird Menschen aus der Mitte unserer Stadt gedacht, wie an finstere Stunden unserer Geschichte erinnert. Damit werden sich in Leipzig künftig 159 Stolpersteine an 81 Orten befinden.
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Zu den Verlegungen der Stolpersteine laden die beteiligten Vereine alle Leipziger im Namen der Stadt ein, teilt Tobais Hollitzer vom Archiv Bürgerbewegung mit. Neben dem Archiv engagieren sich der Bürgerverein Waldstraßenviertel, der Dr. Margarete Blank e.V. als Träger der Gedenkstätte für ehemalige ZwangsarbeiterInnen, das Haus Steinstraße und das Bürgerkomitee Leipzig e.V. auf diesem Gebiet der Erinnerungsarbeit. Die musikalische Begleitung wird André Bauer am Saxophon übernehmen.

Der erste Stein wird am Freitag, um 09:30 Uhr, in der Lilienstraße 17 im Leipziger Osten verlegt. Er ist Arnold Muscatblatt gewidmet. Arnold Muscatblatt war einer der jüdischen Männer, die im Zuge der Pogromnacht am 10. November 1938 verhaftet wurde. Muscatblatt wurde in das KZ Buchenwald bei Weimar verschleppt. Dort kam er bereits am 23. November 1938 ums Leben.
Drei Erinnerungsmale werden ab 10:15 Uhr in der Nikolaistraße 31 im Stadtzentrum für Golda, Abraham und Jakob Landsberg gesetzt. In dem Haus wohnte die sechsköpfige jüdische Familie Landsberg bis zum 28. Oktober 1938. Dann folgte die zwangsweise Ausweisung der Familie nach Polen, gleichsam in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Von der Abschiebung im Rahmen der sogenannten „Polen-Aktion“ waren alle in Deutschland lebenden Juden betroffen, die über einen polnischen Pass verfügten. Drei Kinder überlebten die Shoah, teils durch erfolgreiche Flucht. Die Eltern Abraham und Golda Landsberg und ihr 19-jähriger Sohn Jakob starben durch Zwangsarbeit und den Massenmord in Auschwitz.

Auch der Stolperstein, der ab 11 Uhr in der Humboldtstraße 27 (ehemals Nr. 29) verelgt wird, erinnert an ein Opfer der „Polen-Aktion“. Er ist Lea Chaja Meinhardt gewidmet. Eine letzte Erwähnung von Lea Meinhardt findet sich aus dem Ghetto Krakau, über ihr weiteres Schicksal sei nichts bekannt, teilen die Veranstalter mit.
Bis zum 19. September 1942 lebte das Ehepaar Paula und Eugen Hammel in der heutigen Georg-Schumann-Straße 78. Dann wurden sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb Eugen Hammel kurz nach seiner Ankunft. Paula Hammels Todesfahrt nach Auschwitz ist auf den 9. Oktober 1944 datiert. Die Stolpersteine für das Ehepaar Hammel werden ab 11:45 Uhr verlegt.

Der Kommunist Erich Köhn wurde bereits 1934 wegen politischer Widerstandsaktionen verhaftet. Auf Zuchthaushaft in Zwickau und Waldheim folgte 1938 die Verschleppung in das KZ Buchenwald. Hier kam er Neujahr 1944 zu Tode. Ab 12:45 Uhr wird ihm vor seinem ehemaligen Wohnhaus in der heutigen Georg-Schwarz-Straße 176 ein Stolperstein gesetzt.

Mit Arthur Hoffmann wird abschließend ab 13:45 Uhr eines Mitgliedes der Schumann-Engert-Kresse-Gruppe aus dem kommunistischen Widerstand gedacht. Trotz mehrfacher Freiheitsstrafen setze Arthur Hoffmann sein politisches Engagement unter dem Dach des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ fort. Der erneuten Verhaftung im Juli 1944 folgte am 12. Januar 1945 in Dresden die Hinrichtung. Der Stoplerstein wird seinen Platz in der Arthur-Hoffmann-Straße 150 finden.

www.stolpersteine-leipzig.de


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