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f/stop Festival: Wir betrachten uns nicht als Inhaber irgendeiner Meinungshoheit

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    Vom 23. Juni bis zum 1. Juli gibt es in Leipzig wieder Fotokunst - das 5. f/stop-Festival lädt zum Betrachten. Und damit schon im Vorfeld einige Fragen beantwortet sind, traf Volly Tanner die beiden künstlerischen Leiter des Festivals Christin Krause und Thilo Scheffler zum Interview.

    Hallo Christin und Thilo. Am 23. Juni beginnt das f/stop Festival. Im letzten Jahr gab’s ganz schön Wirbel hinter den Kulissen. Nun seid Ihr neu aufgestellt und offensiv. Was hat sich geändert – im Rückblick zu den schon begangenen Festivals aus Eurer Sicht?

    Unser Ziel ist es, f/stop nachhaltig als Plattform zur Präsentation und Diskussion fotografischer Positionen der Gegenwart zu etablieren. Um dies zu erreichen haben wir verschiedene Akteure – Künstler, Kuratoren und Wissenschaftler – eingeladen, auf das diesjährige Leitthema zu reagieren. In diesem Jahr sind dies der Fotobuchspezialist Sebastian Arthur Hau, das Künstlerduo Korpys/Löffler, sowie die Professorinnen Elisabeth Neudörfl von der Folkwang Universität der Künste in Essen, Heidi Specker von der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und Hito Steyerl von der Universität der Künste in Berlin.

    Darüber hinaus haben wir Vera Lauf und Judith Kästner eingeladen, ein Symposium zu konzipieren, das sich mit den Fragen des Festivals auseinandersetzt. Wir bringen also verschieden Perspektiven zusammen um die Frage nach der visuellen Beschreibung von Welt zu diskutieren. Uns geht es weniger darum, eine Überblicksschau zur zeitgenössischen Fotografie zu machen, sondern darum nach den Möglichkeiten zu fragen, die fotografische Bilder im Hinblick auf gesellschaftsrelevante Themen bieten.

    Ihr beiden seid die „künstlerischen Leiter“. Beim WGT war das mal der Begriff für eine Art Ehrenposten. Das ist jedoch bei den f/stop’ern anders, denke ich mal. Was sind genau Eure Aufgaben und Verantwortlichkeiten?

    Solcherlei Begrifflichkeiten sind immer nicht ganz einfach. Auf jeden Fall empfinden wir die Arbeit nicht als Ehrenposten. Wir haben vor gut zehn Monaten damit angefangen zu überlegen, wie man das Festival weiter entwickeln kann. Haben dann eine Struktur gefunden und versucht, verschiedene Leute davon zu überzeugen. So ist man die meiste Zeit mit organisatorischen Aufgaben beschäftigt. Dabei findet man leider mitunter zu wenig Zeit, sich der inhaltlichen Arbeit zu widmen. Das ist im Übrigen auch ein Grund für die Entscheidung, das Festival in Zukunft nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Es braucht Zeit ein Festival von diesem Umfang sorgfältig vorzubereiten.

    Gibt es besondere Höhepunkte beim diesjährigen Festival?
    Wir freuen uns sehr, dass viele der ausstellenden Künstler am Eröffnungswochenende da sein werden und im Luru Kino über ihre Arbeiten sprechen werden, so z.B. Maryam Jafri, Oliver Chanarin, Armin Linke und das Künstlerduo Korpys/Löffler. Am 30. Juni findet das Symposium „Jenseits des Faktischen: Wahrheit erzeugen“ statt. Auch das ist für uns ein Höhepunkt. Dazwischen wird es viele kleine Höhepunkte geben, wie z. B. die Filmabende im Luru Kino mit Thomas Tode, Luc-Carolin Ziemann und Annegret Richter. Auch in den Ausstellungen gibt es Höhepunkte. Armin Linke und Fabian Bechtle z.B. haben im Museum für jugoslawische Geschichte in Belgrad ein Archiv reaktiviert, das etwa 16.000 Bilder enthält und die gesamte Regierungszeit von Josip Broz Tito umfasst. Die Künstler präsentieren während des Festivals erste Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit diesem Archiv. Auch Sven Johne hat für f/stop eine Arbeit entwickelt.

    Was qualifiziert Euch genau, nicht nur solch ein Festival auszurichten, sondern ganz besonders auch die Meinungshoheit über: „Was ist Fotokunst und was nicht?“ zu übernehmen? Solch ein Festival schafft ja auch Werte, geistige Einstellungen und Vorstellungen von Gut und Richtig.?

    Wir betrachten uns nicht als Inhaber irgendeiner Meinungshoheit und darum geht es auch nicht. Wie gesagt, die Ausstellungen wurden von ganz unterschiedlichen Akteuren konzipiert, die sich dem Festivalthema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, mit unterschiedlichen Interessen und Herangehensweisen genähert haben. Wir schaffen also nur Angebote. Wie man als Besucher damit umgeht, soll und kann nur jedem Einzelnen überlassen bleiben.

    Euer Katalog kommt dies Jahr bei Lubok heraus. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

    Es war uns ein Anliegen mit einem Leipziger Verlag zusammenzuarbeiten. Leipzig kann im Bereich der Buchkunst auf eine lange Tradition zurückblicken, die von einigen kleinen Verlagen erfolgreich fortgeführt wird. Dazu gehört auch der Lubok Verlag, der wunderbare Bücher veröffentlicht. Der Neuanfang von f/stop sollte auch von einem besonderen Katalog begleitet werden, ein Katalog, der nicht nur der Dokumentation des Festivals dient, sondern auch unabhängig von den neun Festivaltagen Bestand hat. Wir haben den Katalog sowie im Übrigen auch alle anderen Kommunikationsmittel des Festivals mit vier in Berlin lebenden Grafikerinnen gemacht, ehemaligen Studentinnen von Günter Karl Bose: Gabriele Altevers, Karla Detlefsen, Katharina Fiedler und Maria Magdalena Köhn. Aber zurück zu ihrer Frage, die besondere Zuwendung, die das Medium Buch im Lubok Verlag erfährt, war ausschlaggebend für unseren Wunsch mit dem Lubok Verlag zusammenzuarbeiten und das ist einfach ein Umfeld, in dem wir uns gern sehen und etablieren wollen.

    Was darf der interessierte Mensch in den nächsten Tagen auf keinen Fall bei Euch verpassen?

    Die vier f/stop Ausstellungen, die Ausstellungen der f/stop Satelliten und f/stop Komplizen, die Künstlergespräche, Podiumsdiskussionen, Buchpräsentationen, Filmvorführungen und das Symposium. Wir verkaufen Festivaltickets, die für die gesamte Laufzeit gültig sind, so dass man nichts verpassen muss.

    Wie finanziert Ihr Eure – ja ganzjährige – Arbeit eigentlich genau?

    Dank der großzügigen Unterstützung öffentlicher und privater Förderer. In diesem Jahr konnten wir unter anderem die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Stadt Leipzig für f/stop gewinnen. Hinter dem Festival steht jedoch viel ehrenamtliches Engagement. Zahlreiche Helfer unterstützen uns zur Zeit beim Aufbau der Ausstellungen, ab Freitag dann werden sie das Publikum in den Ausstellungen begrüßen. Ohne diese Helfer könnte das Festival nicht stattfinden, das ist ganz wichtig zu sagen. Um ihre Arbeit 2014 auch entlohnen zu können, müssen wir in den kommenden Jahren um die Festigung und Erweiterung des Festivalbudgets kämpfen.

    Wir wünschen Euch Erfolg. Danke fürs Gespräch!

    www.f-stop-leipzig.de

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