Ausstellungseröffnung am 7. September

In der Gnadenkirche Wahren sind ab Freitag „BodenSchätze“ aus sieben Jahrtausenden zu sehen

Für alle LeserDass sich die Bauarbeiten an der Schule am Opferweg um ein Jahr verzögerten, hat auch damit zu tun, dass den sächsischen Archäologen hier nach Abriss einiger älterer Gebäude die Gelegenheit gegeben werden musste, den historischen Untergrund zu untersuchen. Immerhin wusste man vorher schon, dass man hier einen der ältesten Siedlungsplätze in Leipzig hat. Deswegen heißt ja der Opferweg auch so: Er führte einst zu einer alten slawischen Opferstätte. Aber mit der Ausstellung in der Gnadenkirche geht es jetzt noch tiefer in die Geschichte.

„BodenSchätze“ aus sieben Jahrtausenden sind ab Freitag, 7. September, in der Gnadenkirche Wahren am Opferweg zu sehen. Die Ausstellung ist eine gemeinsame Präsentation des Fördervereins Gemeindeaufbau der Gnadenkirche und des Landesamts für Archäologie Sachsen (LfA).

Von April 2016 bis Juni 2017 wurde in drei einmonatigen Grabungsphasen das Gelände rund um die ehemalige 58. Oberschule durch das LfA archäologisch erschlossen. Zahlreiche Funde aus der Jungsteinzeit (Stichbandkeramik von 4900 bis 4500 v. Chr.) sowie aus der spätrömischen Kaiserzeit und aus dem Spätmittelalter belegen die ständige Besiedlung dieses Areals.

Als spätrömische Kaiserzeit wird in der Regel die lange Krisenzeit des Römischen Reiches vom Machtantritt des Kaisers Diokletian im Jahr 284 bis zum Einfall der Langobarden in Italien im Jahr 568 bezeichnet. Manchmal nennt man die Epoche auch Spätantike, die sich – aus germanischer Sicht – mit der Völkerwanderung überschneidet, die um 375 mit dem Einfall der Hunnen begann. Den Hunneneinfall sehen Historiker für einen wesentlichen Auslöser dafür an, dass gleich mehrere germanische Stammesverbände aus Nord- und Osteuropa aufbrachen und letztlich das Römische Reich ins Wanken brachten.

Das Vakuum in den verlassenen Siedlungsplätzen füllten dann die Slawen, die von Osten einwanderten. Eben jene Slawen, deren Opferstätte auf dem Hochufer der Weißen Elster dann im 10. oder 11. Jahrhundert von der christlichen Kirche überbaut wurde – ein klassischer Fall  der christlichen Aneignung und Überbauung ursprünglich „heidnischer“ Opferplätze. 1004 wurde dann „Warin“ erstmals urkundlich erwähnt.

Logisch, dass sich die Landesarchäologen auf die einmalige Gelegenheit freuten, auf dem alten Siedlungshügel einmal intensiver graben zu können.

Die Gnadenkirche in Wahren. Foto: Ralf Julke

Die Gnadenkirche in Wahren. Foto: Ralf Julke

Das Ergebnis: Neben zahlreichen Keramikfunden aus den verschiedenen Siedlungsepochen werden auch Münzen und kleinere Schmuck- und Gebrauchsgegenstände wie Ringe, Anhänger sowie Fingerhüte und Pfeifendeckel in der Ausstellung gezeigt. Mehrere Schautafeln und Fotodokumentationen zeigen Grabungsergebnisse am Fundort, unter anderem einen Keramikbrennofen, Tierbestattungen und ein doppeltes Grabenwerk mit Wällen aus dem 13. bis 14. Jahrhundert. Da gehörte der „Burgberg“ den durchaus einflussreichen Herren von Warin.

Viele weitere Details aus Wahrens Geschichte erwarten die Besucher der Ausstellung.

Der Förderverein Gemeindeaufbau Wahren und das Landesamt für Archäologie Sachsen laden herzlich zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 7. September, um 19:30 Uhr in die Gnadenkirche ein. Grabungsleiterin Yvonne Heine wird in einem Gespräch zu Beginn des Abends über die Grabung berichten und die ausgestellten Exponate vorstellen. Die musikalische Gestaltung der Ausstellungseröffnung übernimmt Kantor Daniel Vogt aus Möckern.

Bei einem Glas Wein oder Saft haben Gäste die Möglichkeit, die Ausstellungsstücke näher zu betrachten und mit anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Die Ausstellung ist bis Ende Oktober jeweils sonnabends von 14:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, danach, bis zum Jahresende, nur noch nach telefonischer Absprache in der Gemeindeverwaltung (Tel. 0341/4611850) sowie vor und nach Gottesdiensten oder Veranstaltungen.

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Wahren
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